Test: Swissonic und Fun Generation Bluetooth Receiver

17. Oktober 2019

Bluetooth Audio für alle

Bluetooth Empfänger

Zwei Bluetooth-Receiver – zwei verschiedene Konstruktionen

Bluetooth ist eine feine Sache: Jedes Smartphone, jedes Tablet, jeder Laptop besitzt es und ist in der Lage, darüber Audiosignale an einen passenden Bluetooth-Receiver zu senden. Obwohl sich die Marktlage deutlich verbessert hat und mittlerweile viele Produkte am Markt sind, die über einen integrierten Bluetooth-Receiver verfügen, gibt es immer noch eine große Lücke, die Swissonic und Fun Generation durch ihre Empfängerlösungen zu stopfen versuchen und die als kleine Helferlein in die Tools-Koffer von Tontechnikern gehören sollten; zumal die Anschaffungspreise wirklich überschaubar sind.

Bluetooth – ein praktischer Helfer

Die Bluetooth-Schnittstelle ist ein praktischer Helfer, ermöglicht sie doch eine Vielzahl verschiedener Anwendungen. Darunter natürlich offensichtliche Dinge wie die kabellose Verbindung eines Smartphones mit einem kabellosen Kopfhörer oder Mikrofon. Genutzt wird das 2,4 GHz Band. Doch die Übertragung von Audio war zu Beginn gar nicht das vorrangige Ziel von Bluetooth. Dies führte dazu, dass die ersten Bluetooth-Versionen noch über eine sehr eingeschränkte Audioqualität verfügten. Zunächst einmal reichte das für erste einfache Audioanwendungen wie Freisprecheinrichtungen im Auto vollkommen aus, denn auch die Audioqualität eines Telefons oder Mobiltelefons ist stark eingeschränkt.

Bluetooth verfügt über Profile, die definieren, was das jeweilige Gerät kann. Die einfachsten Profile sind „HSP“ (Headset Profile) und „HFP“ (Hands free Profile). Die Codierung innerhalb dieser beiden Profile ist eher bescheiden. Erst mit dem Profil „A2DP“ konnten zwei Kanäle Audio in halbwegs vernünftiger Qualität übertragen werden. Für die Codierung innerhalb der Profile sind wiederum Codecs verantwortlich. Auch hier gibt es verschiedene Codecs, die sich hinsichtlich der Audioqualität stark unterscheiden.

„SBC“ (Low Complexity Subband Codec) ist ein Codec mit verlustbehafteter Komprimierung. Die maximale Sampling-Rate liegt bei 48 kHz und 16 Bit. Die maximale Datenrate liegt bei 345 Kilobit/Sekunde. Dies ist der am meisten verwendete Codec. Eine bessere Audioqualität verspricht „aptX“. Dieser Codec ist leider lizenzpflichtig, sodass Hersteller, die ihn verwenden möchten, Lizenzgebühren für die Implementation zahlen müssen. Vorteile sind eine niedrigere Komprimierung bei gleichzeitig höherer fixer Datenrate. Es gibt diverse Verwandte dieses Codecs, die jeweils auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind und auf Namen wie „aptX HD“ (48 kHz, 24 Bit), „aptX Live“ und „aptX Low Latency“ (niedrige Latenzzeiten für Mikrofone). Ein weiterer Codec, der für eine hohe Qualität bei der Audioübertragung sorgt, ist AAC. Die Mehrkanalfähigkeit von AAC macht Übertragungen von Surround-Signalen möglich.

Swissonic Bluetooth Receiver

Beim Swissonic Bluetooth Receiver handelt es sich um einen einfachen einkanaligen Empfänger im XLR-Dongle-Format. Der knapp 100 Gramm schwere Bluetooth Receiver besitzt einen integrierten Lithium-Polymer 3,7 Volt, 300 mAh Akku. Geladen wird dieser über das mitgelieferte Micro-USB-Kabel. Außer einem XLR-Ausgang und besagtem Micro-USB-Anschluss verfügt der Swissonic Bluetooth-Receiver über keinerlei weitere Anschlüsse. Ein Schalter an der Oberseite mit integriertem LED-Ring schaltet den Receiver ein oder aus und informiert über den Ladestand des Akkus (rot – laden, grün – geladen) sowie über die Bluetooth-Verbindung (grün-rot im Wechsel: bereit zur Verbindung mit einem Sender).

Swissonic-Bluetooth-Receiver_Fun-Generation-BT-Receiver_01

Kabel rein oder ab mit dem XLR-Dongle direkt ins Pult. Eine XLR-Buchse ist die einzige Verbindung zur Außenwelt.

Die Konstruktion des Swissonic Bluetooth-Receivers verrät bereits, dass es sich hier um ein monophones Gerät handelt. Eingehende Signale gibt er am XLR-Ausgang mono aus. Die Übertragungsdistanz wird mit zehn Metern angegeben, was gut eingehalten wird (abhängig von Hindernissen). Die Empfindlichkeit liegt bei -80 dBm, der Rauschabstand bei ≥75 dB, die Verzerrungen bei ≤ 0,1 Prozent. Diese Werte gehen angesichts des Preises von nur 35 Euro absolut in Ordnung. Implementiert ist Bluetooth-Version 4.0. Über die Profile und Codecs schweigt man sich aus. Mein Mac verrät mir, dass er mit dem Swissonic Bluetooth-Receiver über das „HFP“ (Hands free Profile) kommuniziert. Welcher Codec genutzt wird, ist leider nicht zu erfahren.

Die Handhabung ist sehr einfach: Den Swissonic Bluetooth-Receiver entweder direkt oder über ein kurzes Kabel mit dem XLR-Eingang des Mischpults verbinden. Achtung! Die Phantomspeisung muss für diesen Kanal ausgeschaltet sein. Der Kanal sollte zudem stummgeschaltet bleiben, bis die Verbindung mit dem Zuspieler hergestellt ist. Den Swissonic Bluetooth-Receiver einschalten, am Zuspieler auswählen, den Mischpultkanal öffnen und los geht’s. Einfacher geht es nicht. Die Klangqualität ist gut, das Signal allerdings wie erwähnt monophon. Der Swissonic Bluetooth Receiver eignet sich gut zum Zuspielen von Testsignalen wie Rauschen, Sinus-Sweeps oder auch für das Einspielen von Musik, wenn diese ohnehin monophon wiedergegeben wird (zum Beispiel von einem einzelnen Aktivlautsprecher).

Fun Generation BT Receiver

Der zweite Testkandidat stammt ebenfalls aus dem Hause Thomann und hört auf den Namen Fun Generation BT Receiver. Anders als die Dongle-Lösung von Swissonic mit integriertem Akku haben wie es hier mit einem kleinen blauen Pultgehäuse aus Plastik mit externem Netzteil zu tun. Zwei Klinkeneingänge warten auf den Kontakt zu einem Mischpult. Eine ausklappbare Antenne und ein großer, mit „Pair“ beschrifteter Taster auf der Oberseite sind neben dem Netzteilanschluss alles, was die kleine Kiste an Merkmalen zu bieten hat. Die Klinkenausgänge sind im TRS-Format ausgeführt und können sowohl unsymmetrische als auch symmetrische Signale übertragen. Auch der Fun Generation BT Receiver verfügt über einen LED-Ring rund um den Taster, der darüber Auskunft gibt, ob eine Verbindung zustande gekommen ist oder eben nicht.

Blaues Pultgehäuse, ausklappbare Antenne, externes Netzteil und zwei Klinkenbuchsen, der Fun Generation BT Receiver ist klein, leicht und sehr einfach zu bedienen

Erneut arbeitet hier die Bluetooth Version 4.0. Die maximale Reichweite im Freien wird mit 20 Meter angegeben. In geschlossenen Räumen verringert sie sich, wenn Hindernisse wie Mauern ins Spiel kommen. Thomann gibt im Benutzerhandbuch die Profile HFP V1.6 Wideband Speech (HD Voice Ready), HSP V1.2, A2DP V1.2 und AVRCP V1.4 an. Die Eingangsempfindlichkeit liegt bei -80 dBm, der Geräuschspannungsabstand bei 75 dB und der Klirrfaktor bei <0,01 Prozent.

Swissonic-Bluetooth-Receiver_Fun-Generation-BT-Receiver_01

Raus geht es per Klinke – unsymmetrisch oder symmetrisch

Drückt man den Pair-Taster einige Sekunden, beginnt er schneller zu blinken und signalisiert, dass der Bluetooth-Receiver für die Verbindung bereit ist. Ist diese hergestellt, leuchtet der blaue LED-Ring dauerhaft. Die Qualität der Audioübertragung ist sehr gut. Die Musik klingt druckvoll und klar. Ein direkter Vergleich mit dem Swissonic Bluetooth-Receiver verbietet sich aufgrund der unterschiedlichen Konstruktion. Der Fun Generation BT Receiver kostet mit nur 29 Euro sogar noch weniger als der Swissonic Bluetooth Receiver. Ein kleiner Nachteil ist allerdings das Störverhalten gegenüber Signalen von Mobiltelefonen. Diese sind ausgeprägter als beim Swissonic Modell, spielen sich allerdings im üblichen Rahmen ab, den man kennt, wenn  ein Mobiltelefon in der Nähe von Audiokomponenten liegt.

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Magnete an der Rückseite machen es möglich: fester Halt an allen metallenen Oberflächen

Zuletzt noch ein cooles Feature, das ich fast übersehen hätte: Der Fun Generation BT Receiver verfügt an der Unterseite über zwei starke Magnete und kann somit schnell an Oberflächen aus Metall angebracht werden. Eine weitere Aufhängung am Gehäuse ermöglicht auch die simple Befestigung an einem Haken oder per Kabelbinder. Sehr gut.

Fazit

Bluetooth gehört längst zum Standardinventar für Audioanwendungen, sei es auf der Bühne oder in der Freizeit. Bluetooth Kopfhörer, Headsets, Freisprecheinrichtungen im Auto oder auch die Übertragung von Audiosignalen auf der Bühne gehören zu einigen der üblichen Anwendungen, sieht man von der einfachen Möglichkeit der Datenübertragung zwischen zwei Geräten mal ab, die selbstverständlich ebenfalls möglich ist. Mit den beiden Testkandidaten von Swissonic und Fun Generation lässt sich eine Audio-Funktionalität auf einfache und günstige Art und Weise nachrüsten. Für beide kann eine Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Ich würde sie beide mitführen, den Swissonic Bluetooth-Receiver aufgrund der einfachen Handhabung durch den integrierten Akku und die direkte Verbindung mit dem Mikrofoneingang am Mischpult. Insbesondere für das schnelle Zuspielen von Testsignalen ist er eine große Hilfe. Den Fun Generation Bluetooth-Receiver empfehle ich für das Zuspielen von Musik. Bei einem Gesamtpreis von 64 Euro für das Paket gehören beide in den Tools-Koffer.

Plus

  • sehr günstig
  • einfach einzurichten
  • gute Qualität

Preis

  • 29,- Euro (Fun Generation)
  • 35,- Euro (Swissonic)
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