Test: Seymour Duncan Dark Sun, Delay-/Reverb-Pedal

17. September 2019

Der dunkle Stern unter den Delay- und Hall-Pedalen!

 

Das Seymour Duncan Dark Sun ist, kriegt man zumindest von Fans der Seymour Duncan-Marke zu hören, das beste Delay- und Reverb-Pedal, das es derzeit auf dem Markt gibt. Wer glaubt, dass ich übertreibe, kann gerne mal in den gängigen Foren oder YouTube reinschnuppern – das Dark Sun hat eine inzwischen fast fanatische Anhängerschaft hinter sich versammelt. Aber hier gilt: Je größer der Hype, desto größer die Skepsis.

Nichtsdestotrotz wurde ich hellhörig, als ich mitbekam, dass Seymour Duncan für dieses Pedal mit Mark Holcomb zusammengearbeitet hat, dem Gitarristen von Periphery. Es gibt unzählige Signature-Gitarren auf dem Markt – Signature-Pedale sind eher selten und auch wenn es sich streng genommen beim Dark Sun auch nicht um ein Signature-Pedal handelt, so ist Marks Sinn für Klangästhetik bei der Entstehung des Pedals doch maßgeblich eingeflossen. Unabhängig davon habe ich mich mit den bisherigen Pedalen der Firma ein wenig schwer getan – der Klang der Modulationen war stets ein bisschen dünn und die Reverb-Engines, die sie in die Pedale packten, zu künstlich. Aber Geschmäcker variieren und ich war mehr als gewillt, offen an das Dark Sun heranzugehen.

Um was handelt es sich? Ganz einfach – um ein digitales Stereo-Delay- und Reverb-Pedal mit reichlich Optionen und Routing-Möglichkeiten, Dynamic-Expression und Delay-Modi. Das Dark Sun bringt eine Menge mit, nicht zuletzt Spielraum und Updates mittels Firmware. Immer mehr Firmen trauen sich, das ewige Geschwisterpaar von Delay und Reverb unter einen Hut zu bringen. Das Specular Tempus war zuletzt ein echter Knaller und mein bisheriger Favorit dieses Jahr – bleibt offen, ob Seymour Duncan auf dem Feld ähnlich Großes gelingt. Klangliche Einflüsse waren das Andromeda Dynamic Delay und das Silver Lake Dynamic Reverb – wovon mich Letzteres nicht sonderlich überzeugt hatte. Doch vielleicht entfaltet die Engine in der Dark Sun eine bessere Wirkung – gespannt darf man allemal sein.

Seymour Duncan Dark Sun – Facts and Features

Seymour Duncan Dark Sun

Gut verarbeitet, elegante Optik – daran hapert es schon mal nicht. Im Lieferumfang des Seymour Duncan Dark Sun ist kein Netzteil enthalten, aber das Gitarren-Pedal kommt mit der üblichen Stromversorgung von 9-18 V aus und nutzt 150 mA. Die Ausgangsimpedanz liegt bei 100 Ohm. Stereo-Kapazitäten sind vorhanden, das heißt konkret: zwei 6,3 mm Klinken für Input und zwei für Output auf der Stirnseite sowie die Möglichkeit, den Bypass von True auf Buffered zu schalten. MIDI-Kompatibilität ist selbstredend auch gegeben – immerhin handelt es sich um ein digitales Delay im Jahre 2019 – mit einem MIDI-In und MIDI-Thru sowie einem kleinen, versteckten Micro-Schalter, mit dessen Hilfe man das Pedal ggf. auf die Factory-Default-Settings zurücksetzen kann.

Was gibt der Umfang in Sachen Presets her? Ganze 128 Stück können hier abgerufen werden, organisiert in 32 Banks, die sich wiederum jeweils auf 4 Presets aufteilen lassen. Die maximale Delay-Zeit des Dark Sun beläuft sich auf 5 Sekunden – das ist durchaus beachtlich und vor allem in Verbindung mit dem Reverse-Delay sicherlich eine spannende Angelegenheit. Soweit – so gut, also was die Facts und Features angeht – kommen wir zum spannenden Bedienpanel des Seymour Duncan Dark Sun.

Seymour Duncan Dark Sun, Delay-Pedal – Bedienpanel

Seymour Duncan Dark Sun

Acht Delay-Typen besitzt das Dark Sun. Wer jetzt abgedrehte Filter- und Bitcrusher-Delays erwartet, dürfte enttäuscht sein. Das Seymour Duncan Dark Sun ist ein vor allem funktionales, Performance-basiertes Pedal, dessen Delay-Typen das widerspiegeln.

  • Quarter Note ist der gewöhnliche Digital Delay, der in Viertelnoten getaktet ist.
  • Dotted Eighth ist ein digitales Delay mit Tap-Tempo in punktierten Achteln.
  • Eighth Note ist ein Delay mit Tap-Tempo in gewöhnlichen Achtelnoten.
  • Triplet ist ein digitales Delay, dessen Tap-Tempo die Wiederholungen in Triplets aufteilt.
  • Pattern lässt die Wiederholungen sowohl in Viertel als auch in punktierte Achteln ablaufen.
  • Reverse bezeichnet die typische Reverse-Delay-Engine, die hier in Viertelnoten getaktet ist.
  • Ping Pong schöpft die Stereo-Kapazitäten des Dark Sun aus und lässt das Signal zwischen links und rechts in Viertelnoten springen.
  • Reverse Ping Pong entspricht der Ping-Pong-Engine, nur mit einem Reverse-Delay.

Der Bank- und der Preset-Button lassen einen zwischen den einzelnen gespeicherten Einstellungen wechseln und aktivieren den „Save“-Mode, sobald man sie beide gleichzeitig gedrückt hält. Ein bisschen umständlich für die Live-Situation ist das alle Mal – da kommt man wohl oder übel nicht um einen MIDI-Schalter und PC-Befehle herum.

Die Hall-Möglichkeiten des Seymour Duncan Dark Star fallen nicht ganz so umfangreich aus. Im Grunde lassen sich die Parameter des integrierten Reverbs anhand von zwei Reglern einstellen: Der R.Size-Regler kümmert sich um Decay und Room des Reverbs. Will heißen: nach rechts hin weitet sich der Hall ätherisch aus. R.Mix kümmert sich um das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal. Erfreulich hierbei: Ein vollständiges Schlucken des Dry-Signals ist problemlos möglich.

Seymour Duncan

Seymour Duncan

Die eigentliche Stärke und das, was den Seymour Duncan absetzt von beispielsweise dem Avalanche Run von Earthquaker Devices und auch dem Specular Tempus: Die Routing-Möglichkeiten. Der Regler rechts oben ermöglicht es, entweder Delay in den Reverb, den Reverb in das Delay oder Delay und Reverb parallel in den linken oder rechten Kanal zu speisen. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist der kleine Threshold-Regler für die Anschlagsdynamik. Dieser regelt die Empfindlichkeit, mit der die Effekte des Seymour Duncan Dark Sun auf den Anschlag reagieren – eine Option, die das Silver Lake Reverb und das Andromeda Delay bereits auszeichneten.

Um Platz auf dem Panel zu sparen, ist ein einziger Regler für die Filter-Optionen, Sättigungen und Modulationen zuständig. Mit zwei kleinen Knöpfen lässt sich zwischen Lowpass-Filter, Highpass-Filter und Gain wechseln sowie zwischen Depth, Rate und Blend der Modulation. Der Tweak-Regler lässt einen dann den ausgewählten Parameter einstellen. Abgerundet wird das Ganze durch einen kleinen Knopf unter den Delay-Reglern (Time, Feedback und Mix) für die Trails. Sind diese deaktiviert, verschwindet das Signal, sobald der Bypass-Schalter aktiviert wird. Sind sie aktiviert, verschwindet das Signal langsam und auf natürliche Weise aus dem Klangbild. Insgesamt also ein umfassendes Panel, dessen viele kleine Knöpfe live jedoch Probleme machen können. Speziell das Anwählen der Presets über derart kleine Knöpfe kann zu Fehlern führen. Wie erwähnt ergibt da ein MIDI-Schalter sicher Sinn. Auch schade – augenscheinlich keine Option für ein Expression-Pedal. Wie dem auch sei – am Ende entscheidet die Klangqualität. Und die schauen wir uns jetzt an.

 

Seymour Duncan Dark Sun, Delay Pedal – Sound und Praxis

Seymour Duncan Dark Sun

Seymour Duncan Dark Sun

Der Seymour Duncan Dark Sun liegt genau in der richtigen Schnittmenge, wenn es um die Komplexität und Handhabung geht. Es ist nicht zu kompliziert, wird aber seiner inneren Vielfalt gerecht und lädt zum Ausprobieren ein. Wie bereits erwähnt – die kleinen Knöpfe sind gewöhnungsbedürftig. Kein prinzipielles Manko – aber ich bin da einfach kein Fan von. Wer keinen MIDI-Controller hat, darf rumfummeln und rumdrücken und das ist einer Live-Performance abträglich. Kann mir nicht vorstellen, dass Mark Holcomb diese Lösung feiert. Ist aber auch ein Trademark von Seymour Duncan und da ich auch Leute kenne, die den Aufbau der Seymour Duncan Pedale schätzen, kann dies getrost unter „eine Frage des Geschmacks“ verbucht werden.

Recht früh stellt sich raus, die Möglichkeit, Delay in das Reverb und umgekehrt zu speisen, sollte auf jedem Delay-Reverb-Pedal vorhanden sein. Da es (unter Gitarristen) eher untypisch ist, das Delay in der Signalkette nach dem Reverb zu setzen, stößt man hier so auf erfreuliche Überraschungen. Auch die Modulation gefällt – die ist tatsächlich alles andere als dünn und lässt sich ausreichend „tweaken“, um auch alleinstehende, gut klingenden Vibrato- oder Chorus-Effekt zu erzeugen.

Die große Frage ist und bleibt die nach dem allgemeinen Klangbild: Ich persönlich werde damit nicht warm. Wie auch schon das Silver Lake Reverb muten die Klangflächen ungemein steril an. Die Dynamic-Expression reißt da was raus und vermittelt zumindest ein organisches Spielgefühl, durch den sich beispielsweise ein Delay-Brei bei schnellerem Spielen vermeiden lässt. Tatsache ist aber: Schaltet man das Pedal ein und aus, merkt man, dass eine schwer zu beschreibende „Verflachung“ des Signals einsetzt. Es klingt gut, es klingt bisweilen, vor allem moduliert, auch füllig, aber es ist spürbar ein digital arbeitendes Gerät, das sich in diesem Falle enorm auf die Klangfarbe auswirkt. Ist das erneut eine Frage des Geschmacks? Wahrscheinlich vor allem, wenn man das Echo im Netz bedenkt. Es ist ein gut klingendes Delay- und Reverb-Pedal mit eigenem Charakter, den man mögen muss. Das Preis-Leistungs-Verhältnis jedoch stimmt in diesem Falle.

 

Fazit

Seymour Duncans Pedale genießen einen guten Ruf, der über weite Teile gerechtfertigt ist. Doch man muss sich zweifelsohne mit dem digital und künstlich klingenden Charakter des Dark Sun anfreunden. Wer das Andromeda Delay oder das Silver Lake Reverb feierte, dürfte auch hier recht glücklich sein. Klanglich flexibel, technisch umfassend ausgestattet und durchaus einladend zum Erforschen und Rumprobieren: Ein gutes, Performance-basiertes Gerät, das den Fans von digitalen Delays zweifelsohne ans Herz gelegt werden darf.

Plus

  • klanglich flexibel (Vibrato, Chorus)
  • Routing-Möglichkeiten
  • technisch umfassend ausgestattet

Minus

  • steriler Klangcharakter

Preis

  • 379,- Euro
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