Test: Yamaha Sonogenic SHS-500, Keytar Keyboard

25. Dezember 2019

Bühnen-Keyboard zum Umhängen

yamaha sonogenic shs 500

Yamaha Sonogenic SHS-500, Keytar

In regelmäßigen Abständen begegnet sie uns wieder. Schon seit Jahrzehnten trifft man sie in allen Formen und Farben auf den Bühnen dieser Welt – ein bekannter Nutzer war der Keyboarder Jan Hammer – und irgendwie ist auch heute noch aktuell. Nach Roland und Alesis greift nun auch Yamaha das Konzept der Keytar wieder auf und hat mit SHS-500 und SHS-300 zwei neue Produkte entwickelt. Die Größere der beiden haben wir genauer unter die Lupe genommen.

Auftritt der SHS-500 Keytar

Bevor wir mit dem Test beginnen, vorab zunächst das offizielle Video, das Yamaha anlässlich der SHS-500 Ankündigung veröffentlicht hat. Party-Time und die Keytar mittendrin:

Bei Sonogenic SHS-500 handelt es sich um eine 3-oktavige (37 Tasten) Keytar, die es wahlweise in Schwarz oder Rot gibt. Die 37 Tasten sind im Mini-Format ausgelegt und entsprechend kürzer und schmaler als herkömmliche Keyboardtastaturen. Anschlagsdynamisch sind die Tasten, Aftertouch bieten sie dagegen nicht. Das Spielgefühl ist trotz der Mini-Ausführung sehr gut. Man spürt einen ordentlichen Druckpunkt und die Tasten vermitteln ein gutes haptisches Gefühl.

Äußerlich macht die Yamaha Keytar einen rundherum gelungenen Eindruck. Die Verarbeitung des Kunststoffgehäuses und der Bedienelemente ist sehr gut. Die Maße belaufen sich auf 821 x 121 x 65 mm, das Gewicht liegt bei 1,5 kg. Wie es sich für eine Keytar gehört, befinden sich auf der Unterseite zwei Befestigungspunkte für einen Gurt, damit lässt sich die Keytar locker und entspannt über die Schulter hängen. Einen passenden schwarzen Tragegurt liefert Yamaha gleich mit. Neben der Keytar selbst befinden sich im Karton der SHS-500 ein gedrucktes mehrsprachiges Handbuch, ein externes Netzteil und ein Adapterkabel (Multipin auf 2x MIDI-DIN).

Yamaha Sonogenic SHS-500, Keytar

Die Yamaha Keytar lässt sich entweder mit dem mitgelieferten Netzteil oder mit sechs AA-Batterien betreiben, wobei im Display stets der aktuelle Ladezustand der Batterien angezeigt wird. Weitere Anschlüsse gibt es für USB-Verbindungen zum Computer, Multipin zum Anschluss an externe MIDI-Geräte (über den mitgelieferten Adapter), die Ausgabe der internen Sounds über 6,3 mm Klinke (mono) oder alternativ über den Kopfhöreranschluss (3,5 mm Stereoklinke). Externe Signale lassen sich über einen AUX IN (3,5 mm Klinke) einspeisen. Für diese Preisklasse sind das erstaunlich viele Verbindungen, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Keytar ihre MIDI-Signale entweder per USB, MIDI oder Bluetooth ausgeben kann. Sogar als 2×2 USB-Audiointerface ist sie nach Anschluss an den Computer nutzbar.

Wie lässt sich die SHS-500 Keytar bedienen?

Die Bedienelemente hat Yamaha einerseits am unteren Ende der Keytar untergebracht, hier befinden sich der Power-On/Off samt Lautstärkeregler sowie die zwei Potis und der Schieberegler für die Sound- und Effektauswahl sowie die Effekt-Einstellungen.

yamaha sonogenic shs 500

Der Rest der Bedienelemente befindet sich klassischerweise am Hals der Keytar, also genau da, wo die nicht-spielende Hand die Keytar hält. Ein erstes Lob heimst die SHS-500 für ihr 2x 32 Zeichen LC-Display ein, das ungemein scharf abbildet und zur Anzeige der Sounds, Parameter und Akkorden dient. Direkt am Griff hat Yamaha die Steuerungstasten für den Player, Sustain- und Jam-Taste, Oktavierungs-, Transpositionsfunktion- und Exit-Tasten sowie Pitchbend und Modulationsrad untergebracht.

Alles ist beim Einsatz der Keytar gut zu erreichen und schnell zu bedienen. Die wichtigsten Funktionen lassen sich während des Spielens sofort ak-/deaktivieren, editieren oder auswählen, für die tiefergehenden Funktionen muss man sich ins Menü begeben, das sehr leicht verständlich und gut aufgebaut ist. Das beiliegende Handbuch sollte man sich für bzw. vor dem ersten Einsatz bereithalten, danach kann man es getrost im Schrank verstauen.

yamaha sonogenic shs 500

Sounds der Yamaha Keytar

Die Keytar SHS-500 bietet 30 Preset-Sounds, die auf Yamahas AWM-Stereo-Sampling beruhen. Die maximale Polyphonie liegt bei 48 Stimmen. Der Fokus der Keytar liegt auf Lead- und einigen Bass-Sounds, Yamaha hat hier aber auch Pianos, Blasinstrumente, Gitarren, Streicher und sogar zwei Drumkits untergebracht. Ausgewählt werden können die Presets über das Poti am unteren Ende der Keytar. Da dies sehr leichtgängig ist und man als Keytarist zusammen mit Sänger/in, Gitarristen und Bassisten über die Bühne springen will, mag ich nicht ausschließen, dass es hier schnell zu ungewollten Sound-Verstellungen kommen kann. Hier hätte auf alle Fälle ein Poti mit mehr Widerstand oder ein gerastertes Poti Abhilfe geschafft.

yamaha sonogenic shs 500

Neben den weiter oben genannten Anschlüssen zur Ausgabe der Keytar-Sounds bietet die SHS-500 einen internen Lautsprecher. Dieser ist aber so klein dimensioniert, dass er nur abseits der Bühne, beispielsweise zum Vorhören der Sounds, dienlich ist.

Die Klangqualität der Presets ist gut. Einige Sounds wie Quack Lead, der DX Bass und die Harmonica stechen positiv hervor, aber ansonsten bekommt man hier solide Yamaha-typisch gute Qualität geboten. Nicht mehr, nicht weniger. Schade ist, dass sich die Sounds, abgesehen von den Effekten, in keiner Weise bearbeiten lassen. Das hätte die Keytar auf alle Fälle aufgewertet, so bleibt es leider bei den 30 Preset-Sounds. Immerhin lässt sich Portamento aktivieren, so dass passende Lead-Sounds auf Wunsch und mit einstellbarer Portamento-Zeit von Ton zu Ton gleiten können.

yamaha sonogenic shs 500

Einsatz der Effekte

Grundsätzlich bietet die Keytar die vier zuschaltbaren Effekte Filter, Dynamics, Reverb und Chorus. Als fünfte Wahlmöglichkeit steht Other zur Verfügung, hier hat Yamaha weitere Effekte versammelt wie Distortion, Tremolo, Rotary usw. Die Effekte sind in ihren Eigenarten fest, es lässt sich nur die Intensität des Effekts steuern.

Da die Keytar keine Registrierungen/Setup-Speicherplätze bietet, wird bei jedem neuen Aufruf eines Sounds automatisch der von Yamaha programmierte Effekt aktiviert. Möchte man für seine abendliche Live-Performance den Lead-Sound aber ohne Chorus spielen, dafür aber mit Distortion, bleibt einem nichts anderes übrig, als kurz vorher den Sound auszuwählen und die Effekte manuell abzuschalten bzw. auf einen anderen Effekt umzuschalten – inklusive weiteren Einstellungen wie Transposition/Oktavierung etc., in der Hoffnung, dass man während des Einzählers des Schlagzeugers auch alles richtig erwischt.

So interessant das Konzept und der Preis der Yamaha Keytar auch sind, einige Punkte lässt Yamaha hier schon liegen und macht es seinen Kunden unnötig schwer, schade.

yamaha sonogenic shs 500

Jam Modus und Chord Tracker App

Aktiviert man an der Keytar den Jam Modus, kann man live zu einem von drei Demo-Songs spielen. Entweder gänzlich frei und sich somit solistisch voll austoben oder man bittet die Keytar um Hilfe, so dass stets die passenden Skalen-Töne oder weitere Töne bei Begleit-Patterns hinzugefügt werden. Die Keytar zeigt dazu die passenden Akkorde der Demo-Songs an.

Etwas weiter geht es mit der App Chord Tracker, die kostenlos für iOS- und Android-Devices erhältlich ist. Hierüber lassen sich die eigenen Lieblingssongs harmonisch analysieren, die App ist also nicht nur für Keytaristen interessant, sondern kann auch beim Raushören von Akkorden eine gute Hilfe sein. Hat die App einen Song analysiert, lassen sich die Akkorde passend zur Wiedergabe des Songs auf dem Display der Keytar anzeigen, so dass man hierzu wiederum solieren und spielen kann. Eine gute Idee und eine tolle App.

yamaha sonogenic shs 500

Fazit

Yamahas neue Keytar SHS-500 greift das Keytar-Konzept gekonnt auf und fügt diesem aktuelle Funktionsstandards wie App- und Bluetooth-Unterstützung hinzu. Die Optik und die Verarbeitung stimmen, auch die Bedienung ist kinderleicht. Dazu zeigt sich die Sonogenic Keytar anschlussfreudig, auch klassische MIDI-DIN-Verbindungen sind möglich.

30 Preset-Sounds bietet die Keytar und deckt damit das rudimentäre Einsatzgebiet ab. Für meinen Geschmack hätten es aber gerne ein paar weitere Sounds und/oder Bearbeitungsmöglichkeiten sein dürfen. Dazu ist es schade, dass die Keytar keine Speicherplätze für Lieblingssounds samt Effekten und weitergehenden Einstellungen bietet, das erschwert den Live-Einsatz unnötig.

Plus

  • Optik/Verarbeitung
  • Bedienung
  • Display

Minus

  • keine Registrierungen/Speicherplätze
  • sehr leichtgängiges Poti zur Auswahl der Sounds

Preis

  • SHS-500 (schwarz): 229,- Euro
  • SHS-500 (rot): 259,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    bobs world  

    Generell eine gute Idee mit einem kompakten Umhängekeyboard aufzutrumpfen.
    Die verkleinerte Klaviatur kann manch einem Musiker Probleme bereiten, wenn man es nicht gewöhnt ist, da bei diesem Konzept blindes Spielen notwendig ist.
    Ansonsten cooles Teil. Wäre noch besser wenn man dafür andere/eigene Sounds nachladen könnte. Aber ohne Limitierung kommt inzwischen kein Hersteller daher.

  2. Profilbild
    Hein Bloed  

    Was hat Yamaha wohl geritten, dem Instrument bloß 30 (!) Presets zu geben? Jedes Billig-Keyboard um 100 Euro hat mehr Sounds im Angebot.
    Wirklich sinnvoll wäre so ein Teil mit austauschbaren Soundmodulen unterschiedlicher Stile, die man am Computer editieren könnte.
    Wenn man dieses Teil Kindern geben würde, würden die vermutlich nach ein paar Stunden das Interesse verlieren. Insofern passt die in den Werbevideos angepeilte Zielgruppe wie die Faust aufs Auge.

  3. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Ich hatte mal so ein Ding, das sah ähnlich aus — allerdings mußte man da an einem Ende reinpusten, damit am anderen ein „Tut!“ rauskam…

  4. Profilbild
    Murano

    Mein rund 35-jähriger, analoger Korg Poly800 kann man auch als Keytar verwenden, hat aber mehr als doppelt so viele Sounds an Bord…

    Als Gag-Instrument zum zweistelligem Preis wäre das für mich so, wie es Yamaha nun bringt, ok.

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