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Test: Synergy SYN-30 Head, Gitarrenverstärker

22. Mai 2018

Der analoge Kemper?

Mit dem Synergy SYN-30 Head schließt der US-Hersteller modularer Vorstufen die Lücke, die viele Kunden vom vorurteilsfreien Gebrauch des Systems abgehalten hat. In diesem Fall dient ein echter Röhren-Head als Verstärker für die verschiedenen Slots und kann somit die viel gepriesene „Alltube-Variante“ zur Verfügung stellen.

Das Synergy-Konzept

Wer in den letzten Jahren auch Hersteller jenseits des Marshall und Fender Mainstreams zur Kenntnis genommen hat, wird eventuell die Idee von Egnator Amps vor ca. einer Dekade (oder früher) zur Kenntnis genommen haben. Bruce Egnator stellte seiner Zeit auf der Namm ein modulares Vorstufen System vor, das je nach bevorzugtem Sound und Verstärkertyp ein oder mehrere Vorstufenmodule verwendete, die durch ein einfaches Einschubverfahren gewechselt werden konnten. Dieses System wurde später von Randall übernommen und taucht nun bei Synergy wieder auf. Das Synergy-System ist ebenfalls kompatibel mit den Egnator und Randall Modulen.

Die Zahl der angebotenen Module steigt ständig und befindet sich zur Zeit bei ca. elf Einschüben. Angeboten werden u.a. Module von Marshall, Fender, Friedman, Morgan und Diezel, die in der Fertigung und Vertrieb einen entscheidenden Unterschied zu einem Profiler, wie dem Kemper-Amp etwa, haben. Während ein Hersteller wie z. B. Friedman bei einem Profiling-Sound über den Kemper keinen Cent für die Entwicklung des Sounds bekommt, sind die Hersteller bei den Modulen ihres Amps größtenteils involviert und auch finanziell am Erlös der Module beteiligt, sofern es nicht um die Trademarks Marshall und Fender geht, die zwar im Klangverhalten von Synergy Leuten nachgebaut wurden, aber keine Zustimmung zur Verwendung ihres Labels gaben.

Bei Herstellern wie z. B. Diezel oder Friedman hingegen haben die Original Entwickler das Modul entwickelt und ihr Fachwissen entsprechen platziert. Dieses Konzept ist für alle Beteiligten in Form des Entwicklers, der Firma Synergy und dem Endkunden eine gute Lösung und entlastet den Käufer von dem ethischen Problem des gestohlenen Profiles von Kemper.

Der Synergy SYN-30 Head

Synergy SYN-30 Head front

Um den Sound der unterschiedlichen Module zur Geltung zu bringen, hat Synergy zwei unterschiedliche Röhrentopteile entwickelt, die weit mehr als eine einfache Röhrenendstufe für die Module darstellen. Der Synergy SYN-50 Head verfügt über zwei Slots, der uns zum Test vorliegende Synergy SYN-30 Head lediglich über einen. Mit den Maßen von 60,33 cm x 25,4 cm x 25,4 cm liegt das in den USA gefertigte Top über der Lunchbox Klasse, aber unterhalb des Marshall-Briketts, wobei das Gewicht von 14,5 Kg vergleichsweise locker zu handhaben ist.

Das mit zwei 6L6 Endröhren und vier 12AX7 Vorstufenröhren bestückte Head verfügt über einen eigenen Clean Kanal, der über ein Zweiband-Filterregelung klanglich verändert werden kann. Der Presence-Regler hingegen greift nur bei der Endstufe und wirkt sich auf alle Kanäle aus. Da alle zu erwerbenden Module, welche übrigens preislich alle gleich sind, über zwei Kanäle verfügen, hat man unter dem Strich einen dreikanaligen Vollröhren Amp. Geschaltet werden die Sounds wahlweise über einen mitgelieferten Dreifachfußschalter, via MIDI oder aber über einen Druckschalter auf der Vorderseite des Gehäuses.

Synergy SYN-30 Head Footswitch

Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich neben Kaltgerätebuchse und Hauptsicherung MIDI In / Thru nebst Mäuseklavier für die Kanalwahl ein serieller FX-Loop, ein frequenzkorrigierter XLR Out und zwei Lautsprecherausgänge nebst Impedanz Drehregler. Leider hatte der verwendete Regler des Testgerätes keinerlei Markierungen und rutschte zudem durch, sodass eine korrekte Impedanzwahl sich als reines Glücksspiel entpuppte und mehr auf die Erfahrung des Testers zurück zu führen war.

Ein sehr interessantes Detail ist die variable Kathoden Bias Erkennung des Heads, welche je nach verwendetem Modul sich für eine höhere Authentizität entsprechend anpasst. Gerade dieser Wert sorgt mit seinen unterschiedlichen Strömen für einen entscheidenden Klangfaktor in der Dynamik und der Ansprache des Amps.

Die einzelnen Module im Praxistest

Um die Flexibilität des Synergy SYN-30 Head zu demonstrieren, wurden uns fünf Module zum Test mitgeschickt, als da wären:

  • Metropoulos Metro-Plexi
  • Friedman DS
  • Friedman BE
  • Diezel VH4
  • T/DLX

Alle Module haben 2 Kanäle (Blue / Red), verfügen über 2 Vorstufenröhren und sind von der Auslegung im Bereich Crunch und Lead angelegt, wobei gerade der Crunch Anteil je nach Modul schon bei geringen Einstellungen sehr kräftig ausfällt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    funkymothers  

    „…und entlastet den Käufer von dem ethischen Problem des gestohlenen Profiles von Kemper.“

    Kemper hat doch keine Profile gestohlen. Wenn ich es richtig verstehe ist der Kemper Amp nichts weiter, als ein Geräte-Sampler (der vermutlich auf Impulse Responses basiert)?

    Wenn also Kemper ihn mit Profilen bekannter Amps ausliefert sind diese doch genausowenig „gestohlen“, wie Sounds bei Sample Bibliotheken klassischer Instrumente, Synthies, oder Effektgeräte.

    Das Konzept von Synergy sieht sehr interessant aus, vielleicht werden modulare Amps ja Schule machen.

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      @funkymothers: dass wir uns nicht missverstehen, die Ingenieursleistung hinter dem Kemper sucht ihresgleichen und ist die größte Sensation im Gitarrenbereich der letzten 50 Jahre, ABER sobald man ein Profile mit dem Kemper erstellt, welches sehr nah an das Original heran kommt und man hat den „gesampelten“ Amp vorher nicht gekauft, geht der Entwickler des Amps, der sehr viel Zeit, Geld und Leidenschaft in sein Produkt gesteckt hat, leer aus.

      „Gestohlen“ ist evtl. etwas hart formuliert, allerdings verhält es sich mit Kemper Profiling wie seiner Zeit mit den Anfängen von Napster und der MP3 Problematik. Künstler, oder hier Entwickler, werden für ihre Leistung nicht bezahlt, was schlicht und ergreifend in dieser Form nicht in Ordnung ist.

  2. Profilbild
    ArvinG  

    Interessanter Ansatz, könnte mir durchaus vorstellen, dass dieses modulare Amp-system Chancen am Markt hat. Ob sich allerdings ein potentieller Käufer auch aufgrund ethischer Bedenken zum Erwerb entschliesst, wage ich zu bezweifeln.

    Wie der Erstkommentator ja schon anmerkt, dieses ganze Profiling-Gedöns betrifft doch nicht nur Amps (auch wenn der Begriff „Profiling“ ja wohl in erster Linie mit Kemper in Verbindung gebracht wird), sondern auch Mic-Emulationen von allen möglichen Herstellern, Effektgeräten, die ihrerseits bestimmte Effektgeräte emulieren, Guitar Modellings und was weiß ich noch alles. Ein Gutteil aktuellen Gear-Porns hat doch was mit „klingt zwar nicht ganz wie Neve, Pultec, Lexicon, Neumann blabla ist aber verdammt nah dran“ zu tun. Egal ob jetzt mit gesampleten Impulsantworten, treffend programmierten Presets oder nachgebauter Hardware. Der Markt ist da, und die Technik ist dazu von cleveren Hard- und Softwareleuten ausbaldowert worden. In Zukunft kommen da sicher noch ganz andere Sachen, vielleicht Profile von ganzen Instrumentalisten oder Komponisten selbst.

    Klar, natürlich sollte man das alles nicht unhinterfragt lassen, wie Du es in Deinem Artikel ja auch tust. Aber der Zug lässt sich da wohl nicht mehr aufhalten.

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