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Test: Roland TD-07 KV, E-Drums

30. April 2021

Einsteiger-Set mit altbekannten Problemen

roland td 07 kv test e-drums

Roland TD-07 KV, E-Drums

Anfang der 2000er Jahre wurde ich von meiner damaligen Band gebeten, doch mal über ein elektrisches Schlagzeug nachzudenken. Ich war den Jungs einfach zu laut. Ok, vermutlich hatten sie recht.

E-Drums haben mich schon immer fasziniert: Bruford bei der Band YES an sechseckigen Simmons Pads! Ich fand’s cool. Akustische Monster-Drumsets der 80er, erweitert durch stylisch angebrachte Pads. Eric Carr von Kiss zum Beispiel oder die deutsche Band Pink Cream 69. Das hatte was, das war neu.

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Als Zwölfjähriger saß ich bei den Proben mit der Schulband dann an meinem ersten E-Drum-Set, ein Hybrid – da es keine Becken-Samples gab, waren diese zu dieser Zeit noch nicht elektronisch. Die Snare war ein Roland PD20 und die Kick ein PD10 (ja, diese dreieckigen Dinger). Toms spielte ich über das damals brandneue Octapad. Die Sounds kamen (wenn ich mich recht erinnere) aus einem Roland R8 (via MIDI mit dem Octapad verbunden, wo wiederum Kick und Snare angeschlossen waren).

Das Interesse für E-Drums wurde also früh geweckt. So musste man mich nicht lange überzeugen, das auch bei späteren Bands auszuprobieren. In der nachfolgenden Zeit testete ich viele Module: Da war ein Dynacord Add Two Drum Sampler, ein Roland TD 6, dann kamen Trigger-Module aus Schweden – ein DDrumAT oder später ein DDrum 4SE, beides klasse Teile. Ein D4 von Alesis, ein Roland TD10. Irgendwann hatte ich auch mal ein Roland TD7 in Gebrauch. Um das DDrumAT zu erweitern, da ich auch Beckensounds elektronisch spielen wollte, das Modul das aber nicht hergab, nahm ich die Cymbals vom TD7. Besonders überzeugend war das Ergebnis zunächst nicht, aber erkenntnisreich. Die Sounds waren einfach nicht durchsetzungsfähig und klangen unnatürlich. Heute, fast 30 Jahre nach dem Release des TD7, steht ein brandneues TD07 bei mir zum Test bereit. Schauen wir, was sich getan hat.

Test - Roland TD07 ganzes Set

Alles da wo es hingehört

Wo man damals noch auf brettharte Gummi-Pads (sowohl bei Snare und Toms wie auch bei den sogenannten „Becken“) klopfte, finden sich beim neuen TD-07 Kit sehr angenehm zu spielende Mesh-Pads (Pads mit Gewebefellen). Aber das ist – Gott sei dank- nicht der einzige Unterschied.

Grundsätzlich wurde die Hardware vom TD-1 übernommen. Ob das neue TD-07 nun der Nachfolger des TD-1 sein soll, ist von meiner Seite aus nicht zu beantworten, allerdings zeigen sich sehr viele Parallelen. Leider sind einige grundlegende Probleme geblieben, aber dazu später.

Das Rack und die Tom-Pads sind unverändert. Die Becken-Pads wurden etwas größer dimensioniert, auf jeweils 8″ bei Crash und Ride, (5″ bei der HiHat ist gleich geblieben). Statt des FD-7 HiHat-Pedals gibt’s nun das einfache, aber funktionelle FD-1. Das Kickpad ist nicht mehr am Rack aufgehängt und erscheint in Form eines recht massiven KD-10.

Test - Roland TD07 Set Aufgebaut

Fertig aufgebaut – Roland TD07KV – leider kein Kick-Pedal enthalten

Der Aufbau erfolgt, ganz wie von Roland Produkten zu erwarten ist, intuitiv einfach. Eine Aufbauanleitung liegt ebenfalls bei, was beim ersten Anlauf auch wirklich helfen kann. Schnell ist eine Klemme mal falsch herum montiert, was einen zwingen kann, mehrere Arbeitsschritte rückwärts durchlaufen zu müssen. Ein Blick in die Anleitung und man kann sich Ärger ersparen.

Grundsätzlich gilt: Wenn das Rack einmal steht, geht der Rest schnell. Die Pads sind flott angebracht und die Verkabelung ist dank klarer Beschriftung kein Problem.

Wie lässt sich das Roland TD-07 einsetzen?

Einschalten und los grooven, mit dem TD-07 kein Problem. Die Mix-Grundeinstellung sagt mir zu. Ich mag es, wenn die Kick gleich druckvoll kommt. Insgesamt wirkt alles ausgewogen. Einige meiner Schüler spielten anschließend, was zu einem völlig anderen Ergebnis führte (Kick zu laut im Verhältnis). Natürlich lässt sich alles individuell einstellen, aber der erste Eindruck prägt ja oft nicht unerheblich die Meinung.

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Nach kurzer Spielzeit taucht es auf, das altbekannte Problem: Die Tom-Pads sacken zuerst ab, dann die Snare. Man spielt, justiert nach, spielt, justiert nach. Nach drei, vier Ansätzen dreht man die Klemmen so fest wir nur irgendwie möglich zu – bis die Pads nach einiger Zeit wieder auf „halb acht“ hängen.

roland td 07 test e-drums

Im Unterricht habe ich seit zwei Jahren ein TD-1 in Gebrauch. Ein gutes Set für diesen Zweck. Aber ständig rutschen die Pads ab. Das passiert vor allem bei Rimshots. Ein nerviges Problem, sehr schade, dass hier nichts verbessert wurde. Ich hatte diese Problematik bereits im Test des Roland TD-1 vor zwei Jahren erwähnt und empfohlen, mit simplen Memory-Clamps Abhilfe zu schaffen. Doch beim TD-07 nun das gleiche Problem. Liebes Roland Team: Hier bitte nachbessern!

Bedienung des E-Drumsets

Widmen wir uns den Funktionen. Die Oberfläche des neuen Moduls sieht aufgeräumt aus und meine erste Frage stellt sich: Wozu dient die große Taste, auf der ein Drumkit dargestellt ist? Drückt man diese, passiert nämlich – nichts. Ok, sie holt einen zurück, wenn man in anderen Menüs steckt, soweit so klar. Es handelt sich also um eine Art „Zentrale“. Das Display ist recht klein, wodurch sich durch Ermanglung an Darstellungsmöglichkeiten eine Vielzahl an Untermenüs ergibt. Hier kann man sich durchaus „verirren“.

Test - Roland TD07 Modul

Das Modul – in übersichtlicher Position angebracht

Auf der Rückseite stehen ein „Mix-In“ (3,5 mm), der Ausgang (leider gemeinsam Output/Phones) in 3,5 mm Klinke und der USB-Anschluss zur Verfügung. Das Modul ist klein und leicht und wird praktischerweise auf das linke äußere Rack-Bein gesteckt, wo es gut zu erreichen ist.

Test - Roland TD07 Rückseite Modul

die rückseitigen Anschlüsse

Beim Erkunden der Oberfläche des Moduls fällt der Bluetooth-Taster auf. Es lassen sich sowohl Audio- als auch MIDI-Daten übertragen, was ich klasse finde. Man kann also MIDI-Drums aufnehmen, während man zum Playalong spielt. Also, theoretisch zumindest…sofern man Recording und Playalong auf zwei unterschiedlichen Geräten betreibt, funktioniert das. Die Latenz der Software bzw. App, die man nutzt, hängt dabei stark vom Gerät ab. In meinem Fall habe ich ein iPhone XR mit GarageBand benutzt. Die Latenz ist noch etwas zu groß, um es als Monitor zu nutzen und leider nicht einstellbar. Abhören sollte man beim Spielen also besser den Output des Roland Moduls, damit die Sache wirklich funktioniert.

Neben der Bluetooth-Taste gelangt man ins Setup-Menü, das alle nötigen Zugriffsmöglichkeiten enthält, um Pad-Typen, Sensibilität, Übersprechungen (hier Threshold), oder Cross-Stick richtig einzustellen.

roland td 07 test e-drums

Des Weiteren findet man hier die HiHat-Adjustments und Trigger-Einstellungen. Fünf Trigger Preset-Kurven stehen zur Auswahl, so lässt sich das Kit gut auf die eigene Spielgewohnheit einstellen. Hier sind auch alle MIDI- und USB-Parameter zu erreichen. Der Earplug-Modus funktioniert ähnlich einem Limiter und soll junge Trommler-Ohren vor Schäden durch zu hohe Lautstärken bewahren.

Die Umschaltung zwischen den Sets geht sehr schnell, auch Wechsel während des Spielens sind kein Problem. Der direkte Zugriff auf die Ausgangslautstärke erfolgt über die zwei Taster rechts unten. Leider ist das ein recht träger Vorgang. Hier wäre der große Dreh-Knopf die bessere Lösung gewesen.

Das Metronom ist über eine eigene Taste schnell zu bedienen und verfügt über verschiedene angenehme – oder auch unangenehme – Sounds. Ob Digital-Pieps oder Cowbell-Sound, da findet man auf jeden Fall etwas.

Test - Roland TD07 Modul Zoom

Übersichtliche Oberfläche

Der Coach-Modus ist über den Taster unterhalb der Bluetooth-Taste erreichbar und bietet Time Check (Genauigkeits-Training), Quit Count (das Metronom lässt Takte aus), Auto Up/Down (Metronom Tempo ändert sich während des Spielens und Change Up (Wechseltraining durch Notenwerte). Am Ende wird die Leistung über eine Punktzahl bewertet. In meinem Schlagzeugunterricht nutze ich diese Coach-Funktionen sehr gerne für ein Warm-up und die Kids haben wirklich Spaß damit.

Über die Kit-Edit-Taste erreicht man die Einstellungen zum jeweiligen Sound, also Tonhöhe, Dämpfung, die Balance eines Sounds im Stereobild (Pan), Simulationen verschiedener Fell-Typen, Lautstärken, Equalizer, Effekte und auch die Raumklang-Simulationen. Hier wird also einiges geboten. Allerdings ist die Bedienung durch die in Untermenüs gelagerten Zugangsmöglichkeiten recht unübersichtlich. Gut, dass es die große Taste mit dem abgebildeten Schlagzeug gibt. So kommt man schnell wieder aus dem Menü-Dschungel.

roland td 07 test e-drums

Spielbarkeit des Drumsets

Das Roland TD-07 spielt sich angenehm. Die Meshhead-Pads ( 8″ Snare, 6″ Toms) sind zwar etwas klein, weisen aber ein gutes Rebound-Verhalten auf. Die Rimshots auf der „Zwei-Zonen Snare“ gelingen mühelos, ebenso das Abstoppen der Becken. Alles Gespielte wird klar wiedergegeben, es wird nichts verschluckt.

Das Kickpad macht richtig Spaß, steht stabil, klingt von sich aus schon satt, aber hat den großen Nachteil, dass es sehr laut ist. Das stelle ich mir in einem Mehrfamilienhaus nicht schön vor, es sei denn, man möchte seine Nachbarn ständig an der Haustür haben.

Test - Roland TD07 Kickpad

Kickpad mit Meshhead, allerdings nicht wechselbar

Als HiHat-Pedal kommt Rolands FD-1 zum Einsatz, ein recht simples, leichtes, aber funktionelles Pedal. Größeren Belastungen würde ich es aber nicht aussetzen wollen, da es doch recht fragil wirkt. Ein leichtes Kinderbein drückt es aber spielend zu, was ein großer Vorteil ist, haben die Kleinen damit doch wirklich oft große Probleme beim Spielen.

Der FD-1 HiHat-Controller – nichts für Schwergewichte. Für Kids aber klasse! Rutsch aber auch gerne weg.

Die Sounds klingen Roland-typisch gut, wollen dabei aber nicht so wirklich natürlich rüberkommen. Die „Machine Gun“-Snare lässt grüßen. Dafür machen die Elektro-Sounds umso mehr Spaß. Die internen Klänge sind abwechslungsreich gestaltet und es besteht die Möglichkeit, z. B. über USB oder MIDI-Bluetooth eine DAW mit hochwertigeren Sounds anzusteuern.

Bringt man die On-Board-Sounds in ein Preis-Leistungs-Verhältnis, kann man hier nicht meckern. Ich sehe die Käufer eines solchen Sets im Einsteiger/Fortgeschrittenen-Bereich und dafür ist das Set mehr als tauglich.

Übrigens: Roland hat kürzlich neue Sets des TD-50 samt überarbeitetem TD-50X Modul vorgestellt. Hier erfahrt ihr alles dazu.

roland td 50 kv2

Kürzlich vorgestellt: Die zweite Generation des TD-50 Sets

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Fazit

Mit dem neuen TD-07 KV E-Drumset hat Roland ein Kit unter der 1.000,- Euro Grenze im Portfolio, das mit vielen professionellen Features aufwartet. U. a. bietet es zahlreiche Editierungsmöglichkeiten für Sounds, Effekte sowie Bluetooth-MIDI für einfaches Recording mit einer App oder DAW.

Das Set macht Spaß, ist mit guten Pads ausgestattet und ist für jeden geeignet. Die Coach-Funktion macht Laune und über Bluetooth kann man zu den Lieblings-Songs grooven. Ob Anfänger oder Fortgeschrittener, auch fürs Studio sicher ausreichend, um mal schnell einen Track in die Software zu nageln.

Höheren Ansprüchen wird es wohl nicht gerecht, da die Pads dazu neigen abzurutschen, da muss man leider öfters nachjustieren. Auch die Trigger-, Effekt- und sonstige Parameter sind in etwas frickeligen Untermenüs versteckt und nicht für den ständigen Zugriff konzipiert.

Plus

  • vielseitige Sounds
  • Coach-Funktion
  • angenehm zu spielende Pads
  • Bluetooth-MIDI und Playalong-Funktion
  • zahlreiche Effekte und Bearbeitungsmöglichkeiten der Sounds

Minus

  • keine Songs an Bord
  • kein Kick-Pedal enthalten
  • Toms und Snare rutschen bei harten Schlägen
  • Kick-Pad recht laut
  • keine Recording-Funktion

Preis

  • 998,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Sehr gut geschriebener Testbericht.

    Was aber im Jahr 2021 offerbar immer noch nicht überwunden scheint: Warum muß in dieser Preisklasse (und teilweise darüber) immer noch der Maschinengewehr-Effekt hingenommen werden? Nachdem es gute Round-Robin Drum-Samples in VSTs nun schon seit Jahrzehnten gibt (sogar im einst kostenlos erhältlichen DrumMic!a)- und selbst billiges Controller-Silizium hier technisch nun wirklich keine Hürde mehr darstellen sollte – drängt sich hier wirklich die Frage auf: Wollen Hersteller wie Roland den Verbraucher mit diesem konsequent in den unteren und mittleren Preisklassen weggelassenen Feature erpressen, auf die Highend Drumsampler zu schielen – weil jeder Drummer einen halbwegs realistischen Wirbel auf der Snare braucht?
    Das wäre doch mal eine marktbelebende „Innovation“, daß heutige Baureihen der 1000€ Klasse nicht mehr wie die 2000 DM Geräte von vor 20 Jahren klingen.
    Na ja, vielleicht im nächsten Jahrzehnt……

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