Test: Ultrasone Panther, Kopfhörerverstärker

9. August 2019

Mobiler DAC für Kopfhörer

ultrasone panther

Ultrasone Panther

Mobilität ist Trumpf. Es ist schon abenteuerlich, was sich heute alles „on the road“ erledigen lässt. Ganze Büros findet man heutzutage an einigen Sitzplätzen in den ICEs. Was aber im schreibtechnischen Bereich bereits weit fortgeschritten ist und über weite Strecken bereits professionellen Charakter angenommen hat, humpelt im Pro-Audio-Bereich teilweise noch stark hinterher. Zwar haben einige Laptops und Notebooks bereits genügend Power, um ganze Produktionen zu verwalten, im Monitoring-Bereich hingegen quält man sich des Öfteren mit dem Flaschenhals der Musikwiedergabe. Um Abhilfe zu schaffen, hat die aus dem bayrischen Gut Raucherberg stammende Firma Ultrasone mit dem Ultrasone Panther einen sehr mobilen Kopfhörerverstärker entworfen, der sich eben dieses Problems annehmen soll.

Panther – warum sollte man einen externen Kopfhörerverstärker benutzen?

Machen wir uns nichts vor, Macbooks, Tablets etc. glänzen natürlich gerne mit fetten Benchmarks, aber der Pro-Audio-Bereich, der in den Achtzigern noch als DAS Einstellungsmerkmal z. B. von Apple gepriesen wurde, hat sich im Laufe der Dekaden zu einem Mitläufer entwickelt, der zwar von der professionellen Szene intensiv genutzt wird, aber eigentlich nur aus Prestigegründen weiter gepflegt und entwickelt wird. Das große Geld wird mit Customer-Produkten erwirtschaftet, die keine speziellen Kenntnisse erfordert und von Millionen Menschen genutzt werden.

So wird z. B. am Display eines MacBooks mittels Retina und ähnlichem nahezu jährlich die x-te Verbesserung in Sachen Optik eingeläutet, in Sachen Audio quält man sich hingegen seit Bestehen der Devices mit fummeligen 3,5 mm Miniklinkenbuchsen und quäkenden Lautsprechern, bei denen selbst Barry White die Resonanzfrequenzen von A- und B-Hörnchen aufweist. Viele Pro-User, die viel unterwegs arbeiten, sind daher gezwungen, audiophil wichtige Entscheidungen erst zu treffen, wenn sie im heimischen Studio angekommen sind. Oder aber einen entsprechend mächtigen Kopfhörerverstärker mitzunehmen, der auch Kopfhörer mit höherer Impedanz adäquat mit einem Signal versorgen kann. Eben hier setzt das Prinzip des Ultrasone Panther an.

Aufbau und Konzept des Ultrasone Panther

Der in China gefertigte Ultrasone Panther wird in einem stabilen Pappgehäuse geliefert, welches den Kopfhörerverstärker an sich und mehrere Adapterkabel enthält, die für den Betrieb benötigt werden. Schält man den Kopfhörerverstärker aus seiner Schaumstoffverpackung, kommt man nicht umhin, das Wort „niedlich“ über seine Lippen gleiten zu lassen, jedoch gepaart mit einem wohlwollenden Blick ob der äußeren Aufmachung. Die dreidimensional schimmernde Karbon-Optik auf den Längsseiten des Gehäuses hinterlässt einen sehr wertigen Eindruck. Das Gehäuse misst in der Tat nur 115,6 x 55,6 x 12 mm bei einem Gewicht von nur 110 g und findet in wahrlich jeder Jacken- oder Hosentasche Platz.

ultrasone panther

Die technischen Details des Ultrasone Panther

Der Ultrasone Panther verfügt über einen Akku von 3000 mAh, was ihm eine Betriebsdauer von ca. 20 Stunden bei Line-In-Betrieb und ca. 15 Stunden im USB-OTG-Betrieb ermöglicht. Um den Akku wieder aufzuladen, bedarf es ca. 3 – 4 Stunden. Als Ausgänge verfügt der Ultrasone Panther sowohl über einen symmetrischen 2,5 mm als auch über einen unsymmetrischen 3,5 mm Ausgang. Für den Anschluss eines 6,3 mm Steckers reichen die Abmessungen des Ultrasone Panther leider nicht.

Als Eingänge fungieren neben einem Micro-USB-Charging-Port ein 3,5 mm Line-In und ein Micro-USB-OTG. Die Abtastrate bewegt sich zwischen 32 kHz bis 384 kHz/32 Bit, die unterstützten DSD-Formate sind 64, 128 und 256. Bei dem verwendeten DAC-Chip handelt es sich um einen AKM 4490.

Die Ausgangsleistung des Ultrasone Panther beträgt 350 mW (PO/32 Ω) und 950 mW (BAL/32 Ω) und erlaubt den Anschluss von Kopfhörer-Impedanzen zwischen 16 Ω – 300 Ω. Als Zubehör liegen dem Ultrasone Panther die Anschlusskabel AUX, Lightning, Micro-USB, USB-A und USB-C bei. An der hinteren Seite des Gehäuses befindet sich ein Gain-Switch, der die Eingangsempfindlichkeit um jeweils 6 dB anhebt bzw. absenkt.

Die LED Kommunikation des Ultrasone Panther

Um auf kleinstem Raum einen maximalen Informationsaustausch zu gewährleisten, haben sich die Designer des Ultrasone Panther dazu entschlossen, eine einzelne mehrfarbige LEDs in den Mittelpunkt zu stellen, die über den Push-Lautstärken-Endlosregler gesteuert wird. In ausgeschaltetem Zustand schimmert die LED in einem dunklen Blau ohne jede Aktivität. Durch das dreisekündige Drücken des Volume-Reglers aktiviert man den Ultrasone Panther, was die LED auf gelb wechseln lässt, sofern der USB-Anschluss nicht belegt ist. Ist der USB-Anschluss belegt, leuchtet die LED weiß.

Wird die Musikwiedergabe in PCM aktiviert, leuchtet die LED grün, im DSD-Modus blau. Benutzt man hingegen den Line-Eingang, leuchtet die LED lila. Wird der Ultrasone Panther im ausgeschalteten Zustand geladen, leuchtet die LED rot, bei Abschluss der Ladung grün. Erfolgt dies im eingeschalteten Zustand, erfolgt diese Information durch jeweils dreimaliges Blinken in Rot oder in Grün. Ist der Ladezustand des Akkus gering, leuchtet die LED rot. Was auf den ersten Blick etwas verwirrend anmutet, ist in Wirklichkeit ein gut durchdachtes und optisch ansprechendes Konzept, das seinen Zweck sehr gut erfüllt.

Um den Akku zu schonen, verfügt der Ultrasone Panther über eine Abschalteinrichtung, die den Verstärkern nach 3 Minuten, in denen der USB-Eingang nicht belegt ist, abschaltet. Das Gleiche gilt für 10 Minuten, nachdem über USB keine Musik gespielt wird und nach 10 Minuten, in denen der Line-Eingang nicht belegt ist. Ebenso schaltet sie das Gerät im Betrieb nach 10 Sekunden mit niedrigem Ladezustand und nach 3 Minuten ohne Aufladen aus.

Als Besonderheit verfügt der Ultrasone Panther zusätzlich über eine bei Bedarf aktivierbare Höhenreduzierung, die vor allem den zuweilen schrill klingenden Ohrhörern der günstigen Preisklassen geschuldet ist, aktivierbar und deaktivierbar durch kurzes dreimaliges Drücken des Lautstärkereglers.

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Zubehör des Panthers

Der Ultrasone Panther in der Praxis

Das Koppeln des Ultrasone Panther mit den entsprechenden Geräten stellt sich erwartungsgemäß als absolut unkompliziert heraus. Einstecken, ggf. noch die Ausgangsquelle in den Systemeinstellungen ändern und gut ist. Als Testmaterial kamen verschiedene Referenzproduktionen, verschiedene Testsignale und auch persönliche Produktionen zum Einsatz, die ich erwartungsgemäß bereits auf allen Abhören vernommen habe. Als Kopfhörer kamen ein Beyerdynamic T1, ein Beyerdynamic DT 770 Pro und verschiedene Ohrhörer bis hinunter in die akustische Körperverletzung. Als Geräte wurden ein iPhone X und ein MacBook Air bemüht.

Als Ausgangsbasis habe ich zunächst die intern verbauten Wandler der Geräte abgehört, um danach auf den DAC des Ultrasone Panther zu wechseln. Das hieraus resultierende Ergebnis hing in der Tat sehr stark von den verwendeten Komponenten ab. Generell verpasst der Ultrasone Panther dem Ausgangsmaterial mehr Headroom und eine weichere Wiedergabe, als es die intern verbauten Wandler ermöglichen. Auch der Bass- und Tiefmittenbereich kommt deutlich „entspannter“ daher. Bei Kopfhörern jenseits der 200 Ohm Marke war allerdings eine deutliche Höhenbedämpfung zu vernehmen, was das Ausgangsmaterial etwas dumpfer erscheinen lässt. Um diese Einschätzung zu verifizieren, aktivierte ich kurzfristig die Höhenreduzierung, um sicher zu gehen, dass diese nicht u. U. noch eingeschaltet war.

Genau dieser Effekt, der auf den ersten Blick einen Makel darstellen könnte, entpuppt sich bei abnehmender Qualität der Kopfhörer als ein echtes Highlight. Gerade Kopfhörer im zweistelligen Ladenpreis- und Ohmzahlen-Segment verloren deutlich an Schärfe und gewannen an Qualität. Generell lässt sich sagen, dass mit abnehmender Qualität der Komponenten, insbesondere der Kopfhörer, die Qualität des Signals durch den Ultrasone Panther zunahm. Gerade minderwertige Consumer-Ohrhörer profitieren ungemein von dem Ultrasone Panther,

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob es bei einem UVP von fast 400,- Euro nicht sinnvoll ist, in einen hochwertigeren Kopfhörer zu investieren. Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, wobei die Antwort stark von den verwendeten Komponenten abhängig ist. Meines Erachtens würde ich bei der Verwendung von hochohmigen High-End-Kopfhörern erst einen A/B-Vergleich anstreben, bevor ich eine Entscheidung treffe.

Bei sehr guten Kopfhörern mit geringen Ohmzahlen und mittleren bis minderwertigen Kopfhörern hingegen halte ich den Ultrasone Panther für eine echte Bereicherung, insbesondere aufgrund seiner großen Flexibilität und seinen hervorragenden Abmessungen und Leistungsdaten.

Ultrasone Panther im Einsatz

Ultrasone Panther im Einsatz

Fazit

Mit dem Ultrasone Panther erhält man einen sehr kompakten, flexiblen und mobilen Kopfhörerverstärker, der mit sehr geringen Abmessungen und hervorragenden Leistungsmerkmalen auf sich aufmerksam macht. Je nach Wahl der Kopfhörer erfährt das Ausgangsmaterial eine deutliche Aufwertung, wobei sich die Anschaffung gerade bei Kopfhörern der mittleren bis unteren Klangqualität lohnt.

Plus

  • Konzept
  • Abmessungen
  • Flexibilität

Minus

  • Höhenbedämpfung bei hochohmigen Kopfhörern

Preis

  • Ladenpreis: 399,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Für das Studio? Nein! Die Werbebotschaft zielt eher auf den »Schlaufon« Nutzer. Dazu passt auch das beiliegende Zubehör und die klangliche Abstimmung.
    Im Studio braucht es eine Festinstallation mit solider Stromversorgung. Ein »Lake People G-103P Phoneamp« erfüllt alle Studioanforderungen meisterhaft und kostet sogar 80 Euro weniger.

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Ich glaube, dass es dem Hersteller primär um den mobilen Einsatz, z. B. für den Betrieb mittels eines Notebooks geht.

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