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Test: SE Electronics VR1 VE, VR2 Voodoo, Bändchen-Studiomikrofone

7. Juni 2021

Zwei Bändchen für den Studiobetrieb

se electronics vr1 vr2 vintage test mikro

SE Electronics VR1 VE, VR2 Voodoo, Bändchen-Studiomikrofone

Bändchenmikrofone oder aber Ribbon-Mics sind in der Tat eine Sache für sich und polarisieren die Szene nach wie vor. Dem hochgeschätzten „authentischen“ Klangbild steht gerne eine latente Basslastigkeit, kombiniert mit sehr zurückhaltenden Höhen gegenüber. Auch in Sachen Übersteuerungsfestigkeit und Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einwirkungen verlangt dieser Mikrofontyp nach mehr Aufmerksamkeit, als es der Großteil aller Kondensatormikrofone und erst recht die dynamischen Vertretern benötigen. Sich dessen bewusst, hat der chinesische Hersteller SE Electronics mit dem SE Electronics VR1 Voodoo bzw. VR2 Voodoo ein passives bzw. aktives Modell im Repertoire, das in den kritischen Bereichen für Abhilfe sorgen soll.

Die Voodoo Reihe von SE Electronics sind in der Tat keine Neulinge auf dem Markt, sind sie doch schon seit dem Jahr 2010 erhältlich. Allerdings bietet SE Electronics einige seiner Mikrofone aktuell in zwei Editionen an. Neben dem von uns getesteten VR1 VE bietet die Firma auch das V7, das sE 2200 und das sE8 einer Vintage-Variante an. Das VR2 gibt es dagegen aktuell nur in der Original-Version.

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Die Konstruktionen des SE Electronics VR1 Voodoo / SE Electronics VR2 Voodoo

Während es sich bei der VR1 VE Variante um ein passives Bändchenmikrofon handelt, das trotz der landläufig vorherrschenden Meinung zum Thema Bändchenmikrofone keine Probleme mit Phantomspannung hat, benötigt der VR2 Typ als aktives Mikrofon eben diese mit einem Wert von 48 V, +/-4 V, um funktionieren zu können.

Viele haben sich wohl schon des Öfteren gefragt, warum Bändchenmikrofone trotz ihrer Vorteile nach wie vor ein Nischendasein führen. Der Hauptgrund dürfte sein, dass der Hauptvorteil der Bauweise auch gleichzeitig ihr Nachteil ist. Warum dieses? Nun zum einen ist die ständige Acht-Charakteristik faktisch nur im Studio für die Einzelabnahme zu gebrauchen und selbst hier bedarf es guter Räumlichkeiten, um einen guten, ausgewogenen Klang zu erzeugen. Zum anderen gelten Bändchenmikrofone als recht höhenarm und benötigen aufgrund ihrer geringen Ausgangsspannung einen sehr rauscharmen Preamp, der über die nötigen Gain-Reserven verfügt.

se electronics vintage vr1 ve test

SE Electronics VR1 VE – Vintage Edition

Im Gegenzug warten gerade hochwertige Bändchenmikrofone mit einem angenehmen, voluminösen Klang auf, der insbesondere im Bereich Gitarrenabnahme oder auch Drums ein sehr authentisches Klangbild generiert. Sich dessen bewusst, haben SE Electronics auch gleich zwei Typen der Voodoo-Serie im Portfolio, wobei insbesondere die aktive VR2-Variante mit den Problemen des geringen Ausgangspegels und der Höhenarmut aufräumen will.

Beide Mikrofone werden in einer Holzkiste mit Magnetverschluss und Schaumstoff-Formausschnitt bzw. Transportsäckchen geliefert, was den empfindlichen Produkten eine hohe Sicherheit während des Transportes gewährleistet. Des Weiteren befindet sich eine Stativhalterung und eine Spinne im Lieferumfang. Beide Mikrofone verarbeiten einen sehr hohen Schalldruck von bis zu 135 dB und können so selbst Schlagzeugaufnahmen übernehmen, wenn man einmal von der Platzierung im Inneren der Kick absieht, was in der Tat zu Beschädigung des empfindlichen Bändchens führen kann.

Beide Mikrofone sind mit den Abmessungen 3,3 x 1,7 cm ungewöhnlich schlank und unterscheiden sich aufgrund der intern verbauten Elektronik des V2 nur in der Länge von 12,7 cm (V1) zu 18,7 cm (V2). Dies bietet den Vorteil, dass man die Mikrofone auch in schmalen Schlitzen positionieren kann, welche Großmembran Mikrofonen aufgrund ihrer Abmessungen verwehrt bleiben. Nimmt man die Mikrofone in die Hand, ist man hingegen verwundert, wie massig die Mikrofone erscheinen, was sich auch in den Gewichten von 230 g (VR1 VE) bzw. 360 g (VR2) widerspiegelt.

se electronics vr1 vintage ve test

In der Praxis

Das oft erwähnte Klangbild des „natürlichen“ Raumklangs, das ein Bändchenmikrofon durch seine Acht-Charakteristik abbildet, bietet viele Einsatzmöglichkeiten, schließt aber auch andere kategorisch aus. Um einen Überblick zu gewährleisten, habe ich drei verschiedene Situationen geschaffen, bei dem dieser Mikrofontyp gerne verwendet wird. Aufgenommen wurden die Klangbeispiele über einen GAP Preamp, der über ein neutral eingestelltes Mackie 32-Kanal Pult in das Interface geschickt wurde. Mir war es sehr wichtig, dass keinerlei Klangregelung oder Kompressoren, ob extern oder die interne Pult Saturierung, in das Signal eingriffen, um den reinen Klang der Mikrofone beurteilen zu können.

Test SE Electronics Voodoo Serie

SE Electronics VR2 mit Spinne

E-Gitarrenaufnahme

Jeder kennt den großen Klassiker der verzerrten E-Gitarre, das SM57, des mit seinem typischen „Mittennöck“ den Klang der E-Gitarre seit Dekaden prägt. Auch wenn es deutlich „besser“ klingende Mikrofone für die Gitarrenabnahme gibt, im Bandkontext sticht der SM57 Sound immer wie eine Speerspitze hervor, wenn es darum geht im High Gain Bereich sich gegen die restlichen Instrumente durch zu setzen.

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Genau diesen Sound bieten die beiden SE Electronics Mikrofone nicht und zwar aus gutem Grund. Der Grundklang ist bereits durch die Achter-Charakteristik deutlich mehr mit dem Raum verbunden und eignet sich mehr für offene, „große“ Clean- oder Crunch-Sounds, weniger für schnelles 16-tel Gehacke. Auch trägt der starke Basshub dazu bei, dass der Gitarrensound an sich zwar voluminöser wird, sich aber auch schnell verschluckt, so dass man ein passendes Highpass-Filter stets zu Stelle haben sollte.

Für die unten genannten Files kam eine ’94 Strat mit Texas Special Pickups über einen Fender Deluxe Combo im Drive-Kanal zum Einsatz, deren Kombination unzählige Welthits mit ihrem charakteristischen Sound veredelten. Die Durchgänge beinhalten jeweils 2 Pickup-Stellungen, angefangen beim Hals-Pickup, abschließend mit dem Steg-Pickup. Interessanterweise unterschieden sich die beiden Mikrofontypen klanglich nicht so stark voneinander, wie es bei den nachfolgenden Klangbeispielen der Fall sein sollte, was primär dem hohen Mittenanteil des Signals geschuldet ist. Der Nahbesprechnungseffekt ist sehr moderat, wobei der hohe Pegel natürlich auch noch für eine ordentliche Kompression jenseits der ganz harten Close-Abnahme führt.

Der Amp wurde bei der Endstufe leicht in die Sättigung gefahren, so dass die Mikrofone einem recht hohen Schallpegel ausgesetzt waren. Dies meistern beide für ein Bändchenmikrofon sehr gut. Allerdings wirken beide Sounds etwas „matt“, es fehlt ein wenig an „Spritzigkeit“, um dem Sound die nötige Durchsetzungskraft zu verleihen. Hier müsste in der Tat mit dem EQ nachgeholfen werden. Auch das Verschieben der Mikrofone zur Kalotte hin brachte leider nicht die gewünschte Wirkung.

Test SE Electronics Voodoo Serie

SE Electronics VR1 im Einsatz

Akustikgitarrenaufnahme

Als Instrument wurde mit Absicht ein vergleichsweise einfaches Instrument der Basisklasse von Framus genommen, um es den Mikrofonen möglichst schwer zu machen, einen voluminösen Klang zu erzeugen. Die Mikrofone wurden am 12. Bund platziert, das Signal wurde entgegen aller sonst üblichen Akustikgitarrenaufnahme nicht komprimiert.

Hier konnten die Mikrofone ihre Stärken auf ganzer Linie ausspielen, sofern man im Hinterkopf behält, dass die Mikrofone einen hohen Bassanteil besitzen. Es empfiehlt sich daher, sich besser Richtung Kopfplatte als Schallloch zu orientieren. Der Klang ist aufgrund der fehlenden Komprimierung etwas schroff, was aber nicht den Mikrofonen angelastet werden kann. In diesem Segment hört man nun auch die deutlichen Klangunterschiede der beiden Modelle. Während das V1 mit einem typischen Ribbon-Klang aufwartet, färbt das V2 mit einem höheren Mittenanteil und einer deutlich wahrnehmbaren Kompression schon sehr ordentlich. Beide Signale würde ich im Normalfall noch mit einem entsprechenden Kompressor, EQ, evtl. Enhancer bearbeiten, aber der Grundklang ist recht vielversprechend.

Test SE Electronics Voodoo Serie

SE Electronics VR1 Innereien (Original-Version)

Sprachaufnahme

Der Bereich Sprache steht auch für Raumaufnahmen im Allgemeinen und zeigt einmal mehr die klanglichen Unterschiede der beiden Typen. Das V2 klingt „teurer“, was es ja auch ist, allerdings in einem deutlich höheren Maß, als es die ca. 20 % in der Preisdifferenz vermuten lassen. Der Grundklang ist sehr ausgewogen, der Hochtonbereich klingt weich, ohne muffig zu klingen, die Tiefmitten voluminös. Ein sehr angenehmer Grundklang, den ich mir bei vielen Raumaufnahmen vorstellen kann.

Erwähnt werden muss jedoch die sehr geringe Ausgangsleistung des VR1 VE, die dem Preamp aufgrund des geringen Signalpegels einiges abverlangte. So musste der MK73 erstmals zwar nicht auf die volle Verstärkungsleistung, aber zumindest auf die zweithöchste Stufe gestellt werden, um einen annehmbaren Signalpegel zu gewährleisten.

Generell hinterlassen beide Mikrofone aufgrund ihrer Raumintegration einen sehr plastischen Klangeindruck, welcher insbesondere bei spärlicher Instrumentierung seine Stärken ausspielen kann.

Test SE Electronics Voodoo Serie

SE Electronics VR1 Transportkiste – dieses gibt es auch zur Vintage-Edition dazu

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Fazit

Mit dem passiven SE Electronics VR1 VE Voodoo und seinem aktiven VR2 Pendant hat der chinesische Hersteller zwei gut klingende Vertreter der Ribbon-Mics in seinem Portfolio. Die Mikrofone versuchen die baulich bedingten Nachteile zu kompensieren, ohne dass die klanglichen Stärken in Form des „natürlichen“ Klangverhaltens darunter leiden.

Je nach Einsatzgebiet gelingt ihnen dies manchmal besser, manchmal schlechter, alles in allem hingegen überzeugen die Mikrofone aber durch einen angenehmen Grundklang aufgrund ihrs baulich bedingten Tiefmitten-Fokus. Im direkten Vergleich zu anderen Bändchenmikrofonen erzeugen sie zudem deutlich mehr Höhen, was ihr Einsatzgebiet zusätzlich erhöht.

Zudem gefällt das mitgelieferte umfangreiche Zubehör in Form von einer magnetverschlossenen Holzkiste, Transportsäckchen, Mikrofonhalterung und Spinne. Eine wertige Ausstattung für ein gelungenes Produkt.

Plus

  • Klang
  • Abmessungen
  • Zubehör

Preis

  • VR1 VE: 399,- Euro
  • VR2 Vodoo: 499,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Das VR 1 in Vintage mit Hammerschlag-Lack sieht ja super verschärft aus.
    Habe ein Paar VR 2, da bin ich ja froh, dass die nicht auch so angeboten werden. Sonst müsste ich direkt über einen Tausch nach denken.
    Schön an den VR 2 Voodoo ist die angenehme Höhenzeichnung, die nicht durch elektronisches Eingreifen, sondern durch kluge mechanische Bauweise erreicht wurde. Mit der aktiven Elektronik ist auch der Preamp nicht so gefordert.
    Bändchen mit ihrer Achter Charakteristik sind übrigens universeller einzusetzen wie allgemein gedacht. Ich nutze die VR 2 z.B. sehr gern in Blumlein Anordnung als Stütze mitten im Orchester. Wird dann natürlich als Monospur gefahren.
    Neulich habe ich einen Flügel, den ich eher intim wollte, mit den Mikros in V-Anordung mit halb geschlossenem Deckel aufgezeichnet. Ist super geworden, die zusätzliche Grenzfläche für Direktheit und Höhenzeichnung wurde fast nicht gebraucht.
    Für Sprache, gerade für sonore Stimmen, ist das Bändchen ebenfalls eine Waffe. Hier nutze ich das Audio Technica AT 4080. Relativ nah ran, dann sitzt die Stimme direkt im Kopf. Hier, wie eigentlich immer im Studio, lässt sich mit Stellwänden oder Reflection Filter auch ganz gut etwas die Achter Charakteristik unterdrücken, wenn gewünscht.

  2. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Wenn es scheinbar keine Minuspunkte zu vergeben gibt, die Pluspunkte alle Erwartungen in das Produkt erfüllen und dazu der Preis doch recht adäquat erscheint…warum dann „nur“ 2 Sterne?

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Weil ich den Grundklang der Mikrofone mag und ihn für „gut“ erachte, allerdings reicht es bei mir persönlich nicht ganz für ein „Sehr Gut“.

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