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Test: Specular Tempus, Delay & Reverb-Pedal

18. August 2019

Anwärter auf Delay-/Reverb-Pedal des Jahres?

Specular Tempus

Specular Tempus

Wer für die großen Effektklassen das Nonplusultra sucht, schielt oft zu den großen Namen: Electro Harmonix, Strymon, Boss. Dass jedoch kleineren Firmen manchmal ein echter Paukenschlag gelingen kann, sahen wir zuletzt bei der Erfolgsserie von Meris. Und auch wenn wir in Zukunft hier und da gezielt Schätze für euch ausgraben wollen, muss jemand den Anfang machen. In diesem Falle wollen wir euch das Specular Tempus der indonesischen Firma GFI Systems nicht länger vorenthalten. Klar ist: Seit der Erscheinung Anfang dieses Jahres ist ein bisschen Zeit vergangen, aber der Specular Tempus dürfte wohl die Speerspitze unzähliger Best Of-Listen am Ende dieses Jahres anführen. Der Grund ist einfach: Im Netz wird das Specular Tempus als beste Delay- und Reverb-Kombi seit Langem gefeiert.  Wir sehen uns vor allem die vielbeschworene und hochgelobte Klangqualität näher an und stellen die Königsfrage: Ist der Specular Tempus wirklich die derzeit beste Gitarren-Gesamtlösung für die ewig quälende Frage nach Delay und Reverb?

Specular Tempus, Delay & Reverb-Pedal – Facts and Features

Also – was ist das Specular Tempus? Einfach gesagt: Ein digitales Delay- und ein Reverb-Pedal in einem. Kein Hexenwerk also, wobei sich viele Unternehmen in der Vergangenheit an dieser Kombination versuchten, mal erfolgreicher, mal wenig erfolgreich. Bestenfalls harmonieren die zwei Engines miteinander auf eine Weise, sodass ein stimmiges Gesamtbild mit eigenem Charakter entsteht. Sowohl für die Delay- als auch die Reverb-Sparte stellt das Specular Tempus jeweils 16 Algorithmen zur Verfügung. Das ist nicht wenig, aber trotzdem überschaubar und dem Overkill an Optionen, der vielen digitalen Geräten zu Eigen ist, vorzuziehen. GFI Systems stellen mit dem Specular Tempus selbstbewusst Reverb und Delay in höchster Studioqualität in Aussicht – was wir entsprechend überprüfen werden.

Die technischen Details sind umfassend: Separate AUX-In und AUX-Out ermöglichen es, mit externen Fußschaltern die Bedienbarkeit und den Zugriff der Presets für die Live-Situation erheblich zu vereinfachen oder ein externes Tap-Modul anzuschließen. Das Pedal selbst besitzt einen integrierten Tap-Modus, der jedoch erst eingestellt werden muss. Auch dabei: ein Auto-Swell-Modus, der ebenfalls im Panel eingestellt werden kann.

Insgesamt lassen sich also auf insgesamt 8 Presets bzw. 4 Banks zugreifen, mit einem MIDI-Schalter jedoch auf 24 Presets (was ehrlich gesagt ein bisschen verwundert – weshalb der Zugriff auf alle 24 Presets nicht auch ohne MIDI funktioniert). Stereo-Kapazitäten sind ebenfalls gegeben – Left- und Right-In sowie Left- und Right-Out lassen einem die Wahl zwischen Mono und Stereo. Ein zentraler MIDI-In zwischen den AUX-Anschlüssen macht das Specular Tempus Delay & Reverb-Pedal kompatibel für allerhand Synthesizer-Spielereien. Das Tap-Tempo besitzt insgesamt 4 Subdivisions. Das Specular Tempus wird nicht über Batterie, sondern über das klassische 9 Volt Netzteil betrieben und wiegt bei den Maßen von 12 x 9 x 5,5 cm knapp über ein halbes Kilogramm – handlich und Pedaltrain-freundlich ist das Gerät also allemal.

Der USB-Anschluss auf der Rückseite ermöglicht es, mit dem kostenlosen Desktop-Editor SpecLab (den Ihr hier downloaden könnt), eine vertiefte Bearbeitung der Parameter vorzunehmen. Der Editor selbst ist rein von seiner Ästhetik her ein wenig altbacken, erfüllt aber seinen Zweck. Ein durchaus nützliches Addendum, von denen der Specular Reverb zu guter Letzt vor allem mit dem integrierten 3,5 mm Klinke-FX-Loop noch eins besitzt, das meiner bescheidenen Meinung nach viel mehr Delay-Pedale haben sollten: Die Möglichkeit, das Delay-Signal mit selbstgewählten Effekten unterfüttern zu können. Wer also einen Bitcrusher oder Modulation in die Schleife des Specular Tempus einspeisen möchte, kann dies tun.

Specular Tempus, Delay- & Reverb-Pedal

 

Specular Tempus, Delay & Reverb-Pedal – Panel

Für ein so umfassendes Pedal fällt die Bedienung des Specular Tempus ein wenig karg aus. Integriertes Delay plus Reverb mit 32 Algorithmen – und dann nur vier Regler? Der Verweis auf die Software liegt nahe, trotzdem wirkt es auf den ersten Blick und für den unmittelbaren Zugriff ein wenig reduziert.

Das blaue Display ist nicht zu grell und gut lesbar, vor allem geeignet also für die Dunkelheit während eines Gigs. Gleichzeitig geben die einzelnen Regler konkret an, welche Bank gerade aktiviert ist – Bank 1 bis 4 eben. Die Potis erfüllen für Delay und Reverb jeweils folgenden Zweck:

  • Blend erlaubt es, das Verhältnis von Dry und Wet einstellen.
  • Decay/Time lässt einen entweder die Länge der Hallfahne einstellen oder eben die Delay-Zeit – je nachdem, welche Engine man zuletzt angewählt hat.
  • Param erlaubt es, den jeweiligen zentralen Parameter des Algorithmus zu verändern.
  • Intensity/Repeats lassen einen entweder die Intensität und Tiefe des Halls einstellen oder die Anzahl der Repeats des Delays.

Die tieferen Funktionen des Panels sind nicht ganz ohne: Wie gesagt, die Presets sind zweifach in Banks organisiert. Vier Banks sind auf vier Pages organisiert – 2 x 4 x 4 ergibt 32 Presets. Bedient man den A- und B-Knopf gleichzeitig, wechselt man die Bank. Das Speichern eines Presets erfolgt auf dem jeweiligen Knopf – gedrückt halten, nachdem man an den Parametern fertig probiert hat und gut ist. Im Default-Mode des Testgeräts wird, wenn man A und B gedrückt hält und somit den Swell-Modus aktiviert, Decay/Time aufs Maximum getrieben. Mit der SpecLab Software lässt sich jedoch einstellen, welchen der vier Regler/Parameter die Autoswell-Funktion maximieren soll.

Wie erfolgt der Zugriff auf die jeweiligen Algorithmen? Auch hierzu ein paar kurze Worte: Der kleine Edit-Knopf in der unteren Mitte des Pedals öffnet das Menü auf dem Display, mit dem Decay/Time-Regler lässt sich dann durch das Menü schalten. Darüber hinaus kann der Edit-Knopf gedrückt gehalten werden, wodurch man in den Edit-Modus kommt. Ist dieser aktiviert, verwandeln sich die vier Regler in Knöpfe, mit denen vier Grundparameter ändern lassen.

Ein kluges System, das wie bei vielen Boutique-Pedalen mit zweiter Bedienungsebene erst mal geblickt werden muss. Aber sobald dies der Fall ist, versteht sich vieles von alleine. Viele kleine Kniffe verstecken sich hierbei (soll das Specular Tempus beispielsweise auf eine MIDI-Clock reagieren können, muss das Tempo auf Global gestellt werden), die vom Nutzer erwarten, dass man anfänglich ein paar Stunden mitbringt und sich mit den Eigenheiten vertraut macht. Trotzdem fällt bereits vor der praktischen Auseinandersetzung auf, dass das Specular Tempus ein rundum perfekt ausgestattetes, angemessen zugängliches Delay & Reverb-Pedal ist. Sollten sich in der Praxis die entsprechenden Erwartungen erfüllen, kann der Hype durchaus als nachvollziehbar gelten. Also schauen wir uns mal an, was der Specular Tempus klanglich reißt.

Specular Tempus, Delay & Reverb-Pedal – Praxis

 

Specular Tempus, Delay- & Reverb-Pedal

Beim Einstecken und erstem Klimpern wird selbstredend deutlich – keine Nebengeräusche oder Gerausche bei diesem digitalen Gerät. Wir arbeiten mit dem Focusrite Scarlett Solo und seinem Direct-In, um uns ein möglichst unverfälschtes Bild von den Engines zu machen. Was dabei sofort auffällt, der Sound ist glasklar, es gibt keine Ausdünnung des Signals oder derartige Probleme. Wir arbeiten uns durch die einzelnen Presets und drehen an den Algorithmen herum. Den Anfang macht die Reverb-Sparte.

Auf Anhieb findet man großen Gefallen an dieser enorm beliebten Reverb-Engine: Nicht zu schrill oder zu aufdringlich, im Gegenteil: Der Effekt entfaltet sich dezent, ätherisch und bemerkenswert dicht, trotz allem. Die Parameter-Einstellungen befanden sich allesamt um die 12 Uhr-Marke.

Für das „Space“-Preset gilt das Gleiche: Der Sound ist unglaublich klar und weich – genau, was man sich von einem digitalen Reverb bestenfalls erhoffen kann: Klarheit, ohne Rauschen und eine gewisse Wärme im Klang ohne die befürchtete digitale Kälte. Allmählich zeichnet sich das Bild ab, dass der Specular Tempus dem Hype gerecht werden könnte.

Das „Tremble“-Preset demonstriert, dass sich problemlos auch klassische Modulation aus dem Specular Tempus rausholen lässt: Ein weiches Tremolo, perfekt eingewoben in die Reverb-Fahne.

Gigantisch anmutende Kathedral-artige Hall-Fahnen sind die vielleicht größte Stärke des Specular Tempus: In Sachen Klarheit und Wärme werden hier BigSky-Gefilde erreicht, für den Bruchteil des Preises. Und auch der klassische Spring-Reverb klingt beim Specular Tempus authentisch:

Kommen wir zum Delay. Nachdem die Reverb-Sparte auf ganzer Linie überzeugen konnte, steht die Frage im Raum, ob eventuell beim Delay gespart wurde. Den Anfang macht das „3 Heads“-Preset, das mit punktierten Achteln arbeitet und dabei die weitere Flexibilität des Specular Tempus demonstriert.

Ich kann mich nicht entsinnen, bei einem Kombinationsgerät der letzten Jahre eine bessere Delay-Engine gehört zu haben. Die Repeats sind butterweich, das Klangbild kristallklar.

Und auch oktavierte, modulierte Repeats, erneut butterweich im Abklang, sind kein Problem für den Specular Reverb – gefällt sehr gut.

Sphärische, ätherische Repeats entfalten mit Obertönen bestenfalls eine gewisse Magie – auch hier gegeben.

Zu guter Letzt zeigt einer der Delay-Algorithmen, dass auch in Echtzeit transponierte Repeats ein tadelloses, glasklares Klangbild ergeben können.

Fazit

GFI Systems ist das (bislang) beste Delay/Reverb-Pedal des Jahres gelungen. Punkt. Dieses Kombinationsformat ist von vielen Firmen versucht worden und stets war das Ergebnis durchwachsen. Die Gründe hierfür mögen vielschichtig sein. Tatsache ist: Der Specular Temps macht alles richtig. Mehr Buy for the Buck geht nicht, zumindest nicht, wenn diese beiden Effektklassen zusammen vorliegen. Man kann also 700 bis 800 Euro in die Hand nehmen oder nicht mal die Hälfte – und ist mit dem Specular Tempus bestens bedient. Ein Pedal, geeignet für das Studio, ebenso wie für die Bühne und ein kleines Juwel.

Plus

  • großartige Klangqualität
  • übersichtliches Panel
  • erhöhte Flexiblität durch Software
  • großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • ohne MIDI eingeschränkter Zugang auf Banks

Preis

  • 359,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Atarkid  AHU

    Ist ja alles gut und schön, aber das Delay des Jahres kann’s nicht werden. Dafür fehlt DIN-Midi. Somit keine Möglichkeit das Teil mit konventionellen Geräten zu synchronisieren. Naja, Hauptsache USB ^^….

    • Profilbild
      Green Dino  AHU

      Jepp, Din Midi Eingang gibt es, synchronisiert auch zu Midi Clock, Program Changes für die Patches und Midi CC für die vier Knöpfe gibts auch.
      Bypass, Kill Dry, Tap Tempo sowie die Funktionen, die über Aux Switch erreicht werden können sind auch über Midi CC steuerbar.

  2. Profilbild
    Doc  

    Hallo,

    das Teil hat MIDI.

    Zwischen Aux In und Aux out.
    Mit Foto waers ersichtlich.

    Allerdings steig ich in dem Test hier nicht durch.

    Gemaess Anleitung Vers 3.8 hat das Geraet 36 Algorithmen.

    13 Reverb, 17 Delay und 6 Reverb & Delay Combinationen.

    Allerdings ist my Englisch net wirklich das Beste.
    Man moege Nachsicht ueben.

  3. Profilbild
    martin stimming  

    schade dass die klangbeispiele mono sind, nen hall kann ich eigentlich nur stereo wirklich beurteilen.
    vor allem da sie inhaltlich sehr schön (gespielt) sind!

  4. Profilbild
    SynthUndMetal  

    Ja wirklich schade, dass die Beispiele in Mono sind. In Stereo geht bei GFI beim Hall wirklich die Sonne auf. So klingt das Ganze leider ziemlich blass. Wenn möglich bitte, bitte Stereo nachtragen… Bitte auch Beispiele mit Synthesizern, da der Specular Tempus ja voll Stereo ist und dort dem Sound eine neue Dimension geben kann. Für höhenreiche perkussive Sounds aber nicht ganz so gut geeignet. Persönlich finde ich die langen Hallfahnen von GFI Systems als so ziemlich die Besten am Markt. Ist basierend auf Psychoakustik-Algorithmen und nicht auf Imitation von realen Räumen. Daher vielleicht nicht jedermanns Sache.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey ISE500

      Einen Nachtrag mit Synthesizern wird es bald geben. Das war im Rahmen des Tests leider nicht möglich, wird aber in Zukunft bei dieser Effektklasse immer der Fall sein.

      Doch prinzipiell: Auf jeden Fall.

      • Profilbild
        ISE500  

        Danke Dimi,

        ich wollte nur vorsichtshalber nachfragen. Im Endeffekt werden ja auch Strymons und Eventides immer als Gitarreneffekte vermarktet – wahrscheinlich aus ökonomischen Gründen.

    • Profilbild
      rio  

      Ja das passt für den Einsatz hinter Synths. Auch mit der Ausgangsimpedanz von 500 Ohm passt das.

      Ansonsten finde ich das Teil richtig gut gelungen – ob Design, Klang, LCD Feature, Midi, Speicheroption, die unterschiedlichen Delay+Reverb Algos – alles in einem Gerät ;)

  5. Profilbild
    chris  

    Laut Handbuch sind bei der Firmware v3.8 neue Delay Algorithmen hinzugekommen, darunter ein Tape Echo, wenn ich es richtig verstehe.

    Ich habe mir das Teil mal bestellt, hauptsächlich für meine Synthesizer.
    Ich denke einen guten Hall/Echo Bodentreter, kann man immer gebrauchen.

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