Test: U-HE Uhbik Plugin Effekt-Bundle

28. September 2009

U-HEs geniales Effektplugin-Bundle

Retro Science Fiction: U-HE Uhbik

Ubik, den Namen kennt man sicher, sofern man je von Philip K. Dick gehört hat, dem großen Science-Fiction Autor, der unter anderem die Vorlage für Bladerunner lieferte. Ubik ist eines seiner bekanntesten Werke, eine metaphysische Geschichte um eine zukünftige Anti-PSI-Manipulations-Gesellschaft, die Zukunft der Werbung und die Wirren des Nachleben und war in den 60ern ein echter Hit. Retro Science Fiction der abgefahrenen Art also und daher auch passend zu dem neuesten Werk von URS Heckmann, des Programmierers des vielleicht besten VST-Synths momentan: U-HE Zebra.
Uhbik, das ist eine Effektsuite aus momentan acht Einzeleffekten mit leichtem Retrotouch, erhältlich für PC (VST) und Mac (VST, AU). Nicht nur wegen des guten Rufs des Zebra-Synths ist das AMAZONA einen Test wert – auch der Preis macht das ganze verlockend: 150 Euro (momentan) bzw. 200 Euro (später) für ein fast komplettes professionelles Paket aus hochwertigen Effekt-Plug-ins, welches in den nächsten Monaten wohl ohne Aufpreis noch erweitert wird – sicher eine Verlockung. Soviel zahlt man sonst doch schnell mal für einen edleren Effekt der großen Hersteller allein.

Delay, EQ und Ambience

Uhbik-A

aka „ambience processor“ ist der Uhbik-eigene Hall- und Ambience-Effekt. Gleich den anderen Plug-ins ist er nicht übermäßig aufwendig parametrisiert: Prinzipiell gibt es hier die üblichen Einstellmöglichkeiten wie Vorverzögerung, Modulation, Stereobreite, Dichte der Hallfahne („Density“) und verschiedene EQ-Einstellungen für die Hallfahne wie Höhenanteil (HF-Range). Uhbik-A läuft in drei Modi, die sich klanglich nicht extrem unterscheiden; die Erstreflektionen lassen sich auch in Anteil und Dauer regeln. Eine Besonderheit ist allerdings die Möglichkeit der Regelung der Länge der Bass- und Höhenanteil in der Hallfahne. Insgesamt also nichts Ungewöhnliches. Uhbik-A wurde klar mit Blick auf die Hardwarehall-Giganten wie Lexicon & Co modelliert, was sich in der Parameterwahl und Benutzerführung zeigt. Klanglich gehört er eindeutig in die Oberklasse der algorithmischen Hall-Plug-ins. Persönlich gefällt er mir sehr gut auf Vocals und Instrumenten, und auch der Einsatz nur der ER-Reflektionen (eben als „ambience processor“) kann hier und da überzeugen. Den kleineren Räumen kann ich weniger abgewinnen – für Drums wäre Uhbik A nicht immer meine erste Wahl.

Uhbik Q

 

alias „equalizer“ ist, wer hätte es gedacht, ein Equalizer. Genauer gesagt, ein Dreiband-EQ sowie Low- und Highcut, wobei die drei Bänder unterschiedlich gestaltet sind. Der Bass-EQ bietet verschiedene feste Einsatzfrequenzen von 40 – 350 Hz, ähnliches gilt für Low- und High-Cut. Die beiden Mittenbänder sind dagegen semiparametrisch, wobei der Typus (Low-oder Highshelf bzw. verschiedene Q-Werte) umschaltbar ist. Wirklich regelbar sind also nur Frequenz und Gain. Trotz dieser Einschränkungen ist „Q“ für einzelne Spuren sehr gut geignet, die Einsatzfrequenzen sind sinnvoll gewählt und die Einstellmöglichkeiten reichen für nahezu sämtliche Anwendungen aus. Dazu kommt ein wirklich guter Klang, der irgendwo zwischen vintage und modern liegt, mit der U-HE typischen Präsenz, exzellent für normale Mischaufgaben. Wer einen Vintage-Sound sucht, sollte aber anderswo schauen.

Uhbik-D

oder schlicht „Delay“ ist das hauseigene Echo. Es ist als Multitap-Ausführung mit fünf Abgriffen bzw. Taps konzipiert. Die Taps sind dabei auf der rechten Seite des Plug-ins nebeneinander angeordnet. Drei Reihen von Parametern (Länge, Volume, Panorama) sowie ein pro Tap pauschal einschaltbarer „Feedback“-Button erlauben komfortables Einstellen der Verzögerungen. Auf der linken Seite findet sich nicht nur Übliches wie die (globale) Regelung für die Menge des Feedback, ein Hoch-oder Tiefpassfilter oder die Möglichkeit der Modulation des Delay (in zwei Betriebsarten), sondern auch ein zuschaltbarer Verzerrer (Softclip) und ein Speedregler, der nach Art von analogen Delays die Möglichkeit bietet, das gesamte Delay (prozentual) nochmal in seiner Geschwindigkeit zu regeln. Wenn man hier beispielsweise mit MIDI-Learn den USB-Controller seiner Wahl auf den Regler legt, kann man live tolle Dub-Effekte erzeugen – prima. Auch sonst gefällt das Uhbik-„delay“: Die Bedienung ist vorbildlich, man kann genug einstellen, ohne mit Features erschlagen zu werden, und klanglich finde ich es hervorragend.

F, P und S: die Modulationseffekte

Uhbik F

ist was Neues: ein „post retro flanger“, oder sollte da etwa nur Verbalakrobatik vorliegen? „Post“ heiß „nach“ und „retro“ eben retro wie „zurück zu anno dazumal“. Also ist Uhbik F ein Flanger vom Typ „nach zurück zu anno dazumal“, also einfach ein Flanger, eben der beliebte spacige Modulationseffekt, der schon irgendwie retro ist. Wie dem auch sei, Uhbik F erinnert stark an ausgefeiltere Tretminen-Bodeneffekte oder 19-Zoll-Spezialisten. Er kann nämlich nicht nur „flangen“, sondern bietet auch einen Tremoloeffekt und einen Chorus. Dementsprechend ist er umfangreich parametrisiert. Man kann nicht nur Dinge wie die Verzögerungszeit des Effektsignals und die Modulation und die Modulationswellenform in einigem Detail einstellen, sondern auch das gesamte Signal auf einen Frequenzbereich beschränken, praktisch für Klänge mit viel Bassanteil. Wirklich retro sind dagegen zwei andere Parameter- Miit „drive“ lässt sich der Effekt bei Bedarf auch übersteuern und ein verschlimmbessernder „eco“-Modus bringt den gesamten Effekt gleich ganz auf den Level billigster Bodentreter – macht Spaß. Insgesamt überzeugt auch Uhbik F auf ganzer Linie, außer Audiodamage-Plug-ins ist mir kaum ein Flanger/Chorus bekannt, der so gut klingt und dabei ordentlich bedienbar ist.

Uhbik P

ist ein Phaser, genauer gesagt, ein „pre-future phaser“ mit bis zu 14, 28 oder gar 42 Stufen (n). Wie sein „post retro“-Kollege Uhbik F ist er dank einer verhältnismäßig umfangreichen Menge an Parametern gut an eigene Klangvorstellungen und Ausgangsmaterial anpassbar. Nicht nur die Modulationswellenform, die Phase, das Feedback oder die Verzögerungszeit können eingestellt werden, sondern auch die Symmetrie der Wellenform und die Einsatzfrequenz des Effekts („Spectrum“). Auch lässt sich wiederum der Frequenzanteil beschränken. Klanglich gilt dasselbe für ihn wie für den Flanger-Kollegen: ganz prima, von subtilem Aufblasen bis zum extremen synthetischen Verfremden ist Uhbik F ein Werkzeug sowohl für den traditionsorientierten Basser oder Gitarristen als auch den experimentierfreudigen Sounddesigner.

Die Exoten

Uhbik S

ist dagegen ein echter Exot, nämlich ein „frequency shifter“, ein naher Verwandter des bekannteren Ringmodulators. Zwei Regler steuern hier den Umfang der Frequenzverschiebung, dazu ist noch Feedback, Phase und die Modulation regelbar. Prinzipiell sind so mit „S“ vocoderartige Klänge, elektronische Verfremdungen à la Ringmodulator sowie phaserartige Effekte machbar. Technisch klingt auch dieses Plug-in des Zebra-Masterminds Urs Heckmann gut. Der Effekt bleibt aber Geschmacksache und dürfte vor allem für Elektroniker interessant sein. Persönlich finde ich ihn eher überflüssig, da er kaum etwas leistet, was die Kollegen P und F nicht auch könnten – er klingt halt etwas mehr nach Elektro als ein Flanger.

Uhbik T

trägt den schön postmodern verklausulierten Namen „trans modern pan & tremolo“ und ist demnach ein Tremolo mit Pan in transmoderner, also quasi zeitgemäßer Ausführung. Klingt erstmal nicht sehr ungewöhnlich, sondern eher nach Freeware. Dabei ist Uhbik T der komplexeste der neuen U-He-Effekte. So kann das Plug-in nicht nur Lautstärke und das Panorama, sondern auch die Einsatzfrequenz eines Lowpass-Filters steuern und dies nicht sogar mittels eines recht komplexen Pattern-Sequencers. Entsprechend lassen sich nicht nur die Geschwindigkeit des Effektes und die Details der Modulations-LFOs steuern, sondern man kann mit dem Pattern-Sequencer den Effekt auch sehr präzise ansteuern. Darüber hinaus gibt es mit „Haas Delay“ noch einen Parameter, der die Wahrnehmung der Stereoposition beinflusst und recht ungewöhnliche Stereoeffekte ermöglicht. Uhbik T ist so prädestiniert für Klangbastler und kann recht komplexe Modulationseffekte generieren. Prima ist es als Gate zum Verfremden von Synthisounds oder Drumloops, aber auch der ein oder andere Gitarrist mag daran Freude haben – das einfache Tremolo auf angezerrter Gitarre ist etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch ein schöner Effekt.

Runciter

ist ein Multimodefilter (Hoch-, Tief- und Bandpass) mit Verzerrer und Envelope-Follower. Das Plug-in heißt übrigens deshalb nicht einfach „Uhbik R“ oder „Uhbik F“, weil Glen Runciter der Name einer Hauptfigur des eingangs erwähnten Ubik-Buches ist. In der Art der Filtermodule großer Modularsysteme kann der Filter dabei auf Wunsch in allen drei Modi gleichzeitig arbeiten, soll heißen: Nicht nur das tiefpassgefilterte Signal wird am Ausgang ausgegeben, sondern bei Bedarf eben auch gleichzeitig das durch den Hochpass gejagte Signal. Die Einsatzfrequenzen werden dabei pauschal mit einem Cutoff-Regler gesteuert, „res“ steuert die Resonanz, „drive“ den (auch noch in der Klangfarbe) einstellbaren Overdrive. Im Unterschied zu den anderen Plug-ins der Reihe ist hier ein einstellbarer MIDI-Controller wie z.B. Aftertouch fest auf die Cutoff-Frequenz gesetzt, lässt sich aber in im Anteil regeln – sehr praktisch für live. Der Envelope-Follower nutzt die Hüllkurve des Einsatzsignals zur Modulation der Cutoff-Frequenz, was die typischen Wah-Effekte ermöglicht. Vier verschiedene Betriebsmodi bieten Anpassungen an die Dynamik des Eingangssignals. Desweiteren gibt es auch die Möglichkeit, das Filter per MIDI-Noten zu triggern. Klanglich gehört Runciter in die Rubrik „böse“. Der eher höhenbetonte Grundklang in Verbindung mit zupackendem Filter und „fuzzy“-Overdrive prädestiert ihn als Tool zum Verdrehen von Drumloops und ähnlichem. Ein so böses Filter kenne ich als Plug-in eigentlich nur von Waldorf (D-Pole). Wer diesen höhenbetont-aggresiven Charakter mag, wird hier auch fündig.

Weiteres und Ausblick

Alle Plug-ins vereint eine wirklich niedrige CPU-Belastung – hier wurde effizient programmiert. Die Plug-ins sind außerdem alle surround-fähig, was das Bundle (gerade bei Uhbik T) interessant für diejeingen unter uns interessant macht, die im Mehrkanalverfahren arbeiten. Nett ist auch, dass sich die Ausmaße der GUI anpassen lassen, von winzig bis mehr als bildschirmgroß. Für die meisten Anwender wichtiger sind wohl die Neuankündigungen: Demnächst wird kostenfrei ein Rack das Paket komplettieren (Uhbik X), und auch von einem Kompressor wurde schon gemunkelt. Man darf also gespannt sein.

Fazit

Sehr gut. Auch schon jetzt  ist das Effektbundle mit dem komischen Namen eindeutig deutsche Wertarbeit (ja) und eine klare Empfehlung. Besonders die Modulationseffekte sind, genauso wie EQ und Delay, hervorragend. Auch der Hall ist, obwohl nicht die Universallösung, sehr gut und die anderen Effekte vielleicht nur für Nischen interessant, aber in jedem Fall technisch sehr ordentlich. Die Effektsuite ist dabei trotz Retroanleihen nichts für Vintage-Liebhaber. Der Grundklang folgt kaum der 70er-Jahre-Klangästhetik. Klar, modern und präsent trifft es schon bessser. U-HE-Plug-ins haben ihren eigenen Sound, der schon immer eher etwas obertonreich war, und UHBIK macht da keine Ausnahme. Im Verbund mit der einfachen und guten Bedienung und der niedrigen CPU-Last macht das Uhbik zu einer Plug-in-Suite, die eigentlich für alle etwas bietet. Etwa 25 Euro pro Plug-in sind dabei auch noch wirklich günstig. Für den Preis kennen zumindest die Autoren des Artikels nicht vergleichbar Gutes in der VST-Welt. Manche Einzel-Plug-ins wie Sony Oxford klingen für den ein oder anderen Anwendungszweck noch etwas besser, aber hier kostet ein Plugi-n eben genau so viel wie U-HE ganze Suite. Unbedingt testen.

Plus

  • Klang
  • Preis
  • Vielfalt
  • niedrige CPU-Belastung

Preis

  • 150 Euro (Einführungspreis)
  • 200 Euro (später)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sabinchen

    Klanglich wie immer super von u-he. Nur die u-heGUIs gefallen wir garnicht. Bei der Diva ist es aber schon deutlich besser geworden.

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