Test: Source Audio Ventris Dual Reverb, Effektgerät

13. Februar 2018

Hall doppelt gemoppelt

Source Audio Ventris Dual Reverb title

Die Firma Source Audio steht für innovative Produkte. Auch der heutige Testkandidat, das Ventris Dual Reverb, scheint wieder einmal eine Lücke zu schließen, da ein Hall-Pedal mit solch umfangreichen Möglichkeiten bis zum Status quo noch nicht auf dem Markt erhältlich war. Die gleichzeitige Nutzung von zwei Reverb Engines in einem Fußtreter ist mir bis heute unbekannt. Sie wird durch die Existenz zweier kraftvoller identischer 56 Bit Signalprozessoren ermöglicht. Satte zwölf verschiede Reverb-Modi werden angeboten, wobei die Hallprogramme teilweise auch andere Funktionen, wie Filtereffekte, Swell, Tremolo oder auch Delay übernehmen.

Bei der großen Anzahl der Effektkombinationen ist es natürlich gleichfalls sinnvoll, die Klänge auch im Gerät selbst speichern und natürlich auch abrufen zu können, ohne unbedingt von der MIDI-Funktion Gebrauch zu machen. Deshalb wurden hier vier (acht) Presets über das Regler-Interface zugänglich gemacht. Möchte man das Source Audio Ventris Dual Reverb auch in ein MIDI-Setup integrieren, sind weitere 120 Presets über MIDI abrufbar.

Source Audio Ventris Dual Reverb top

— Das Ventris Dual Reverb von Source Audio —

Ventris Dual Reverb – Facts & Features

Die Maße des Ventris Dual Reverb von 114 x 114 x 51 mm sind geringfügig breiter als beispielsweise ein typisches MXR-Pedal, es müssen ja auch zwei Fußtaster und viele Knöpfe untergebracht werden. Das Pedal macht einen sehr wertigen Eindruck und wurde hervorragend verarbeitet. Das Gehäuse aus Aluminium würde sicherlich den nächsten Atomkrieg mühelos überstehen, so kann man es als wirklich roadtauglich bezeichnen. Auch das Gewicht von 450 g lässt vermuten, dass hier einiges an Elektronik drinsteckt. Die Stromaufnahme ist mit 280 mA relativ hoch, da hier gleich zwei Reverb-Engines bei Bedarf parallel arbeiten. Ein passendes Netzteil befindet sich im Lieferumfang, das sollte bei dem doch recht hohen Preis auch drin sein.

Die Regler des Ventris Dual Reverb

Das Ventris Dual Reverb ist trotz seiner vielen Regler gerade noch als übersichtlich zu bezeichnen. Mehr regelbare Optionen wären hier sicherlich kontraproduktiv gewesen. Schauen wir uns diese einmal genauer an:

Der Regler für TIME justiert erwartungsgemäß die Hallzeit. PRE-DELAY bestimmt die Verzögerungszeit, bevor der Effekt wirksam wird. Mit dem TREBLE-Regler lässt sich der Effektanteil in den hohen Frequenzen beschneiden und MIX bestimmt die Lautstärke des Effekts im Verhältnis zum unbearbeiteten Originalsignal. Die Regler CONTROL 1 bzw. CONTROL 2 übernehmen unterschiedliche Aufgaben (Delay Feedback, Bass-EQ, Verzerrung etc.), die abhängig vom gerade ausgewählten Effekt sind. Mit dem 12-Positionen-Endlosdrehschalter in der Mitte der oberen Reihe werden die Typen für die erste oder auch zweite Reverb Engine ausgewählt.

Der kleine Kippschalter (A / A + B / B) unterhalb des CONTROL 2-Reglers dient zum Editieren der gerade aktiven Engine und bestimmt, ob im jeweiligen Preset nur eine der beiden oder beide Engines parallel arbeiten.

Die Fußschalter dienen einerseits natürlich zum Aktivieren der Effekte, aber auch gleichermaßen zum Speichern oder Umschalten der Presets. Dazu später mehr.

Mit dem rechten Fußschalter kann auch spontan zwischen beiden Reverb-Engines umgeschaltet werden, das Tempo getappt und sogar der Reverbsound „eingefroren“ werden. Hier sehen wir die Default-Einstellungen des rechten Fußschalters:

— Infos bezüglich der Werkseinstellung des rechten Fußschalters —

Somit lassen sich die Klänge auch auf der Bühne spontan beeinflussen. Die Funktion, die vom rechten Fußschalter übernommen werden soll, lässt sich natürlich auch den persönlichen Vorlieben anpassen.

Ein frontseitiger Control-Input-Select-Schalter bestimmt, ob ein Expression-Pedal oder ein Schalter zur Steuerung eingesetzt werden soll.

Eine grüne Leuchtdiode gibt stets Auskunft über den Status des Effekts, der mit dem linken Fußschalter aktiviert bzw. deaktiviert werden kann.

Hier sehen wir ein Bild aus der Anleitung (dem Pedal liegt lediglich eine englischsprachige Anleitung bei, aber eine deutsche Anleitung kann leicht aus dem Netz heruntergeladen werden), die uns auch optisch einen kurzen Überblick über die Bedienungselemente verschafft:

— Beeindruckende Möglichkeiten —

Ein- und Ausgänge des Source Audio Ventris Dual Reverb

Auch an den Seiten des Pedals wurde kein Platz verschwendet, so finden wir einige Buchsen, die bei Bedarf die Kommunikation mit anderen Pedalen bzw. Systemen übernehmen können:

  • zwei 6,3 mm Stereoeingänge, zwei 6,3 mm Stereoausgänge
  • Über die MIDI IN und MIDI THRU Anschlüsse sind wir auch ggf. in der Lage, das Pedal über MIDI fernzusteuern, auch dies ist nicht selbstverständlich.
  • Über einen Mini-USB-Port können wir eine Verbindung mit unserem PC (Windows und Mac kompatibel) herstellen. Das benötigte Kabel  (3,5 mm auf 6,3 mm TRS-Kabel zum Verbinden mit einem mobilen Gerät) befindet sich im Lieferumfang.

— Absolut roadtauglich gebaut —

Das (optional erhältliche) Source Audio Neuro Hub verbindet bei Bedarf bis zu fünf Source Audio Pedale und speichert die Einstellungen in sogenannten „Multipedal Scenes“. Bis zu 128 Szenen können mithilfe des Neuro Hubs abgespeichert bzw. abgerufen werden. Das Fernsteuern erfolgt dann bei Bedarf über die an der Stirnseite angebrachte 3,5 mm Kontrollbuchse. Für diese Anwendung ist im Ventris Pedal ein Eingang für die Verbindung mit kompatiblen Source Audio Geräten integriert.

Nützlich ist die PEDAL-IN-Klinkenbuchse, die es erlaubt, über ein externes Expression-Pedal jeden gewünschten Parameter eines Presets fernzusteuern. Auch die Beeinflussung mehrerer Parameter gleichzeitig ist erfreulicherweise problemlos zu bewerkstelligen. Der (die) jeweilige(n) Parameter kann (können) selbstverständlich für jedes Preset individuell gewählt werden.

Handling

Möchte man mit den Ventris live performen, sollte man wissen, wie (un-) kompliziert das Abrufen der gespeicherten Presets ist, da dies ja auf der Bühne unbedingt schnell und komplikationslos verlaufen muss.

Die zwei Engines des Ventris Dual Reverb können sowohl einzeln als auch zusammen erklingen, was die Erstellung komplexer Flächen ermöglicht. Jeder Effekt kann zunächst ausgewählt werden, indem man sich mithilfe des Endlosdrehknopfes durch die zwölf „Engines“ scrollt. Hat man etwas Ansprechendes gefunden, kann editiert werden. Der kleine Kippschalter kann dann bei Bedarf nach rechts gekippt werden, was das Editieren auch des zweiten Effekts (B) ermöglicht. Ist man mit dem Klang zufrieden, kann man den Kippschalter wieder in die Mitte stellen und hört dann die Kombination von beiden Effekten gleichzeitig. Nun kann man den Sound natürlich in beispielsweise eines der vier (in einem weiteren Modus acht) verfügbaren Presets (ohne MIDI-Funktion) speichern.

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— Gut ausgestattet —

Bei Bedarf ermöglicht das Ventris auch einen nahtlosen und unbegrenzten „Spillover“ der Reverb-Trails beim Umschalten auf eine andere Engine. Leider ist die Software (Neuro Desktop Editor) bzw. die Neuro Mobile App für das Ventris Dual Reverb momentan noch nicht erhältlich, der Hersteller verspricht dies aber für die nahe Zukunft. Dann kann man bequem vom Handy die Programmierung des Pedals über Bluetooth vornehmen. Diese Software wird dann kostenlos erhältlich sein.

Presets umschalten

Gerade live müssen wir schnell und komplikationslos an unsere Sounds kommen. Erfreulicherweise geschieht das Umschalten der vier schnell erreichbaren Presets durch Drücken und Halten der ON/OFF-Tasters. Das Preset springt stets eine Nummer weiter hoch, solange der Taster gedrückt bleibt. Die Umschaltung kann aber darüber hinaus auch durch die Expression-Pedal-Klinkenbuchse mittels eines angeschlossenen Schalters erfolgen.

Sound und Praxis mit dem Ventris Dual Reverb

Kommen wir nun dazu, das Pedal einmal zu hören. Fangen wir an mit einer Kombination aus ECHOVERB und TRUESPRING. Pro Reverb-Engine lässt sich ein Effekt auswählen und editieren. Wir hören nun beide Effekte parallel:

Mit dem MODVERB lassen sich auch Tremolo-Sounds generieren, da diese Engine Tremolo und Federhall kombiniert:

Hier nun ein Beispiel des Programms SHIMMER. Hiermit lassen sich kirchenorgelähnliche Klänge realisieren, indem Obertöne hinzugefügt werden und so eine Klangfläche erzeugt wird.

Und nun ein Effekt mit sehr langer Ausklingzeit (Decay):

Schließlich noch ein Beispiel mit Source Audios neuester Kreation OFFSPRING, eine Mischung aus Delay, Reverb und Filterung:

Die Klangbeispiele sind bewusst ausschließlich clean, um sich ein genaueres Bild des Effekts zu machen. Mit der Aktivierung z.B. des Overdrives in der Lo-Fi-Engine gelangt man aber auch schnell zu einem angezerrten „Spaghettiwestern-Sound“. Auch wenn beide Engines parallel betrieben werden, bleibt der Klang stets klar und definiert. Das gilt natürlich erst recht, wenn man das Pedal in Stereo betreibt.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment erstellt:

PRS Custom 24, 30th Anniversary Core – Peavey Classic Minihead – Mesa Boogie Thiele 1 x 12″ Box mit Celestion Creamback Lautsprecher  – Shure SM 57 – Source Audio Ventris Dual Reverb (im Effektweg eingeschleift) – Apogee Duett – Mac mit Logic X.

Fazit

Das Source Audio Ventris Dual Reverb von besticht durch zahllose interessante und qualitativ hochwertige Sounds. Die klanglichen Möglichkeiten sind ausgesprochen umfangreich. Durch die MIDI-Funktion und die Kommunikation mit weiteren Source Audio Produkten ist auch eine reichhaltige Funktionalität geboten. Im Studio oder auch live in kleinen Besetzungen eingesetzt, kann das Pedal durch seine Klangfülle am besten glänzen. In einer Band mit großer Besetzung wird man jedoch vermutlich nicht so viel von den erzeugten Räumen mehr deutlich wahrnehmen können. Das Pedal ist sehr intuitiv zu bedienen. Ein Wermutstropfen ist zweifelsfrei der heftige Preis, momentan gibt es jedoch kein weiteres Reverb-Pedal mit diesen Möglichkeiten auf dem Markt zu erstehen.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Flexibilität
  • intuitive Bedienung
  • Prozessorleistung
  • Design

Minus

  • hoher Preis

Preis

  • Ladenpreis: 449,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    aszent  

    Schönes Teil. Interessant fände ich ein Vergleich mit dem Bluesky und/oder dem Space von Eventide, da diese beiden eine Art Referenz in diesem Bereich darstellen.

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Poh, da kenne ich aber noch ein paar mehr Referenzen, z.B. das unglaublich geile Empress Reverb oder die Reverbs von Neunaber ;)

      • Profilbild
        Johannes Krayer  RED

        In dieser doch gehobenen Preisklasse tummeln sich in der Tat noch weitere ausgezeichnete Kandidaten. Konkurrenz belebt das Geschäft. Vielleicht dürfen wir daher auf fallende Preise hoffen. Welches für Euch passt, müsst ihr jedoch selbst herausfinden.

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