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Test: Tegeler Audio Manufaktur Schwerkraftmaschine, Stereo-Kompressor

7. Oktober 2019

Kompressor fürs Tonstudio

Himmel Donner Klabautermann – als ich den äußerst stabilen Karton der Tegeler Audio Manufaktur Schwerkraftmaschine geöffnet hatte, fühlte ich mich erstmal eher wie der Störtebeker Klaus, denn Onkel Sigi.

Grinst mich doch da eine eher an eine Seemannskiste erinnernde Holzkiste an, die auch noch metallene Schließhaken sowie zwei Griffe aus Seil an den Seiten montiert hat. Also echt jetzt, selbst wenn das Gerät das Hundsmiserabelste seit Beginn der Audiotechnik sein sollte, für diese einzigartige Verpackung gibt es auf jeden Fall schon einmal den Ehren-Sigi (ich heiße halt nun einmal nicht „Oscar“).

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Die edle Erscheinung zieht sich dann auch über die Bedienungsanleitung, ein angehängtes Testwapperl sowie ein Mikrofasertuch mit Firmenaufdruck weiter. Tut mir leid, aber mich kann man mit so etwas schon „kriegen“.

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Erstaunt war ich aber dann, als ich das vermeintlich sackschwere Trumm aus der Holzkiste zog: Huch, ist die leicht … Na ja, ziemlich halt, auf jeden Fall wird die „Schwerkraftmaschine“ das heimische Studiorack schwerkraftmäßig nicht auf den Boden zwingen. Nicht falsch verstehen: Das Teil ist superedel verarbeitet, Drehpotis (motorgesteuert) der Ober-Oberklasse, stabiles Stahlgehäuse, wirklich fein. Aber irgendwo merkt man am Gewicht, dass moderne, analoge Audiotechnik auch ohne Bodybuilder-Qualitäten zu realisieren ist.

tegeler audio manufaktur schwerkraftmaschine

Wie lässt sich die Schwerkraftmaschine bedienen?

Die Bedienelemente des Stereo-Kompressors sind erfreulich wenige: Gerade einmal acht (!) Potis zieren die edle, blaue Frontplatte. Aber man denke jetzt nur nicht, es wäre ein Allerweltskompressor, denn im „Mode“-Schalter liegt das Geheimnis der Tonkunst. Elf verschiedene Kompressionsmodi können aufgerufen werden und darunter sind auch ganz schön komplexe Kameraden.

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Ein besonderes Schmankerl ist die Tatsache, dass die Rast-Potis eine Motorsteuerung haben und über das eigene Netzwerk per DHCP sowie über ein Bedienfensterchen am Rechner fernbedient und abgespeichert werden können. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Schwerkraftmaschine über ein Plugin direkt in die hauseigene DAW einzubinden. Alle Einstellungen werden dann mit dem Projekt abgespeichert und die Regler am Gerät stehen immer so, wie es das Plugin anzeigt.

Der Sidechain-Regler muss verstanden werden, denn es gibt auf der Rückseite der Schwerkraftmaschine gar keinen Sidechain-Eingang. Hier handelt es sich um einen internen Eingriff mit Hilfe digitaler Steuerung, der entweder als LowCut-Filter bestimmte Tieffrequenzen aus dem Steuersignal herausnimmt oder aber man betont bestimmte Frequenzbereiche, worauf dann der Kompressor speziell reagiert. Dieser Sidechain-Regler arbeitet immer mit dem angewählten Programm des Mode-Reglers zusammen und erweitert damit nochmals die Einstellmöglichkeiten.

Über den Mix-Regler lässt sich das Verhältnis von unkomprimiertem zu komprimiertem Signal einstellen, was die sogenannte Parallel-Kompression möglich macht.

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Die Tegeler Audio Manufaktur „Schwerkraftmaschine“ lässt sich zudem auch in einem „Dual-Mono“-Modus betreiben, womit zwei einzelne Kanäle mit unterschiedlichen Einstellungen bearbeitet werden können.

Die Anschlüsse der Schwerkraftmaschine

Diese befinden sich alle auf der Rückseite und bestehen aus zwei analogen Eingängen und zwei analogen Ausgängen im XLR-Format, einer Netzwerkbuchse zur Fernbedienung der Schwerkraftmaschine sowie einem USB-Anschluss, der aber nur für Update-Zwecke benötigt wird.

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Das Display des Kompressors der Tegeler Audio Manufaktur

Das ist eine von den Tegeler-Leuten bemerkenswert dargestellte Umsetzung eines alten, ehrwürdigen VU-Meters. Es reagiert sehr präzise und man vergisst schnell, dass es sich hierbei um einen Bildschirm handelt. Mit Augenzwinkern ist die Info-Seite des Displays gestaltet, auf welcher die IP-Adresse dargestellt wird: Es sieht aus wie ein deutscher Stromzähler.

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Die Motorfader des Kompressors

Die sind natürlich DER Hingucker: Verstellt man etwas am Plugin oder wechselt das Preset, ziehen auch die Potis nach. Die verwendeten Motoren klingen dabei nach schwerem, deutschen Maschinenbau und die Potis drehen sich beinahe schon majestätisch. Der Input- sowie Output-Regler dreht sich dabei nicht, was natürlich Sinn macht. Das stellt man normalerweise einmal ein und gut ist es.

Grundsatzfragen: Was sind Mastering-Effekte?

Das sind in erster Linie Feinschliff-Werkzeuge und keine brachialen Sound-Verbieger. Sie machen einen bereits guten Mix noch transparenter, geben eine zusätzliche Portion Glanz hinzu, schaffen evtl. noch eine Ecke mehr Druck und Bumms. Bei einem miesen Mix braucht man gar nicht erst an ein Mastering denken.

Mancher fragt sich, weshalb so viel Geld in kleine Verbesserungen investieren, die man gar nicht dramatisch hören kann? Es ist wie mit dem Erdbeerkuchen: Der schmeckt auch alleine gut (wenn er gut gemacht wurde), aber mit Schlagsahne oben drauf, ist es halt doch das Größte!

tegeler audio manufaktur schwerkraftmaschine 1

Zu den Klangbeispielen der Schwerkraftmaschine

Selbige sind aus oben genannten Gründen von mir nicht auf brachialen Effekt hingebastelt worden, sondern eben auch sehr subtil. Die Stärken der „Schwerkraftmaschine“ sind genau diese subtilen Pegelveränderungen.

Klangbeispiel 1:
Das Preset „Stereo Transformer“ diente mir als Ausgangseinstellung um eine Drum-Spur mit etwas mehr Bewegung zu versehen. Eine interessante Möglichkeit, ein etwas zu straight eingespieltes Schlagzeug leicht „anzuswingen“. Ist vom Hersteller ursprünglich für M/S-Signale (Mitte-Seite) gedacht, aber man kann sich ja spielen. Bis zur Pause hört ihr das Originalsignal, danach die Schwerkraftmaschine. Subtiler, unauffälliger Effekt.

Klangbeispiel 2:
Zuerst ist die Schwerkraftmaschine im Bypass, nach der Pausenstelle steht sie im Modus „Diode Pressor“ und verdichtet die ganze Band sehr dezent, man erreicht damit noch eine kleine aber feine Lautheitserhöhung.

Klangbeispiel 3:
Hier wird in der Einstellung „Optical Compressor“ eine ohnehin schon laute E-Gitarre noch etwas mehr zum „Brett“ gemacht. Zuerst kommt das unbearbeitete Signal, nach der kurzen Pause folgt dann die Schwerkraftmaschine.

Für wen ist die Schwerkraftmaschine richtig?

Aufgrund des doch nicht unerheblichen Verkaufspreises von knapp 3.500,- Euro wird sich ein Anfänger dieses Teil mit Sicherheit nicht zulegen, obgleich die Bedienungsfreundlichkeit schon der Hammer ist. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, kann durchaus einen Kauf in Betracht ziehen, denn durch die vielen Programme kommt man schnell zu einem guten Ergebnis.

In der Realität wird es der Profi im Recordingstudio sein, der seine Subgruppen oder die Stereosumme verdichten möchte, die Möglichkeiten gehen bei der Schwerkraftmaschine von zart bis derb. Und natürlich ist dieses Gerät eine erste Wahl für ein Masteringstudio, wo die wirklich gute Kompression in der subtilen Variante für erstklassige Ergebnisse im Masterbus sorgen kann.

Ich möchte hier auch explizit auf die Webseite des Herstellers verweisen, deren Informationsgehalt weit über das Übliche hinausgeht. Anhand vieler Videos werden die Möglichkeiten der  Schwerkraftmaschine* gut demonstriert.

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Fazit

Die Schwerkraftmaschine der Tegeler Audio Fabrik ist ein audiotechnischer Genuss für Klanggourmets und mit keinem Plugin zu vergleichen. Auf höchstem Niveau erreicht man hier eine sanfte Pegelverdichtung der Spitzenklasse, auf plakative Aha-Effekte wurde dabei weitgehend verzichtet. Das Gerät ist zwar teuer, aber es wird einen wohl überleben und die Verpackung kann getrost als edle Weinbox weiterverwendet werden. Ein Gerät mit Stil für Mastering-Spezialisten mit einem gewissen Kontostand.

 

Plus

  • absoluter Spitzenklang
  • einfach zu bedienen
  • beste Verarbeitung
  • Steuerung über Netzwerk und Plugin

Preis

  • 3.499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    #n3rd4l3r7  AHU

    Tegeler Produkte sind absolute Top Liga. Da gibt es nichts daran zu rütteln. Hab selbst drei Geräte von denen bei mir im Studio stehen (Crème, VTC und VTRC) und möchte die nicht mehr missen. Die Schwerkraftmaschine (hatte sie im zum Test hier) ist Spitzenklasse und wird nächstes Jahr hier auch noch aufschlagen.

    Besonders erwähnenswert ist auch, dass die Jungs immer superfreundlich am Telefon sind auch wenns Probleme gibt. Die Lösen jedes Problem. Klasse ist auch, dass man ohne Verpflichtung jederzeit für 14 Tage ein Gerät zum testen ins Studio bekommt und dieses daher in Ruhe in ’seiner‘ Umgebung testen kann. Klasse!

    Wer also eine hiesige Manufaktur die hier in Deutschland in Handarbeit fertigt unterstützen möchte … sollte sich Tegeler anschauen!

    P.S: Nein, bin nicht mit der Tegeler verbandelt. Nur ein sehr zufriedener Kunde.

  2. Profilbild
    tomk  AHU

    Endlich wieder ein Artikel von Onkel Sigi, DANKE dafür!
    Wenn es schon um so edle Sahnehäubchen geht, und folgendes sage ich ohne Tegeler zu reduzieren, würde ich persönlich noch 1k drauflegen und nen Tube Tech SMC 2B hinstellen … Schlagoberst sozusagen! ;)

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