Test: Simmons SD200, E-Drums

7. August 2020

Einsteiger-Kit einer E-Drum Legende

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Simmons SD200, E-Drums

Der Hersteller SIMMONS ist im E-Drum Segment wahrlich kein Unbekannter. Bereits in den 80er-Jahren wurde SIMMONS mit seinen sechseckigen Pads und den damals modern klingenden Drum-Sounds aus der Zukunft weltberühmt. Über Jahre hinweg spielten sie damit in der ersten Liga und entwickelten stets neue Produkte, bis in den Neunzigern das Ende kam. Nun kehrt der Name SIMMONS wieder zurück. Uns stand das SD200 Kit zum Test zur Verfügung: ein 5-teiliges Einsteiger-Set samt Rack und Soundmodul.

Auspacken und Aufbauen

Das SIMMONS SD 200 kommt mit 16,8 kg Gesamtgewicht in einem hochglanzvollendeten Karton ins Haus. So ist die Aufregung groß, welche Optik das neue Einsteiger-Set unter dem Namen SIMMONS bietet. Wie ist es ausgestattet und was daran ist wirklich „SIMMONS-like“?

Das voluminöse und doch gut handhabbare Quadrat enthält alle Komponenten. Dank leerer Kartonagen und Styropor-Stücken gibt es keine Freiräume. So rappelt nichts im Karton und es kann auch kein Bestandteil beschädigt werden – sehr gut!

Tom-Pads des SIMMONS SD 200 Kits

Beim Öffnen erscheint oben auf den Einzelkartonagen eine 20-seitige Bedienungs- und Aufbauanleitung in deutscher Sprache – das ist sehr hilfreich! Die Komponenten befinden sich in einzelnen Kartons – nur die beiden Controller-Pedale für Kick und HiHat teilen sich eine temporäre Unterkunft. Alle Verpackungen tragen die Beschriftung des Inhalts und zudem den Hinweis, von welcher Seite die Faltkartonagen geöffnet werden sollen, damit der Inhalt keinen Schaden nimmt. Prima! Ich entnehme drei Tom-Pads in 8 Zoll Größe (SD500PAD8S) und Vollgummi-Ausführung – und siehe da, sie sind rund! Wie jetzt, keine sechs Ecken?!?

Das Snare-Pad (SD200SN8) ist ebenfalls in 8 inch Größe und in runder Form gestaltet – hier geht das aufgrund des aufgebrachten Mesh-Heads logischerweise in Ordnung.

Snare Pad des SIMMONS SD 200 Kits

Die Pedal-Controller SD300HHC für die HiHat und SD300KICK für die Kick-Drum tragen auf ihren Pedalen den SIMMONS-Schriftzug sowie zahlreiche Sechsecke, die, einer Sohle ähnelnd, hierdurch die Trittflächen bilden. Auch wenn die Controller räumlich viel Platz einnehmen, so sind sie aufgrund ihrer hohlen Gestaltung nur Leichtgewichte. Auf der Unterseite befinden sich bereits 2 bzw. 3 gummierte Flächen, die die Controller rutschfest auf glattem Unterboden halten, das ist gut! Ergänzend sind Klett-Pads mit Klebeflächen beigelegt, somit kann die Anwendung auf Teppich ebenso rutschfest gestaltet werden.

Die Foot-Controller des SIMMONS SD200 Kits

Die Schlagfläche des Kick-Controllers wurde im Gegensatz zur klassischen Fußmaschine nicht in der Senkrechten, sondern in der Waagerechten vor dem Pedal platziert. Der mittels Textilband gehaltene Schlegel trifft auf eine Miniatur eines Tom-Pads als Schlagfläche. Dank des wattierten Kopfes erfolgt dies lautlos. Das Treten beider Controller erfolgt leicht und nur mit geringem Widerstand.

Es folgen 3 Becken-Pads aus dem Paket. Einmal als 8 Zoll und zweimal in 10 Zoll Größe. Das kleine 8“ Pad (S200CYM8S) dient als HiHat-Becken und die beiden größeren als Ride und Crash. Zwar sind diese auf den Kartonagen entsprechend abweichend gekennzeichnet, allerdings entpuppen sich diese beim Auspacken als identisches Modell (SD600CYM10S). Die Halterungen für das „virtuelle Blech“ sind zum Schutz jeweils separat in schmalen Kartonagen zu finden. Sie sind ebenfalls schwarz und als Vierkantstab mitsamt einem leichten Winkel am oberen Ende ausgelegt. Das Aufstecken der beiden größeren Pads erfolgt simpel, da hierzu keine Schraube zum Fixieren eingesetzt wird. Allein die Kunststoffverdickung des Stabendes sichert hier das Herausspringen beim Spielen.

Schlagflächen der Cymbal-Pads (SIMMONS SD 200 Kit)

Alle Pads sind nur teilflächig mit Spielflächen versehen. Auch wenn die beiden größeren Pads noch rechts und links des Aufstecklochs weiter fortlaufen, so sucht man die Glockenregion vergebens – das bedeutet nur ein Sound pro Cymbal-Pad bzw. Ride-Becken.

Der untere Rand ist rückseitig verstärkt und mit einigen Noppen versehen. Zuerst sieht dies wie eine Stoppfunktion aus, jedoch Fehlanzeige, die Ausführung mit dem verdickten Rand begründet sich vermutlich nur damit, dass sie auch gut nach unten vorne hängen.

Unterseiten der Becken Pads (SIMMONS SD 200 Kit)

Das HiHat-Pad muss hingegen mit einer Schraubklemme und einem Filz befestigt werden. Das Herausdrehen der Klemme verlangt Geduld. Das Gewinde ist sehr lang und das Abdrehen erfolgt nur mit Kraftanstrengung. Die gerade Haltestange kann mittels Reduzieradapter in eine normale Rack-Klemme eingesteckt werden und verfügt über eine einseitig schwungvolle Neigung in der Form. Die Positionierung des Pads auf dieser Fläche sollte definitiv erklärt werden, damit dieses nicht falsch aufgesteckt wird. Immerhin haben wir es in dieser Preisklasse mit Einsteigern zu tun!

10″ Becken-Pad des Simmons SD200 Kits

Die Erläuterungen in der Anleitung sind ansonsten klar und verständlich formuliert. Die Abbildungen passen zu den Einzelkomponenten, allerdings wurden anscheinend die Aufhängungen der Tom-Pads verändert. Die Anleitung zeigt noch L-Rods für die Montage, die Pads tragen jedoch bereits integrierte Halterungen. Das Einstecken der runden Nase in die Halteklemme erfolgt mit etwas Druck bzw. wird durch etwas Hin- und Herdrehen einfacher.

Nachdem nun alle Einzelpackungen entnommen sind, gibt dies nun den Blick auf das Drum-Rack SD200RK frei. Dies ist bereits vormontiert auf dem Boden des Kartons platziert und muss nur noch auseinandergefaltet werden. Noch kurz die Positionierungen der einzelnen Klemmen einstellen. Fertig!

SIMMONS SD 200 Kit

Die Querstangen sind sechseckig ausgeführt und besitzen daher Klemmen mit Rastern. Diese lassen sich erst verstellen, wenn man sie sehr weit löst und selbst dann klacken sie beim Verdrehen aufgrund des deutlichen Widerstands recht lautstark. Die Einstellbarkeit hält sich hierdurch in Grenzen. Gerade das Schrägstellen der Tom-Pads bietet nur eine wirklich sinnvolle Neigung an, dreht man bis zur zweiten Rasterung weiter, so befindet sich das Pad dann bereits in einem 45° Winkel. Ebenso ist die Einstellbarkeit der Snare nach vorne zum Drummer hin nicht möglich, sondern nur seitlich. Schade.

Seitenansicht des SIMMONS Percussion-Modul S200M des SD200 Kits

Fehlt nur noch das Soundmodul, vom Anbieter interessanterweise „Percussion Sound Modul“ (S200M) genannt. Dieses entspricht einem schwarzen viereckigen Quader mit leicht gekappten Ecken nach vorne hin. Die verschiedenen Steuerungstasten, die aus weicherem Gummimaterial bestehen, zeigen erneut eine schon bekannte Form, das Sechseck. Sie verschieben sich beim Drücken leicht in ihrer Aussparung und haben daher einen etwas unklaren Druckpunkt. Die zwei mittig angebrachten Plus- und Minus-Tasten sind hier besser hinsichtlich des Druckpunkts, denn sind sie auch größer und mit einer Kuhle für die Fingerkuppe versehen worden. Der Ein- und Ausschalter liegt etwas vertieft im Gehäuse und verhindert versehentliches Ausschalten. Das hellblau leuchtende LC-Display fällt mit 3 Stellen und 3 Punkten recht spartanisch aus. Dennoch ist es gut lesbar.

Rückansicht des Sound Moduls S200M (SIMMONS SD 200 Kits)

Vorne links ist die Kopfhörerbuchse (3,5 mm) zu finden. Seitlich links oben, am Rand des Gehäuses, ist die Lautstärkeeinstellung in Form eines Drehrades angebracht. Auf der Rückseite befinden sich der Anschluss für das externe 9 Volt Netzteil, 2 Stereo-Out-Buchsen, eine USB-Buchse als PC-MIDI-Schnittstelle sowie die Aux-In-Buchse – ebenfalls als 3,5 mm Stereo-Miniklinke ausgelegt. Der Kabelbaum zu den 7 Pads und den beiden Fuß-Controllern kann mittels serieller Schnittstellenbuchse auf der Unterseite schnell angeschlossen werden. Die Kabellängen sind passend zu den Entfernungen ausgelegt und farbig unterschiedlich markiert.

Beim Einstecken der Stecker fallen bei den Becken-Pads kleinere Kunststoffnasen auf der Unterseite auf. Somit kann das Kabel sinnvollerweise vom Spieler nach hinten weggeführt werden. Allein beim kleinen Pad ist dies etwas knifflig beim Anbringen, da die Nase sich genau auf der Höhe der Kabelmarkierung befindet und diese das Kabel dort verdickt. Beim zweiten Blick fällt auf, dass die Markierung mit etwas Fingerspitzengefühl auch entlang des Kabels verschoben werden kann. Aha! Hierbei sollte man jedoch vorsichtig vorgehen, um das Knicken des Kabels zu vermeiden.

Das Einstecken des Kabels gelingt nur mit etwas „Zutun“

Das Einbringen der abgewinkelten Kabelstecker in die Steckbuchsen der Tom-Pads ist nicht ohne Weiteres möglich. Durch die Konstruktion der Unterseite mittels Stabilisierungsringe stößt das Ende des Steckers an diese und ermöglicht das Einstecken nur mit etwas Hin- und Herdrehen. Natürlich überträgt sich dies dann auf die Kabelbuchse, keine ideale Situation!

Ein Drumkey, ein Paar Drumsticks und 10 passende Klettbänder komplettieren den Inhalt.

Spielbetrieb

Der Rebound der Pads ist passabel und für diese Preisklasse in Ordnung. Fehltrigger gab es traditionell beim HiHat-Spiel. Hier gibt es verschiedene Einstellmöglichkeiten, die auch Abhilfe schafften, wenn gleich die Auswahl „Easy“ hier bessere Ergebnisse zu Tage brachte als in der Einstellung „normal“. Darüber hinaus gibt es zwei weitere Modi „dynamisch“ und „statisch“.

Das Modul verfügt über gängige Funktionen im Einsteigersegment: So stehen neben einem Demosong 10 Songs zum Mitspielen zur Auswahl. Hierbei kann die Schlagzeugspur auch stummgeschaltet werden. Ein Metronom bietet verschiedene Taktarten und das Tempo ist von 20 bis 240 Beats per Minute einstellbar. Durch 4 rhythmische Schläge auf ein Pad kann das Tempo „getappt“, also eingetrommelt werden.

Neben den voreingestellten 11 Drum-Kits kann nur ein weiteres User-Kit gespeichert werden. Und das überschreibt dann leider auch noch das 11. Kit. Die Lautstärke der einzelnen Pads ist über die Funktion „Mix“ in 128 Schritten einstellbar. Verwunderung bringen die in der Funktionsübersicht erwähnten Effekte wie Delay, Reverb, Chorus und Hall mit sich, denn leider finden sich in der Anleitung keinerlei Hinweise darauf, auch sind diese in den Untermenüs nicht zu finden.

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Das SIMMONS Einsteiger-Kit SD 200

Es gibt drei Hauptmodi: KIT, SONG und UTILITY. Beim Durchklicken der Kits fallen recht ähnlich klingende Sound-Kits auf, auch wenn die Namen sich nach Stilrichtungen unterscheiden (Hip Hop, Grunge, Urban, Tekno Kit sowie Classic Rock und Acrylic). Das Modern Maple und das Grunge Kit klingen als akustische Vertreter recht brauchbar. Hier gibt es auch Bassdrums mit Raumklang und mächtig tiefe Tom-Sounds. Der Schwerpunkt – wie sollte es anders sein – liegt auf elektronischen Sounds.

Den Kits können über die VOICE-Funktion abweichende Sounds zugeordnet werden, das geht leicht von der Hand. Der Kenner freut sich auf das Kit 6 – das SDS V-Kit (vgl. Audiofiles) – hier kommt Nostalgie auf. Es gibt obendrein ein paar nette Percussion-Sounds im Latin Kit wie Cajon, Conga, Cowbell, Shaker und Timbales, die alle auch so klingen, wie sie dem Namen nach klingen sollen.  Vermisst habe ich zumindest einen Bell-Sound vom Ride-Cymbal.

Im Menü UTILITY lassen sich Parameter wie Threshold, Curve (also die Trigger-Kurve) und Überlagerung (X-Talk) einstellen. Das ist durchaus sinnvoll und verwendbar. Auch das erneute Auslösen von Sounds kann durch die Funktion Retrig-C beeinflusst werden. Alle Einstellungen funktionierten mit etwas Ausprobieren recht gut.

Fazit

Das Spielen auf dem SIMMONDS SD200 Kit entspricht dem Komfort der Einsteigerklasse: Die Vollgummi-Pads und Mesh-Snare sowie die Pedale reagieren vernünftig und die Hardware ist stabil. Allein das Triggerverhalten der HiHat ist zu Beginn einzustellen.

Die 11 Kits bieten soundtechnisch eine passable Auswahl für Einsteiger, wenngleich die Mitbewerber mitunter eine höhere Anzahl an Sounds bieten. Unschön ist das Fehlen eines Glocken-Sounds für das Mono-Ride, zumindest sollte man einen alternativen Bell-Sound auswählen können.

Aufgrund des niedrigen Drum-Racks ist es für Kids und Teens gut geeignet, für größere Menschen eher nicht. Das Trommeln macht trotz grundlegender Ausstattung Laune. Die Verwandtschaft zu den ursprünglichen SIMMONS Sets zeigt sich jedoch nur durch das Logo und die Vielzahl elektronischer Sounds wie z. B. das SDS V-Kit. Das ist für Fans definitiv zu wenig, jungen Einsteigern wird dies wohl egal sein. Dennoch sollten die Anbieter sich einige Aspekte zu Herzen nehmen und beispielsweise die Anleitung überarbeiten und die Position der Buchsen an den Cymbal-Pads überdenken – die Kunden wird es sicher freuen!

Plus

  • stabiles und bereits zusammengebautes Rack
  • Gummi-Pads und Controller mit verlässlichen Triggerverhalten in leichter Bauweise
  • Mesh-Snare-Pad
  • deutschsprachige Bedienungsanleitung

Minus

  • Ride-Becken nur als Mono-Pad
  • überschaubare Anzahl an Sounds
  • rudimentäre Einstellmöglichkeiten am Sound-Modul
  • eingeschränkte Positionierungsmöglichkeiten bei den Pads
  • Rack-Höhe nur für Kids und Teens geeignet
  • Kabelbuchsen an den Tom-Pads in ungünstiger Position
  • abweichende Beschreibung in der Bedienungsanleitung

Preis

  • 252,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    FairlightCX

    Dieser umgelabelte China-Plastikerguss ist eine Schande für den Namen Simmons. Die vielen Minuspunkte sprechen für sich. Hier will ein Lizenzkäufer einen legendären Namen melken. Auf einen richtigen SDS-Klon wartet man bis heute.

  2. Profilbild
    vssmnn  AHU

    Jetzt bitte noch ein DDR TROWA E-Drum Abklatsch aus China und ich lach mich schlapp.
    OMG,
    Was für eine Frechheit, da Simmons drauf zu schreiben.

  3. Profilbild
    wolftarkin  AHU

    Die „Fälschung“ erkennt man ja schon an den fehlenden Ecken.
    Interessant, daß eine (jetzige) Marke vom Guitar Center bei Thomann landet. Fast so, als könnte man in einem Guitar Center Harley Bentons kaufen. ;-)

  4. Profilbild
    zeitlos  

    Schaut man auf die Simmons-Seite, staunt man ( zumindest ich), dass Mr. Simmons himself mit ins Boot geholt wurde.
    Die teuren Simmons scheinen etwa der mittleren E-Drum-Klasse zu entsprechen, preislich und qualitativ(?).

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