Test: Seymour Duncan Diamondhead, Verzerrer-Pedal

8. März 2020

Zerren und boosten, was das Zeug hält!

Test: Seymour Duncan Diamondhead, Verzerrer-Pedal

Seymour Duncan Diamondhead, Verzerrer-Pedal

Der Verzerrer ist sicherlich einer der populärsten, wenn nicht der populärste Effekt für die E-Gitarre überhaupt. Das Angebot ist erschlagend groß und da den Überblick zu behalten bzw. zu entscheiden, welcher Typ Pedal denn nun zu mir bzw. meinem gewünschten Sound passt, gleicht fast schon der berühmten „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“. Seit geraumer Zeit mischt ein neuer Player auf dem Markt der Zerrer mit, der eigentlich durch die Fertigung von Pickups seit ewigen Zeiten in aller Ohren liegt: Der US-Hersteller Seymour Duncan nämlich, dessen Angebot an Pedalen (und nicht nur bei Verzerrern) immer weiter wächst. Ganz neu im Programm des Traditionsherstellers ist nun das Seymour Duncan Diamondhead Verzerrer-Pedal, das neben dem klassischen Overdrive auch einen separat einsetzbaren Booster besitzt und den Klang und das Verhalten eines 70er bzw. 80er Jahre Halfstacks in unsere Amps zaubern soll. Ob und wie gut das gelungen ist, werden wir im folgenden Artikel erfahren.

Seymour Duncan Diamondhead – Facts & Features

119,4 x 88,9 x 40,6 mm und rund 400 g schwer bzw. leicht – das sind die Eckdaten des Seymour Duncan Diamondhead, das uns aus dem kalifornischen Santa Barbara ins Haus geliefert wird. Ganz billig ist der Spaß nicht, rund 250,- Euro werden für das neue Pedal aus dem Hause Seymour Duncan fällig, schon ein stolzer Preis für ein einfaches Verzerrer-Pedal, obwohl es als Bonus zum eigentlichen Overdrive-Sound noch einen separat schaltbaren 15 dB Booster dazu gibt. Beide Schaltkreise besitzen ihren eigenen Metallschalter zum Aktivieren, leider sind die beiden Schalter keine Softclick-Varianten, sondern mechanische Typen, die mit einem entsprechenden Knacken die jeweilige Funktion aktivieren. Weit genug weg platziert von den sechs Reglern auf der Oberseite sind sie aber, sodass man hier schon sehr unglücklich drauftreten muss, um einen Schaden an den Potis anzurichten.

Zwei weiß leuchtende LEDs informieren über den momentanen Betriebszustand des Pedals. Beide Lämpchen dürften ruhig etwas weniger hell strahlen, denn in dunkler Umgebung blendet es doch ganz ordentlich aus dem Fußraum. Da ist es praktisch, dass zumindest der EQ mit seinen drei Bändern für Bässe, Mitten und Höhen eine Mittenrasterung besitzt, so kann man auch ohne hinzuschauen den Equalizer sicher bedienen. Eine Etage tiefer befinden sich die Potis für den Booster, der das Signal bis zu 15 dB anheben kann, ein Level-Regler für die Gesamtlautstärke des Signals sowie das Gain-Poti – als wohl wichtigste Anlaufstelle eines Verzerrers.

Den Abschluss bildet ein Minischalter mit der Bezeichnung „Sat“ (Saturation – Sättigung), der die Verzerrung noch ein Stück weiter pusht. Wie es sich für ein Boutique-Pedal gehört, wurden alle Regler fest mit dem Gehäuse verschraubt, die griffigen Knöpfe oben drauf zudem stets für einen sicheren Zugriff in jeder Situation. Sie sind zudem so weit voneinander entfernt in das Gehäuse eingesetzt, dass man jeden einzelnen Regler sicher mit zwei oder mehr Fingern umgreifen kann. Der Drehwiderstand der Potis ist ideal: nicht zu sanft, um ein versehentliches Verstellen zu verhindern, trotzdem aber auch noch weich genug, um den Klang differenziert einstellen zu können bzw. den Sweetspot des angeschlossenen Amps ganz genau zu definieren.

Darüber hinaus arbeiten die Potis absolut linear in ihrem Regelweg, es sind also keine unerwarteten „Sprünge“ beim Drehen zu erwarten. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Pedalen, vor allem die günstigen aus Fernost offenbaren ja in diesem Punkt gerne und oft ihre Schwächen.

Test: Seymour Duncan Diamondhead, Verzerrer-Pedal

Solides Sextett

Rein und raus geht es beim Seymour Duncan Diamondhead Verzerrer-Pedal natürlich auch und da freut es, dass alle Buchsen an der Stirnseite des Pedals untergebracht wurden – das sorgt für ein platzsparendes Unterbringen auf dem Pedalboard. Wirklich viele sind es allerdings nicht: Es gibt einen Eingang, einen Ausgang und den Anschluss für das 9-Volt-Netzteil, der auch hier wieder dem IBZ/Boss Standard folgt und somit ein problemloses Integrieren in ein bestehendes Setup erlaubt. Na ja, mehr ist bei einem Verzerrer-Pedal ja auch nicht von Nöten – oder?

Ein Batteriebetrieb ist übrigens nicht vorgesehen, sodass es auf der Unterseite auch nichts weiter zu entdecken gibt. Die ist also ziemlich nackt und vor allem glatt, im Lieferumfang befinden sich aber ein paar Gummifüße – falls man nicht vorhat, hier eine Schicht Velcroband aufzukleben, um das Pedal auf dem Pedalboard festzukletten.

Das Diamondhead Verzerrer-Pedal in der Praxis!

Zunächst einmal überzeugt das extrem niedrige Rauschspektrum des Seymour Duncan Diamondhead – selbst bei voll aufgedrehtem Gain-Poti, zugeschaltetem Booster und aktiviertem „Sat-Switch“ merkt man sofort, dass sich die Mehrausgabe an dieser Stelle schon mal gelohnt hat. Der Hersteller verspricht nicht zu viel, das Pedal überzeugt zum einen mit einer enormen Bandbreite an möglichen Zerrsounds und glänzt zum anderen mit einer offenen und luftigen Dynamik sowie einer Menge Headroom. Der beherzt zugreifende 3-Band-EQ ermöglicht crunchige Hardrock-Sounds genau so, wie Mid-Scoop-Attacken, wie sie im modernen Metal sehr häufig und gerne genutzt werden.

Im Verbund mit meinem Referenz-Amp, dem Orange Micro Dark und der dran angeschlossenen Celestion V30-Box, gibt das Diamonhead Verzerrer-Pedal ein ziemlich überzeugendes Bild ab, in einer anderen Konfiguration kann dieses Bild natürlich ganz anders aussehen bzw. klingen, insofern ist es von großer Bedeutung, das Pedal mit dem persönlichen Setup zu anzutesten: Was hier gut klingt, kann bei der nächsten Kombination von Amp und Box schon wieder ganz anders an die Ohren dringen.

Hohe Gain-Reserven und maximaler Boost-Faktor!

Brutal sind die Gain-Reserven, speziell nach dem Aktivieren des Sat-Switches sprühen aber mal so richtig die Funken und sie werden noch heller, wenn der Booster mit ins Spiel kommt. Den kann man aber auch ohne den Verzerrerteil benutzen, um damit beispielsweise den Sound eines guten alten Röhrenamps anzudicken, ohne dabei jedoch seinen Klang und Charakter in irgendeiner Art zu beeinflussen. Dennoch bringt der Grundsound des Diamondhead seinen ganz eigenen Charakter mit, der sicherlich auch dem billigen Transistor-Amp deutlich aufwerten kann. Probieren geht über studieren! Schön wäre es noch gewesen, hätte man die Funktion des Sat-Switches ebenfalls auf einen mit dem Fuß bedienbaren Schalter gelegt, so muss man sich eben kurz bücken, um den kleinen Schalter zu betätigen. Und wenn wir schon beim Meckern sind: Für ein Pedal dieser Preisklasse sollten Softclick-Schalter eigentlich zum guten Ton dazu gehören.

Test: Seymour Duncan Diamondhead, Verzerrer-Pedal

Seymour Duncan Diamondhead – Klangbeispiele

Der Hersteller weist darauf hin, dass das Diamondhead Verzerrer-Pedal nicht nur, wie meist üblich, zwischen Gitarre und Amp verkabelt werden kann. Auch als reiner Preamp, und dann in den Return des Effektwegs des Verstärkers gelegt, kann das Pedal durchaus eingesetzt werden. Das funktioniert tatsächlich sehr gut und sorgt für noch mehr Ruhe im Gesamtsound, da die Vorstufe und damit eine potenzielle Rauschquelle umgangen wird. Für die Klangbeispiele habe ich jedoch den konventionellen Weg, also Gitarre-Pedal-Verstärker, gewählt. Aufgenommen wurden die Tracks mit dem Orange Micro Dark, der angeschlossenen 1×12″ Celestion Vintage 30 Box und einer Harley Benton Telecaster, deren Test hier ebenfalls bald zu sehen sein wird. Ein ganz schwaches Echo aus meinem Catalinbread Echorec ist noch zu hören, ansonsten wurde nur ein Limiter benutzt, um die überragende Dynamik des Diamondhead bestmöglich einfangen zu können.

Fazit

Ein im Klang enorm vielseitiges und vor Dynamik nur so strotzendes Verzerrer-Pedal präsentiert uns Seymour Duncan mit dem Diamondhead. Ausgestattet mit einer kräftig zupackenden 3-Band-Klangregelung, dem 15 dB Booster „für alle Fälle“, den enormen Gain-Reserven sowie den geringen Nebengeräuschen ist der Preis für das Pedal meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt. Abzüge in der Note gibt es lediglich für die fehlenden Softclick-Schalter, die bei einem Pedal in dieser Preisklasse schon dazugehören sollten und für die zwei extrem hellen LEDs, die ein Einstellen bei Dunkelheit schnell zum Blindflug machen können.

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • sehr rauscharm
  • klasse Dynamikverhalten
  • enorme Gain-Reserven
  • effektiv arbeitender EQ
  • 15 dB Booster als Bonus

Minus

  • keine Softclick-Schalter
  • unnötig helle LEDs

Preis

  • 249,- Euro
Klangbeispiele
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