ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Test: Walrus Audio Badwater, Bass Pre-Amp & D.I.

Downsizing mit Charme!

13. Dezember 2022

Walrus Audio Badwater, Bass Vorverstärker Test

ANZEIGE

Downsizing – das ist nicht nur eine Entwicklung aus der Automobilbranche, bei der aus weniger Hubraum mehr Leistung generiert wird, sondern auch ein Phänomen, was sich in der Entwicklung unseres Bass-Equipments widerspiegelt: So müssen wir nicht mehr ein Pedalboard mit einem Kompressor, einem Zerrpedal, einem Equalizer und einer DI-Box mitsamt Verkabelung und Stromversorgung zum Gig transportieren, sondern bekommen das alles in einem kompakten Gehäuse, das in unser Gig Bag passt. Dieses trägt die Aufschrift „Badwater“ und wurde von der Pedal-Schmiede „Walrus Audio“ aus Oklahoma-City ersonnen. Sie ist bekannt für ihre Gitarreneffekte und hat mit dem „Badwater Bass Pre-Amp & D.I.“ erstmals ein Pedal explizit für die Bass-Welt herausgebracht. 

Walrus Audio Badwater – Features & Facts

Auf den ersten Blick fällt eine recht stattliche Anzahl an Drehreglern für die kompakte Gehäusegröße des Badwaters auf. Ganze elf Stück plus ein Toggle-Switch sowie zwei Fußtaster finden auf dem 122 x 92 x 57 mm kleinen Gehäuse Platz (Maße inkl. Bedienelemente). Die Verarbeitung wirkt kompakt und hochwertig und Walrus Audio typisch wurde auf ein stimmungsvolles Artwork Wert gelegt. 

Walrus Audio Badwater, Bass Vorverstärker

Die Signalkette lässt sich wie folgt beschreiben: Das Signal läuft nach der Eingangsbuchse zunächst durch den Always-on-Kompressor, anschließend durch die Zerrsektion in den Equalizer und von dort aus zum Ausgang, der sowohl einen DI-Ausgang als auch den klassischen Klinkenausgang bietet. Analog zum Signalfluss werden die Funktionen des Gerätes in diesem Test behandelt:

Ein Highlight des Badwaters steht direkt am Anfang: Der sehr praxistaugliche Opto-Kompressor. Er ist immer eingeschaltet und nur mit einem Drehregler mit der Aufschrift „Sustain“ zu bedienen. Daher erlaubt er keinen Zugriff auf die typischen Parameter Threshold, Attack, Release und Ratio. Diese Reduktion macht ihn aber in der Praxis sehr schnell, einfach und intuitiv bedienbar, auch für BassistInnen, die nicht mit der Arbeitsweise eines Regelverstärkers vertraut sind. 

Walrus Audio Badwater
Walrus Audio Badwater
Kundenbewertung:
(3)

Als nächstes folgt eine weitere Stärke des Badwaters: Die Zerrsektion ist durchdacht und praxisnah konzipiert. So lassen sich neben den typischen Parametern wie „drive“ und „blend“ die Gain- bzw. Mischungsverhältnisse von gezerrtem und cleanem Signal beeinflussen auch drei unterschiedliche Zerrcharakteristika einstellen. Dabei handelt es sich um je einen höhen-, mitten- und tiefenbetonten Zerrsound. Darüber hinaus lässt sich die Lautstärke des Zerrkanals steuern, was einen Cut, Boost oder das Anpassen des gezerrten Pegels gegenüber des Clean-Pegels erlaubt. Die Zerrsektion lässt sich durch einen Fußtaster ein- und ausschalten.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

ANZEIGE

Video laden

Auf den Zerreffekt folgt die Filtersektion. Sie beinhaltet einen Vierband-Equalizer mit semiparametrischen Mitten. Die vier Bänder sind mit „low“, „low mid“, „high mid“ und „high“ bezeichnet, wobei die Frequenz des Tiefmittenbandes zwischen 500 Hz und 2,4 kHz und die Frequenz des Hochmittenbandes zwischen 3,5 und 7,5 kHz eingestellt werden kann. Die Bässe und Höhen können um +/-12 dB, die Mitten um +/-10 dB angehoben bzw. abgesenkt werden. Am „Volume“-Regler lässt sich die Gesamtlautstärke des Ausgangssignals einstellen und in einem großzügigen Bereich variieren, was das Einbinden des Badwaters in Signalketten mit unterschiedlichsten Effekten erleichtert. Das ganze Effektpedal lässt sich durch den „Bypass“-Fußschalter ein- und ausschalten, was eine weitere klangliche Ebene auf Knopfdruck zulässt: So könnte man beispielsweise für den Clean-Sound das Effektpedal umgehen, für einen Slap-Sound Kompressor und Equalizer einschalten und für den gezerrten Sound die Zerrsektion zuschalten und hätte somit drei unterschiedliche Sounds parat, ohne Einstellungen am Effektpedal vornehmen zu müssen. 

Walrus Audio Badwater – Anschlüsse des Preamps

Als vorhandene Ausgänge sind ein DI-Out und ein Klinkenausgang vorgesehen. Diese erlauben das klassische Setup mit Amp auf der Bühne und DI-Signal direkt zum FOH. Bei Bedarf ist neben dem DI-Ausgang noch ein Ground-Lift-Schalter eingebaut. Der Badwater lässt sich über ein handelsübliches 9 V Netzteil betreiben und verfügt nicht über die Möglichkeit von Phantomspeisung oder Batteriebetrieb. Ebenso wäre noch eine einfache Cab-Simulation wünschenswert gewesen, um noch mehr Flexibilität im Einsatz ohne Verstärker zu erhalten.

Test: Walrus Audio Badwater

Im Lieferumfang befinden sich der Badwater mit einem Stoffsäckchen, einer farbigen Bedienungsanleitung und etwas „Case Candy“ (Sticker und Plektrum mit Walrus Audio Logo). Ein Netzteil wird, wie für diese Geräte üblich, nicht mitgeliefert.

Walrus Audio Badwater – Sounds im Praxistest

Bei dem für den Test verwendeten Bass handelt es sich um einen passiven P-Bass (Siggi Braun Custom Guitars) mit D’Addario Chromes Flatwound Saiten. Der Line-Ausgang des Badwaters wird einen Neural DSP Quad Cortex unbearbeitet in Ableton aufgenommen. Beide Ausgänge des Badwaters (Line + DI) wurden dabei parallel abgegriffen und beim Vergleich der beiden Signale wurden keine Unterschiede festgestellt. 

Spielt man den Walrus Audio Badwater Bass Preamp zunächst im Bypass-Betrieb und schaltet dann den cleanen EQ dazu, stellt man eine minimale Färbung fest. Auch wenn der Sustain-Regler des Opto-Kompressors auf null steht, hört man, dass das Signal auf irgendeine Weise verarbeitet wird. Das ist keineswegs negativ zu bewerten. Im Gegenteil: Das Einschalten des Effektpedals macht den Bass-Sound etwas frischer, vielleicht sogar etwas moderner. Bei den ersten drei Klangbeispielen wird zunächst im Bypass-Betrieb gespielt und dann der EQ und Kompressor dazugeschaltet. Dabei wird der Sustain-Regler jedesmal weiter aufgedreht (0 % – 50 % – 100 %). 

Auffällig ist hier, wie subtil und gleichzeitig effektiv der Kompressor arbeitet. Gerade die Einfachheit der One-Knob-Bedienung macht hier den Charme dieser Funktion aus und verhilft dem Badwater zu einer weitaus größeren Klangvielfalt, als auf den ersten Blick zu erahnen wäre. Das wird noch deutlicher, wenn man zusätzlich zum Kompressor den Equalizer benutzt. Bei den folgenden drei Klangbeispielen wurden unterschiedliche Sounds durch Zusammenspiel von EQ und Kompressor kreiert. Dazu wurden erst die passenden Equalizer-Einstellungen gesucht und dann der Kompressor justiert, wobei sich ein erster Kritikpunkt am Equalizer bemerkbar machte: Das Frequenzband des Low-Mid-Reglers ist mit 500 Hz bis 2,4 kHz etwas hoch angesiedelt. Es wäre sehr hilfreich, wenigstens bis 200 Hz die Möglichkeit zu haben, störende Frequenzen zu suchen und zu eliminieren. Ansonsten arbeitet der Equalizer einwandfrei und lässt sich auch gut in der Praxis verwenden, da das Ansprechverhalten der Potis recht linear ist und sich diese über den gesamten Weg einsetzen lassen, ohne irgendwo zu extrem zu werden. Nach dem Einstellen des Equalizers zeigt sich ein weiterer Vorteil dieses einfachen One-Knob-Kompressors: Die Sweetspots der Kompressoreinstellungen lassen sich leicht durch Probieren ermitteln, während man noch eine Hand für den Bass frei hat. 

Gerade beim Beispiel mit den Akkorden hört man, wie das Signal geradezu „gesqueezt“ wird und das Sustain deutlich länger wird. 

Eine große Stärke des Badwaters ist die Zerrfunktion. Hier können die unterschiedlichsten Zerrsounds mit wenigen Handgriffen eingestellt werden. Dabei ist das mächtigste Tool der Voice-Switch. Hier lassen sich ein höhen-, mitten- und ein bassbetonter Zerrsound einstellen. Damit sind in dem kleinen Gehäuse quasi drei unterschiedliche Zerrpedale untergebracht, die in Kombination mit Gain- und Blend-Einstellung zu einer Vielzahl an Sounds führt. Verwendet man das Drive-Signal dann im Zusammenhang mit dem EQ und dem Kompressor des Badwaters, scheinen die Möglichkeiten schier unbegrenzt. Der Level-Regler ermöglicht es, die Zerrfunktion in unterschiedlichen Szenarien einzusetzen: So kann zum Beispiel durch das Anheben des Pegels ein Solo-Boost erreicht werden. Im Folgenden wurden unterschiedliche Kombinationen von Drive-, Voice- und Blend-Einstellungen aufgenommen, um einen Vorgeschmack auf die klangliche Vielfalt dieses Zerrpedals zu geben. In den nächsten drei Klangbeispielen bleiben der EQ clean und die Einstellungen konstant. Einzig die drei Voice-Einstellungen werden variiert:

In den darauf folgenden drei Klangbeispielen werden zusätzlich noch Drive- und Blend-Einstellungen variiert. 

Schließlich werden zusätzlich die Hochmitten und Höhen verstärkt und der Kompressor auf 100 % eingestellt. 

Es ist bemerkenswert, wie viel mehr Präsenz durch den Kompressor erzielt werden kann. Doch nicht nur stark angezerrte Sounds gehen dem Badwater leicht von der Hand, auch im leicht angezerrten Bereich lassen sich gute Ergebnisse erzielen. So lässt sich beispielsweise durch Anheben der Bässe und Absenken der Hochmitten und Höhen sowie leichte Kompression ein für Motown typischer Fingerstyle-Sound erzielen. Um das leichte Anzerren nur bei den Anschlägen der Töne zu erreichen, wird eine mittlere Drive-Einstellung gewählt und dann der Blend-Regler langsam soweit aufgedreht, dass nur bei stärkeren Anschlägen ein leichtes Zerren zu vernehmen ist. 

ANZEIGE
Fazit

Mit dem Badwater Bass Pre-Amp & D.I. ist Walrus Audio der Einstieg in die Welt der Basseffekte mit Bravour geglückt. Das Gerät bietet auf kleinstem Raum eine Fülle an unterschiedlichen Zerr- und Clean-Sounds. Der permanent eingeschaltete One-Knob-Kompressor lässt sich als einfaches und effektives Mittel zur Gestaltung des Bass-Sounds einsetzten und trägt im Zusammenhang mit Equalizer und Zerrfunktion zur klanglichen Vielfalt bei. Durch die drei Voice-Einstellungen der Zerrsektion stehen quasi drei unterschiedliche Zerrpedale zur Auswahl und können durch einen unabhängigen Level-Regler in unterschiedlicher Weise eingesetzt werden. Der Equalizer ist gut nutzbar, allerdings liegt das Frequenzband des Tiefmittenreglers mit 500 Hz bis 2,4 kHz etwas zu hoch. Das alles kommt in einem hochwertig verarbeiteten und ansprechend gestaltetem Gehäuse. Das Fehlen der Energieversorgung über Phantomspeisung und einer Cab-Simulation lässt sich in Anbetracht der klanglichen Vielfalt und Benutzerfreundlichkeit des Gerätes leicht verzeihen. Der Walrus Audio Badwater Bass Pre-Amp & D.I. ist ein Effektgerät, das eine charmante Mischung aus Vintagesound und Moderne bietet und dabei wesentlich zum Downsizing des Bass-Rigs beiträgt.

Plus

  • Kompressor einfach und effektiv
  • besonders vielfältige Zerrsounds
  • Vielfalt an Cleansounds durch Zusammenspiel von Kompressor und Equalizer
  • viel Nutzwert in kleinem Gehäuse

Minus

  • nicht über Phantomspeisung betreibbar
  • keine Cab-Simulation
  • Tiefmitten-Frequenzband zu hoch angesiedelt

Preis

  • 339,- Euro
ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Nvelope 11

    Interessanter Test eines offensichtlich vielseitigen Bass-PreAmps.
    Doch meiner Meinung nach kann es nun wirklich nicht jedem Gerät angelastet werden, dass es nicht über Phantom Power betreibbar ist!
    Phantom Power wurde einst konzipiert für die Stromversorgung der in Kondensator-Mikrofonen eingebauten winzigen Vorverstärker – die ebenfalls nur einen winzigen und einige wenige mA (milli-Ampere) ‚großen‘ Stromverbrauch hatten.

    Phantom-Power kann sicher auch für anderes Equipment genutzt werden … doch aufgrund des einstigen die ‚Phantom‘-Idee begründenden Gedankens der Stromversorgung von Nutzern mit nur sehr geringer Stromaufnahme kann nun in der heutigen Zeit nicht davon ausgegangen werden, dass Phantom Power (48 V) die Stromversorgung für nahezu alles bietet, was der Markt an Geräten herstellt.
    Es wäre ja auch unfair, in einem Endstufen-Test den Punkt ‚fehlende Betriebsmöglichkeit über Phantom-Power“ der Endstufe bzw. deren Hersteller anzulasten . . . ich denke, man sollte diesen Punkt aus der obigen Testbewertung wirklich rausnehmen …!

  2. Profilbild
    Vati

    Was soll das?
    Vor 20 Jahren hätte ich dieses Teil vielleicht noch als nötig empfunden. Wir haben das Jahr 2022. Ist das jetzt neuzeitliche Innovation oder kann das auch ins Nirvana der überflüssigen Bodentreter befördert werden ?
    Grüße von Vati

  3. Profilbild
    Gomes21

    Cooles Teil, könnte ich mal unserem Bassisten nahelegen.
    Ich selbst bin mir Walrus Pedalen noch nicht glücklich geworden, habe einige ausprobiert und immer das Design-vor-Qualität Gefühl gehabt. Zumindest fand ich sie oft wenig charakteristisch.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

X
ANZEIGE X