ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Test: Tube-Tech PE 1C, Program Equalizer

25. Oktober 2021

Macht dieser EQ es hyggelig?

tube tech pe 1c test

Tube-Tech PE 1C, Program Equalizer

Der dänische Hersteller Tube-Tech launcht zum Millennium den passiven Vollröhren-Equalizer PE 1C, der auf dem Pultec EQP 1A Design basiert.

Historie und Zeitgeist

Die Firmenhistorie schreibt den ersten Tube-Tech Equalizer ins Jahr 1985.

ANZEIGE

Damals waren gerade die ersten Drumcomputer, Samples und ähnliches im Mainstream angekommen, es wehte schon ein leises Lüftchen der Digitalisierung um die Studiotüren.

tube tech pe 1c test

Der Zeitgeist war schrill, es herrschte das Prinzip „höher, schneller, weiter“ und es schrie irgendwie nach Veränderung und Experimentierfreudigkeit. Interessanterweise ist im Studioalltag meist eine geradlinige Konstanz an klassischem Audioequipment gefragt, gerade um visionäre Trends oder auch durchgeknallte Eintagsfliegen bestmöglich in den Kasten zu bekommen.

Jetzt sind wir wieder im Thema, denn Tube-Tech designt den nicht mehr gebauten klassischen Pultec EQ EQP 1A mit dem Modell Tube-Tech PE 1C nach.

Wer sich mal im Gebrauchtmarkt-Sektor um ein Original bemüht hat, wird ganz schnell feststellen, dass originale Pultec Gear tiefe Löcher in den Geldbeutel brennt, wenn man überhaupt noch fündig wird. Um so erfreulicher ist es, dass der gelernte Elektro-Ingenieur und Tube-Tech Chef John G. Petersen sich unter anderem dem Erhalt einiger Peripherie-Klassiker gewidmet hat.

Petersen, der 1977 die Firma Lyndkraft, übersetzt Soundpower, gründete, startete mit dem Bau vom PA-Systemen, Konsolen und Boxen, der Name Lyndkraft ist wohl diesem Umstand geschuldet. Die Farbe Blau ist in Dänemark sowieso allgegenwärtig, denn es ist von keinem Punkt an Land nie wirklich weit bis zum Meer.

Rein optisch bietet der PE 1C die Eleganz eines Schaltkastens im Atomkraftwerk, aber darauf kommt es ja nicht an, klingen soll er und Sound machen darf er auch, der blaue Kasten.

Lyndkraft Ausgelagerter Trafo

Tube Tech PE 1C Trafo, außerhalb der Unit, um Einstreuungen zu minimieren

Der Pultec Trick geht auch mit dem PE 1C?

Wer in Studiokreisen agiert, kommt früher oder später am berühmten Pultec Trick nicht vorbei, macht er doch eine geschmeidig fette, klare Bassdrum. Die Frage, die nun im Raum steht, ist nun, ob der Tube-Tech PE 1C das auch drauf hat. Dazu später mehr.

ANZEIGE

Facts und Tech zum Tube Tech PE 1C

Der Tube-Tech Progamm Equalizer PE 1C ist mono ausgelegt, rückseitig gibt’s einen XLR-In- und einen XLR-Output – fertig.

Als Global Player kann der PE 1C auf 110 V und 240 V betrieben werden. Die Sicherung ist leicht zugängig.

tube tech pe 1c test

Mit 600 Ohm Eingangsimpedanz, trafosymmetriertem vollschwimmenden Ein- und Ausgang sowie klicklosem Schalter wird die 3 HE Einheit in Betrieb genommen. Das Zuschalten des EQs geschieht absolut ohne Geräusch, die Klangbeispiele zeigen das.

Im Grunde finden sich 2 Bänder im PE 1C. Der tiefe Bereich, Low Frequencies, kann über 4 feststehende Frequenzen um bis zu 14 dB geboostet werden. Die Frequenzen sind 20, 30, 60 und 100 Hz. Die Beschriftung am Gerät Cycles per Second CPS steht für Hz. Die Absenkung oder Dämpfung derselben Frequenzen kann um bis zu 18 dB geregelt werden.

Im Hochtonbereich, High Frequencies, kann zusätzlich noch der Q-Wert, die Bandbreite um die Kernfrequenz, eingestellt werden. Geboostet werden feste Frequenzen mit 1, 1,5, 2, 3, 4, 5, 8, 10, 12 und 16 kHz, bei spitzem Q-Wert bis zu 18 dB, bei breitem Q-Wert um 10 dB.

Die Beschriftung am Gerät KCS Kilocycles per Second steht für kHz. Die Absenkung oder Dämpfung, Attenuation, um 18 dB, ist den festen Frequenzen 5, 10 und 20 kHz zugeordnet.

Die interne Schaltung, rund um den eigentlichen EQ, ist bestückt mit einer Preamp ECC 83 Röhre, Ausgangs- und Verstärkerstufe mit einer Phase -plitter ECC 82 Röhre. Lt. Handbuch ist eine Push-Pull-Konfiguration verbaut, übersetzt eine Gegentakt-Ausgangsschaltung mit Phasenumkehrstufe.

Im folgenden Link findet ihr eine deutsch verfasste Erklärung diverser Urheber und Quellen. Da ich weder Physiker noch Elektrotechniker bin, doch Schaltungsprinzipien immer wieder nachgefragt werden, verweise ich gerne auf Jogis Röhrenbude.

Tube Tech Lyndkraft Rückseite test pe1c

Tube Tech PE 1C XLR I O

Wie geht denn nun der Trick?

Der Tube Tech PE 1C kann im Bassbereich dieselbe Frequenz mit Q-abhängigem Drumherum gleichzeitig anheben und absenken, normalerweise hätte das eine komplette Auslöschung zur Folge. Jedoch passiert dieser Vorgang leicht versetzt, sodass ein Rest Boost beibehalten wird und störende nahe Anhebungen um die Kernfrequenz quasi geschluckt werden. So wirkt das Signal gleichzeitig fett und aufgeräumt.

Das funktioniert übrigens generell bei allen Instrumenten oder Signalen, die sich bei 20, 30, 60 oder 100 Hz finden lassen, denn diese Frequenzen kann man ja per Drehschalter fest einstellen und dann entsprechend der Vorgabe bearbeiten. Im HF-Bereich ist dieser Trick so gut wie irrelevant, da es meist auf eine dumpfere Empfindung des Signals rausläuft. Hier hat der Hersteller eine höher justierbare Auswahl der Absenkfrequenz gegeben, die anwählbar bis 20 kHz reicht.

Programm Equalizer Tiefer Frequenzbereich

Tube Tech PE 1C LF Bereich

Erläuterungen der Klangbeispiele

Low Frequencies

Drums

Ein Monosignal ist nicht zwingend nur eine einzelne Spur. Sehr wohl kann auch ein Mono-Bus-Mix mehrer Signale zum EQ geschickt werden und als Re-Recording wieder in die DAW oder als EQ in der Peripherie auf die Summe geschickt werden. In den Beispielen hört man eine BD innen, außen, sowie gemischt mit beiden Mikros. Selbiges Szenario dann per PE1C Veredelung. Die BD hat obenrum genug Höhenanteil, den habe ich auch geboostet. Im Mix macht das untenrum satt und obenrum crisp mit viel Durchsetzungspotenzial. Genre: Classicrock.

Ich würde jedoch den PE 1C nicht als Bus-EQ für mehrere Instrumente gleichzeitig nehmen, das wäre im übertragenen Sinn einen Rennwagen mit Billigsprit E 10 zu betanken. Genre: Classicrock.

Bass

Alles, was im Tieftonbereich ein Wörtchen mitzureden hat, kann der PE 1C untenrum noch was mit auf den Weg geben. Als Klangbeispiel habe ich einen normal gestimmten Steve Harris Signature Bass, der mit Akkorden vom Klangbild schön weit unten rangiert. Genre: NWOBHM.

Orgel

Spannend ist auch eine angezerrte Orgel, auch hier kann der PE1C untenrum andicken und gleichzeitig klar säubern. Obenrum wird dann noch addiert und crisp gemacht. Genre: Deutschrock.

Programm Equalizer Hoher Frequenzbereich

Tube Tech PE 1C HF Bereich

High Frequencies

Overheads

Zischelnde Becken sind so gar nicht erwünscht bei modernen Produktionen. Sind die Overheads zu aufdringlich im Mix integriert und gibt der Drummer obenrum zu heftig und zu quantitativ Gas, kann das einem Track ganz schön zusetzen. Das Klangbeispiel zeigt, wie der PE 1C auch in diesem Bereich eine satte Weichheit macht. Der Boost der HF beginnt bei 4 kHz und endet immer 4 taktweise bei 12 kHz. Gleichzeitig habe ich den LF-Bereich als Highpass-Filter genutzt und den Boost bei 0 belassen, die Absenkung bei 100 Hz voll bis 10 aktiviert, so sind die Becken im OH-Bereich weitestgehend separiert. Genre: Classicrock.

Female Vocals

Frauenstimmen sind oftmals zischelnd und bedürfen eines guten EQ- und DeEsser-Einsatzes. Doch gerade die Brillanz der weiblichen Stimme macht es edel und durchsetzungsstark. Auch hier hilft der Einsatz von hochwertigem Equipment, dem gewollten Sound ein großes Stück näherzukommen. Es hat natürlich in den Finger gejuckt, da noch Hall und einen guten Kompressor einzusetzen, doch das war nicht Gegenstand dieses Tests. Besten Dank ans Goldkehlchen Ilka Müller. Genre: Freestyle.

12-String-Guitar

Als glücklicher Besitzer einer wunderbar raumfüllend klingenden Western-Gitarre, musste diese natürlich auch für ein Klangbeispiel herhalten. Die mit Elixier Saiten bestückte Taylor wird durch den PE 1C obenrum um einiges crisper, als ungefiltert gegen andere Instrumente bestehen zu müssen. Genre: Lagerfeuer.

Anmerkungen zum Tube Tech PE 1C

Wir haben es mit einem Röhrengerät zu tun, sollten diese mal nicht mehr einwandfrei funktionieren, merkt man das am ehesten durch Klangveränderungen, Arbeitspunkte werden verschoben, die Röhren werden mikrofonisch, es treten Störgeräusche auf.

Der deutsche Vertrieb Audiowerk besitzt die Schaltpläne und bietet auch Service mit Reparaturen sämtlicher Tube-Tech Lyndkraft Geräte an. Oft werden dann Austauschröhren von JJ Electronics aus tschechischer Herkunft oder russische Softech Röhren verwendet. Die Röhre an sich ist nicht entscheidend in der Klangfindung, da diese nicht so stark angefahren werden, wie beispielsweise in einem Röhren-Gitarrenverstärker. Dies wiederum erhöht deren Lebensdauer, 10-20 Jahre können manche Röhren schon halten. Hier gibt’s den Direktlink zum Vertrieb.

tube tech pe 1c test

Als Schlusswort kann ich nur „Hut ab“ sagen, der EQ wertet Signale der üblichen Verdächtigen, die sich in diesen Frequenzen tummeln, grundsätzlich immer auf, macht sie durchsetzungsfähiger und natürlich rund in der Klangempfindung. Ich habe bei keinem Signal eine Verschlechterung des Klangs erkennen können. Einzig ein regelbarer Output fehlt mir als letzter Regler in der 3 HE Unit. Im originalen Pultec fehlt der nun auch, doch in der Softube PE 1C Software-Version wurde just dieser Regler schon gesichtet.

ANZEIGE
Fazit

Der Tube-Tech Program EQ PE 1C setzt dem Original, dem Pultec EQP 1A, ein Denkmal und gleichzeitig sich selbst einen Haken auf die Must-Have-Liste. Wer einmal in den Genuss einer mit diesem Gear nachbearbeiteten Bassdrum gekommen ist, will das immer wieder haben. Auch für andere Anwendungen macht der 3 HE Kasten der dänischen Nobelschmiede eine exzellente Figur. In diesem Preissegment ist kein Platz für schlechtes Innenleben oder sonstige Kompromisse. Der Tube-Tech PE 1C hat im Test alle Erwartungen vollstens erfüllt.

Plus

  • Sound
  • verwendete Bauteile
  • Schaltungs- und Wirkungsweise

Preis

  • 2.869,- Euro
ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    moinho  

    „die Firma Lyndkraft, übersetzt Soundpower“ – war da ein M&A (sic!) mit amazona.com, den ich nicht mitbekommen hab? Oder isses einfach „Klangkraft“?
    (und unabhängig von der German submissiveness: die heißen Lydkraft, also nicht Blitzleistung?)

    • Profilbild
      jochen_schnur  RED

      Hallo moinho,
      Lydkraft = Klangleistung, Lyndkraft = Blitzleistung, Sound power = Klangleistung.
      Das n ist schlicht ein Tippfehler meinerseits. Gut aufgepasst, danke dafür.
      Ich wollte die Firma nicht umbenennen.

  2. Profilbild
    Herr von W.  

    Sehr solides Gerät, einfach zu bedienen – das Ergebnis überzeugt und reiht sich mMn in die restliche Profiliga ein: es klingt unaufgeregt und unangestrengt präsent. Anders als PlugIns und Billigheimer-Produkte. Am Ende des Tages ist es so. Und die Geräte halten ewig, auch ihren Wert.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE