Test: VPME Euclidean Circles V2, Eurorack-Modul

4. Januar 2019

Euklidischer Trigger-Sequencer

vpme euclidean circles v2

VPME Euclidean Circles V2

VPME Euclidean Circles V2 als Modul ist dem einen oder anderen vielleicht auch schon bekannt und so ging es mir, da das Modul ein ziemlicher Blickfang ist. Einerseits sticht die blaue Farbe des Moduls ins Auge, andererseits sind es die drei LED-Kränze, die, wenn in Bewegung, sofort ins Auge springen. So ist mir das Modul in der Version V1 zumindest in zahlreichen YouTube Videos immer wieder aufgefallen und ich bekam Lust, das Modul einmal in die Finger zu bekommen. Nun gibt es das Modul als Version 2 und ich bekomme endlich die Gelegenheit dazu.

VPME, das ist Vladimir Pantelic Musikelektronik aus Darmstadt. Einigen ist Vladimir vielleicht von der Superbooth oder Knobs & Wires Messe bekannt, da er seine Eurorack-Module in einer Umhängetasche als mobiler Messestand vorstellt.

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VPME Euclidean Circles V2 – was ist besonders?

Es ist natürlich nicht nur die Optik, sondern vielmehr die Möglichkeiten, die dieses Modul bietet. Euclidean Circles ist ein 6-kanaliger Trigger-Sequencer. Das Modul erzeugt Pattern auf Basis von einem Algorithmus, den der griechische Mathematiker Euklid circa 300 Jahre vor Christus zum ersten Mal beschrieb. Dieser Algorithmus basiert auf der Bildung der größten gemeinsamen Teiler zweier Zahlen.

Euklidischer Algorithmus in der Musik

Der Euklidische Algorithmus wurde erstmals 2004 durch den Informatiker Godfried Toussaint in Zusammenhang mit Rhythmus gebracht. Er fand heraus, dass sich viele bekannte Rhythmen aus unterschiedlichen Stilrichtungen, vor allem in der traditionellen Musik, mithilfe des Euklidischen Algorithmus berechnen lassen.

Er verteilt die Schläge in einem bestimmten Zeitintervall so gleichmäßig wie möglich. Das ist auf zirkulär funktionierende Sequencer gut anwendbar und dieses Prinzip wird im Euclidean Circles V2 Modul abgebildet.

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VPME Euclidean Circles V2 – Oberfläche

Das Modul besteht quasi direkt aus dem Printed Circuit Board. Die Platine mit den aufgelöteten LEDs, Encodern und Buchsen bildet die Oberfläche des Moduls. Es ist 10 TE breit und lässt sich Eurorack-kompatibel verbauen. Auf Wunsch kann bei VPME das Modul auch standalone als Sonderanfertigung ausgeliefert werden.

Charakteristisch sind neben der blauen Farbe die drei LED-Kränze, die sofort ins Auge stechen. Sie bestehen jeweils aus 16 LEDs, die in unterschiedlichen Farben leuchten und somit verschiedene Parameter anzeigen können. Mittig dazwischen befindet sich jeweils ein Push-Encoder mit LED, um verschiedene Funktionen abzurufen.

VPME Euclidean Circles V2

Euclidean Circles und die Erweiterung Six Switches

Linksseitig folgt die F-Taste, der unterschiedliche Funktionen zugeordnet werden können. In der Grundeinstellung dient sie der Umschaltung zwischen den Kanälen 1-3 und 4-6.

Über die CLK-Buchse wird das Modul mit einer Masterclock versorgt. Was allerdings nicht unbedingt notwendig ist, da das Modul über einen eigenen Clock-Generator verfügt, Auto Clock genannt. Die Geschwindigkeit kann zwischen 10 und 2.500 BPM eingestellt werden.

Das Modul kann einerseits von einem Master-Sequencer mitgetaktet werden und selbst über einen der Kanäle als Taktgeber fungieren. Es funktioniert beides einwandfrei. Über die RST-Buchse kann ein Reset-Signal an alle Kanäle gesendet werden, so dass diese wieder bei Step 1 beginnen.

Rechtsseitig stehen die Ausgangsbuchsen für sechs Trigger-Kanäle zur Verfügung.

Los geht’s mit dem VPME Euclidean Circles V2

Euclidean Circles V2 wird vor allem über die drei großen Push-Encoder gesteuert. Diese wechseln auf Knopfdruck Farbe und Funktion. Hat man sich die Farb-/Funktionskombinationen erst einmal gemerkt, geht die Programmierung relativ einfach von der Hand.

VPME Euclidean Circles V2

Das Modul in Aktion

In der Farbe Blau kann am Encoder die Länge der Sequenz eingestellt werden. Orange bestimmt die Verteilung der Steps im Kreis und mit Lila (Purple) wird der Startpunkt einer Sequenz im Kreis festgelegt. Das war es dann im Prinzip auch schon mit den Grundeinstellungen Euklidischer Rhythmen. Im Zusammenspiel dieser Parameter und verteilt über bis zu sechs angesteuerte Instrumente entstehen einfachste und komplexeste Rhythmusstrukturen. Jede Änderung an der Sequenz-Länge, der Steps oder des Startpunktes verändern den Rhythmus von subtil bis gravierend.

VPME Euclidean Circles V2 – spezielle Funktionen

Es können 16 eigene Sequenz-Kreationen gespeichert und geladen werden. Der letzte Zustand des Moduls wird jeweils gespeichert und steht nach dem Einschalten wieder zur Verfügung.

In der Grundeinstellung werden die Spuren 1-3 als Hauptkanäle genutzt, die Kanäle 4-6 liefern die jeweiligen Off-Beat Steps. In der zweiten Betriebsart arbeiten die sechs Kanäle unabhängig voneinander.

Zusätzlich gibt es über die Menüsteuerung zahlreiche Varianten, um noch mehr aus dem Modul rauszuholen.

VPME Euclidean Circles V2

Euclidean Circles V2

Einige Beispiele:

Das Modul kann auch als 6-kanaliger Step-Sequencer genutzt werden. Es lassen sich eigene Steps pro Kanal programmieren. Dies ist beispielsweise sinnvoll, wenn ein Kanal die Bass-Drum im 4/4-Takt durchklopfen soll und die anderen Drum-Kanäle dazu euklidisch generiert werden.

Die Kanäle können miteinander verkettet werden, z. B. Kanal 1-3. In diesem Fall wird die Trigger-Sequenz auf Kanal 1 ausgegeben.

Die Pulsbreite kann zwischen 1 ms und 10 ms umgeschaltet werden.

Ein Kanal folgt dem anderen pro Step.

Random: Steps werden stummgeschaltet, mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 %.

Die Helligkeit der LEDs kann zum Glück in acht Stufen angepasst werden, denn diese sind standardmäßig sehr hell.

Die F-Taste dient im Grundzustand zum Umschalten zwischen Kanal 1-3 und 4-6. Sie kann auch genutzt werden, um beispielsweise Start/Stop, Toggle-Befehle, Mute-Funktionen, schneller Abruf von Presets und diverse andere Funktionen abzurufen.

Firmware-Updates können nachgereicht und als Audiofile über die CLK-Buchse eingespielt werden.

VPME Euclidean Circles V2 – Handling

Die Einarbeitung in das Modul geht schnell vonstatten. Die Grundbedienung ist logisch und durch die Farbgebung der Funktionen schnell erlernt. Es kann also sofort und, wie ich finde, intuitiv losgetriggert werden. Und das macht wirklich viel Spaß! Hier ein Verschieben des Startpunkts in Kanal 1 und dort ein Verkürzen der Step-Länge auf Kanal 5 und schon groovt es anders als zuvor.

VPME Euclidean Circles V2

Euclidean Circles fügt sich gut ins Setup ein

Ein Blick in das nur vier Seiten kurze Handbuch bleibt mir hier und dort dennoch nicht erspart. Viele Funktionen sind auf die drei Kränze, Encoder und die F-Taste verteilt und die merke ich mir einfach nicht. Das passiert mir bei anderen Modulen genauso, hindert mich aber auch oft daran, die Funktionen wahrzunehmen.

Dennoch, der Funktionsumfang ist groß und das Modul bietet ein hohes Maß an Flexibilität auf kleinem Raum.

Interessant und wünschenswert wäre eine CV Steuerung der Basisparameter. So könnte ich mir beispielsweise gut vorstellen, den Startpunkt einer Sequenz über eine getaktete externe Modulationsquelle immer wieder zu verschieben.

VPME Euclidean Circles V2 – Six Switch

VPME bietet mit der Erweiterung Six Switch ein kleines 2 TE breites Expandermodul an, das direkt mit dem Euclidean Circles Modul verbunden wird. Das Modul bietet sechs kleine Kippschalter, mit denen die einzelnen Trigger-Kanäle an- und ausgeschaltet werden können. Es benötigt keine eigene Spannungsversorgung. Und es funktioniert mit den Modulen der ersten und zweiten Serie.

Diese Erweiterung ist total sinnvoll, nicht nur im Live-Betrieb. Auch zu Hause im Heimstudio ist es manchmal hilfreich, den einen oder anderen Kanal stummzuschalten, wenn man mal den Überblick über die sechs Kanäle verloren hat (wo spielt denn jetzt die HiHat?) oder einfach nur, um die Bass-Drum für den Spannungsbogen zu muten.

Ich kann empfehlen, die Erweiterung mit einzuplanen.

Fazit

VPME Euclidean Circles V2 bietet als 6-kanaliger Trigger-Sequencer ein interessantes Konzept und eine Vielzahl von Möglichkeiten. Das Modul besticht optisch genauso wie durch den großen Funktionsumfang und bietet ein hohes Maß an Flexibilität.

Wer einen Rhythmus-Generator für sein Modularsystem sucht, abseits klassischer Lauflichtprogrammierung, der sollte sich Euclidean Circles V2 unbedingt ansehen.

Das Erweiterungsmodul Six Switch fügt dem Funktionsumfang sechs Schalter hinzu, mit denen sich die Triggerkanäle einzeln (de)aktivieren lassen und ich empfehle, es gleich mit einzuplanen.

Plus

  • insgesamt sechs Trigger-Kanäle
  • intuitive Bedienung der Grundfunktionen
  • vielfältige Möglichkeiten
  • Erweiterung Six Switch

Minus

  • viele Funktionen verstecken sich in Untermenüs

Preis

  • Ladenpreise:
  • Euclidean Circles V2: 259,- Euro
  • Six Switches: 45,- Euro
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