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Test: Tone2 Nemesis 1.0, Software-Synthesizer

NeoFM (neue Frequenzmodulation)

Die NeoFM hört sich im Vergleich mit der klassischen FM von Yamaha ausgewogener und „analoger“ an. Mit Sinus bei Carrier und Modulator ist das Ergebnis bei beiden das Gleiche, bei obertonhaltigen Schwingungen dagegen wird der Unterschied deutlich. Hier ein paar  Beispiele, jeweils erst FM und dann NeoFM:

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Hat Tone2 also das Rad neu erfunden? Soweit es nachzuvollziehen ist, handelt es sich um lineare FM. Die gibt es zwar schon länger, aber hier ist alles gut kombiniert und praxisgerecht eingerichtet, mit der separaten Filterung der Schwingungsformen vor der Frequenzmodulation lässt sich der Sound wunderbar optimieren.

NeoFM Softsync/Hardsync/Winsync

Bei Softsync wird die Phase des Modulators umgekehrt, wenn der Carrier 0° erreicht. Wie der Name schon sagt, ergibt das Sync-Sounds, hier in der FM-Version. Bei Hardsync wird die Phase des Modulators zurückgesetzt, wenn der Carrier 0° erreicht, das klingt etwas sauberer als Softsync.

Winsync ist eine von Tone2 entwickelte neue und „geheime“ Art der Synchronisation,. Der Name deutet auf eine Spielart des Windowing-Verfahrens hin, das u.a. auch bei den Casio CZ-Synths eingesetzt wurde. Dabei wird die Resetphase bei jedem Schwingungsformdurchgang ausgeblendet, bei der sich leicht störende Nadelpulse bilden. Hier die drei Syncs nacheinander, dann ein Winsync-Preset:

 

NeoFM Vintage

Hier werden Rundungsfehler und Aliasing wie beim antiken Yamaha DX7 mit seinen 10-Bit-Wandlern beigefügt. Das ist nicht nur nostalgisch, sondern raut den Sound auch etwas an und hat einen ganz speziellen Charme. Der Effekt ist subtil, man muss schon sehr genau hinhören.

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NeoFM +OscC/+SubC/NeoFM +SubDampM

Nicht revolutionär, aber praktisch, hier wird unmoduliertes Signal beigemischt. Das kann man einsetzen, wenn der Sound sehr obertonreich wird und untenrum schwächelt. Bei +OscC ist es das des Carriers, bei +SubC eine Oktave tiefer (Suboszillator) und bei +SubDampM das des Modulators als Suboszillator, etwas gefiltert.

FM/PM (Frequenz/Phasenmodulation) und FM/PM VintageDX

Dabei handelt es sich um die originale Freqenzmodulation wie bei den Yamaha DX/SY-Synthesizern, die technisch gesehen Phasenmodulation ist (mit Sinus ist PM=FM), was im Handbuch auch schön erläutert wird. FM/PM VintageDX fügt wieder die digitalen Artefakte des DX7 hinzu.

Waveshape Soft/Hard

Beim Waveshaping handelt es sich um eine Art Verzerrung, die Carrier-Schwingung wird mit der Modulator-Schwingung als Kennlinie verformt. Einst von Korg erfunden, um die langweiligen resonanzlosen Filter der damaligen Korg Workstations ein wenig auszugleichen, hat diese Syntheseart bislang ein Nischendasein geführt. Tone2 hat auch hier nachgebessert und kann ihr wieder mehr Leben einhauchen. Klanglich ähnelt Waveshaping der FM, ist aber weicher oder „organischer“ wie Amplitudenmodulation, zu der technisch gesehen eine Verwandtschaft besteht. Hier ein Beispiel für den „typischen“ Waveshaping-Sound, erst Soft, dann Hard und noch mal zum Vergleich FM, anschließend zwei Presets:

Waveshape Soft ist die bearbeitete Variante und liefert vielseitige Ergebnisse mit sehr eigenständigen Spektren. Die Wahl der Schwingungsformen ist wie bei FM entscheidend, einfache Schwingungen sind meist brauchbarer. Waveshape Hard entspricht „weitgehend“ (so das Handbuch) dem originalen Waveshaping und klingt etwas obertonärmer als die Soft-Version. Interessanterweise ist der Carrier bei beiden Waveshape-Algorithmen unmoduliert über den Modulatorsignalweg zu hören – Bug oder Feature?

 

PWM (Pulsbreitenmodulation)

Wie von den analogen Synths bekannt, wird hier die Pulsbreite moduliert, aber nicht vom Modulator (schade, denn PWM mit Audiofrequenzen ist ziemlich ergiebig), der wird einfach zugemischt. Aber hier sind nicht nur Rechteck, sondern alle Schwingungsformen modulierbar, mit interessanten Resultaten.

Der Spectral Editor für additive Bearbeitung steht immer zur Verfügung

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PD Saw/Square (Phase Distortion)

Die von Casio erfundene Phase Distortion ist definitiv eine unterbewertete digitale Syntheseart. Was Waveshaping mit der Amplitude veranstaltet, macht PD auf der Zeitachse. Auch hier hat Tone2 Hand angelegt, das Ergebnis ist aber leider nicht so spektakulär, da wäre mehr möglich. PD-Experten werden außerdem die Reso-Waves vermissen, die findet man bei Nemesis aber unter anderem Namen wieder (s.u.).

Die gewählte Schwingungsform des Carriers wird bei PD Saw zu Sägezahn gemorpht, der Modulator bleibt unbeteiligt und wird nur zugemischt, aber immerhin ist auch hier das Feedback einsetzbar. Bei PD Square wird zu Rechteck gemorpht.

Wavetable

Wavetable ist eine Entwicklung aus den 80ern von PPG/Waldorf, und hier wird es wieder spannender. Beim Nemesis kann zwischen zwei beliebigen Schwingungsformen überblendet werden, auch selbst erstellten, geladenen oder resynthetisierten.

Altgediente Waldorf Nutzer werden an dieser Stelle einwenden, genaugenommen sei das keine echte Wavetable-Synthese, denn bei dieser wird eine Reihe gesampelter Schwingungsformen durchfahren, die auch ganz andere Klangverläufe abbilden und sogar völlig verschieden sein können. Stimmt, mit einer Überblendung ist nicht alles machbar. Dafür sind beim Nemesis neue Tables mit wenigen Klicks erstellt, bei den meisten Waldorf Synths ist das recht umständlich. Hier mal ein schnell zusammengebastelter Sound, gefolgt von zwei Presets:

 

Zusätzlich ist FM mit Feedback möglich, auch verschiedene Tonhöhen der beiden beteiligten Schwingungsformen sind kein Problem. Wavetable ist definitiv einer der ergiebigsten Algorithmen des Nemesis.

Ringmodulation Soft/Hard

Dabei handelt es sich um die klassische Ringmodulation (Multiplikation zweier Signale), Feedback ist hier nicht anwendbar. Der einzige Unterschied hier ist die Dämpfung eines der Oszillatoren. Wenn auch nicht neu, ist Ringmodulation doch eine gute Ergänzung zu den Algorithmen des Nemesis und am besten geeignet für metallische, glockige und FX-Sounds wie Kurzwellengeschwirr. Ringmod Hard ist das Gleiche ohne Dämpfung und daher obertonreicher.

Reso Soft/Hard/Hollow

Die von Tone2 entwickelten Reso-Algorithmen sind digitale Entsprechungen zu analogen Filtern, die aber keine Emulationen sein sollen. Sie klingen mehr nach Oszillatorsynchronisation und sind auch auf Sinus anwendbar, das Feedback ist dabei ähnlich wie Resonanz verwendbar (bei obertonreichen Schwingungsformen sollte man es sparsam dosieren).

In der Soft-Variante wird ein Bandpass-Filter nachempfunden, Hard hat eine Tiefpass-Charakteristik. Hollow ist wie mit starker Resonanz, der Klang geht aber eher in Richtung Flanger und lässt sich subtil mit Feedback über den ganzen Regelbereich beeinflussen. Hollow ist definitiv der reizvollste der Reso-Algorithmen, deren Resultate Ähnlichkeit haben mit den PD-Reso-Wellen der CZ-Synths. Hier die drei nacheinander, ganz simpel lediglich mit Sinusschwingungen, dann ein Preset:

Es handelt sich vermutlich um eine Art Synchronisation plus Windowing. Insgesamt lassen sich mit den drei Reso-Algorithmen prägnante, durchsetzungsfähige und eigenständige Sounds erzeugen, und die PD-Abteilung des Nemesis wird durch sie sinnvoll ergänzt.

Formant

Wie der Name schon andeutet, kann man damit Vocal-ähnliche Sounds erzeugen, außerdem die typischen synthetischen PPG Wave-Chöre. Das ist schwer zu beschreiben, ein paar Soundbeispiele sagen hier mehr als Worte:

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Joghurt  AHU

    Endlich mal wieder einer Softwaresynth der neue Möglichkeiten bietet statt die Vergangenheit zu emulieren. Schade wurde der Schritt nicht bei der Grafik gemacht: diese fotorealistischen Oberflächen sind einfach nur ärgerlich.

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Jau, der Nemesis kriegt bei mir seinen festen Platz im VSTi-Rack. Es ist prima, dass die digitale Synthese mal wieder einen Schritt vorankommt. Und die fotorealistische Schiene ist halt Standard, weil die Kundschaft es offenbar so verlangt… nun, es gibt schlimmeres. Aber ich habe auch schon besser ablesbare Potikappen gesehen als diese grau-auf-grau-Dinger…

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