Vergleichstest: Günstige Kopfhörer von AKG, Audio Technica, Behringer, Mackie, Shure

17. Februar 2020

Wie klingen Kopfhörer für unter 100,- Euro?

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Günstige Kopfhörer von AKG, Audio Technica, Behringer, Mackie, Shure

Nicht jeder will eine Abhöre, die braucht Platz und der Raum muss passen. Auch des Nachts oder in Mietshäusern sind Studiokopfhörer durchaus sinnvoll. Doch muss es immer der hochpreisige Bolide sein oder taugen auch günstige Vertreter dieser Gattung? Das wollten wir herausfinden und haben fünf Modelle genauer untersucht, die unter 100,- Euro kosten und sich im Einstiegsbereich befinden.

Will man einen Kopfhörer konstruieren, sind Entwicklungskosten und Materialwahl treibende Faktoren. Je weniger Kompromisse gewünscht sind, umso teurer wird es und hochpreisige Produkte sind eher weniger gefragt und müssen sich von der Masse abheben. Günstige Kopfhörer gab es zwar auch früher schon, dann allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Heute sind einst bekannte Marken als Divisionen in große Konzerne aufgegangen und die Globalisierung sorgt für tendenziell bessere Produkte für weniger Geld, auch von neuen Herstellern. Dabei sind Ausstattungsmerkmale, wie wechselbare Polster oder abnehmbare Kabel, durchaus kein Luxus mehr. Die Auswahl erfolgte beliebig, wobei der Preis die 100-Euro-Marke unterschreiten sollte und wir uns meist für die kleineren Modellvarianten entschieden haben. Der Shure SRH440 oder Audio-Technica ATH-M40 X hätten im Vergleich zum Mackie MC-250 von der Ausstattung besser gepasst, aber wir wollten schauen, ob es auch günstiger geht.

Testumfeld

Die fünf Modelle AKG K-271 MKII, Audio-Technica ATH-M30 X, Behringer HPS5000, Mackie MC-250 und Shure SRH240 kosten zwischen 16,- und 95,- Euro. Alle Modelle sind geschlossen und unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander. Sie dichten im Idealfall gut ab und lassen den Schall nicht nach außen durchdringen. Der Träger hört dabei auch die Umgebungsgeräusche im Idealfall kaum, dafür mitunter den eigenen Körperschall. Durch die geschlossene Kammer können sich tiefe Frequenzen tendenziell besser durchsetzen und beim Recording kann man sich ungestört mithören. Sie sind für Instrumentalisten geeignet oder auch fürs Projektstudio, wenn man sich das Büro mit Kollegen teilen muss. Dichten sie aber nicht gut ab, gibt es einen hörbaren Bassabfall, denn die Energie verpufft im Raum.

AKG K-812

Offene Kopfhörer lassen hingegen den Schall in beide Richtungen durch und wirken eher wie Lautsprecher am Kopf. Das führt besonders bei schräg stehenden Treibern zu einer guten Räumlichkeit und Tiefenstaffelung, dafür verlieren sich tiefe Frequenzen konstruktionsbedingt eher im Raum, sie klingen also tendenziell schlank. Halboffene Systeme versuchen, beide Vorteile miteinander zu verbinden und wären die dritte Kategorie.

Für alle getesteten Kopfhörer gilt, dass sie entweder das Ohr umschließen oder auf dem Ohr aufliegen. Sie kommen alle mit schraubbaren Adaptern von 3,5 auf 6,35 mm TRS-Klinke und die Polster sind aus Kunstleder gefertigt. Unterschiede gibt es bei den Kabeln, manche kommen mit geraden Zuleitungen, andere nutzen Spiralkabel. Diese sind zwar zunächst kürzer, lassen sich jedoch lang ziehen. Eine Ausnahme ist der AKG K-271 MKII, der als einziger im Test wechselbare Velourspolster und zwei Kabel mitliefert. Alle Modelle verfügen über gerade Muscheln, die sich horizontal, aber nicht vertikal kippen lassen.

Behringer HPS5000 1

Unterschiede gibt es bei der Größe der Ohrpolster, bis auf den HPS5000 sind alle ohrumschließend. Über abnehmbare Kabel verfügen nur der Mackie MC-250 und der AKG K-271 MKII, bei Letzterem erfolgt die Kopfbandverstellung automatisch. Vier Kopfhörer führen das Kabel linksseitig, einzig der Shure SRH240 nutzt eine beidseitige Kabelführung.

Betrachten wir zunächst die verschiedenen Modelle im Vergleich, im Praxisteil schauen wir uns die einzelnen Kopfhörer genauer an. Als Referenz dienen mir der AKG K-812 und der Beyerdynamic T 5 p, wobei der AKG als offener Kopfhörer lediglich als Klangreferenz dienen soll. Einen Seitenblick werfe ich auf den Roland RH-5, der sich mit 29 Euro gut ins Testfeld einreiht und für elektronische Instrumente wie E-Drums konzipiert wurde. Gehört habe ich sie am DAC Topping DX7s, am Entertainer-Keyboard Korg Pa1000 und das Motorola One Vision soll für den mobilen Einsatz exemplarisch dienen. Von technischen Angaben halte ich an dieser Stelle wenig, denn ich machte schon öfter die Erfahrung, dass sich ein Kopfhörer praktisch anders verhält, als es theoretisch sein müsste. Das verwundert mich nicht, sind es doch komplexe Schallwandler, die jeden Zuspieler und Verstärker individuell fordern. Ein Beispiel ist der K-271 MKII, der trotz relativ geringer Impedanz leiser aufspielt.

Ausstattungsmerkmale der Kopfhörer

Wohl als schlicht kann man den Behringer HPS5000 bezeichnen, der in einer einfachen Pappschachtel mit Klarsichtfenster geliefert wird, am Schwierigsten wieder zu verpacken ist der K-271 MKII. Shure hat die glatten Außenseiten seines SRH240 mit Folie beklebt, die ich der Einfachheit halber nicht abziehe. Mackie und Audio-Technica verpacken ihre Kopfhörer sehr ansprechend und legen als einziges Kunstlederbeutel zum Verstauen dazu. Es sind auch die einzigen Kopfhörer, die sich etwas kompakter zusammenfalten lassen, indem die Muscheln in das Kopfband geklappt werden. Alle anderen sind eher nicht portabel, der Behringer HPS5000 bietet das flachste Profil.

Vom Sitz ist er allerdings nicht unkritisch, die auf dem Ohr aufliegenden Polster dichten nicht gut nach unten hin ab. Grund dafür ist die starre Befestigung am Kopfband, die zu wenig horizontales Spiel zulässt. Dadurch wird die Schallkammer entlüftet und die tiefen Frequenzanteile fallen ab. Der Shure SRH240 sitzt gut, wenn man sich etwas Zeit bei der Einstellung nimmt. Dies sind natürlich rein subjektive Empfindungen, denn jeder Kopf ist anders und so auch der Sitz, gefühlter Anpressdruck und Langzeittauglichkeit. In Verbindung mit der starren Konstruktion fiel mir der HPS5000 etwas negativ auf, der SRH240 saß zu Anfang auch nicht ganz optimal. Auf der anderen Seite sitzt der Mackie MC-250 eine Idee vor dem Audio-Technica und AKG angenehmer. Die großen Ohrmuscheln des AKG K-812 erreicht er nicht, auch der T 5 p von Beyerdynamic lässt noch ein bisschen mehr Raum.

AKG K271

Bei geschlossenen Kopfhörern übertragen sich Geräusche durch das Kabel und Spiel bei den Polstern gut auf das Gehör, Kunststoffteile sind hier etwas von Nachteil. Je höher der Anpressdruck ist, umso mehr dichten sie tendenziell ab. Anfangs auch nicht unproblematisch war der AKG K-271 MKII, das Knarzen der Polster ließ allerdings im Verlauf nach, nicht aber die Reibungsgeräusche des Kabels an der Kleidung. Die beidseitige Kabelführung des Shure SRH240 wirkt sich entsprechend positiv aus, es ist auch das dünnste. Beim Behringer HPS5000 ist das Kabel direkt an der Außenkappe angebracht, auch das sorgt für wenig akustisches Eigenleben. Beim Drehen des Kopfes gibt es durch die Wangenknochen leichtes Spiel, so dass sich die Muscheln etwas verschieben können. Hier hatte es der Shure SRH240 schwerer, weil er zunächst nicht vernünftig sitzen wollte. Der K-271 MKII bietet ausreichend Platz und kann nicht den Komfort des K-812 erreichen, Gleiches gilt für den Mackie MC-250, der vom Tragekomfort nahe an den T 5 p von Beyerdynamik heran reicht.

Audio-Technica ATH-M30 X 1

Die Außengeräusche unterdrückt der ATH-M30 X am besten, kurz darauf folgt der SRH240 und den dritten und vierten Platz teilen sich der MC-250 und K-271 MKII. Es überrascht mich wenig, dass der HPS5000 in diesem Fall das Schlusslicht bildet, so sind die Ohrpolster zu klein und schmiegen sich nicht optimal an die Außenohren. Die Kopfbandverstellung ist bei allen gut, beim MC-250 etwas schwammig, der ATH-M30 X bietet als Einziger eine Metallverstellung. Die Ohrmuscheln sind alle horizontal neigbar, über die vertikale Achse sind sie bis auf den SRH240 und HPS5000 immerhin etwas beweglich. Für den Shure und Behringer wirkt sich das entsprechend auf den Sitz aus, auch wenn man sich gemessen am Preis daran gewöhnen kann.

Klangvergleich

Toppinc DX7s und Beyerdynamic T 5 p

Im ersten Durchgang habe ich alle Kopfhörer nacheinander am Topping DX7s angeschlossen und mit hochauflösender Musik verschiedener Genres beschickt. Klanglich mit dem Beyerdynamic T 5 p als Referenz gefällt mir der Mackie MC-250 gefolgt vom Audio-Technica ATH-M30 X am besten, der allerdings die Randbereiche stärker betont. Der K-271 MKII klingt zwar recht unaufgeregt und plastisch, allerdings im mittleren Frequenzbereich etwas undifferenziert, das macht der K-812 deutlich besser. Der Shure SRH240 klingt zwar keineswegs schlecht, aber in diesem Vergleich kann er sich nicht ganz gegenüber dem K-271 MKII behaupten und betont im Gegensatz zum ATH-M30 X die Mitten etwas stärker. Der HPS5000 ist nicht nur der günstigste, sondern kann mich vom Klang und Sitz beim reinen Musikhören und Beurteilen leider nicht überzeugen, dafür erweckt er in mir Retro-Charme.

korg pa1000

Am Korg Pa1000 ist weniger wichtig, wie authentisch sie klingen, sondern ob ein positives Gefühl beim Spielen aufkommt. Hier hat mir der K-271 MKII in Verbindung mit kurzem Kabel und Velours am besten gefallen, wären da nicht die anfänglichen Übertragungsgeräusche der Polster gewesen. Im Zuge der Nutzung hat sich dies etwas gebessert und daher empfinde ich ihn als praktisch, auch wenn die Kabelgeräusche schon gut hörbar sind. Der schlankere Tieftonanteil fällt hier weniger stark auf, im mittleren Frequenzbereich macht er sich hingegen gut. Der Mackie MC-250 bringt auch hier das gesamte Klangspektrum besser rüber, aber auf das gerade, drei Meter lange Anschlusskabel tritt man auch gerne mal drauf.

Für E-Drums ist das natürlich besser, so kreuzt es nicht den Aktionsradius. Für elektronische Instrumente mit ihren eher unzureichenden Kopfhörerausgängen sind daher andere Kriterien wichtig. Das Korg Pa1000 verfügt über eine digitale Lautstärkeregelung, weshalb sich ein statisches Grundrauschen je nach Modell im Hintergrund bemerkbar macht.

shure srh240

Der Audio-Technica ATH-M30 X fördert dieses eher zu Tage, bei den anderen war das eher unkritisch. Hier hat mich sogar der Behringer HPS5000 am ehesten überzeugt, leichte Bauweise und Spiralkabel ist eine gute Kombination. Das gilt auch in Verbindung mit dem RODE RODECaster Pro, für das Monitoring der Aufnahme ist das Gebotene absolut ausreichend und selbst bei voll aufgedrehtem Pegel mit Drehen der Ohrmuschel in Richtung RODE NT1000 gab es in der ISOVOX V2 keine Rückkopplungen oder störendes Übersprechen. Der ATH-M30 X und SRH264 eignen sich für vielfältige Zwecke, wobei der Shure auch wegen des dünnen Kabels etwas leichter zu verstauen ist. Vor allem die etwas mittenbetonte Abbildung könnte im Bühnenalltag sogar ein Vorteil sein. So sind am Instrument die hervorstechenden Höhen des ATH-M30 X eher störend, besonders bei etwas höherer Lautstärke.

Mackie MC-250 1

Am Moto One Vision konnten sich alle bis auf den AKG K-271 MKII in der Lautstärke gut beweisen, dieser war mir nämlich doch etwas zu leise. Dabei zeigt er sich auch kritischer bei geringerer Verstärkerleistung, das merkt man in einem schlankeren Bassfundament. In diesem Fall konnte mich der Shure SRH240 gerade wegen seiner nicht ganz so analytischen Wiedergabe bei komprimierter Musik überzeugen, man würde das als warmen Klangcharakter bezeichnen und die Höhenabbildung war am Smartphone etwas besser als an den anderen Zuspielern. Auch der Behringer HPS5000 konnte Artefakte besser verzeihen und ich denke, an manch teurere In-Ears, spielt der Behringer klanglich besser und nicht kreischend auf. Der Audio-Technica ATH-M30 X macht aufgrund seiner Abstimmung etwas mehr Spaß, obwohl mir persönlich der Hochtonanteil etwas zu spritzig klingt. In den folgenden Einzelbesprechungen geht es primär um praktische Vor- und Nachteile, die sich im Test ergeben haben.

Mackie MC-250

Mackie MC-250 2

Mein Gesamtsieger in diesem Vergleich ist der MC-250, Mackie hat mit seinem Erstlingswerk alles richtig gemacht. Anfang vergangenen Jahres konnte ich ihn direkt mit dem MC-150 vergleichen, dessen Abstimmung etwas mehr HiFi ist und die Randbereiche deutlicher betont. Direkt nach dem Aufsetzen hatte er mich damals sofort begeistert, einzig ein kürzeres oder Spiralkabel hätte ich mir gewünscht. Hier kommt der Mackie MC-350 ins Spiel, möglicherweise sind die dort beiliegenden kurzen Kabel mit 120 cm passend und als Zubehör erhältlich. Der Sitz ist bequem, die Klangsignatur erstaunlich gut und die Höhen ausgewogen. Durch die einklappbaren Muscheln und die beiliegende Tasche ist er zudem transportabel, die schwammige Kopfbandverstellung hält zwar gut, ist aber undefiniert und eigentlich der größte Nachteil. Mit knapp unter 100 Euro markiert er mit dem AKG K-271 MKII das obere Testfeld.

Der MC-250 wiegt 265 Gramm und die Treiber haben einen Durchmesser von großzügigen 50 mm. Der Frequenzbereich wird mit 8 Hz bis 20 kHz angegeben und die Impedanz von 32 Ohm macht ihn auch für Mobilgeräte tauglich, Mackie gibt eine Empfindlichkeit von 100 dB an, das Kabel wird über eine Klinke mit Bajonettverschluss am linken Ohrteil befestigt.

Audio-Technica ATH-M30 X

Audio-Technica ATH-M30 X 2

Die X-Modelle haben schon vor längerer Zeit ihre Vorgänger abgelöst und sind in Teilen auch als Bluetooth-Version (XBT) erhältlich. Dabei bewirbt der Hersteller, dass sich seine Kopfhörer mehr in der Ausstattung als klanglich unterscheiden sollen, was bis zum ATH-M50 X auch zutreffen könnte. So verwendet der ATH-M30 X als zweitkleinstes Modell ähnliche Treiber mit Neodym-Magnetsystem und CCAW-Schwingspulen mit einem jedoch etwas geringeren Durchmesser von 40 mm. Die Impedanz wird mit 47 Ohm und der Frequenzgang von 15 Hz bis 22 kHz bei einem Schalldruckpegel von 96 dB angegeben. Das gerade Kabel ist drei Meter lang und fest verlötet, der Kopfhörer wiegt ohne Kabel 205 Gramm.

Geliefert wird er inklusive Tasche und Adapter im aufgeräumten Karton und erinnert vom Aufbau doch sehr an den Mackie MC-250. Allerdings ist ein Direktvergleich aufgrund der Preisdifferenz schwierig, hier hätte man eher den ATH-M40 X wählen müssen. Trotzdem ist die Verarbeitung tadellos, der Sitz ist gut und der Andruck ebenfalls. Klanglich tendiert er in Richtung HiFi und wäre besser mit dem MC-150 von Mackie zu vergleichen, die Höhen sind mir in Teilen etwas zu crisp und die Tiefen sind zwar präsent und knackig, aber wenig konturiert. Fürs Mixing sollte er daher nicht als Referenz für untere Fußlagen eingesetzt werden und ist sicher eher ein Spaßhörer für EDM und unterwegs.

AKG K-271 MKII

Der ehemalige Traditionshersteller hat viele Kopfhörer im Programm, da kann man sich schon fragen, wozu eigentlich und die Politik mit den Dauertiefpreisen ist für die Auswahl nicht förderlich. So hätte mich persönlich ein Vergleich zum K-240 der neueren Generation interessiert, der mich als Jugendlicher begeistert hat. Während mich der AKG K-702 als offener Kopfhörer eine Zeit lang begleiten konnte, war ich auf den K-271 MKII gespannt. Wirkliche Begeisterung wollte zunächst nicht aufkommen, da wären die anfänglichen Geräusche von Kabel und Polstern zu erwähnen sowie die schlankere Abbildung im Bassbereich. Die klassisch biedere Form ist Geschmackssache, immerhin ist die automatische Kopfbandverstellung besonders für unterschiedliche Träger sehr unkompliziert und die Polster lassen sich austauschen und reinigen. Weiterhin stehen auf der Habenseite die beiden Kabel, drei Meter gerade und fünf Meter gewendelt, die sich über den Mini-XLR-Stecker schnell tauschen lassen. Wem Kunstleder und Velours nicht zusagen, kauft einfach die Gelpolster nach. Die Ersatzteilversorgung ist somit ein Plus bei AKG, der UVP mit 160 Euro würde außerhalb unserer Vorgaben liegen, wäre da nicht der aktuelle Preis von 89 Euro.

AKG K-271 MKII Umbau

Technisch ist die Abschaltautomatik eine ebenso praktische Funktion. Ein Mikroschalter sitzt oberhalb der linken Muschel am Kopfband und wird durch den Federzug der Verstellung gedrückt, wenn man ihn absetzt. Das vermeidet im Aufnahmeraum unschöne Rückkopplungen. Ist er aufgesetzt, dichtet er mit den Velourspolstern nicht ganz so gut ab und die metallenen Kappen sind eher Show und täuschen über das Kunststoffgehäuse hinweg. Der K-271 MKII ist keineswegs ein schlechter Kopfhörer und als HSC-271 auch als Headset erhältlich, durch das Gehäuse ist er jedoch auch der gefühlt schwerste und größte im Testfeld.

AKG K-271 MKII Velours und Spiralkabel

Den Übertragungsbereich gibt AKG zwischen 16 Hz und 28 kHz an, den Kennschalldruck mit 104 dB und die Nennimpedanz mit 55 Ohm. Ohne Kabel wiegt der K-271 MKII 239 Gramm, welch Überraschung, ich hätte ihn schwerer eingeschätzt. Empfehlen würde ich ihn als Allrounder, vorzugsweise dann, wenn verschiedene Träger ihn nutzen sollen. Fürs Recording ist die Abschaltautomatik hervorzuheben und für Anwender, die nicht wissen, welches Polstermaterial sie bevorzugen. Die Verstrebungen über dem Plastikkopfband sind typisch AKG und lassen ihn eher unhandlich wirken, allerdings kann man ihn daran auch gut aufhängen. Im Vergleich mit dem MC-250 sind die Mitten nicht ganz ausgewogen und im Gegensatz zum ATH-M30 X werden die Randbereiche nicht betont. Für kritische Abhörsituationen geht es zwar besser, aber für den groben Überblick ist das Gebotene wahrlich gut genug. Er braucht allerdings etwas Leistung, ansonsten wirkt der Bassbereich schlanker und hängt zudem vom Anpressdruck ab, der eine Idee hätte stärker ausfallen können. Dafür ist die räumliche Abbildung recht gut und von der Ausstattung bietet er am meisten.

Shure SRH240

Shure SRH240 2

Dem Hersteller Shure würde man in erster Linie vermutlich Mikrofone und Abtastsysteme zuschreiben, aber auch Kopfhörer sind ein fester Bestandteil im Sortiment. Wie bei Audio-Technica gibt es verschiedene Modelle, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Das Einstiegsmodell SRH240 klingt keineswegs schlecht, stellt allerdings die Höhen nicht ganz so in den Vordergrund. Zum Heraushören von Details fehlt es ihm etwas an Präzision, dafür liefert er mehr Wärme und ist vergleichsweise laut und gut für schwächere Verstärker geeignet. Das beidseitig geführte dünne Kabel und die glatten Kappen steigern meine Freude nicht ganz, denn man muss schon etwas ruckeln, bis er richtig sitzt. Hat man den Dreh allerdings raus, freut man sich über die gute Abdichtung und die vergleichsweise geringen Kabelgeräusche. Für den besseren Sitz hätte man die Aufhängung der Muscheln mit etwas vertikalem Spiel versehen sollen.

Shure gibt eine Impedanz von 38 Ohm und einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 KHz bei einer Dynamik von 108 dB an. Das beidseitig geführte Kabel ist gerade, 2 Meter lang und nicht abnehmbar, das Gehäuse wiegt ohne Kabel 235 Gramm. Die Abstimmung ist eher auf gute Sprach- und Instrumentenwiedergabe in lauterer Umgebung ausgelegt, das ist eher eine Einsatzorientierung und sehe ich daher nicht kritisch. Am Arbeitsplatz und zur exakten Beurteilung von Frequenzen wird man ihn vermutlich nicht einsetzen, an Instrumenten und schwachen Kopfhörerausgängen fühlt er sich jedoch wohl.

Behringer HPS5000

Behringer HPS5000 2

Irgendwie hatte ich überlegt, an was er mich genau erinnert. Entweder an den Sennheiser HD-25 der ersten Stunde, aber vom Kopfbügel mehr an den HD-424 – den mit den gelben Schaumstoffpolstern. Immerhin hat Behringer zum günstigen Preis einen robusten Hörer konstruiert, dessen ovale Ohrpolster allerdings nicht über das Ohr hinausragen. Die Muscheln sind auf das Kopfband aufgeschoben und je weiter die Stellung, umso größer wird der Winkel zum Ohr. Dadurch drückt er etwas ungleichmäßig und lässt die Energie in den Raum entweichen, kleinere Köpfe sind daher von Vorteil. Von der Abstimmung klingt er alles andere als ausgewogen, hier muss man aber klar den Preis berücksichtigen. Mit 16 Euro kostet er ein Zehntel des K-271 MKII, wenn man diesen zum Listenpreis erwerben würde.

Behringer hat den HPS5000 in Deutschland entwickelt und verspricht eine hohe Auflösung über den gesamten Frequenzbereich hinweg. Die hoch effizienten Kobaltkapseln mit 40 mm Durchmesser unterstützen einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz an 32 Ohm. Das Wendelkabel ist vermutlich um 2,5 Meter lang, dabei ist er der einzige mit einem Winkelstecker. Von HD kann zwar keine Rede sein, hier übertreibt es die Werbung, was gemessen am Preis nicht überrascht. Trotzdem kann der HPS5000 je nach Einsatzzweck durchaus genügen, dabei dürften sich als erstes die Polster verabschieden. Diese sind zwar abnehmbar, jedoch vermutlich nicht nachkaufbar. Vor 20 Jahren hätte man für den geringen Preis diese Qualität jedenfalls nicht bekommen, das gilt auch für den Klang. Der ist jetzt nicht die Stärke des HPS5000, wohl aber die robuste Verarbeitung und so kann man ihn gut auf Messen und Events, in Schulklassen oder anderen Bereichen einsetzen, wo Kopfhörer erfahrungsgemäß nicht lange halten. Er ist außerdem als Recording-Set mit einem U-Phoria-Interface und dem Mikrofon C-1 erhältlich. Für das Monitoring von Sprache ist er gut geeignet und hat als einziger einen Winkelstecker.

Außer Konkurrenz

Den Roland RH-5 könnte man noch am ehesten vergleichen, wenn auch die Abstimmung ebenfalls nur fürs Instrumentieren reicht und hinter dem SRH240 zurückfällt. Für den Mehrpreis im Vergleich zum Behringer bekommt man den besseren Tragekomfort und Tiefbass, in der Verarbeitung ist er dem Behringer sogar unterlegen. Vergleiche ich den K-812 mit dem K-271 MKII, sind die Unterschiede schon deutlicher, man bekommt doch viel mehr Klang und Verarbeitung fürs Geld. Gleiches gilt für den Beyerdynamic T 5 p, der als geschlossener Vertreter durchaus besser vergleichbar ist. Für mehr Geld bekommt man deutlich robustere Produkte, aber man kann mit einem günstigen Kopfhörer einfach vorsichtiger umgehen und trotzdem Spaß haben. Steht man vor der Entscheidung, ob gute Studiomonitore oder lieber einen Kopfhörer, wird man bei gleichem Budget immer den besseren Kopfhörer bekommen. Im unteren Preisbereich gilt, dass verschiedene Modelle ihre Vor- und Nachteile mitbringen und der Klang nicht das einzige Kriterium sein muss. So ist der Behringer HPS5000 für mich genau der richtige Kopfhörer zum Überwachen von Sprachaufzeichnungen.

Fazit

Dieser Vergleich zeigt sehr schön, wie Kompromisse von den Herstellern im unteren Preisbereich abgebildet werden. Für mich klarer Sieger ist der Mackie MC-250, der von ganz unten bis oben recht ausgewogen klingt, sich angenehm und ohne störende Nebengeräusche tragen lässt und das lange Kabel ist abnehmbar. Tasche und einklappbare Muscheln machen ihn überdies transportabel.

Bei den anderen Modellen fällt es mir etwas schwerer, auch wenn der Behringer MPS5000 trotz nostalgischer Anmutung höchstens fürs einfache Monitoring von Sprache und Instrumenten taugt. Geschlossen kann man ihn kaum nennen, so hätten die Muscheln etwas größer sein und mehr Spiel haben müssen. Zwischen dem Behringer und Mackie liegen allerdings auch 80,- Euro, so dass man für einen MC-250 schon eine ganze Gruppe mit einem Satz MPS5000 ausstatten könnte.

Für wechselnde Köpfe ist der AKG K-271 MKII eine gute Wahl, der anpassbar ist und allenfalls etwas schlank klingt.

Wem Bässe und Höhen wichtig sind, findet im Audio-Technica ATH-M30 X eine faltbare Alternative, der Shure SRH240 ist hingegen etwas mittenbetont und für Geräte mit schwächeren Ausgängen gut geeignet.

Die Vor- und Nachteile sind aufgrund der unterschiedlichen Konstruktionen schon deutlich und so hängt es davon ab, was der Anwender sucht. Immerhin bieten alle Hersteller Alternativen im selben Preisbereich an, so dass die Qual der Wahl nicht leichter wird.

Plus

  • alle Kopfhörer haben unterschiedliche Schwerpunkte
  • Gesamtsieger ist der MC-250
  • der ATH-M30 X ist ein guter, portabler Spaßhörer
  • viel Ausstattung beim K-271 MKII
  • gute Dichtung beim SRH240
  • der HPS5000 ist preiswert und robust

Minus

  • etwas schwammige Kopfbandverstellung beim MC-250
  • Bässe und Höhen etwas überpräsent beim ATH-M30 X
  • der K-271 MKII ist nichts für Mobilgeräte und braucht etwas Leistung
  • der SRH240 ist eher mittenlastig und nicht besonders scharf in der Abbildung
  • der HPS5000 dichtet nicht gut ab und klingt auch nicht besonders

Preis

  • Mackie MC-250: 95,- Euro
  • Audio-Technica ATH-M30 X: 59,- Euro
  • AKG K-271 MKII: 88,- Euro
  • Shure SRH240: 49,- Euro
  • Behringer HPS5000: 16,- Euro
Forum
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      mdesign  

      ja, unbedingt. der sony MDR-7506 ist mein persönlicher favorit. und bei vielen professionellen tonleuten im einsatz. abhörpräzision für eur 99.

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        AMAZONA Archiv

        Der Sony hat m.M.n. einen undifferenzierten Bassbereich, bei dem einzelne Kicks und Attacks bei Bassläufen vollkommen untergehen. Nix für den Mix. Merkt man natürlich nur wenn die Möglichkeit besteht ein paar Modelle von verschiedenen Herstellern durchzuhören.

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    calvato  

    ich selbst hab 2 paar offene Superlux HD-681 mit velour earpads, kosten insgesamt pro stück keine 30.-
    meine ohren sind nach 35 jahren rockmusik definitiv zu schlecht um einen gravierenden unterscheid zu den 250€-AKGs meines kumpels zu hören. dazu muss man sagen, dass ich nicht über kopfhörer mischen würde, nur aufnehmen & musikhören. dafür genügen mir die allemal.
    ich habe wenig erwartet als ich sie gekauft habe und war extrem positiv überrascht

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      AMAZONA Archiv

      Ich war überrascht vom KRK KNS 8400. Sind aber schon unverschämte 120€. (Ironie aus)

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    rio  

    Für mich ist das Tragekomfort schon eins der wichtigsten Kriterien ;) Wenn die Muschel nicht angenehm sitzt ist der Rest meist schon egal…

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      Hein Bloed  

      Sehe ich auch so. Ich benutze noch einen alten AKG 240 Studio (Made in Austria), aber nach einer Weile vor dem Rechner setze ich mir lieber den DT100 auf, obwohl der wirklich topfig klingt und eigentlich nur für das aufnehmen von Vocals gedacht war (super gut abgeschirmt). Das Ding ist sozusagen der Volvo unter den Kopfhörern.

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        rio  

        Müsste ich mich hier rein optisch zwischen den 5 Kandidaten entscheiden, würde ich die Audio-Technica ATH-M30 X bevorzugen…

        • Profilbild
          rio  

          muss mich korrigieren. Auch wenn der Mackie MC-250 nicht so aussieht, sitzt er mega bequem..

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