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Test: Steinberg Nuendo 8.3, Digital Audio Workstation

8. Oktober 2018

Lasset die Spiele beginnen

steinberg nuendo 8.2

Die letzten Cubase Updates haben einiges an Features gebracht. Nun ist an der Zeit, dass die Hamburger nachlegen und das „große Cubase“ nachrüsten: Steinberg Nuendo 8 zieht nun mit den Cubase-Features gleich, ein paar weitere Funktionen im Steinberg Nuendo 8.3 Update implementiert und das haben wir uns für euch angeschaut.

Der Überblick zu Steinberg Nuendo 8.3

Die meisten der folgenden Features wurden bereits in Nuendo 8.2 implementiert. In diesem Test kombinieren wir die beiden letzten Updates so dass ihr hier alles über die Neuerungen von Nuendo 8.2 und Steinberg Nuendo 8.3 erfahrt.

Da Steinberg Nuendo 8.3 nicht nur das hauseigene VST-Instrument-Paket im Lieferumfang hat, sondern zusätzlich die Pro Sound Effects Hybrid Library 2017 sind die Setup-Files nicht gerade klein. Das NEK gibt es nun nicht mehr. Das Nuendo Expansion Kit wurde vor über 10 Jahren eingeführt, um in Nuendo die Cubase-Basis-Funktionen kostenpflichtig zu machen: Die Standard VST-Instrumente, VST-Expression, Noten-Editor und vieles mehr wurde von den Steinbergern für Nuendo-Kunden von da an kostenpflichtig. Schwer nachvollziehbar in der Nutzergemeinde, da Nuendo schon immer das 3-4-Fache von Cubase gekostet hat und viele Nuendo-User bereits eine Cubase-Lizenz hatten. Auch reichte ein Dongle mit zusätzlicher Cubase-Lizenz nicht aus, um das NEK in Nuendo nutzen zu können. All das ist nun vorbei, in Steinberg Nuendo 8.3 sind nun die NEK-Features inkludiert, endlich!

Da lädt was...

Da lädt was…

Das kennen wir doch von Cubase …?

Eines der Features, die die Cubase-Gemeinde herbeigesehnt hatte, war die Undo-Funktion für den Mixer. Das gibt es nun auch in Nuendo. Ich bilde mir sogar ein, dass es hier noch deutlich offensichtlicher gefehlt hat als in Cubase, richtet sich Nuendo doch an Post-Pro- und Mixing-Engineers (zumindest im Fokus).

Undo im Mixer, endlich!

Undo im Mixer, endlich!

Der Retrologue 2 – der überarbeitete Software-Synthesizer, den wir schon aus Cubase kennen – ist nun auch bei Nuendo mit dabei. Alleine der kostet schon knapp 100,- Euro, was den Update-Preis ein wenig relativiert.

Jeder Video-Editor kennt das: Einzelne Effekte sollen nur auf einen spezifischen Clip – pardon – auf einen spezifischen Part angewendet werden. Im Audio-Sektor ist das nicht so weit verbreitet. Praktisch jeder Sequencer kann Offline-Effekte (destruktive in die Audiodatei einrechnen lassen) anwenden, wenige können das aber auch non-destruktiv. Steinberg Nuendo 8.3 gehört jetzt dazu. Die Offline-Bearbeitungen werden wie vorher ausgewählt und eingefügt, können nun aber immer über das vorgesehene Menü verändert oder sogar gelöscht werden. Erst wenn die Arbeitsschritte permanent gemacht werden, sind diese auch wirklich in der Audiodatei enthalten.

Das funktioniert auch ganz gut, leider aber nicht immer 100%ig korrekt. Ich hatte schon Fehler in dieser Funktion: Bei der Loop-Wiedergabe eines Audio-Clips (Audio-Parts) und der Garnierung des Gehörten mit einer schönen Portion Hall wurde die Hallfahne auch VOR das auslösende Schallereignis gebracht. Im Loop-Betrieb folgerichtig, da am Ende des Loops der Hallanteil noch nicht verklungen war. Allerdings war nun auch im Offline-Prozess VOR dem eigentlichen Schallereignis Hall zu hören. Behoben war das auch ganz einfach: Wiedergabe stoppen, Hall auf Bypass, Bypass wieder aus. Das kann aber in einer Sequencer-Lösung für knapp 2.000,- Euro (oder 600,- Euro im Falle von Cubase) nicht der werte Ernst der uns doch wohl gewogenen Programmierer bei Steinberg sein. Allerdings sind die prinzipiellen Probleme von VST-Expression, die ich bereits in diversen Cubase-Tests hier angemerkt habe – bis heute nicht gefixt.

Noch leer, aber kann gut gefüllt werden...

Noch leer, aber kann gut gefüllt werden

Selbstverständlich ist der Sample-Track aus Cubase auch in Nuendo enthalten: Es lassen sich aus beliebigen Audiodateien mit einem Klick Sample-basierte Instrumente bauen. Das könnte für Sounddesigner eine völlig neue Arbeitsweise ermöglichen.

Der Frequency-EQ, der mir schon in Cubase Pro 9 über den Weg gelaufen ist, findet sich nun auch in Steinberg Nuendo 8.3. Der Name wirkt etwas infantil: Ein Equalizer für Frequenzen? Wie revolutionär! Allerdings ist nur der Name ein Unfall. Der Frequency-EQ ist ein achtbandiger Equalizer, der sehr präzise arbeiten kann (hohe Q-Faktoren und hohe Flankensteilheiten) und sogar Linear-Phasig beherrscht. Andere Hersteller nehmen für sowas auch mal bis zu 100,- Eur0 und mehr vom dann völlig verarmten User. Klanglich geht der Frequency-EQ voll in Ordnung, das Teil könnte ein eigenes Produkt werden.

Frequency, ein EQ, der es mit externen Bezahl-Plugins aufnehmen kann!

Frequency, ein EQ, der es mit externen Bezahl-Plugins aufnehmen kann!

Die in Cubase eingeführten Plugins wie Maximizer, AutoPan etc. sind natürlich auch in Nuendo 8.3 enthalten, keine große Überraschung. Ebenso wurde die überarbeitete Video-Engine aus Cubase übernommen.

Wie bereits in Steinberg Cubase Pro 9 eingeführt, sind die Editoren nun auch in der unteren Zone nutzbar. Somit kann Nuendo auch „One Window“ – nichts für mich, aber glasklar die Zeichen der Zeit.

Übrigens: Nuendo 8 ist nun auch 64 Bit only, damit hat sich die 32 Bit-Ära bei Steinberg vollständig erledigt.

In Nuendo 8.3 ist es nun ebenso möglich, ein individualisiertes Metronom sowie Bézier-Automationskurven zu nutzen. Ersteres ist nicht lebenswichtig, Zweiteres schon interessanter. Auch hat man im 8.3-Update mit Cubase gleichgezogen und die Anzahl der Inserts auf doppelt so viele wie vorher erhöht. Ganz im Ernst: Wer so viele Effekte auf einer Spur braucht, sollte sein Mix-Konzept überdenken. In den meisten Fällen dürfte das der sinnvollere Ansatz sein.

… und nur neu in Nuendo 8?

Mit der Einführung von Game Audio Connect hat Steinberg in Nuendo 7 ein echtes Novum geschaffen: direkte Anbindung von Wwise und Nuendo. Dieses Feature haben die Hamburger nun weiter ausgebaut und Game Audio Connect 2 aus der Taufe gehoben. In Nuendo 7 lief das Feature noch etwas hakelig, das scheint nun besser zu sein. Außerdem können nun nicht einfach nur Audiodateien ausgetauscht werden (bzw. Projekt-Links), sondern auch MIDI-Spuren mit Cycle- und Cue-Markern, wow. Es können nun auch Nuendo-Projekte aus Wwise heraus angelegt werden. Eine Anbindung an FMOD wäre jetzt noch der Hammer.

Passend zur Anbindung an Wwsie hat man Steinberg Nuendo 8 ein Renaming-Tool spendiert. Im Game-Bereich (wie auch im Multimedia-Sektor allgemein) ist die korrekte Namensgebung von Einzeldateien essentiell. Das neue Renaming-Tool kann in einem Stapel-Prozess (Batch) eben diese korrekte Namensgebung automatisiert erledigen. Als Quelle kann eine Text- oder CSV-Datei dienen. Endlich! Mehr davon.

Batch-Renamer

Batch-Renamer

Zugegeben, ich hatte diese Fragestellung auch schon, dass ich einen Sound-FX oder eine ganze Audiospur doppeln bzw. leicht variieren musste. Der Klassiker – noch aus der guten, alten, analogen Zeit – ein Delay (mit Modulationsmöglichkeiten) und eine Art Chorus schnell selbst gebastelt. Das geht aber auch alles einfacher, genau hier greift der Sound Randomizer ein. Er nimmt dem Sound-Chirurgen das mühselige „Gefrickel“ ab und erstellt Klangvarianten durch Veränderung der Tonhöhe, der Hüllkurve, des Timings und der Klangfarbe (es lebe der EQ). Für die Sound-Designer unter uns ist das ein Timesaver der ersten Güte. Ich will das Teil auch für Cubase (und andere Sequencer)! Auch leblosen Drumsounds ist so schnell etwas Vitalität eingehaucht.

Schön bunt, aber ein tolles Werkzeug!

Schön bunt, aber ein tolles Werkzeug!

Mit dem Profil-Manager können sich mehrere Anwender eine Installation teilen und damit ihr individualisiertes Nuendo nutzen. Das war aber überfällig, liebe Hamburger!

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