Test: Little Labs Monotor, Kopfhörerverstärker

3. Juli 2017

Schaltwunder auf kleinstem Raum

Der Little Labs Monotor ist ein kleiner, kompakter Kopfhörerverstärker, der sowohl für Musiker als auch Produzenten interessant sein könnte. Eine klare Struktur und die Konzentration auf das Wesentliche scheinen den Monotor für viele Einsatzgebiete zu prädestinieren, aber wie sieht es klanglich aus?

Little Labs Monotor Frontseite

Wie wir ja alle wissen, gibt es im Studio gleich mehrere Produkte, die sowohl Engineer, Produzent als auch Besucher in ihren Bann ziehen. Schweres Outgear in Stil formschöner Equalizer, prächtig zappelnde VU-Meter eines Kompressors oder auch eine glimmende Röhre im Channel Strip versprühen einen Hauch von elitärer Klangformung, auf dass nicht nur das Ohr, sondern auch das Auge in den Genuss des neuen audiophilen Ergusses komme. Ach du schöne Studiowelt.

Auf der anderen Seite stehen all diejenigen, ohne die der ganze Betrieb nicht laufen würde und deren Existenz im entscheidenden Prozess sich als geradezu existentiell für ein perfekt klingendes Endprodukt entpuppt. Leider verfügen viele dieser Vertreter sowohl optisch als auch in ihrer Wertschätzung des Künstlers über das Flair eines Staubsaugers, ganz im Sinne von „schon irgendwie wichtig, kann man aber nach Gebrauch auch in einem Schrank lagern“.

Mit am hintersten Ende dieser bedauernswerten Gruppe sitzt wohl der Kopfhörerverstärker, ohne den wohl kein Künstler im Recording Room einen Ton der bereits aufgenommenen Materie hören würde und ohne den gerade die heikle Phasenkontrolle akustisch kaum einfacher zu kontrollieren ist. Wenn also ein Hersteller wie Little Labs einen Kopfhörerverstärker mit dem Namen Little Labs Monotor für knapp 600,- Euro auf den Markt bringt, muss es wohl irgendeinen Grund für diesen auf den ersten Blick sportlichen Preis geben. Immerhin befinden wir uns hier in der SPL Phonitor Preisklasse, der mit einer aufwändigen Matrix eine dreidimensionale Monitorabbildung generiert und das „echte“ Mischen über einen Kopfhörer ermöglicht.

Aufbau

Klein ist er, der Little Labs Monotor (10 cm Breite, 16 Zentimeter Tiefe), so dass man 4 von seiner Art in einem 1 HE hohen 19 Zoll Rack unterbringen kann. Ob es einen speziellen Rack Adapter für eine Verwendung dieser Art gibt, ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen. Ein intelligente Kabelverdrahtung ermöglicht sowohl einen Daisy Chain Betrieb, sofern man symmetrische TRS-Kabel verwendet oder aber man nimmt die 2 TRS-Buchsen als zusätzliche Eingangsbuchsen, sofern man unsymmetrische Kabel verwendet. Eine schöne Detaillösung.

Little Labs Monotor Rückseite

Rückseite

Bleiben wir der Einfachheit halber direkt auf der Rückseite des Gehäuses. Neben besagtem TRS-Paar verfügt der Little Labs Monotor über zwei TRS/XLR-Kombibuchsen als Eingänge, zzgl. einer 3,5 mm Stereo-Miniklinke, um z.B. ein Smartphone o.ä. als Klangquelle anzuschließen. Des Weiteren befindet sich hier die vierpolige Anschlussbuchse für das mitgelieferte Netzteil, das mit einer Überwurfmutter gehalten wird.

Das beigefügte Netzteil arbeitet mit einer selten verwendeten Betriebsspannung von +/-16 Volt und lässt sich je Netzspannung zwischen 220 und 110 Volt umschalten. Das Netzteil erweist sich als echter Brocken und kann in Sachen Gewicht und Abmessungen mit dem eigentlichen Produkt locker mithalten. Leider befinden sich keine Verschraubungsösen am Netzteil, so dass dieser Brocken nur auf dem Boden platziert werden kann. Als problematisch erwies sich leider der Kaltgerätestecker, der das mitgelieferte Netzkabel leider nicht richtig fixieren konnte und das Kabel somit schon bei leichtem Zug aus der Buchse glitt. Vielleicht eine Montagsproduktion, ansonsten sollte man umgehend die Buchse wechseln.

Little Labs Monotor im Studio

Vorderseite

Insgesamt vier verschiedene Kopfhörerausgänge (2x 6,3 mm Klinke, 2x 3,5 mm Miniklinke) bietet der Little Labs Monotor, die allesamt über einen einzigen gerasterten Lautstärkeregler gesteuert werden. Das individuelle Regeln der Kopfhörer in Sachen Lautstärke ist leider nicht möglich. Alle Ausgänge werden über eine separate Treiberstufe mit 0,5 Ohm Ausgangsimpedanz gesteuert, so dass auch hochohmige Kopfhörer adäquat mit Leistung versorgt werden können.

Als Besonderheit des Little Labs Monotor entpuppt sich der ebenfalls gerasterte Wahlschalter auf der rechten Seite des Gehäuses. Hier lassen sich insgesamt sechs verschiedene Rechts/Links-Kombinationen auswählen, um sowohl verschiedene Stereoschaltungen als auch die Phasenlage des Mixes zu überprüfen.

Die einzelnen Schaltungen gestalten sich wie folgt:

  • Standard rechts/links
  • rechts/links getauscht
  • links und rechts mono
  • nur linke Seite auf beiden Hörern
  • nur rechte Seite auf beiden Hörern
  • linke Seite minus rechter Seite

Welcher Modus aktiv ist, wird jeweils von einer grün leuchtenden LED angezeigt, die restlichen Modi leuchten rot.

Praxis

Durch die oben beschriebenen Modi lassen sich nahezu alle wichtigen Funktionen im Mix mit einer einfachen Drehbewegung überprüfen. Das Konzept ist einfach, aber effektiv. Was zudem angenehm in Erscheinung tritt, ist die absolute Nebengeräuschfreiheit des Little Labs Monotor. Selbst bei Maximallautstärke ist kein vom Gerät erzeugter Rauschanteil zu vernehmen. Der Klang des Produktes ist klar, voluminös und besitzt sehr viel Headroom, um auch bei einer ausgedehnten Session das Gehör nicht mit subtilen Verzerrungen schneller an die Ermüdungsgrenze zu bringen als nötig.

Fazit

Mit dem Little Labs Monotor befindet sich ein klanglich hervorragender Kopfhörerverstärker auf dem Markt. Headroom und Grundsound sind hervorragend, die Schaltungsmodi praxisgerecht. Ob sich allerdings ein Ladenpreis von knapp 600,- Euro bei nur einem Lautstärkeregler halten lässt, wage ich zu bezweifeln, da die direkte Konkurrenz in dieser Preisklasse mit deutlich mehr Features aufwarten kann. Zudem dürfen Verarbeitungsmängel wie ein schlecht sitzendes Netzkabel am Kaltgerätestecker in dieser Preisklasse nicht vorkommen.

Ein klanglich sehr guter Verstärker mit einer meines Erachtens zu überdenkenden Preispolitik.

Plus

  • Klang
  • Abmessungen

Minus

  • Netzteilkaltgerätestecker

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
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