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Test: Royer R-121, passives Bändchenmikrofon im Stereoset

18. Oktober 2021

Exquisites Bändchenmikrofon im Doppelpack

royer r121 mikrofone test

Royer R-121, passives Bändchenmikrofon im Stereoset

Royer Labs – das Unternehmen von David Royer und seinen Mitstreitern gehört zu den Pionieren in der Entwicklung moderner Bändchenmikrofonen. Bereits seit 1998 werden ausschließlich Mikrofone dieser Bauart handmade in den USA hergestellt. Tatsächlich war mein heutiges Testobjekt R-121 das erste Modell der frisch gegründeten Firma, bald gefolgt von dem Stereo-Mikrofon SF-12 und dem R-122, dem ersten aktiven Bändchenmikrofon.

Royer zeichnet sich durch eine hohe Kontinuität in der Produktpalette aus. So gibt es gerade mal acht Mikrofone, die angeboten werden. Das Jüngste ist das R-10, das ich schon HIER  testen durfte. 

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Das R-121 wird nach wie vor unverändert gebaut, endlich mal Zeit, sich dem Klassiker anzunehmen.

Das Royer Labs R-121 als Stereopaar

Neben dem normalen Modell wird das R-121 auch als Stereopaar angeboten. Hier werden zwei Mics genau aufeinander abgestimmt. Hier bei mir treffen entsprechend zwei Exemplare mit fortlaufenden Seriennummern ein.

Royer R-121 Bändchenmikrofon

Perfekte Verarbeitung, dezentes Logo

Das Matching lässt sich Royer bezahlen. Während ein R-121 ca. 1.400,- EUR kostet, werden für das Stereopaar ein Aufschlag von ca. 150,- EUR aufgerufen. 

Das Royer Labs R-121 – technische Werte

Als Bändchenmikrofon bietet das R-121 die Richtcharakteristik Acht. Hier gibt es aber schon die erste Besonderheit: Das 2,5 Micron dicke Aluminiumbändchen sitzt nicht etwa mittig, sondern etwas nach vorne gerückt. Dadurch soll es besser im Magnetfeld sitzen und einen volleren Sound bieten. Gleichzeitig entsteht dadurch eine Klangvariation für die Rückseite, die etwas heller klingen soll. Der Frequenzgang reicht von 30 Hz bis 15 kHz bei einer Abweichung von +/-3 dB. 

Royer R-121 Bändchenmikrofon

Der recht ausgeglichene Frequenzgang

Die Empfindlichkeit ist mit -47 dBv Re. 1v/pa angegeben. Die Ausgangsimpedanz liegt bei 300 Ohm.

Das R-121 verträgt ganz ordentliche Schalldrücke, >135 dB ist die Angabe des maximalen SPL. Bei einer Größe von 155,7 mm und einem 25 mm Durchmesser ist es mit 244 g ganz schön schwer. Hier macht sich die massive Bauweise des Gehäuses bemerkbar.

Bändchenmikrofon R-121: Verarbeitung und Lieferumfang

Mit der Verarbeitung sind wir schnell durch, die ist perfekt. Das Metall ist mattiert, eine Version in schwarzem Chrom ist ebenfalls erhältlich. Die Fräsungen sind sauber durchgeführt und das Bändchen ist durch ein feines Gitter geschützt. Das Royer Labs Logo ist auf der Vorderseite aufgesetzt und zeigt auch gleich die primäre Einsprechrichtung an. 

Royer R-121 Bändchenmikrofon test

R-121 im Doppelpack

Vorne ist die Modellnummer eingefräst, hinten findet sich die Seriennummer und das Herstellungsland.

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Geliefert wird das gute Stück in einer wertigen und stabilen Holzbox, die gut gepolstert mit rotem Samt ausgeschlagen ist. Zusätzlich wird das Mikrofon noch durch ein Stofftäschchen geschützt. 

test Royer labs R-121 Bändchenmikrofon

Der Lieferumfang, eine Holzbox ist pro Mikro auch noch dabei

Mit dabei ist auch eine einfache Klemme. Hier fehlt leider das in Europa übliche Reduziergewinde, das ist eine unnötige Nachlässigkeit. Überhaupt könnte Royer Labs bei dem durchaus gehobenen Preis den optional erhältlichen Shockmount beilegen.

Royer R-121 Bändchenmikrofon

Der Shockmount muss leider separat bezahlt werden

Ein DIN A4 Bogen mit den Cutsheets ist dabei, ebenso ein Quick-Guide und ein Produktkatalog. Die Bedienungsanleitung ist online zu bekommen.

Royer Labs gewährt eine 10-jährige Garantie für den Erstbesitzer. Für das empfindliche Bändchen ist im ersten Jahr nach Kauf einmal ein kostenfreier Austausch vorgesehen, sollte da mal was passieren. Durch die Registrierung beim Hersteller erweitert sich diese Gewährleistung auf 5 Jahre.

Das R-121: Einsatzzweck des Bändchenmikrofons

Hier sieht Royer eine Vielzahl von Möglichkeiten. Als erstes wird hier „close miking“ aufgeführt. Das ist nicht weiter verwunderlich, gerade hier kann ein Bändchenmikrofon seine Stärken ausspielen. So ist es bei allen Aufnahmen keine schlechte Idee, recht nah an die Schallquelle heranzugehen. 

Da bieten sich akustische Gitarre und Abnahme des E-Gitaren-Amps an, die als nächstes in der Liste stehen. Auch Drum-Overheads, Kick-Drum und Percussion werden aufgeführt. 

Weiterhin soll das R-121 an Blasinstrumenten, Strings und Flügel eine gute Figur abgeben. Und natürlich darf die Stimme auch nicht fehlen.

Zudem lassen sich die Royer auch live und als Ambient-Mikrofone gut einsetzen. Schauen wir mal, was wir von diesen Anregungen umsetzen können.

Royer Labs R-121: Drums

Hier wird zunächst wieder mein Cajon Drumset mikrofoniert. Ich wähle für das R-121 Paar die Blumlein-Anordnung. 

Royer R-121 Bändchenmikrofon

Bei Blumlein werden zwei Achterkapseln um 90° versetzt zueinander angeordnet

Zum Vergleich nehme ich meine sE Electronics Voodoo VR2, ein Bändchen mit aktiver Elektronik und mein Paar AKG C414 B-ULS, ein Großmembran-Kondensatormikro mit vier Richtcharakteristiken, also auch der Acht. Alle drei Paare werden nach der Blumlein Anordnung mikrofoniert.

Zwischen den beiden Bändchen von Royer und sE Electronics zeigen sich Unterschiede. Die R-121 sind insgesamt etwas zurückhaltender, klingen aber in sich im Frequenzgang geschlossener. Die Voodoo bringen die Höhen und Bässe mehr nach vorn. So sind die Kick und die Becken hier betonter. Die Panoramaaufteilung und die Tiefenstaffelung gelingt beiden Mikrofonpaaren gut.

Auch meine alten AKG C414 liefern eine gute Performance ab, die recht nahe an den Voodoo VR2 liegt. Die seidigen Höhen der R-121 werden auch hier nicht ganz erreicht.

Für die nun folgende Percussion Einspielung nutze ich keine Vergleichsmikrofone, dafür wird das Set mit den R-121 in drei Stereoverfahren abgenommen. Leider sind mir ab hier durch einen technischen Fehler alle Fotos abhanden gekommen, ich bitte um Entschuldigung.

Die Blumlein Variante klingt sehr breit und dreidimensional, was auch durch Phasen-Auslöschungen in den Seiten zustande kommt. Die Rückseite der Mikrofone nimmt in dieser Anordnung ja das seitenverkehrte Signal auf.

Die X/Y-Abnahme klingt etwas flach und nicht räumlich genug, das macht die einfach zu realisierende A/B-Mikrofonierung besser. Sie ist weitgehend phasentreu und bietet eine angenehme realistische Räumlichkeit. Alle drei Spuren zeigen einen angenehmen, realistischen Frequenzgang und eine schöne, direkte Ansprache des Signals.

Weiter geht es mit der akustischen Gitarre, hier kommt wieder das sE Voodoo VR2 zum Vergleich mit hinzu. Es wird wieder mit Blumlein gearbeitet.

Das R-121 kann sich hier absetzen, es bietet einfach den runderen und weicheren Klang, der die Gitarre schön darstellt. Die Voodoos klingen hier zu drahtig und höhenreich, so dass sich der typische intime Sound eines Bändchenmikrofons etwas verliert.

Bei den beiden in Mono aufgenommenen Files tritt dies nicht ganz so stark auf, aber auch hier geht das Royer als Sieger vom Platz.

Auch die Amp-Abnahme soll getestet werden: Hier mikrofoniere ich die beiden 8“ Speaker meines Rath Retro 20 mit der Vorder- und der Rückseite je eines Mikros.

Auch hier macht sich das Bändchen nicht schlecht und nimmt den kleinen Übungs-Amp authentisch ab. Und tatsächlich klingt die Spur mit der Rückseite aufgenommen ein wenig höhenreicher und dünner. Ein großer Unterschied entsteht hier nicht, aber eine willkommene Variation ist durchaus vorhanden.

Eine beliebte Methode ist es, den Amp doppelt zu mikrofonieren. Ich nehme also zum R-121 ein dynamisches Mikro mit hinzu, das D2 von Audix.

Hier steuert das R-121 den runderen und weicheren Sound bei, das dynamische D2 klingt hier härter, höhenreicher und auch etwas flacher. Beide ergänzen sich jedoch gut, wie das nächste Beispiel zeigt. Beide Mikros wurden hier einfach in gleicher Lautstärke zusammengefasst.

Richtig fett wird die Sache, wenn beide Spuren im Panorama auseinander gerückt werden und eine Anpassung der Lautstärke stattfindet.

Auch die Stimme ist ein beliebtes Einsatzgebiet für ein Bändchenmikrofon. Hier stelle ich dem Royer ein AT4080 von Audio Technica zur Seite

Wieder kann hier das R-121 seine Vorzüge einer weichen und fein zeichnenden Höhenübertragung einsetzen. Das Audio Technica wird hier durch den erweiterten Frequenzgang ein wenig zu hart und aggressiv. Auch der Bereich der Tiefmitten gerät beim R-121 etwas runder und angenehmer.

Nun konnten wir so einige der empfohlenen Anwendungsgebiete abdecken und das R-121 hat sich keine Blöße gegeben. Das Bändchenmikro zeigt immer eine straffe, dreidimensionale Darstellung, die durch einen ausgeglichenen Frequenzgang glänzt. Ein Bereich wurde aber noch nicht behandelt, das sind die Bläser. Nun spiele ich aber weder Saxophon noch Querflöte, finde aber in meinem Sammelsurium eine 4-Loch Ocarina, ein Werbegeschenk.

Royer R-121 Bändchenmikrofon

Die Ocarina, ein sehr wandlungsfähiges Instrument

Gute Nachricht für alle Ocarina Spieler: Bei den beiden Aufnahmen mit R-121 und AT4080 ist quasi kein Unterschied zu hören. Durch die, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftige Frequenzaufteilung des Instruments dürfte es mit jedem Mikro der Welt gut verträglich sein, teure Spezialmikros sind hier unnötig.

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Fazit

Das Royer Labs R-121 ist nicht umsonst ein Klassiker. Das Mikrofon überzeugt durch einen für Bändchen typischen intimen Grundklang, der dennoch eine schöne Räumlichkeit zulässt. Der Frequenzgang ist sehr ausgeglichen und erlaubt eine universelle Einsatzfähigkeit.

Das Bändchen ist mit einer leichten Höhenabsenkung konstruiert und erreicht genau die richtige Balance zwischen Retro und Moderne.

Die Verarbeitung ist hervorragend. Schade nur, dass Royer Labs nicht den hochwertigen Shockmount mit beilegt.

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Mit einem Paarpreis von knapp unter 3.000,- Euro ist das R-121 eindeutig kein Schnäppchen.

Plus

  • toller Bändchensound
  • schöne Räumlichkeit
  • universell einsetzbar
  • ausgeglichener Frequenzgang
  • prima Verarbeitung

Minus

  • teuer
  • recht günstige Klemme, Reduziergewinde fehlt

Preis

  • 2.944,- Euro (gematchtes Paar)
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Vati  

    Die sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für ein Mikrofon mit Achter Richtcharakteristik sind doch sehr beschränkt. Daher kann ich die aufgezählten Einsatzzwecke nicht nachvollziehen. Sprecher, Backgroundchor und Drums ja, OK aber die anderen Beispiele hinterlassen bei mir ein Fragezeichen.
    Bändchenmikrofone sind nach wie vor mechanisch sehr Empfindlich, deshalb auch nur 1 Jahr Garantie für das wichtigste Bauteil. Das ist ein dicker Minuspunkt bei den Preis!
    Hinweis: Beim Blumleinverfahren werden zwei Achter Mikrofone um 90 Grad ! gegeneinander verdreht und haben dann einen Aufnahmewinkel von ungefähr 70 Grad . Hier stimmt das Foto nicht.
    Grüße von Vati

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi Vati,

      danke für deinen Kommentar.

      So eingeschränkt sehe ich die Acht gar nicht. Man muss sich nur einfach trauen es mal zu probieren und nicht immer die bequeme Niere zu verwenden.

      Bei den Soundbeispielen bin ich einfach die Anwendungsvorschläge des Herstellers, so weit es mir möglich war, durch gegangen. Ok, die Flöte war ein Joke, den ich mir einfach nicht verkneifen konnte. Aber gerade am Gitarrenamp wird ein Bändchen sehr geschätzt und gerne eingesetzt. Auf der Bühne dann oft auch mit einem entsprechenden Schallschutz für die Rückseite.

      Ganz so empfindlich sind Bändchenmikrofone nicht mehr, die meisten vertragen inzwischen sogar Phantomspeisung. Wenn es länger offen rum steht gehört da eben die Socke als Staubschutz drüber. Das empfiehlt sich aber auch bei jedem guten Kondenser.

      Das Blumlein Foto ist schon richtig, kommt vielleicht einfach durch den Kamerawinkel nicht so gut rüber.

      Gruß Armin

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