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Test: Sony C 80, unidirektionales Kondensatormikrofon

Ein neuer Klassiker von Sony?

11. November 2022
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Sony C 80, unidirektionales Kondensatormikrofon

Wenn Sony ein neues Mikrofon vorstellt, das sich auf die Klassiker C 800G und C 100 beruft, kann sich der Hersteller der ungeteilten Aufmerksamkeit der Community gewiss sein.

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Nicht wenige halten das Röhrenmikrofon C 800G für eines der besten Mikrofone der Welt. Vor allem im Rap- und Hiphop-Bereich wird es beinahe kultisch verehrt. Hierzulande resultiert sicher ein Teil der Faszination auch darauf, dass nur sehr selten ein C 800G auf dem europäischen Markt erscheint, da es wegen der fehlenden CE-Norm hier nie offiziell verkauft werden durfte. Taucht doch einmal ein Exemplar auf, darf man sich auf Preise jenseits der 15.000,- Euro einstellen.

Nicht ganz so preisintensiv tritt das Sony C 100 auf, das ich vor einiger Zeit im Test hatte. Mit knapp unter 1.500,- Euro ist man hier dabei. Die Besonderheit des C 100 ist ein ausgeklügeltes Kapselsystem, bei dem oberhalb einer Kondensator-Doppelmembran-Kapsel noch eine kleine Back-Elektret-Kapsel aufsitzt und somit ein Frequenzgang hoch bis 50 kHz übertragen werden kann.

Wir sind also gespannt und schauen uns das neue Sony C 80 ganz genau an.

Das Sony C 80 – ein erster Überblick

Der ganz in Schwarz gehaltene Body ist mit 15,8 cm Länge und einem Durchmesser von 4,0 cm recht zierlich gehalten. Auch das Gewicht fällt mit 215 g niedrig aus. Die ganze Einheit ist sehr sauber, made in Japan, gefertigt. Die zweiteilige Konstruktion des Gehäuses, übernommen von den beiden großen Brüdern, soll akustische Schwingungen unterdrücken. Zu sehen ist davon nichts, ein Öffnen des Korpuses durch den Nutzer ist nicht vorgesehen.

Die Kapsel ist sicher durch ein zweilagiges Drahtgeflecht geschützt. Obwohl das C 80 die Doppelmembran-Kapsel des C100 übernommen hat, wird nur die Richtcharakteristik Niere angeboten. Sinn der Doppelmembran ist hier, den Nahbesprechungseffekt zu unterdrücken. Die kleine Elektret-Kapsel des C 100 wurde eingespart.

Über die Kapselgröße macht Sony keine Angaben, handgemessen bin ich für die gesamte Kapsel auf 26 mm gekommen. Sie fällt also relativ klein aus.

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Die Kapsel des Mikrofons

Der eingravierte Sony Schriftzug tritt doppelt auf, die Seite mit dem Nierensymbol ist die Einsprechseite. Rückseitig befinden sich zwei Schalter für PAD -10 dB und Low-Cut. Beide sind gut erreichbar und lassen sich sauber schalten, aber auch mit dem nötigen Widerstand, um eine unbeabsichtigte Verstellung zu vermeiden.

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PAD und Low-Cut-Filter auf der Rückseite

Auf Höhe des XLR-Anschlusses findet sich die Seriennummer des Mikrofons.

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Geliefert wird das Sony in einem stabilen, gut gepolsterten Etui. Die mitgelieferte Spinne aus Kunststoff liegt separat in der Kartonumverpackung. Was mir bei diversen Herstellern bereits öfter unangenehm aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass das Reduziergewinde 5/8“ zu 3/8“ fehlt. Auch Sony legt dem C 80 leider keines bei. Das ist zwar eine kleine, aber doch ärgerliche Unaufmerksamkeit.

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Tasche und Spinne sind im Lieferumfang enthalten

Eine Bedienungsanleitung wird in diversen Sprachen auf drei zusammengelegten großformatigen Blättern mitgeliefert. Das ist nur bedingt praktisch.

Die technischen Daten des Sony C 80

Das Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik ist mit einem Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz angegeben. Die Empfindlichkeit bei 0 dB/1 V/Pa und 1 kHz beträgt -30 dB. Der Dynamikbereich umfasst >125,5 dB. Das Eigenrauschen bei 0 dB SPL liegt bei <12,5 dB. Der Signalrauschabstand bietet einen Wert von 81,5 dB, bezogen auf 1 kHz, 1Pa/A-gewichtet. Der maximale Schalldruck darf 138 dB SPL erreichen. Die Ausgangsimpedanz liegt bei 90 Ohm bei 1 kHz.

Nicht angegeben ist der Einsatzpunkt und Steilheit des Low-Cut-Filters. Frequenzgang und Pollarpattern finden sich in der Bedienungsanleitung. Da sieht die Performance nach einer breiten Niere mit einer leichten Anhebung bis 100 Hz und einer deutlichen Höhenanhebung ab 5 kHz aus. 

Einsatz in der Praxis

Der Hersteller sieht den Einsatz des Mikrofons im Studio an Gesang und Instrumenten. Auch in der Abteilung „Irgendwas mit Medien“ möchte der Neuling punkten. Wir werden also versuchen, dem im Test möglichst gerecht zu werden.

Meist nehme ich ein Vergleichsmikrofon dazu, um die Performance  gut beurteilen zu können. Dieses Mal trifft es das Audio Technica AT4040, das in den Daten, Ausstattung und im Preis recht nah am C 80 liegt. Ich habe das Sondermodell Nugget im Studio, das von Audio Technica für SPL gefertigt wurde.

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Oben das schwarze C 80, unten das goldene Nugget

Das Einpegeln bietet keine Überraschung, hier liegen beide Modelle nahe beieinander. Auch das gute Rauschverhalten teilen sich die Mikrofone.

Ob auch klanglich beide so nahe beisammen sind, überprüfe ich zunächst mit einer kleinen Gesangspassage. 

Hier präsentiert sich das Sony C 80 deutlich höhenreicher und moderner. Der Frequenzgang scheint also recht realistisch angegeben. Dabei sind die Höhen etwas hart geraten, kommen aber trotzdem fein aufgelöst zur Geltung. Das Nugget klingt in den Höhen wärmer und bringt etwas mehr Druck in die Stimme. Beim C 80 wird deutlich mehr Raumklang mit aufgenommen, was auf die breite Niere zurückzuführen ist. Das besser fokusierende Mikrofon ist das Nugget.

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(Nicht ich) bei der Gesangsperformance

Wie sich die Nierenform auf das Klangergebnis bei seitlicher Ansprache auswirkt, probiere ich als nächstes. Ich beginne in der 0°-Position und gehe dann auf 90° und wieder zurück.

Tatsächlich bietet das Sony durch die breite Basis weniger Klangveränderung bei schlecht positioniertem Einsprechen, hier kann das C 80 also gerade bei bewegungsintensiven Aufnahmen punkten. 

Schauen bzw. hören wir uns nun den von Sony versprochenen geringen Nahbesprecheffekt an. Dafür starte ich für beide Mikrofone getrennt bei einem Abstand von zwei fingerbreit und ende ca. 40 cm zum Einsprechkorb. Für diesen Test benutze ich einen Poppfilter.

Hier schneidet das SPL Nugget besser ab, es ist beim C 80 trotz Doppelkapsel ein deutlicher Nahbesprecheffekt zu vermelden. Hier läuft der betriebene Aufwand also leider ein wenig ins Leere.

Machen wir mit der akustischen Gitarre weiter. Um die klanglichen Unterschiede zu minimieren, wähle ich einen etwas größeren Abstand zum Instrument.

An der Gitarre lässt das Nugget den Klang warm, aber auch etwas belegt erklingen. Das C 80 klingt hier zwar hart und lässt durch die deutlichen Höhen etwas die Tiefen vermissen. 

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Das C 80 dient auch als Instrumentenmikro

Das Impulsverhalten des Mikrofons zeigt sich allerdings vorbildlich, extrem schnell und präzise agiert die Kapsel, was die einzelnen Saiten besser ortbar macht und eine gute Dynamik liefert.

Dieses Ergebniss überprüfe ich auch noch anhand eines Shaker-Eggs. 

Auch hier kann das C 80 sich sehr gut in Szene setzen, die Performance des SPL Mikrofons ist hier eher als gutmütig zu benennen.

Gehen wir nun zum E-Bass und platzieren die beiden Mikrofone vor meinem Eden TN 2251 Combo.

Da kann das C 80 seinen nach unten erweiterten Frequenzgang voll ausspielen, druckvoll und in allen Bereich klar artikuliert kann sich das Instrument durchsetzen. Dem Nugget fehlen hier die tiefen Bässe, dafür stellt es sich knurriger dar. Gefallen können beide Sounds.

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Bassamp – Abnahme mit Mikro

Bei der Gelegenheit checke ich die Schaltfuntionen des Sony C 80. 

Der Low-Cut ist nicht genauer spezifiziert, dürfte aber nach meiner Überprüfung bei 80 Hz/12 dB liegen. Das ist eine gern benutzte Limitierung, um Rumpelgeräusche zu unterdrücken. Dies gelingt auch gut.

Auch den PAD-Schalter überprüfe ich, hier ebenfalls keine Auffälligkeiten, die angegebenen 10 dB werden genau erreicht. Die Schalter lassen sich übrigens sehr angenehm bedienen.

Kommen wir nun zum Schluß noch dazu, wie das Sony C 80 eine Sprachaufnahme meistert.

Hier klingt, wie beim Gesang auch, das Sony recht hart in den Höhen. Die Frequenzauslegung in diesem Bereich, gepaart mit der direkten, schnellen und präzisen Ansprache, führen dazu, dass Zischlaute unangenehm scharf auftreten. Hier ist also besondere Aufmerksamkeit auf eine saubere Artikulation zu legen. 

Bisher sind alle Aufnahmen mit meinem Apollo Twin Duo Interface gemacht worden, das durch seine neutralen Preamps diesen Effekt noch unterstützt. Deshalb spreche ich denselben Text nochmals ein, dieses Mal wird das Signal wieder durch das Apollo geschickt und parallel mit meinem Golden Age Pre-73 DLX Premier aufgezeichnet.

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Das C 80, dieses Mal ganz allein

Der Neve-basierte GA-Vorverstärker gestaltet das Signal deutlich runder, nimmt ihm die Schärfe und fügt auch im unteren Mittenbereich ein wenig Druck mit hinzu. Es kann sich für Interessenten und Käufer des C 80 durchaus lohnen, mit verschiedenen Preamps zu experimentieren.

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Fazit

Mit dem C 80 bietet Sony einen Einstieg in ihre Reihe professioneller Studiomikrofone. Das Mikrofon ist tadellos gefertigt und bietet einen recht linearen Frequenzgang, der in den Bäyssen und in den Höhen eine Anhebung zu verzeichnen hat. Der Höhenbereich löst sehr sauber auf und überzeugt durch direkte und schnelle Ansprache. Gepaart mit einem gleichartigen Preamps zuviel des Guten sein. 

Überraschend gut schlägt sich das C 80 bei tieffrequenten Signalen, hier ist es mit dem Low-Cut-Filter und PAD auch gut für laute und basslastige Töne gerüstet.

Das C 80 ist im Studio universell einsetzbar, der Markt im Preisbereich von 300 – 600 Euro, in dem sich das Sony im oberen Bereich ansiedelt, ist allerdings sehr gut bestückt. Da bleibt es abzuwarten, wie sich das Sony C 80 da eingliedern kann.

Plus

  • moderner, gut aufgelöster Sound
  • bewegungsunempfindlich durch breite Niere
  • schnelle Transienten, gute Dynamik
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • Klang etwas hart und höhenreich
  • etwas preisintensiv

Preis

  • ca. 550,- bis 580,- Euro
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