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Test: Schecter USA Custom Wembley Traditional, E-Gitarre

12. Juli 2018

Strat, gut durchgehangen, sucht ihren Meister

Viele von uns – und hier vor allem die jüngeren Leser – kennen die Gitarren von Schecter hauptsächlich aus dem Metal-Bereich und zudem aus asiatischer bzw. koreanischer Fertigung. Doch das war nicht immer so, denn begonnen hatte die Geschichte von Dave Schecter und seinen Edelklampfen bereits in den 70er Jahren in den USA. Während dieser Zeit produzierte er mit seinem kleinen Team im kalifornischen Van Nuys Strat- und Telekopien von allerhöchster Qualität, bevor sich die Spur Ende der 80er Jahre gen Asien verlor.

Abgesehen von den Instrumenten aus fernöstlicher Großserienproduktion, die Schecter heute überwiegend im Programm führt, hat auch der Schecter Customshop im kalifornischen Sun Valley ein neues Zuhause gefunden. Von dort erreicht uns eine Strat-Kopie, über deren Relic-Optik man sicher streiten kann und bestimmt auch streiten wird. Vorhang auf für den Test der Schecter USA Custom Wembley Traditional!

Schecter USA Custom front

Facts & Features der Schecter Relic Strat

Das „Guitar-Aging“ scheint nach wie vor voll im Trend zu liegen bzw. hat sich zu einer festen Option im Bereich des Gitarrendesigns entwickelt. Nachdem wir erst vor Kurzem mit der Friedman Vintage-T AMVS90 und der Friedman Vintage-S APMPH zwei ähnlich malträtierte Modelle testen konnten, setzt die Schecter USA Custom Wembley Traditional noch mal einen drauf. Nicht etwa, dass der Erlekorpus nur einfach behandelt wurde, nein, über die eigentliche Sunburst-Lackierung wurde zusätzlich eine rote Schicht Nitrolack aufgesprüht, der mehr oder minder deutliche Risse zeigt. Man sieht also das Leben bzw. den „Leidensweg“ der Gitarre in drei Phasen rund herum auf dem Korpus verewigt: roter Decklack, eine zum Teil durchscheinende Sunburst-Lackierung und schließlich das blanke Holz in Form von tiefen Kratzern. Für den einen das blanke Grauen, für den anderen eine ziemlich faszinierende Angelegenheit, die täuschend echt gelungen ist!

Schecter USA Custom Finish

— Finish Nahaufnahme —

Nahe Verwandtschaft zur Original Fender Strat

Die Form und die Fräsungen des Korpus sind bis auf einen kleinen (aber nicht unerheblichen) Teil identisch mit denen der Strat, so wie wir sie kennen. Der Unterschied betrifft den Übergang vom Hals zum Korpus, dessen abgeflachte Form es der Greifhand leichter beim Bespielen der oberen Lagen macht. Gänzlich unangetastet vom künstlichen Alterungsprozess zeigt sich der eingeschraubte, einteilige Ahonhals, der wie beim Original von Fender einen „Skunk-Stripe“ zum Verschließen der Abdeckung seines Halsstabes erhalten hat. Das Halsprofil entspricht einem recht flachen D-Shaping, darüber hinaus wurde die Halsrückseite nur seidenmatt lackiert, was wiederum für ein angenehmes und widerstandsfreies Spielgefühl der rechten Hand sorgt. Die 21 Edelstahlbünde wurden perfekt im Rosewood-Griffbrett eingesetzt und an ihren Kanten abgerichtet, das Gleiche gilt im Übrigen auch für den fein verarbeiteten Sattel.

Hatte ich eben noch erwähnt, dass der Hals frei von Alterungsspuren ist, so ändert sich das dann doch noch ein wenig, denn die Kopfplatte hat doch noch etwas abbekommen. Hier wurden die Schmauchspuren einer glimmenden Zigarette nachgebildet, die zwischen Sattel und der Mechanik der tiefen E-Saite wohl vergessen wurde. Und beim Stichwort Mechaniken sind wir auch schon bei der Hardware der Schecter USA Custom Wembley Traditional angelangt.

Schecter USA Custom Headstock

— Nichtraucher sollten besser wegschauen —

USA Custom Wembley Traditional – die Hardware

Pure Strat, kann man da nur sagen! Uns erwartet das berühmt-berüchtigte Vintage-Vibrato mit seinem geschraubten Hebel und in einem optischen Zustand, der an mindestens fünf Jahrzehnte Bühneneinsatz erinnert. Auch die sechs Schrauben zur Arretierung des Vibratoblocks auf der Decke sehen so aus, als wären dort bereits literweise Handschweiß geflossen. Das gleiche Bild bei den Schrauben für das Pickguard und für die Fixierung der drei Singlecoils auf dem dreischichtigen Pickguard, das wiederum sehr jungfräulich wirkt und keine Abnutzungsspuren ab Werk besitzt.

Bei der Bestückung des Schlagbretts wiederum stoßen wir auf einen weiteren Unterschied gegenüber dem berühmten Vorbild: der Verzicht auf ein zweites Tone-Poti. Somit bleibt mehr Platz übrig, um das Volume-Poti ein Stück nach hinten bzw. unten zu setzen und somit aus dem Aktionsradius der rechten Hand verschwinden zu lassen. Ein Punkt, der bei der Original Strat immer mal wieder (zu Recht) kritisiert wird. Doch zur Elektronik gleich noch ein paar Worte mehr, werfen wir zunächst noch mal einen Blick auf die Kopfplatte und die dort verwendeten Mechaniken.

Schecter USA Custom tuner mechaniken

Richtig gut abgehangen sind sie! Die malträtierte Chromschicht bzw. das, was von ihr übrig geblieben ist, harmoniert aber in jedem Fall optisch perfekt mit dem Vibratoblock. Technisch betrachtet handelt es sich hingegen um Mechaniken aus Schecter-eigener Produktion und von hoher Qualität dazu – alle sechs Tuner laufen sauber, präzise und mit einem angenehmen Drehwiderstand auf ihren Achsen. Ein String-Tree unterstützt zudem die H- und hohe E-Saite bei der korrekten Saitenführung zum Sattel.

Schecter USA Custom jackplate

USA Custom Wembley Traditional – die Elektronik

Auch die stammt aus eigenem Hause. Die drei Alnico V Singlecoils tragen den Namen „Dark Side“ und werden wie erwartet mit einem Fünfwegeschalter angewählt. Lautstärke und Ton sorgen für die Abrundung des Klangs, auf den zweiten Tonregler wurde ja verzichtet, ich erwähnte es bereits. Diese Pickups sind ein entscheidender Faktor im Sound der Schecter USA Custom Wembley Traditional, zu dessen Beurteilung wir nun kommen!

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