Test: Sonible Smart Comp, Kompressor Plugin

16. August 2019

Kompressor Plugin mit künstlicher Intelligenz

sonible smart comp

Sonible Smart Comp, Kompressor Plugin

Die österreichische Firma Sonible ist schon seit längerem dafür bekannt, künstliche Intelligenz zur Steuerung seiner Plugins zu integrieren, die dem Nutzer beim Mixen oder Mastern unterstützend zur Seite stehen soll. So konnte man schon beim Smart:EQ neben dem eigenen Gehör noch auf die K.I.-Technologie zurückgreifen, die mit einer speziellen Filterkurve selbstständig auf das jeweilige Eingangsmaterial reagiert, um Überbetonungen in den betreffenden Frequenzbereichen zu kompensieren oder zu glätten.

Features des Sonible Smart Comp

Dies trifft in ähnlicher Form auch auf den neuen Smart:Comp zu, wobei hier nun das Eingangssignal in mehr als 2000 Bänder unterteilt wird, um mit Hilfe der sogenannten Spektralkompression jedes dieser Bänder dynamisch zu kontrollieren oder anzupassen. Also sozusagen wie ein Multibandkompressor auf Steroiden, der zusätzlich zur eigentlichen Dynamikbearbeitung jedes einzelne dieser Bänder zunächst einmal in seiner Dynamik und musikalisch sinnvoll anpasst. Direkten Zugriff auf diese einzelnen Bänder hat der Nutzer zwar nicht, aber gerade da soll ja dann die künstliche Intelligenz ihr Übriges tun, um dem Nutzer die Dynamikbearbeitung und den damit verbundenen Ergebnissen zu erleichtern beziehungsweise zu verbessern.

Sonible SmartComp

Neben den üblichen Kompressorparametern zur Steuerung des Regelverhaltens wie Threshold, Ratio, Attack und Release findet man beim SmartComp im Bereich zur Spektralkompression nur den On/Off-Schalter und dem Sensitivity-Regler. Die Spektralkompression kann also wahlweise genutzt werden und ist demnach nicht automatisch aktiv. Darüber hinaus muss man die Spektralkompression erst einmal mit dem Eingangsmaterial „füttern“, was durch eine kurze „Aufnahme“ innerhalb des Plugins geschieht, wobei das Signal dann zunächst auf die speziellen Eigenheiten analysiert wird. Danach wird dann über den Sensitivity-Regler festgelegt, wie stark die Spektralkompression in das Signal eingreift, was gleichzeitig zur eigentlichen Dynamikbearbeitung stattfindet und diese natürlich auch beeinflusst.

Sonible SmartComp

Sonible Smart Comp – in der Praxis

Soweit zur Theorie. Die Installation des Plugins bedient sich der üblichen Prozedur und gestaltet sich als einfach und unproblematisch. In der Praxis lässt sich der Smart:Comp durch seine aufgeräumte und übersichtliche Oberfläche schnell beziehungsweise intuitiv bedienen und macht auf Anhieb eine gute Figur, was die Kompressionsergebnisse angeht. Dabei klingt er erst mal sehr transparent und unaufdringlich. Bei zugeschalteter Spektralkompression ist das Regelverhalten bei moderaten Einstellungen als solches meist gar nicht wahrnehmbar, was selbstverständlich vor allem beim Mastering eine feine Sache ist. Natürlich lassen sich auch drastischere Bearbeitungen mit höherer Kompression realisieren, wodurch auch Pumpeffekte oder sonstige Stilmittel erzielt werden können.

Sonible SmartComp

In Verbindung mit dem Wet/Dry-Regler kann man dann wieder etwas zurückfahren und das stark komprimierte Signal entschärfen beziehungsweise natürlicher erscheinen lassen. Dies gelingt mit dem SmartComp einwandfrei und erweitert die klangliche Bandbreite natürlich immens. Zusätzlich kann man in der „Fokus“-Sektion des Plugins den Frequenzbereich festlegen oder einengen, auf den die Kompression angewendet soll, sodass dann zum Beispiel der Bass- und Höhenbereich von der Kompression ausgeschlossen beziehungsweise nur der Mittenbereich bearbeitet wird.

Sonible SmartComp

Dies bedeutet, dass der Smart:Comp dediziert und fokussiert eingesetzt werden kann, sodass er durchaus auch mal als De-Esser verwendbar ist. Generell ist das Einsatzgebiet des SmartComp als recht breit zu bewerten, da er mit jeglichen Signalen wie Gesang, Bass, Schlagzeug oder sonstigem souverän umgeht.

Fazit

Der Smart:Comp ist durch seine einfache Handhabung und gutes Kompressionsverhalten vielseitig einsetzbar und führt mit wenigen Handgriffen zu überzeugenden Ergebnissen – unabhängig vom Einsatzgebiet oder musikalischem Genre. Dies gilt sicherlich nicht nur für erfahrene Anwender von Kompressoren, sondern ist gerade auch für Einsteiger eine tolle Sache, da die Spektralkompression schon einiges an Bearbeitung abnehmen kann und die klanglichen Resultate tatsächlich verbessert.

Das Kompressionsverhalten ist sehr transparent und homogen, wobei der Klang des Kompressors trotzdem als eigenständig bezeichnet werden kann. Im Vergleich zur Konkurrenz braucht sich der Smart:Comp im Punkt Klang und Ausstattung wirklich nicht zu verstecken. Der Ressourcenverbrauch des Plugins auf dem Testrechner ist übrigens sehr moderat – ebenfalls im Vergleich zu Plugins der Konkurrenz, sodass sich in einer Mixing Session zahlreiche Instanzen problemlos öffnen ließen.

Plus

  • transparenter Klang
  • leicht und intuitiv bedienbar
  • wenig Ressourcenverbrauch

Minus

  • Anzeige für die Spektralkompression wenig aussagekräftig

Preis

  • 129,- Euro
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