Test: SPL Phonitor One, Phonitor One d, Kopfhörerverstärker

5. Oktober 2020

We stand as One - SPLs neue Produkte

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Test: SPL Phonitor One, Phonitor One d, Kopfhörerverstärker

Als es letzte Woche an der Haustür klingelte und der DHL-Mann mir das Paket mit den brandneuen SPL Kopfhörerverstärkern Phonitor One und One d überreichte, da musste ich schon grinsen. Es hat schon immer etwas elitäres, wenn man ein Gerät zum Test bekommt, das noch nicht offiziell erhältlich ist. Wenn Sie, verehrte Leser, diesen Test anklicken, dann können Sie die neuen Geräte der deutschen Hardware-Schmiede SPL schon käuflich erwerben und zwar für 399,- Euro für den „One“ und 599,- Euro für den „One d“ (jeweils inkl. 19 % MwSt.).

Zu SPL muss man eigentlich kaum noch etwas schreiben: Wir hatten bei AMAZONA.de schon häufiger das Vergnügen, die Geräte aus Niederkrüchten in Nordrhein-Westfalen auf Herz und Nieren zu testen und unter einem „Sehr gut“ hat kein Kandidat unsere Teststudios verlassen. Das liegt nicht nur an der immer sehr guten Verarbeitung, sondern auch an den innovativen Technologien, wie die selbstentwickelte 120 Volt Technik und modernste Digital/Analog-Konverter.

Phonitor One / One d: Ausstattung und Verarbeitung

Der SPL Phonitor One ist „einfach nur“ ein Kopfhörerverstärker. Er wird mit einem 12 V/1,8 A Steckernetzteil mit Energie versorgt und besitzt zwei Stereoeingänge: Ein unsymmetrisches Cinch-Pärchen und ein Paar symmetrischer TRS- (Klinken) Buchsen, die auf der Vorderseite mit dem Line Schalter auszuwählen sind. Vorne dann eine Klinkenbuchse für den Kopfhörer und daneben der Crossfeed-Regler (dazu gleich mehr). Ein sämig laufender Volume-Regler rundet das Paket zusammen mit dem rückseitigen ON/OFF-Schalter ab. Das Gehäuse ist komplett aus Metall gefertigt und außerordentlich schön verarbeitet. Die sehr stabile Frontplatte mit glänzendem SPL Logo und die bombenfest sitzenden Buchsen zeigen, dass sich SPL auch bei diesen Geräte keine Blöße zeigt: Ich bin begeistert!

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Frontseitig unterscheidet sich der Phonitor One d nur durch eine dritte Schalterposition „USB“ und den Aufdruck „32 Bit/768 kHz DA-Converter“. Aha, die „d“-Version hat also einen Digital/Analog-Wandler im Gerät. Und das erweitert den Einsatzbereich im Vergleich zum reinen Kopfhörerverstärker beträchtlich: Denn durch das zusätzliche „Line Out“-Klinkenpärchen (ebenfalls symmetrisch) und dem Einsatz als D/A-Wandler kann der One d auch wie ein „Mini-Audiointerface“ verwendet werden. Aber: Die Line-Ausgänge sind nicht geregelt und spielen mit 0 dB – also bitte nicht einfach die Monitore anschließen, es sei denn, Sie leben weit draußen auf dem Land. Ansonsten ersetzt er den meist einfach gestrickten Wandler im Mac/PC und sorgt für eine deutlich verbesserte Wiedergabequalität.

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Der USB-2 Port ist class-compliant – das Gerät wird also am Apple Mac und an mobilen iOS-Devices ohne zusätzlichen Treiber erkannt. Für Windows steht auf der SPL-Website ein Treiber zur Verfügung. Und wie der frontseitige Aufdruck vermuten lässt, unterstützt der Wandler Auflösungen mit bis zu 32 Bit und 768 kHz, was wirklich sehr beachtlich ist.

Technikspecial: Crossfeed – was ist das eigentlich?

Die Crossfeed Funktion der SPL Phonitor Modelle mag manchen ein Fragezeichen ins Gesicht zeichnen, deswegen hier eine kurze Erläuterung: Wenn Sie vor einem Paar Stereolautsprecher sitzen, dann hören Sie natürlich nicht nur den linken Lautsprecher mit dem linken Ohr und den rechten Speaker mit rechts, sondern es gelangen auch Schallanteile von rechts auf das linke Ohr und umgekehrt. Da dies einem natürlichen Höreindruck entgegenkommt, findet man bei Kopfhörerverstärker immer öfter die Option „Crossfeed“, die diesen Effekt simuliert.

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Crossfeed mach genau das: Mit zunehmenden Rechtsdreh des Reglers kommen mehr entsprechende Schallanteile in die jeweilige Hörmuschel. Dadurch wandert die musikalische Bühne nach vorne und man hat nicht mehr dieses Gefühl des „Ping Pong Stereo“ im Kopf. Viele Hörer empfinden dies als weniger anstrengend und natürlicher. Naturgemäß verliert das Klangbild dadurch aber auch die Direktheit und auch an Detailreichtum. Der Effekt ist rein subjektiv zu bewerten – ich bevorzuge beim Arbeiten mit Musiksignalen im Freifeld den klassischen Monitor und wenn es um Transienten geht, dann kommt der Kopfhörer zum Einsatz. Da SPL den Crossfeed regelbar und nicht schaltbar gemacht hat, können Sie hier Ihre persönlich beste Einstellung finden. Alle Tests hier wurden mit Crossfeed „OFF“ durchgeführt.

Technik

Die Messwerte der Phonitor One / One d Modelle überzeugen – was von SPL auch nicht anders zu erwarten ist: Bei einem Frequenzbereich von 10 Hz – 200 kHz reden wir von einem THD-Wert (Total Harmonic Distortion) von 0,002 %. Ein 250 Ohm Kopfhörer wird dabei mit 2 x 330 mWatt versorgt, was auch für die leisesten Kopfhörer völlig ausreichend ist.

Beim „d“-Modell ist natürlich der interne Wandler von Interesse: 121,5 dB Dynamic-Range (113 dBFS bei 44,1/48 kHz Sample Rate) sind gehobener Studiostandard und die Sample-Rates von 44,1 – 768 kHz bei 32 Bit sprechen ebenfalls für sich.

Die Kistchen stehen mit ihren 1,45 kg stabil auf dem Tisch und die Maße sind 21,0 x 4,96 x 22,0 cm (B x H x T). Die brandneuen Phonitor One / One d kommen übrigens in einer schmucken, dunkelgrünen Verpackungen. Im Lieferumfang ist neben dem Gerät noch das 12 V Netzteil und die Anleitung dabei.

Klang

Ich habe es mir bei der klanglichen Bewertung nicht leicht gemacht: Während die „d“-Version es klanglich mit dem Wandler meines Universal Audio Twin X aufnehmen musste, wurde die Qualität des Kopfhörerverstärkers ebenfalls mit dem Apollo, dem Edelmixer SSL SiX und dem in Kürze hier getesteten Cranborne Audio Camden EC2 verglichen. Letzterer verfügt über zwei sehr hochwertige, diskrete Headphone-Preamplifier, die wirklich ganz hervorragend klingen.

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Als Kopfhörer kamen der Philips Fidelio X2HR mit 30 Ohm (ca. 175,- Euro) und der Beyerdynamic DT-1990 Pro mit 250 Ohm zum Einsatz (ca. 450,- Euro).

Testprozedere und Hörpsychologie

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass der Vergleich von Kopfhörerverstärkern und Wandlern nicht leicht ist. Denn entweder man arbeitet mit einer aufwendigen Umschaltphalanx, die sich aber wiederum klanglich negativ auswirkt, oder man steckt ganz klassisch um – was es aber wiederum schwer für die Hörpsychologie macht: Die Pause beim Umstecken macht es dem Tester nicht leichter, winzige Unterschiede zu bemerken. Ein bewährtes Mittel ist das wiederholte, lange Hören mit den unterschiedlichen Geräten. Tatsächlich kann man als erfahrener Hörer seine Präferenz gut „erhören“. Klingt Gerät A grundsätzlich sehr gut, hört man bei Gerät B plötzlich die Transienten und die Dynamik besser. Die Stimme zeigt mehr Details und hat mehr oder weniger Grundton. Nach ein paar Tagen kann man dann so sehr gut das präferierte Gerät identifizieren.

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Die klanglichen Unterschiede wurden dann auch mit dieser Methode herausgearbeitet. Generell sind in dieser Geräteklasse die Differenzen aber sehr subtil.

Klang: D/A-Wandler

Die Unterschiede verschiedener Wandlerchips sind kaum auszumachen. In der Regel macht nicht der Chip-Hersteller hier den Unterschied, sondern die Peripherie, wie das Signal vor und nach dem Chip behandelt wird. Außerdem spielt eine ausreichend dimensionierte und stabile Stromversorgung eine Rolle und auch der „Jitter“, also die Stabilität der Clock im Wandler, wirkt sich auf den Klang aus.

Und fürs Protokoll: Wenn ich D/A-Wandler schreibe, dann meine ich natürlich A/D-D/A Wandler – denn genau das passiert in so einem Gerät.

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Um es hier kurz zu machen: Mir hat der Wandler im SPL Phonitor One d einen Hauch besser gefallen als im Apollo TWIN X. Minimal detailreicher und mit großer musikalischer Übersicht klingt die Musik beim SPL sehr fein und mit einer etwas stabilerer Bühne. Beim musikalischen Feuerwerk von „Slow Dancing in a Burning Room“ des Gitarristen Mike Dawes ist man mit dem SPL etwas näher dran und die Details „springen“ leichter in den Gehörgang.

SSL-SiX_BusComp

Der tolle G-Compressor des SSL SiX

Dem Apollo darf man seine etwas ausgeglichenere Wiedergabe zugute halten. Die absolute Neutralität macht den Wandler bei Universal Audio praktisch unhörbar und kompatibel zu praktisch jedem Monitor. Der extreme Detailreichtum des SPL kann auf die Dauer schon etwas anstrengend sein – insbesondere mit dem hell abgestimmten Beyerdynamic DT-1990 Pro braucht man immer wieder Hörpausen – zu stark fordert der SPL die Konzentration. Vielleicht vergleichbar mit dem Moment, als man das erste Mal einen Film mit einem 4K Fernseher ansieht. Alles ist toll, aber auch irgendwie ein „Overload“ für die Sinne. Klangfreaks, die wirklich jede Transiente analysieren wollen, werden den SPL lieben.

Klang: Kopfhörerverstärker

Aufgrund der identischen Headphone-Preamps klingen die beiden SPL natürlich identisch und wirklich über jeden Zweifel erhaben. Auch hier eher auf der detailreichen Seite und mit viel Energie, fallen einem bei den Phonitor Modellen die Worte „bunt“ und „Spielfreude“ ein. Clair Marlos „Let it Go“ fetzt aus den Ohrmuscheln, dass es eine Freude ist und die erst letztes Jahr gegründete Country Combo „Gone West“ rund um Sängerin Colbie Cailat bezaubert mit ganz wunderbaren Harmonien („What could have been“). Allerdings fällt hier auf, dass die Stimme von Sänger und Gitarrist Justin Young einen Hauch zu grell wiedergegeben wird.

Cranborn-Audio-Camden-EC2-front

Auch der Cranborne Audio zeigt diese Tendenz und so darf man sich berechtigterweise auch fragen, ob der Mixing/Mastering-Engineer hier ein bisschen viel Dampf im Bereich um 3 kHz gegeben hat. Interessanterweise können das der SSL SiX und der UA Apollo besser: In diesem Bereich klingen die beiden „Studio-Altmeister“ einfach etwas routinierter. Die Tendenz bei Justins Stimme wird bei Universal Audio und SSL ebenfalls deutlich wahrgenommen, aber das Gesamtbild bleibt harmonischer.

Apollo X4 und Twin X_tisch

Der etwas rundere und mehr im Bereich HiFi platzierte Philips Kopfhörer ist da insgesamt gnädiger, aber kann mit seiner sensationellen Abbildung punkten. Ganz wunderbar platzieren sich die Musiker auf der imaginären Bühne und bezaubern durch ihr musikalisches Können. Mit seinen 30 Ohm fordert der Fidelio X2 den Verstärker aber auch weit weniger als die 250 Ohm Klanglupe von Beyerdynamic.

So lässt sich Folgendes zu den vier Kontrahenten sagen: Universal Audio und SSL demonstrieren, warum sie Legenden im Studio geworden sind. Tolle Arbeitswerkzeuge mit absolut neutraler, dynamischer und detaillierter Wiedergabe, bei der der Tontechniker auch viele Stunden konzentriert arbeiten kann. Im direkten Vergleich klingt der Cranborne Audio Camden einen Hauch zu steril. Seine unfassbare Sauberkeit nimmt dem Signal etwas von seiner Seele – was aber auch ein Vorteil sein kann. Im Verbund mit dem DT-1990 Pro ist das aber meines Erachtens etwas zu viel. Musik darf auch im Studio Spaß machen!

Und genau diesen Spagat schafft SPL mit dem Phonitor One (d) ganz hervorragend. Heller und noch detailreicher, als die Haudegen von UA und SSL, aber dabei stets musikalisch und farbenfroh. Ein tolles Debüt für die beiden Newcomer aus NRW!

Fazit

SPL zeigt auch mit den neuen Modellen Phonitor One und Phonitor One d, dass der Hersteller sein Handwerk versteht und die Konstruktionstiefe der Geräte mit einem ganz hervorragenden Klang belohnt wird. Man lässt hier auch den schärfsten Kritikern keinen Raum: Verarbeitung, Materialauswahl, Messwerte, Technik und nicht zuletzt die hohe Wiedergabegüte machen SPL am Markt zu einer festen Größe, die man immer auf dem Zettel haben sollte. Ich kann die beiden „Neuen“ von SPL jedenfalls wärmstens empfehlen: Good Job!

Plus

  • sehr guter und detailreicher Klang
  • tolle Verarbeitung
  • praxisgerechte Ausstattung

Minus

  • fürs Studio wär ein zweiter Kopfhörerausgang hilfreich

Preis

  • Phonitor One: 399,- Euro
  • Phonitor One d: 599,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    und zwar für 399,- Euro für den „One“ und 599,- Euro für den „One d“ (jeweils inkl. 19 % MwSt.).

    Wow! Und ich dachte es wären noch 88 Tage bis 2021… 🤣

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