Test: Swissonic UA-2×2, HAD-1, Audiointerface Kopfhörerverstärker

18. Februar 2019

Günstig, dafür aber richtig gut

swissonic ua 2x2 had-1

Unter dem Namen Swissonic, einer Hausmarke von Thomann, werden günstige Audioprodukte angeboten. Die Studiomonitore ASM5 und den Subwoofer MRS10 hatten wir bereits hier getestet. Mit dem Swissonic UA-2×2 und HAD-1 gibt es gleich zwei interessante Audiogeräte, die nicht nur durch günstige Anschaffungspreise punkten können. Während es sich beim UA-2×2 um ein klassisches Audiointerface mit zwei Ein- und Ausgängen handelt, ist der HAD-1 etwas komplexer. Im Prinzip verbindet er die Funktionen D/A-Wandler, Kopfhörerverstärker und Konverter, dabei kann er noch einiges mehr.

Swissonic UA-2×2, HAD-1: Gemeinsamkeiten

Auch wenn sich beide Geräte technisch und optisch unterscheiden, gibt es einige Gemeinsamkeiten. Die silbrigen Metallgehäuse sind solide verarbeitet, Gleiches gilt auch für Buchsen und Drehregler. Hier wackelt nichts und die Optik erinnert mich irgendwie an sündhaft teures Zubehör im Hi-Fi-Bereich der 90er Jahre, diese kleinen Kästchen mit Leuchtdioden, Anschlüssen und Drehreglern, deren Sinn man erst auf den zweiten Blick erkennt. Die Gehäuse stehen auf verschraubten und ebenfalls etwas nostalgisch anmutenden Gummifüßen.

swissonic ua 2x2 had-1

Beiden ist auch eine einfache Handhabung gemein, die beiliegenden Kurzanleitungen braucht man als erfahrener Anwender nicht. Das UA-2×2 wird vom Computer mit Energie versorgt, der HAD-1 kommt hingegen mit externem Steckernetzteil. Das ist logisch, weil der USB-Eingang nur eine von mehreren Funktionen ist. Das Einzige, was mir haptisch nicht gefällt, sind die jeweiligen Schiebeschalter. Sie wackeln leicht und machen nicht den Eindruck, dass sie ewig viele Betätigungen aushalten könnten.

swissonic ua 2x2 had-1

Swissonic UA-2×2 – Audiointerface

Das Gehäuse ist 19,8 cm breit, 12,5 cm tief und 5 cm hoch, im Lieferumfang befindet sich neben dem USB-Kabel auch ein Datenträger mit ASIO 2.0-Treibern für Windows und der Software Magix Samplitude Pro X Silver, Einsteiger können also direkt loslegen. Am Mac wird CoreAudio unterstützt, so dass man das UA-2×2 treiberlos einsetzt.

Die Ähnlichkeit zum Mackie Onyx Producer 2×2 ist zumindest auf der Frontseite sehr deutlich. Nicht nur die Produktbezeichnung, sondern auch das Äußere lässt darauf schließen, dass ein Audiointerface irgendwie immer gleich aussieht. Zwei schwarze Seitenteile aus Kunststoff halten das Gerät zusammen und vermitteln dem Ganzen etwas mehr Wertigkeit.

Swissonic UA-2x2 Rückseite

Rückseitig findet man neben einem Kensington-Anschluss den USB-B-Port und zwei 6,35 mm Klinkenbuchsen für Studiomonitore. Die Frontseite bietet zwei XLR/TRS-Buchsen für Mikrofone, Instrumente und andere Geräte. Neben jedem Eingang befindet sich ein Gain-Regler und eine Peak-LED, die vor Übersteuerungen warnt. Jeder Eingang lässt sich separat auf Instrumentenpegel umschalten, allerdings verfügt nur der rechte Eingang über +48 Volt Phantomspeisung. Das reicht für Singer/Songwriter aus und ist flexibler, als dedizierte Eingänge für Mikrofon und Instrument. Immerhin ließen sich auch zwei E-Gitarren oder dynamische Mikrofone mit dem UA-2×2 verbinden. Mein Lewitt LCT-450 funktionierte daher nur am rechten Eingang und dies ohne Tadel.

Swissonic UA-2x2 Vorderseite

Im rechten Teil befindet sich ein aus Aluminium gedrehter Lautstärkeregler, der sich nicht nur schön anfasst, sondern sich auch recht leichtgängig drehen lässt. Im Verhältnis zu den schmaleren Kunststoffreglern ist er etwas flacher ausgeführt. Die anderen Regler lassen sich auch mit gleichmäßigem, guten Widerstand drehen, einzig der separat regelbare Kopfhörerausgang liegt etwas nahe an der Hauptlautstärke.

Ein bisschen Sorge bereitet mir der erwähnte Schiebeschalter, mit dem man das Eingangssignal für latenzfreies Abhören den Ausgänge zuweisen kann. Es lässt sich wählen, ob man die Kanäle gar nicht, als Mono- oder auch als Stereo-Mix abhören möchte. Das gemischte Signal lässt sich im Pegel nicht angleichen. Der Schiebeschalter arbeitet etwas holprig und macht sich durch ein klingelndes Geräusch im Gehäuse bemerkbar.

Die Klangqualität kann hingegen überzeugen. Nichts rauscht oder stört, einzig der Kopfhörerausgang ist relativ leise und wird hochohmigen Studiokopfhörern möglicherweise zum Verhängnis. Thomann gibt einen Rauschabstand von 108 dB an, das ist immerhin besser als CD-Qualität mit 96 dB, nachmessen kann ich das leider nicht.

Auch die Mikrofonvorverstärker klingen ziemlich unaufgeregt und machen einen guten Job, bei dynamischen Mikrofonen ist allerdings bei maximaler Verstärkung ein Rauschen hörbar. Thomann gibt eingangsseitig eine Empfindlichkeit von 102 dB an. Bezieht man in die Beurteilung allerdings das Preis-Leistungs-Verhältnis mit ein, ist jede auch nur ansatzweise Kritik jammern auf hohem Niveau. So bekommt man für derzeit rund 50,- Euro einen sehr guten Gegenwert bei relativ geringen Kompromissen, obendrein noch eine gute Klangqualität.

Swissonic HAD-1 – Kopfhörerverstärker und mehr

Swissonic HAD-1 Vorderseite

Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Digital-Konverter, Kopfhörerverstärker und Soundkarte, denn einen USB-Anschluss gibt es auch, allerdings ohne ASIO-Unterstützung. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und den HAD-1 als günstigen Vorverstärker bezeichnen, darüber hinaus erlaubt er sogar die Aufnahme in den Computer und das sogar vom optischen Digitaleingang.

Das solide Metallgehäuse beherbergt auf der Rückseite alle notwendigen Anschlüsse. Zwei unsymmetrische Cinch-Pärchen dienen als analoge Ein- und Ausgänge, so dass sich der Einsatzzweck primär auf den Hi-Fi-Bereich zugeschnitten ist. Ein Schiebeschalter, den man ohnehin nicht häufig brauchen wird, ermöglicht das Absenken um 6 oder 12 dB des analogen Aufnahmepegels. Dazu gesellen sich eine USB-B-Buchse und zwei optische S/PDIF-Anschlüsse, die als Digital-Ein- und Ausgang dienen.

Die verschraubte Frontplatte hinterlässt einen edlen Eindruck. Hier befindet sich der griffige, aus Aluminium gedrehte Lautstärkeregler und die 6,35 mm Kopfhörerbuchse. Als weitere Bedienelemente finden sich hier der Power-Schalter nebst blauer LED und drei mechanische Tonquellentasten, die vermutlich intern nicht analog verschaltet sind. Zum einen leuchten sie bei jeweiliger Auswahl, zum anderen wird beim Umschalten die Lautstärke wohl zur Vermeidung von Knackgeräuschen kurz abgesenkt. Das Design würde ich als klassisch, fast schon nostalgisch bezeichnen und trifft absolut meinen Geschmack.

swissonic ua 2x2 had-1

Im Betrieb zeigten sich einige Überraschungen. Zunächst arbeitet die integrierte Soundkarte, Audiointerface wäre etwas übertrieben formuliert, nach USB-Audio-Class 2. Sie wird ausschließlich vom Computer mit Energie versorgt und funktioniert daher auch ohne angeschlossenes Netzteil. Das Audiosignal wird simultan über die Analogsektion und den S/PDIF-Ausgang weitergereicht, an den auch ein Mehrkanalsystem angeschlossen werden kann. Diese Eigenschaften erinnern stark an die besseren Soundkarten-Sticks. Ich habe selbst so einen im Einsatz, Ausstattung und Klangqualität sind durchaus vergleichbar. So schlecht wie ihr Ruf ist diese nämlich nicht, was ich allerdings auf moderne Chips mit 24 Bit Wortbreite beziehe. Hochauflösende Musik kann man damit schon ganz gut hören und umgekehrt, denn die angeschlossenen Geräte lassen sich über zwei Stereokanäle aufzeichnen.

Der S/PDIF-Eingang arbeitet übrigens ebenfalls vollkommen unabhängig. Hieran lassen sich Digitalsignale schicken und analog ausgeben. Während die drei Tonquellentasten zwischen Line, S/PDIF und USB umschalten wird über den Digitalausgang stets das Computersignal abgebildet, die Funktion des Konverters unterliegt also bestimmten Regeln.

Swissonic HAD-1 im Betrieb

Swissonic UA-2×2, HAD-1 – Klang

Klanglich wollte ich es genauer wissen und habe den HAD-1 daher gegen meinen Denon DA-300 mit dem Beyerdynamic T5 p der zweiten Generation antreten lassen. Der DA-300 arbeitet intern mit 32 Bit (ALC 32-Processing) und decodiert auch DSD128 in guter Qualität. Dabei habe ich ihn nicht per ASIO und USB verbunden, sondern ihn mit dem S/PDIF-Signal aus dem HAD-1 gefüttert. Es zeigte sich, dass der HAD-1 einen verdammt guten Job macht. Klanglich wirkt er zwar etwas weniger detailreich, was an den verschiedenen Wandlerkonzepten liegen dürfte, aber die Unterschiede sind doch ziemlich gering. An beiden Analogausgängen wird ein homogenes und neutral klingendes Signal abgeliefert. Weil der Lautstärkeregler auf der Front auch den rückseitigen Ausgang regelt, lässt er sich daher auch als Vorverstärker nutzen. Steckt man einen Kopfhörer ein, wird der rückseitige Ausgang entsprechend stummgeschaltet. Schlussendlich habe ich ihn als Vorverstärker in meine Wiedergabekette eingebunden und auch da hat er klanglich voll überzeugen können.

swissonic ua 2x2 had-1

Der Kopfhörerverstärker des HAD-1 arbeitet im Prinzip extrem rauscharm. Nur im USB-Betrieb ist bei Maximallautstärke ein leichtes Rauschen zu hören, das man mit einem USB-Isolator sicher noch minimieren kann. Laut Musikhaus Thomann ist der HAD-1 auch für hochohmige Kopfhörer geeignet, allerdings wird ihn das vermutlich an seine Belastungsgrenze bringen. Bei stark komprimierter Musik neigt er bei dreiviertel aufgedrehter Lautstärke zu Verzerrungen, dies ist dann allerdings beim T 5 p schon unangenehm laut. Leider habe ich den Sennheiser HD 800 nicht mehr zur Hand, vermutlich wäre dieser für den HAD-1 etwas zu viel des Guten. Genau wie beim UA-2×2 muss man auch hier das Preis-Leistungs-Verhältnis in die Bewertung mit einbeziehen, denn für rund 130,- Euro macht das Teil einen verdammt guten Job.

swissonic ua 2x2 had-1

Fazit

Ich bin wirklich begeistert, wie viel Qualität man mit dem Swissonic UA-2×2 und HAD-1 für recht wenig Geld bekommt. Klar gibt es Kompromisse, die allerdings je nach Anspruch und Einsatzzweck mehr oder weniger ins Gewicht fallen. Das UA-2×2 ist ein solides Audiointerface mit beiliegender Software, das alles mitbringt, was für den Einstieg wichtig ist und zudem noch gut klingt.

Der HAD-1 ist nicht nur Kopfhörerverstärker, sondern bietet auch Computer und Digitalgerät den Zugang und lässt sich sogar als Vorverstärker einsetzen. Einzig hochohmige Kopfhörer könnten ihn an seine Grenzen treiben, eine optisch passende Endstufe von Swissonic wäre jetzt noch schön gewesen. Die Verarbeitung, Preis-Leistung und Ausstattung beider Geräte können absolut gefallen, mehr kann man für sein Geld nicht erwarten.

Plus

  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • hochwertige Verarbeitung
  • gute Klangqualität
  • Swissonic UA-2x2: ASIO 2.0 und Software im Lieferumfang
  • Swissonic HAD-1: sehr gute Ausstattung

Minus

  • Swissonic UA-2x2: Phantomspeisung nur am rechten Eingang
  • Swissonic HAD-1: Kopfhörerverstärker neigt zu Verzerrungen bei allerdings hohem Pegel

Preis

  • Ladenpreise:
  • Swissonic UA-2x2: 49,- Euro
  • Swissonic HAD-1: 129,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    calvato  

    mich würde noch die latenz interessieren! für mich als keyboarder der viele VST-instrumente nutzt immer noch eine „große sache“, viele interfaces sind echt zu lahm…..

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      Stephan Merk  RED

      Latenzangaben lassen sich aus meiner Sicht seriös nicht vermitteln und es hat auch seinen Grund, warum diese von den Herstellern nicht oder nur in höheren Preisregionen angegeben werden. Je nach verwendetem Rechner, DAW, Plug-Ins, Speicher- und USB-Controller, können sich mitunter massive Unterschiede ergeben. Wenn ich mit einem schnellen iMac und ausreichend Speicher eine geringe Latenz feststelle, kommt dann der Nächste und schreibt: So ein Quatsch, ich komme nicht mal auf annähernd diesen Wert. Wenn Latenzen wirklich relevant sind, muss man probieren oder im Vorhinein bei der Hard- und Software Stellschrauben drehen, die vermutlich nicht bei einem Audio-Interface für 49 Euro enden werden. Ist ein Interface zu lahm, kann dies auch andere Gründe haben, die vielleicht an einem trägen USB-Controller oder nicht optimierter Systemkonfiguration liegen können. Latenzen bilden sich nach meiner Erfahrung nicht erst im Audio-Interface, sondern werden weit davor verursacht.

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        dr noetigenfallz  

        Das stimmt auf der einen Seite. Man könnte aber schreiben: bei meinem eigenen Interface von RME/Motu etc. ist die Latenz…, bei diesem Interface ist sie…
        Das ist auch nicht 100% wissenschaftlich, aber im Normalfall schon halbwegs aussagekräftig.

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        bluebell  

        Zumal ab einer gewissen Anzahl an Spuren und Plugins die Latenz mehr vom CPU-Hunger der Plugins bestimmt wird (über die nötige Puffergröße) als von der Ausführung von Interface und Treiber.

  2. Profilbild
    bluebell  

    Hohe Gummifüße sind eine tolle Sache, besonders wenn Anschlüsse vorne liegen. Dann kann man die Kabel nämlich unter dem Gerät durchführen, ohne dass es wackelt. Unter dem Gerät sind sie besser gebändigt als über oder neben ihm.

    Was für mich allerdings gar nicht mehr geht, sind unsymmetrische Anschlüsse. Schneller als man kucken kann hat man Störgeräusche drin, nicht nur Brummen sondern auch ein Zirpen, das sich bei Mausbewegungen ändert. Da kann man natrürlich mit einem Trennübertrager Abhilfe schaffen, aber der kostet auch Geld und man erhöht die Anzahl der Steckverbinder. Daher besser gleich alles symmetrisch verkabeln.

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