Test: Reverend Guitars Flatrock, E-Gitarre

25. Juni 2019

Viel Rock 'n' Roll mit der Reverend Flatrock!

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre

Mit der Reverend Guitars Flatrock erreicht unsere Redaktion eine E-Gitarre, die Fans von Vintage-Designs sicher gefallen dürfte. Ihre Form, die Farbe und die verbaute Hardware sehen schwer nach 70er Jahre aus und einige Teile, wie etwa die Chromblende der Regler und des Schalters, könnten ja glatt von der Fender Tele stammen. Dazu kommt ein Hals aus geröstetem Ahorn – dieser Trend scheint wohl nicht mehr aufzuhalten zu sein und durchflutet mittlerweile alle Produktionsstätten der Hersteller von Ost nach West. Schauen wir im folgenden Artikel doch mal, ob und wie der Mix aus traditionellen Formen und modernen Komponenten bei der Reverend Guitars Flatrock funktioniert!

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre: Facts & Features

Etwas von der Telecaster und der Jazzmaster hier, vielleicht ein wenig Gibson dort und dann vielleicht noch irgendetwas dazwischen – mir persönlich gefiel das Vintage-Design auf Anhieb! Unser Testinstrument trägt das grasgrüne Metallic-Finish „Emerald Green“ auf seinem organisch geformten Korpus aus Korina, erhältlich ist das Instrument zudem in „Rock Orange“ und „Powder Yellow“, alle zum gleichen Preis von knapp 900,- Euro. Der günstige Preis dieser E-Gitarre lässt darauf schließen, dass diese Instrumente nicht aus amerikanischer, sondern aus fernöstlicher Produktion stammen. Richtig, die Reverend Guitars Flatrock wird von Korea aus in alle Welt verschifft, was man ihr aber weder auf den ersten, noch auf den genaueren Blick ansieht. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hochwertig, so besticht die Lackierung durch ihre intensive Farbe mit groben Metallicflocken in der Klarlackschicht, dazu strahlen die ToM-Bridge, das Tailpiece und die Blende der Elektronik in ihrem Chrom um die Wette.

Als Kontrast dazu erscheint das Tortoise-Pickguard, das gut ein Drittel der Decke besetzt und den hinteren Pickup zum Teil, den vorderen aber komplett umschließt. Abgerundet wird dieses nette Bild von einem cremeweißen Binding, das die Ränder der Decke umschließt. Oh, nicht zu vergessen sei der Regler im oberen Cutaway, doch zur Elektronik dieser E-Gitarre und zu der Bedeutung dieses Reglers im Speziellen kommen wir etwas später noch genauer.

Auf der Rückseite finden wir zwar kein Binding, dafür aber die Erkenntnis, dass der Hals mit sechs fetten Schrauben im Korpus verankert wurde. Inklusive einer Metallplatte natürlich, in die das Symbol von Reverend Guitars eingraviert wurde. Auch an den Spielkomfort dieser E-Gitarre wurde gedacht, im oberen Teil der Rückseite finden wir auch hier wieder die berühmte und beliebte „Bierbauchfräsung“, die das Instrument förmlich an den Körper des Spielers anschmiegen lässt.

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre Backside

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre Rückseite

Reverend Guitars Flatrock – der Hals

Es nimmt einfach kein Ende … Nach Music Man, Charvel, Ibanez, Jackson und sogar Cort als Vertreter des Low-Budget-Segements haben auch bei Reverend Guitars nun wärmebehandelte Hölzer ihren Einzug gehalten. Der Ahornhals der Reverend Guitars Flatrock besteht aus einem Stück, hier wurde ein attraktiv gemasertes Stück Holz aus dem Vollen gefräst, inklusive Griffbrett. Und dann natürlich wärmebehandelt im Ofen, mit ca. 150 Grad. Herausgekommen ist dabei eine karamellbraune Oberfläche, die nicht nur gut aussieht, sondern uns auch einen besseren Ton und eine höhere Stabilität versprechen soll. Wie und ob dieses Verfahren Einfluss auf die Tonentfaltung einer E-Gitarre nimmt, darüber lässt sich streiten und in den Foren des Netzes wird darüber auch fleißig diskutiert. Ich wäre ja mal auf eure Meinung gespannt: Marketing-Gag oder Tatsachen? Die Kommentarfunktion steht rund um die Uhr offen!

Absolut modern präsentieren sich Halsprofil und Griffbrettradius: Die Vintage-Optik der Gitarre mag vielleicht etwas darüber hinwegtäuschen, aber selbst Spieler moderner Techniken werden sich mit diesem eher zierlichen Profil schnell zurechtfinden. Hinzu kommt die nur satinierte Halsrückseite, die der Greifhand ein absolut natürliches Spielgefühl vermittelt. Auch wenn es mal sehr feucht beim Gig zugehen sollte.

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre – Hardware

Kommen wir aber zu echten Tatsachen bei der weiteren Betrachtung der Gitarre zurück und das betrifft die hervorragend gelungene Bundierung ohne spürbare Kanten und Ecken sowie den sauber eingesetzten Sattel, der aus „Boneite“ besteht. Ein Kunststoff, der haltbarer als echter Knochen ist und zudem eine gute Schmierung aufweist, um Stimmproblemen vorzubeugen. Er führt die Saiten zu den sechs Klemmmechaniken und damit auch alle Saiten wirklich ihren Weg finden, werden die drei oberen Drähte von einem String Tree zu ihrem Platz geführt. Klemmmechaniken wären ja eigentlich gar nicht nötig gewesen bei einer E-Gitarre mit einer festen Brücke. Hier geht man aber wohl ganz auf Nummer sicher, ähnlich wie es bei dem sechsfach verschraubten Hals der Fall ist.

Am anderen Ende der Drähte sitzt eine Tune-o-Matic Brücke und das dazu gehörige Tailpiece, ich erwähnte es bereits am Anfang des Artikels. Auch diese beiden Teile bieten keinen Anlass zur Kritik, die Verchromung wirkt sehr hochwertig und dürfte den zu erwartenden Widrigkeiten, hier primär aggressiver Handschweiß bzw. Feuchtigkeit in jeglicher Form, lange trotzen.

Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre Kopfplatte

Reverend Guitars Flatrock Kopfplatte

Reverend Guitars Flatrock – Elektrik & Pickups

Die zwei Humbucker mit der Bezeichnung „Revtron Bridge“ bzw. „Revtron Neck“ stammen aus eigener Produktion und wurden direkt in die Decke eingesetzt. Sie unterscheiden sich nur geringfügig in ihrer Bauart, beide besitzen Alnico 5 Magnete, das Modell an der Brücke hat jedoch einen etwas größeren Widerstand aufzuweisen. Geschaltet wird mittels eines robusten Dreiwegeschalters in guter alter Tele Manier, je ein weich laufendes Poti für Lautstärke und Ton komplettieren die Bauteile auf der verchromten Metallplatte. Bliebe da noch der Regler im oberen Cutaway übrig, der einen entscheidenden Einfluss auf den Sound der Pickups nimmt. Es ist eine Art passives Filter, mit dem das Bassfundament straffer gestaltet oder aber der Klang der beiden Revtron-Pickups in Richtung Singlecoil-Sound gebogen werden kann. So verspricht es zumindest der Hersteller, in der Praxis zeigt sich diese Funktion zwar nicht als universelle Wunderwaffe, sie kann zusammen mit einem guten Verstärker aber trotzdem interessante Ergebnisse ermöglichen und die vermisste Singlecoil-Option ein Stück weit ausgleichen.

Zudem hat Reverend der Elektronik eine Treble-Bleed-Schaltung spendiert, somit sind keine dramatischen Verluste in Sachen Dynamik und Klangbild zu erwarten, sollte man das Volume-Poti herunterregeln. Wichtig für die Musiker, die gerne und oft mit ihrem Amp kommunizieren!

Reverend Guitars Flatrock – Praxis-Check!

Alles nur schöner Schein oder steckt hinter dem bisher verblüffend guten Auftreten der Reverend Guitars Flatrock E-Gitarre tatsächlich ein solides Fundament? Um es auf den Punkt zu bringen: Ja, das tut es! Schon im unverstärkten Zustand erwartet uns ein bissiger und drahtiger Grundsound mit einem knackigen Attack und guten Sustain-Werten. Positiv bemerkbar macht sich neben der angenehmen Bespielbarkeit des flachen Halsprofils auch die Werkseinstellung, mit der unser Testinstrument ausgeliefert wurde, in diesem Zustand könnte man die Reverend Guitars Flatrock ohne Wenn und Aber direkt mit auf die Bühne nehmen. Hinzu kommen ein angenehm niedriges Gewicht sowie eine gute Balance, sodass man die Flatrock sowohl im Schoß als auch am Gurt hängend nach ein paar Spielminuten schon fast gar nicht mehr bemerkt.

Ergonomie sehr gut, Bespielbarkeit ebenfalls mehr als zufriedenstellend, was macht der Sound bzw. was steuern die Pickups zum Gesamtbild bei? Nun, auch hier kann man nicht viel Negatives, aber eine Menge Positives berichten. Sicherlich ist das passive Lowpass-Filter kein Ersatz für eine vollwertige Singlecoil-Schaltung, dennoch aber sind in Kombination mit dem Treble Bleed eine Menge interessanter und brauchbarer Sounds drin. Humbucker Standard-Power ohnehin, vorne und hinten drücken beide Revtron Pickups schon recht ordentlich, dazu gibt es aber eine ganze Menge Facetten dazwischen, die man ausloten und für sich verwenden kann. Kurz und knapp: eine E-Gitarre mit einem Sound für alle Arten des Rock ’n‘ Roll, wenn es eben nicht allzu oft unverzerrt sein soll.

Die Klangbeispiele wurden mit meinem Referenz-Amp Orange Micro Dark, der angeschlossenen 1×12″ Celestion V30 Box und einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio aufgezeichnet.

Fazit

Eine ganz feine E-Gitarre bietet uns Reverend Guitars mit der Flatrock! Das Instrument ist für diese Preisklasse außergewöhnlich hochwertig verarbeitet, es glänzt und glitzert nahezu an allen Ecken und Enden. Dazu kommt der sehr gut bespielbare Roasted Maple Neck und zwei Pickups, mit denen man in allen Arten des Rock ’n‘ Roll so richtig Dampf machen kann. Die Geschmäcker dürften sich lediglich bei der Optik in zwei Lager teilen, bei allem anderen aber wirkt die Flatrock absolut überzeugend für ein Instrument dieser Preisklasse. Daumen hoch!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • außergewöhnliche Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Hein Bloed  

    Super schöne Gitarre – bis auf den Hals und seine Befestigung.
    Mit dem Erhitzen von Holz ist das so eine Sache, bei 150 Grad kommt man bereits in den Bereich, wo die Cellulose (also die 3 S-Schichten der Zellen) verhornt und spröde werden kann. Problematisch ist auch das Freisetzen von Essigsäuren bei manchen Hölzern während der Erhitzung, diese wirken als Katalysator für diesen Prozeß. Bei manchen Thermohölzern (Parkett) kann man den sauren PH-Wert sogar riechen, das Zeug stinkt.
    Essigsäure ist auch unschön bezüglich der Hardware (Bundstäbe).
    Andere Inhaltsstoffe (Fette, Öle, Terpene, Phenole) dürften im gennanten Temperaturbereich ebenfalls degradieren. Mittlerweile werden auch Gitarren aus Kiefern/Pine gebaut – Phenole schmelzen bereits bei etwas über 40 Grad und sie sind giftig.
    Der Holzinhaltsstoff Lignin zersetzt sich erst bei höheren Temperaturen, allerdings beginnt er sich schon vorher einen neuen Platz in der Struktur zu suchen, zum Beispiel in der zweiten S-Layer der Zellen.
    Nach der Erhitzung muss das (ausgetrocknete) Holz auch wieder auf zimmertaugliche Holzfeuchten konditioniert werden.
    Um genauere Aussagen zur Sinnhaftigkeit der Behandlung zu machen, müsste man Testreihen mit behandelten und unbehandelten Hälsen machen und zum Beispiel E-Modul und Quellen/Schwinden prüfen. Die Mühe haben sich die Hersteller aber vermutlich nicht gemacht.
    Ich finde diese Neuerung völlig überflüssig, das Gleiche gilt für die unnützen 2 zusätzlichen Schrauben, mit denen faktisch der Hals zweimal zu oft gebohrt wurde. Ibanez hat eine fünfseitige Verschraubung im Programm, die sind dort aber intelligent verteilt.

    P.S: ich bin gerade am Ende meines Studiums in Holztechnik.

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