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Workshop: Gitarrenaufnahme mit dem Bändchenmikrofon

20. Januar 2022

Das Bändchen als Alternative zu Kondensator- und Tauchspulenmikrofon

Workshop: Gitarrenaufnahme mit dem Bändchenmikrofon

Wie klingen Gitarrenaufnahmen mit dem Bändchenmikrofon? Was ergibt der Vergleich mit einem Kondensatormikrofon und einem dynamischen Mikrofon? Unser Workshop enthüllt das Rätsel.

Als mir der DHL-Bote das günstige Bändchenmikrofon der Thomann-Eigenmarke the t.bone übergab, war ich neugierig. Natürlich kenne auch ich die Lobeshymnen, die nicht nur von Staringenieuren auf Bändchenmikrofone wie dem Coles 4038 gesungen werden. Knapp 1300 Euro muss man für dieses Modell auf die Ladentheke legen. Nun verspricht Thomann ein ähnliches Klangerlebnis für deutlich unter 200 Euro. Kann das klappen? Und was ist überhaupt dran am Mythos Bändchen, was gerade für Gitarrenaufnahmen als Geheimtipp gehandelt wird? Mehr erfahrt ihr hier.

Alles hat seine Zeit – Bändchenmikrofone heute

Es ist schon eine seltsame Sache mit der Zeit. Ich habe meine Ausbildung zum Audio Engineer an der SAE Köln in den 90er-Jahren abgeschlossen. Damals noch, in der guten alten Zeit mit analoger Technik, riesigen Bandmaschinen und noch größeren analogen Studiopulten von Neve oder Amek. Damals, als Pro Tools noch auf NuBus Powermacs lief und der Siegeszug in den Studios, den es wenige Jahre später antreten sollte, noch nicht absehbar war. Als Sounddesigner II von Digidesign als modernes Mastering Tool galt und S-Klasse Sampler von Akai sowie der Roland JV1080 in Verbindung mit MIDI-Interfaces und Macs die Basis von Musikproduktion darstellten. Es war zu dieser Zeit, dass Steinberg die erste Version von Cubase VST für den Mac vorstellte. Logic galt als Studiostandard und die Rasierklinge wurde öfter ans Band angelegt als der Mauszeiger an eine Wellenform auf dem Bildschirm. Ich erinnere mich noch an den Unterricht in Mikrofonie. Behandelt wurde nicht nur der richtige Einsatz von Mikrofonen, sondern auch die Geschichte der Mikrofonentwicklung. Dazu gehörten auch Bändchenmikrofone und Röhrenmikrofone. Diese wurden jedoch schnell abgehakt, denn es gab die Kondensatormikrofone und herausragende Tauchspulenmikrofone, mit denen eigentlich jedes Ziel zu erreichen war. Bändchenmikrofone und Röhrenmikrofone spielten keine Rolle und so waren zwar zahlreiche hochwertige Kondensatormikrofone und Tauchspulenmikrofone im großen Fundus der SAE zu finden, nicht aber Bändchen- oder Röhrenmikrofone. Der Grund war auch ein ganz einfacher: Der häufig stark beschnittene Frequenzgang entsprach nicht mehr dem Zeitgeist, denn Bändchenmikrofone hatten den Ruf, nicht gerade „Hifi“-Sound zu produzieren.Wissen: Bändchenmikrofon, Funktion und Einsatzgebiete

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Moment einmal! Wie kann das denn sein? Bändchenmikrofone werden doch zu Preisen gehandelt wie Gold und gelten als die Geheimwaffe überhaupt, wenn es um die Abnahme von Gitarrenverstärkern geht oder auch für Background-Vocals oder Vocals allgemein.

Natürlich hat alles seine Zeit, aber das bedeutet nicht, dass es vergangen und abgeschlossen ist. So erleben wir seit geraumer Zeit einen regelrechten Analog-Boom. Was längst vergessen und abgehakt schien, kommt plötzlich zurück und Hersteller überschlagen sich geradezu darin, Produkte in analoger Bauweise auf den Markt zu bringen, obwohl das digital doch viel einfacher und günstiger geht. Und hier liegt auch genau die Begründung, warum eine vermeintlich minderwertigere und bereits abgeschriebene Technik plötzlich wieder gefragt ist: Sie hat in der digitalen Welt plötzlich wieder eine Berechtigung und bereichert diese.

Von minderwertig zur Geheimwaffe

Doch wie kann das sein? Die Antwort ist ganz einfach: Ein auf Tonband aufgenommenes Signal besitzt automatisch einen  beschnittenen Frequenzgang. Im Vergleich zu einem digital aufgenommenen Signal (mit mindestens 44,1 kHz) besitzt es weniger Höhen. Hinzu kommt, dass auch damals übliche Rauschunterdrückungssysteme zwar prinzipiell die Dynamik der Bandaufzeichnung verbesserten, aber gleichzeitig auch einen Höhenverlust mit sich brachten. Der Frequenzgang analoger Mehrspurbandmaschinen war zudem von der Bandgeschwindigkeit abhängig. Die besonders höhenreich und detailreich klingenden Kondensatormikrofone waren deshalb das Mittel der Wahl, denn die Höhen wurden durch die Bandaufzeichnung ohnehin wieder sanft beschnitten.

Wissen: Bändchenmikrofon, Funktion und Einsatzgebiete

Die Bandaufzeichnung und die zunehmende Praxis von Overdubs inklusive des damit verbundenen Höhenverlusts waren nicht ganz unschuldig am Niedergang des Bändchenmikrofons. Auch haben sich die Hörgewohnheiten durch den höhenreicheren Hifi-Sound verändert

In den 70er-Jahren kam deshalb auch eine Gerätegattung in Mode, die heute kaum noch eine Rolle spielt: der Exciter. Dieser sollte dafür sorgen, dass die Höhen auch nach unzähligen Overdubs wieder frisch klingen, denn Produktionen wurden immer aufwändiger. In den 80er-Jahren verstärkte sich das Verlangen nach Höhen weiter, woran sicherlich die zunehmend genutzten Digitalsynths und Sampler nicht unschuldig waren. Bändchenmikrofone mit ihrem begrenzten Frequenzgang (beim Coles 4038 beträgt dieser zum Beispiel 30 Hz bis 15 kHz) waren vielen Tontechnikern schlicht zu dumpf, denn angestrebt wurde ja das Gegenteil: ein knalliger und offener Hifi-Sound.

Die analoge Bandaufzeichnung wurde in den Folgejahren durch digitale Bandmaschinen und schließlich das Harddisk-Recording verdrängt. Nun sagt man der digitalen Klangaufzeichnung oft fehlende Wärme und schneidende Höhen nach. Kein Wunder also, dass findige Tontechniker das wiederentdeckten, was längst verloren schien: analoge Technik und Bändchenmikrofone. So soll(te) wieder analoge Wärme in aktuelle Produktionen einziehen. Aus einem Geheimtipp wurde ein Trend: Ganze 48 Produkte listet Thomann in der Rubrik Bändchenmikrofone, teils zu schwindelerregend hohen Preisen. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Bändchenmikrofone lest ihr hier.

Funktionsweise von Bändchenmikrofonen

Bei einem Bändchenmikrofon schwingt ein sehr dünner gefalteter Aluminiumstreifen im Spalt eines Permanentmagneten. Durch die Schallwellen wird dieser Streifen ausgelenkt und in ihm ein Strom induziert. Wir haben es also mit einem dynamischen Mikrofon zu tun. Diese Spannung ist allerdings sehr gering, sodass sie von einem Übertrager stark erhöht werden muss. Auch die Impedanz wird durch diesen Übertrager an die sonstige Studioelektronik angepasst. Anders als bei einem Tauchspulenmikrofon ist die Membran sehr leicht, dünn und nicht rund. Das resultiert in einem sehr guten Impulsverhalten. Der Nachteil ist, dass Bändchenmikrofone sehr empfindlich auf Erschütterungen oder Strömungsgeräusche wie Wind reagieren. Die Membran ist zudem von beiden Seiten aus zugänglich. Bändchenmikrofone besitzen deshalb die Richtcharakteristik einer Acht.

Während Phantomspeisung einem Tauchspulenmikrofon nicht viel anhaben kann, gelten Bändchenmikrofone als sehr empfindlich diesbezüglich und könnten zerstört werden. Das ist nur eingeschränkt richtig, denn bei einer ordnungsgemäßen Verkabelung geschieht dem Bändchen nicht viel. Manch modernes Bändchenmikrofon filtert die 48 Volt und kann somit bedenkenlos an einem Mischpultkanal mit eingeschalteter Phantomspeisung betrieben werden. Bei Vintage-Modellen sollte man sich jedoch lieber vergewissern, dass diese ausgeschaltet ist. Eine defekte Verkabelung oder ein Kurzschluss beim Einstecken des Kabels kann sonst tatsächlich zu Beschädigungen führen. Sicher ist also sicher: Die Phantomspeisung sollte ausgeschaltet bleiben.

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Günstiges Bändchenmikrofon von the t.bone: RB 770

the t.bone RB 770 aktives Bändchenmikrofon

Tatsächlich habe ich deshalb das the t.bone RB 770 zunächst bei ausgeschalteter Phantomspeisung angeschlossen und mich dann allerdings darüber gewundert, dass kein Signal am Mischpultkanal anlag. Die Antwort liefert der „Beipackzettel“, denn wir haben es hier mit einem „aktiven Bändchen“ zu tun. Das the t.bone RB 770 besitzt eine aktive Verstärkerelektronik, die natürlich mit Strom versorgt werden will. Diesen Strom bezieht sie aus der Phantomspeisung des Mischpults. Für den Betrieb des the t.bone RB 770 muss die Phantomspeisung also unbedingt eingeschaltet sein. Der Vorteil eines solchen aktiven Bändchenmikrofons ist, dass der nachgeschaltete Mikrofonvorverstärker nicht so viel Gain liefern muss wie bei einem Vintage-Modell. So liefert zum Beispiel das Coles 4038 einen Übertragungsfaktor von gerade einmal 0,56 Millivolt pro Pascal. Hier muss ein Mikrofonvorverstärker schon ordentlich knechten. Aus diesem Grund gehören Zwischenglieder wie der berühmte Cloudlifter häufig zum Pflichtequipment für Bändchenmikrofone. Nicht jedoch beim the t.bone RB 770, denn dessen Signal wird ja bereits im Mikrofon entsprechend verstärkt. Es sollte also mit den Vorverstärkern der meisten Audiointerfaces und Mischpulte prima harmonieren, schließlich kommt hier ein Signal mit 11,2 Millivolt pro Pascal an.

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Die sehr gute Verarbeitung und das Design machen das the t.bone RB 770 zum Hingucker

Frequenzgang

Interessant ist der Frequenzgang, der von Thomann mit 20 bis 18.000 Hz angegeben wird. Für ein Bändchenmikrofon ist das ein sehr weiter Frequenzgang. Der Grenzschalldruckpegel wird mit 150 dB angegeben, genug also für den Einsatz am Schlagzeug oder vor sehr lauten Gitarrenverstärkern. Einen ausführlichen Test zu diesem interessanten Bändchenmikrofon lest ihr hier.

Bevor es an den Gitarrenverstärker geht, soll eine kleine Messung zeigen, was beim the t.bone RB 770 frequenzmäßig „abgeht“. Und tatsächlich reicht der Frequenzgang nach einem ersten Abfall bei 4 kHz und einem neuerlichen Einbruch bei 6,3 und 8,5 kHz wie von Thomann beschrieben bis 18 kHz und darüber hinaus. Interessant ist, dass die Rückseite sich eher wie von Bändchenmikrofonen zu erwarten zeigt: starker Einbruch ab 12 kHz. Eigentlich sollten sich beide Seiten identisch verhalten. Eine Ausnahme kenne ich nur vom Royer R-121, das durch eine nach vorne versetzte Membran auf beiden Seiten der „Acht“ unterschiedlich klingt und auf der Rückseite mehr Höhen liefert als auf der Vorderseite. Hier ist es genau umgekehrt.

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Vorder- und Rückseite besitzen einen unterschiedlichen Frequenzgang in den Höhen

Lineare Mitten

Typisch für ein Bändchenmikrofon sind die sehr linearen Mitten: Von 200 Hz bis 4 kHz sind keine großen Verfärbungen zu erwarten. Ideal für die Mikrofonierung eines Gitarrenverstärkers. Übrigens auch typisch ist die Bassanhebung unterhalb von 100 Hz. Bändchenmikrofone haben nämlich einen sehr ausgeprägten Nahbesprechungseffekt. Möchte man unbedingt Sprache oder Gesang damit aufnehmen (Tipp: Backing-Vocals), ist das zu beachten und ein entsprechend großer Abstand zu wählen samt Poppschutz.

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Bändchenmikrofone wie das the t.bone RB 770 werden besonders gerne zur Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern eingesetzt

Bändchenmikrofon vor dem Gitarrenverstärker

Bevor wir uns an den Vergleich mit einem Kondensator- und einem Tauchspulenmikrofon machen, soll das the t.bone RB 770 erst einmal einen Soloauftritt bekommen. Ein Engl Retro 50 Combo plus Fender USA Tele stehen für den ersten Test bereit. Gespielt wird zunächst eine stark verzerrte Rhythmusgitarre, dann mit dem gleichen Sound zwei kurze Sololinien. Die erste Linie besteht aus einem Arpeggio, dessen einzelne Töne per Tremolo-Picking angeschlagen werden. Hier ist vor allem die Attack-Phase interessant, die vom the t.bone RB 770 sauber wiedergegeben wird. Beim zweiten Solo sind es die länger ausgehaltenen Töne, auf denen das Augenmerk liegt. Die Tele liefert in Verbindung mit dem Combo und dem Bändchenmikrofon einen satten Sound mit viel Schmatzen beim Anschlag.

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Für den ersten Test wird das Mikrofon auf die Lautsprechermitte hin ausgerichtet.

Bändchenmikrofon, Kondensator oder Tauchspule?

Für den Vergleich habe ich drei verschiedene günstige Mikrofone ausprobiert. Das genannte Bändchen the t.bone RB770, das günstige sE X1S Kondensatormikrofon und den Tauchspulenklassiker Shure SM57. Alle drei Mikrofone wurden vor meinem Engl Retro 50 Gitarrenverstärker positioniert. Ausprobiert habe ich übliche Mikrofonpositionen direkt vor der Lautsprechermitte und am Rand des Lautsprechers. Gespielt wurde der Verstärker erneut mit einer Fender USA Telecaster sowie meiner alten Fender USA Strat aus den 80er-Jahren. Die Mikros wurden am Mischpult gleich eingepegelt und das Signal aller drei Mikrofone gleichzeitig aufgezeichnet.workshop-bändchenmikrofon-tbone-rb-770-gitarre-recording

Mikrofonierung der Lautsprechermitte

Wie verhält sich das the t.bone RB 770 Bändchen im Vergleich zu den zwei anderen Kandidaten, wenn es direkt auf die Mitte hin ausgerichtet wird? Der Klang ist verhältnismäßig weich und weniger  schrill, wie man es sonst von dieser Mikrofonposition her kennt. Vergleicht man das mit den anderen Mikrofonen, wird der Unterschied sofort deutlich (ab Klangbeispiel 09). Der Stegtonabnehmer liefert eine ordentliche Portion Höhen, die aber durch das the t.bone RB 770 Bändchenmikrofon stark abgerundet werden. Der Engl Verstärker ist bei der Aufnahme weit aufgerissen und liefert die leicht sägenden Höhen der Strat auch. Sehr gut zu hören sind die Unterschiede zwischen den drei Mikrofonen beim Klangbeispiel 10. Sehr interessant ist auch das Verhalten bei cleanen Gitarren-Sounds. Das Klangbeispiel 08 wurde ebenfalls mit einer Strat in der ersten Zwischenposition gespielt. Achtet mal auf den Attack und den weiteren Verlauf des cleanen Tons. Es sind besonders die Mitten und Bässe, die das Bändchen von den anderen zwei Mikrofonen abheben. Die abgerundeten Höhen machen sich vor allem bei den mit den Fingern angerissenen Tönen in der Attack-Phase des Klangs bemerkbar. Die Bässe treten bei der nahen Mikrofonierung stärker hervor und lassen den eigentlich recht drahtigen Sound der Strat etwas wuchtiger erscheinen als er eigentlich ist.

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Wie bei dieser Mikrofonposition zu erwarten, klingen das Shure SM57 und das sE X1S recht höhenbetont und aggressiver als das Bändchen, wenn alle Mikrofone auf die Mitte des Lautsprechers ausgerichtet sind

Bei den Distortion-Sounds klingt das Bändchenmikrofon beim ersten Anhören verhaltener als die beiden anderen Kandidaten (Klangbeispiel 11). Betont sind jedoch lediglich die Bässe. Zähmt man diese mit einem Low-Cut unter 100 Hz und hebt dann oberhalb von 3 kHz das Signal breitbandig an, gefällt mir das Ergebnis besser als das mit dem sE X1S Kondensatormikrofon oder dem Shure SM57 aufgezeichnete Signal. Das Klangbeispiel 14 spiegelt das wider.

Mikrofonierung am Lautsprecherrand

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Zum Lautsprecherrand hin ausgerichtet, wird das Klangbild aller Mikrofone ausgewogener und weicher

Interessant ist auch die Mikrofonierung am Rand des Lautsprechers. Hier ist das Signal in der Regel etwas ausgewogener als zur Mitte des Lautsprechers hin. Die Klangbeispiele 1 bis 7 geben euch einen guten Eindruck. Erneut zeigen alle drei Kandidaten große Unterschiede bei den Distortion-Sounds. Alle Klangbeispiele wurden ohne EQ aufgenommen. Zu hören ist das reine Mikrofonsignal. In meinen Augen ist das Bändchen für eine Mikrofonierung am Lautsprecherrand bei Distortion-Sounds schlechter geeignet als das Shure SM57, das meiner Meinung nach ausgeglichener klingt. Besser gefallen mir Overdrive- und Crunch-Sounds (Klangbeispiel 3 und 4) sowie Clean-Sounds (Klangbeispiel 5). Gerade bei den Clean-Sounds gefällt mir der warme Klang des Bändchens. Auch bei schneller gespielten Solo-Passagen liefern das the t.bone RB770 und das Shure SM57 meiner Meinung nach ein besseres Ergebnis als das Großmembran Kondensatormikrofon (Klangbeispiele 6 und 7).

Besser vereint

Interessant wird es dann, wenn man alle Kandidaten mischt. Man sollte etwas mit den Lautstärkeverhältnissen experimentieren und auch testweise die Polarität einzelner Mikrofone umkehren. Das Ergebnis ist ein sehr dichter und druckvoller Klang (Klangbeispiel 13). Diese Methode bietet sich auch an, um verschiedenen Passagen im Song einen unterschiedlichen Anstrich zu verpassen. Warum sollte die Gitarre nicht in den einzelnen Formteilen auch unterschiedlich klingen? Bei drei Mikrofonen ergeben sich unzählige Varianten und Klangfarben ganz ohne den Einsatz von EQs, unterschiedlichen Verstärkereinstellungen oder Mikrofonpositionen.

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Fazit

Bändchenmikrofone sind auch im Jahr 2022 (wieder/noch) sinnvoll. Sie liefern eine andere Klangfarbe als Kondensator- oder Tauchspulenmikrofone und bieten sich auch in Kombination mit diesen beiden Typen an. Bei Bedarf liefert das Bändchenmikrofon viel Bass und besitzt eine recht lineare Mittenwiedergabe – ideal für das Bearbeiten mit einem EQ. Für erste Gehversuche muss es nicht gleich ein sündhaft teures Modell sein. Schon das günstige the t.bone RB770 Bändchenmikrofon mit seiner aktiven Elektronik wartet mit dem typischen Bändchen-Sound auf. Das etwas schlechtere Rauschverhalten im Vergleich zu den sehr teuren Markenbändchen spielt bei der Aufnahme (verzerrter) Gitarren ohnehin eine eher untergeordnete Rolle. Für knapp 170 Euro erhält man ein solides Mikrofon, das sich prima zum Beispiel mit einem Shure SM57 ergänzt. Und das Beste daran ist, dass auch die Verarbeitung und die Optik toll sind.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    RoDi  

    Ich spiele weder Gitarre, noch benutze ich Mikrofone, aber trotzdem 2 Daumen hoch für diesen Artikel. Ich bin wegen dem Thema Bändchenmikro reingestolpert, das kurz, knackig und informativ abgehandelt wurde. Aber dann der Produktest: Statt Geschwurbel ala „sahnig um dieHüften“ einfach ein Frequenzschrieb und 41 (ein-und-vierzig) relevante Tonbeispiele. Alles auf den Punkt. Ich bin begeistert. Schade dass ich nicht Gitarre spiele und keine Mikros benutze. ;)

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      AMAZONA Archiv

      „Schade dass ich nicht Gitarre spiele und keine Mikros benutze. ;)“

      Dafür ist es nie zu spät, auch du kannst ein erfülltes Leben mit Sinn haben!

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