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Test: Sound Machines DS1drumstation, Drumcomputer

10. August 2018

Italienischer Beat-Generator

Sound Machines ds1drumstation

Die Superbooth ist das Musik-Event der Stunde. Jährlich findet sich in der Berliner Wuhlheide der Olymp der Modularwelt zusammen, um sich auszutauschen und die aktuellsten Kreationen zu präsentieren. Glücklicherweise ist trotz aller Prominenz immer noch genug Platz für bisher weniger bekannte Aussteller, wie zum Beispiel die italienische Schmiede „Sound Machines“. Eben jene haben die diesjährige Superbooth genutzt, um zwei brandneue Produkte vorzustellen, von denen eines im Mittelpunkt dieses Testberichts steht: Die Sound Machines DS1drumstation ist ein vollmodularer Drumcomputer im Desktop-Format und so neu, dass es weder eine Anleitung noch einen eigenen Reiter auf der Herstellerseite gibt. Im folgenden Testbericht werden wir also das Mysterium um diese Maschine lüften und dem Neuankömmling gehörig auf den Zahn fühlen.

Sound Machines ds1drumstation

Das Äußere der Sound Machines DS1drumstation

Wie gewohnt werde ich von außen anfangen, um dann tiefer in die Materie einzutauchen. Kosmetisch macht die DS1drumstation nicht sonderlich viel her. Eine aufgeschraubte schwarze Kunststoffblende mit weißem Aufdruck dient als Frontseite. Durch eine viereckige Öffnung lugen zwei zusammengesetzte 8×8-LED-Matrix-Felder hervor. Zwei Endlos-Encoder, ein Potentiometer, ein Kippschalter, zwanzig Drucktaster sowie allerhand Buchsen zum Patchen finden hier Platz.

Ebenso wurden vier „Lightstrip“ genannte Ribbon-Controller nebeneinander angesiedelt. Die mit der Frontplatte verschraubten Patchbuchsen machen einen stabilen Eindruck und die Drucktaster haben einen angenehmen Widerstand. Allerdings führt jeder Druck auf einen der mittig liegenden Taster zu einer kurzen Absenkung der LED-Matrix. Das ist nicht nur optisch unschön, sondern könnte auch Zweifel ob der Langlebigkeit des Geräts auslösen: Wer will schon bei jedem Tastendruck die Platine nachgeben sehen?

Sound Machines ds1drumstation

Die Anordnung der Bedienelemente der Sound Machines DS1drumstation ist wiederum sehr gelungen. Dank des großen Displays behält man den Überblick beim Erstellen und Editieren der Sequenzen, die roten Dots sind auch im Dunkeln sehr gut erkennbar.

Aus 3 mach eine Sound Machines DS1drumstation

Konzeptionell ist die DS1drumstation eine logische Konsequenz aus dem stetig wachsenden Bedarf nach Modularsynthesizern und Grooveboxen, die schnell und vielseitig einsetzbar sind. Als Hersteller von regulären Modulen wie auch Standalone-Synthesizern hat Sound Machines die richtige Reaktion gezeigt und die eigenen Ressourcen klug eingesetzt. Tatsächlich ist die Drumstation nämlich gar nicht so neu, wie es scheint, da sie aus einer Kombination von bereits bestehenden Modulen besteht. Anstelle also komplett von vorne anzufangen, hat Sound Machines durch die findige Kombination samt neuem Gehäuse eine Groovebox aus der Taufe gehoben. Namentlich handelt es sich um die LS1lightstrips, SD1simpledrum und DC1drumcomputer.

Erst ein Beat …

Im Quartett mit je einem CV- und einem Gate-Ausgang ermöglichen die Lightstrips ein performatives Spiel mit den vier CV-Eingängen des DC1drumcomputer-Moduls. Eben jene können frei zugeordnet werden, um folgende Parameter zu steuern: Tempo, Shuffle, Pattern Loop, Track Rolls, Track Mute, Trigger Length, Beat Density, Random Beat, Random Pattern und mehr.

Die Pattern-Länge kann global oder pro Einzelspur bis maximal 16 Steps eingestellt werden. Mit vorhandenen 8 Spuren können so auch polymetrische Rhythmen ausgegeben werden. Zur Erstellung eines Patterns dienen die zwei Endlos-Encoder, von denen jeweils einer die Zeile und einer die Reihe bestimmt. Das Platzieren einer Note erfolgt dann durch einen einfachen Druck auf den rechten Encoder. Sehr praktisch ist, dass der DC1drumcomputer nicht nur variable Trigger-Längen, sondern auch eine Clockdivider-Funktion pro Kanal bietet.

Das Modul kann mit interner sowie externer Clock arbeiten und die interne Clock auch ausgeben. Über einen Trigger-Eingang kann zusätzlich ein Gate-Signal zum Starten und Stoppen der Sequenz verwendet werden. Um im Einsatz mit einer externen Masterclock den Clock-Output nicht zu verschwenden, fungiert dieser im Internal-Clockmode als Reset-Eingang, der durch ein Gate-Signal getriggert wird. Zusätzlich sollte erwähnt werden, dass der Clock-Output die interne Gate-Length und Shuffle-Einstellung berücksichtigt, während die Shuffle-Einstellung im externen Clock-Betrieb nicht verarbeitet wird.

128 Speicher-Slots stehen zum Abspeichern der Patterns zu Verfügung. Patterns werden samt allen relevanten Informationen wie Gate-Length, CV-In-Routing, Tempo, Shuffle-Einstellung und Patternlängen hinterlegt.

Sound Machines ds1drumstation

… dann ein Arrangement

Im Song-Mode der Sound Machines DS1drumstation können solche Patterns dann aneinandergereiht und im normalen Betrieb über die LOP1, LOP4 oder LOP8-Funktion durch ein Trigger-Signal durchgeschaltet werden. In der LOP1-Einstellung wird das jeweils nächste aller gespeicherten Patterns gespielt, während die beiden anderen Modi die Reihe auf 4 oder 8 Sequenzen limitieren. Je nach Bedarf lassen sich im Song-Mode auch Parameter wie etwa das Tempo zu der ersten Sequenz „locken“, um das Kombinieren unterschiedlicher Patterns zu vereinfachen.

Ist der entsprechende Lock-Mode ausgewählt, setzt das erste Pattern die je nach Lock-Mode-Einstellung gewählten Parameter-Werte für alle folgenden Sequenzen fest. Über die CV-Inputs 1-4 können auch eine Reihe weiterer Events ausgelöst werden, wie beispielsweise das Abspielen eines Fill-„x“. Als Referenz für diesen Fill wird eine der chronologisch letzten 8 der gespeicherten Sequenzen im Hauptspeicher verwendet, was also die Erstellung von Custom-Fills ermöglicht. Des Weiteren gibt es die Funktionen wie „Roll“, „Random Beats“, „Mute“ und mehr, die jeweils für einzelne Kanäle der Sequenz separat gelten.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    „Um im Einsatz mit einer externen Masterclock den Clock-Output nicht zu verschwenden, fungiert dieser im Internal-Clockmode als Reset-Eingang…“ – hier ist wohl external Clock-Mode gemeint, sonst ergibt es keinen Sinn.
    Soundmäßig haut mich das Ding nicht vom Hocker und die Verarbeitung scheint auch nicht so das Wahre zu sein (es sei denn, das Test-Gerät war noch ein Prototyp). Der Sequencer erscheint mir noch am interessantesten zu sein; gut, dass man ihn auch einzeln erwerben kann…

    • Profilbild
      Jonas Bonk  RED

      Da liegst du vollkommen richtig, „external Clock-Mode“ war gemeint!

      Natürlich kann man auch nur den Sequencer kaufen unter der Bedingung, dass man tatsächlich ein Eurorack besitzt. In der jetzigen Variante kann das Gerät aber auch ganz locker mit z.B. Moog Mother oder 0-Coast Verwendung finden, ohne dass man extra einen Case und die entsprechenden Netzteile braucht.

  2. Profilbild
    lightman  AHU

    Klingt für mich stellenweise wie meine 626, ziemlich nach 80ern, was nicht unbedingt schlecht ist, aber das brauche ich nicht wirklich.

    • Profilbild
      Jonas Bonk  RED

      Der Gedanke ist mir auch beim Testen gekommen, allerdings haben diese ganzen Sachen irgendwo immer ein Revival und gerade die etwas flippigeren Percussion-Sounds werden in neuen Kontexten wieder rausgeholt. Trotzdem finde ich die Idee solche „überholten“ Sounds im Modularbereich wieder hervorzuholen im besten Sinne schräg.

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