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Workshop: Korg Volca Beats und Tricks, Rhythm Machine

20. November 2017

Beats & Tricks für happy Drummer

Bevor es richtig losgeht, hier ein Hinweis auf unser Korg Volca-Special, in dem ihr ALLE Korg Volcas findet, inklusive aller Tests zu den Korg Volcas, Workshops zu den Korg Volcas und auch Zubehör zu den Korg Volcas von Drittanbietern. Einfach HIER KLICKEN.

Nachdem Korg mit dem Volca Kick nachgelegt hat, der Jim die Volca Beats für sehr gut befunden hat und diese auch bei unserem Vergleichstest der Einsteiger Drum-Maschines von Kollege Jonas Bonk als Sieger hervorging, wird es Zeit mal zu nachzuhaken, wie weit man mit der Beats alleine wirklich kommt.

Auf die tonale Lage der einzelnen Instrumente der Volca Beats und deren spektrale Eigenschaften wurde ja schon in Teil 1 dieses Workshops eingegangen, sodass wir uns hier auf die Anwendung konzentrieren können. Willkommen zu Beats & Tricks mit der Korg Volca Beats.

Einen kompletten Überblick zu ALLEN Volcas und alle Tests, findet IHR HIER.

Überblick

Korg Volca Beats

Korg Volca Beats

Die Korg Volca Beats besteht aus einem Schrittsequencer mit 6 analogen und 4 Sample-basierten Instrumenten. Bass-Drum, Snare, Low-Tom, Hi-Tom sowie offene und geschlossene Hi-Hats sind analog. Claps, Claves, Agogo und Crash sind Samples.

Während die analogen Instrumente jeweils eigene Regler haben, gibt es für die Samples nur einen PCM-Speed-Regler, der die Abspielgeschwindigkeit der Samples regelt. Die berührungssensorische Tastatur des Schrittsequencers dient mehreren Zwecken. Einmal dient sie zur Positionsanzeige, welcher der 16 Schritte gerade gespielt wird. Des Weiteren werden die Instrumente darüber ausgewählt und zuletzt werden bei gleichzeitigem Halten der FUNC(-tions)-Taste diverse Optionen aktiviert. Die einzelnen Optionen werden hier im Kontext beschrieben, sofern sie benötigt werden. Bei Angaben wie FUNC+Zahl bezieht sich die Zahl immer auf die Tasten des Schrittsequencers.

Hands on the Beats

Um mit der Korg Volca Beats Rhythmen zu erzeugen gibt es drei Möglichkeiten.

1. Live Recording

Dazu muss einfach der REC-Taster betätigt werden. Nun können über die Sequencertasten 1 – 10 die einzelnen Instrumente direkt eingespielt werden. Nebenbei hat das sogenannte Finger-Drumming sogar eine eigene Musikgeschichte, die natürlich mit dem Aufkommen von Drum-Maschinen eng verbunden ist, aber eine eigene Skill-Kategorie geworden ist. Manch einer mag vielleicht Meister des Finger-Drumming sein. Jene, die es nicht sind, brauchen eventuell mehrere Anläufe beim direkten Einspielen. Doch auch für diese Menschen gibt es Hoffnung. Nämlich mit …

2. Step Recording

Der Modus wird über FUNC+REC aktiviert (beide Tasten blinken). Der Witz dieses Modus ist die gleichzeitige Eingabe mehrerer Instrumente pro Schritt. Der Schrittsequencer rückt dann bei jeder Eingabe einen Sequenzschritt weiter und wartet auf die nächste Eingabe.

Es können mehrere Instrumententasten gleichzeitig gedrückt werden, man muss halt nur schaffen, sie alle gleichzeitig zu drücken. Die Eingaben werden auf die Schritte quantisiert. Der Vorteil dieses Modus ist es, in einem Durchgang einen kompletten Beat arrangieren zu können. Ein Plan, wie der Beat am Ende aussehen soll, hilft hier natürlich ungemein. Für alle anderen, die sogar jenseits dieser Hoffnung leben (müssen), gibt es den Step-Modus.

3. Step Mode

Mit diesem Modus kann wirklich jeder einen Beat programmieren. Einfach den Step-Mode-Taster aktivieren und auf REC drücken. Nun kann jedes Instrument über seine eigene 16-Step-Sequenz programmiert werden. Zwischen den Instrumentenspuren wird entweder mit den Part-Tastern < und > umgeschaltet oder per FUNC + 1 bis 10. So kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes „Schritt für Schritt an seinen Beat heran-Tasten‟.

Was mich bei der Korg Volca Beats immer nervt ist: Wenn ich ein ganzes Pattern mit FUNC+16 (Clear All) lösche, schaltet sich die „Global Stutter‟-Option immer automatisch wieder ein und muss mit FUNC+13 (Global Stutter) extra ausgeschaltet werden. Also habe ich mir die „Zwei-Schritt-Leerung‟ angewöhnt (FUNC+16+13). Soll nur die aktuell ausgewählte Instrumentenspur gelöscht werden, lässt sich das über FUNC+15 (Clear Part) bewerkstelligen.

Active Step

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Active Step-Funktion

Eine weitere nützliche Funktion der Beats ist das Verkürzen der Sequenzlänge. Dazu wird die Tastenkombination FUNC+Play gedrück (beide Tasten blinken). Anschließen können einzelne Schritte des Patterns ausgeschaltet werden. Befinden sich dabei schon einige Schritte im Off-Zustand, werden per Fingergleiten auf der Sensortastatur die Zustände der jeweiligen Schritte invertiert. Angeschaltete Schritte werden de- bzw. aktiviert. Durch ein weiteres Drücken auf FUNC wird der Modus wieder verlassen. Mit der Kombination FUNC+14 (Active Step) werden alle Schritte wieder eingeschaltet. Leider gilt das Einstellen der Pattern-Länge für alle Spuren gleichermaßen. Komplexere Rhythmen sind damit also nicht machbar.

Ein weiteres Manko ist, dass die Beats gegenüber der Volca Kick kein Pattern-Chaining bietet. Stattdessen wird immer nur dasselbe Pattern abgespielt, was auf die Dauer eintönig wird. Möchte man zu einem der verbleibenden sieben Pattern wechseln, ist dies ausschließlich per Hand (Memory + 1-8) möglich und dabei bietet die Beats dann noch nicht mal einen Sync-Lock. Also das automatische Umschalten am Pattern-Ende.

Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, wenn auch wiederum nur manuell. Der Trick ist es, zwei 8-Schritt-Sequenzen in einem Pattern zu programmieren. Also Beat 1 auf den ersten acht Steps und Beat 2 auf den Steps 8-16. Nun kann im Active-Step-Modus (FUNC+Play) zwischen den beiden Sequenzen per Gleiten übergangslos umgeblendet werden. Am besten funktioniert das mit zwei Fingern, um die beiden Sequenzen gleichzeitig umzuschalten. Das ist dann quasi wie ein Umschalten der Pattern mit Sync-Lock.

Außerdem können über die Funktion MUTE+ 1-10 nicht nur Instrumente stummgeschaltet werden, sie können über FUNC+Mute+ 1-10 auch solo geschaltet werden.

Stutter, PCM, Motion

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Die Korg Volca Beats ist leider auch nicht gerade mit Effekten gespickt. Deswegen ist es wichtig, das Meiste aus dem herauszuholen, was man hat und zwar in Form von Motion-Sequenzen für Stutter und PCM-Speed.

Stutter ist eine Art Delay mit den Parametern für die Wiederholungen pro Sekunde (Time) und der Anzahl der Wiederholungen (Depth). Im normalen Live-Betrieb wirkt sich Stutter aber entweder auf alle Instrumente aus (Gobal Stutter aktiv) oder nur auf das gerade ausgewählte Instrument (im Step-Modus). Beides ist meiner Meinung nach aber nicht besonders ergiebig, außer vielleicht bei gewollt schnellen Hi-Hats. Die Antwort darauf lautet Motion-Sequenz. Damit lässt sich für jedes der 10 Instrumente eine eigene Stutter-Effektspur erzeugen. Das klingt schon aufregender.

Per FUNC+11 wird die Aufzeichnung für Stutter-Motion aktiviert. Wird nun der REC-Taster gedrückt, wird ein Sequenzdurchgang aufgezeichnet. Danach schaltet sich der Rec-Modus automatisch aus. Für jedes Instrument werden sowohl Reglerbewegungen für Time als auch für Depth aufgezeichnet. Um die besten Einstellungen für den aktuellen Beat und vor allem das aktive Instrument zu finden, muss man mit den Einstellungen von Time und Depth experimentieren, bis man die optimalen Einstellungen gefunden hat.

Zur weitern Hilfe kann man die FUNC-Taste halten und am Time-Regler drehen. Dann werden die Delay-Zeiten automatisch auf diverse Taktmaße gesetzt. Es stehen Delay-Zeiten von 1/12, 1/8, 1/4 1/3, halbe Note, ganze Note, 2/3, drei halbe Noten, jede zweite Note, sowie jede dritte und jede vierte Note zur Auswahl.

Das kann live ganz hilfreich sein, wenn man nicht lange herumsuchen will. Doch wenn man die Zeit hat, erreicht man durch das Experimentieren mit freien Delay-Zeiten immer die interessanteren und vor allen Dingen lebendigeren Ergebnisse. Es können damit durchaus komplexe synkopische Figuren und richtig swingende Hi-Hats etc. erzeugt werden. Mit Delay-Zeiten auf Taktmaßen sollte man eher sparsam umgehen, weil das meistens ein ziemlich starres und damit langweiliges Klanggeschehen erzeugt, das nicht so richtig grooven will.

Die Möglichkeiten des Motion-Recordings für jede Spur kann man auch dazu nutzen, um mit kurzen Sub-Sequenzen zu arbeiten, sagen wir mal vier Schritte lang oder Sequenzen mit nur wenig gesetzten Steps. Hier lässt man dann das Stutter Delay für sich arbeiten, um die Zwischenschritte zwischen den setzbaren Steps „aufzufüllen‟, wie es z.B. bei Reggae und Dub gerne gemacht wird. Funktioniert aber auch hervorragend mit anderen Stilen.

Mit diesem Trick kann man sich live auch z.B. bei zu schnellen Beats oder Beats, die über zwei Take gehen behelfen. Hierzu wird die BPM-Geschwindigkeit der Volca Beats einfach halbiert. Man hat dann zwar nur die Hälfte der Noten bzw. nur die halbe Schrittauflösung, doch mit dem Stutter und Motion-Recording lassen sich die fehlenden Zwischenschritte nachträglich wieder erzeugen.

Diese Technik hat mir schon bei vielen Live-Jams den Hintern gerettet, dass ich sie gar nicht hoch genug anpreisen kann. Wenn es eine Funktion der Volca Beats gibt, welche die meiste Aufmerksamkeit verdient, dann ist es das Motion-Sequencing des Stutter-Effekts. Ohne diese beiden Werkzeuge erschließt sich einem nur ein Bruchteil der Möglichkeiten des kleinen Trommlers.

Eine kleines Problem gibt es allerdings. Motion-Recoding zeichnet, wie der Name schon sagt, Reglerbewegungen auf, d.h. wird nicht an den Reglern gedreht, wird auch nichts aufgezeichnet, was ein Problem sein kann, wenn man die idealen Einstellungen für Stutter gefunden hat. Nun, in der Praxis reicht zum Aktivierung der Motion-Aufzeichnung schon ein winziges initiales Drehen an den Reglern. Die möglichen Abweichungen (+/-1), die daraus entstehen können, fallen in der Praxis nie und nimmer auf.

Das Stutter hat auch einen Bug (oder ein Feature), der sich kreativ nutzen lässt. Ist der Time-Regler auf Null, aber der Depth-Regler nicht, hört sich das aktuelle Instrument stark ge-gatet bzw. komprimiert an. Sind beide Regler auf Null, erklingt das Instrument normal. Der Effekt hat durchaus seinen Reiz.

Mit PCM-Speed sollte man hingegen wohl eher sparsamer umgehen. Da sich mit diesem Effekt die Tonhöhen der Sample-Instrumente beeinflussen lassen, ist die Versuchung natürlich groß, Melodiehaftes damit zu spielen. Mein Rat ist es, die Melodien lieber den Instrumenten zu überlassen, die das können, wie z.B. Volca Keys oder FM oder jeder andere Synthesizer.

Wofür sich die Änderungen der Sample-Geschwindigkeit allerdings am besten eignet, ist es, kleine Tonhöhenvariationen einzubauen, quasi eine Round-Robin-Funktion, damit sich nicht jeder Schlag exakt gleich anhört. Etwas, das Samples ja immer vorgeworfen wird. Leider lassen sich diese Parameter der analogen Instrumente nicht weiter automatisieren.
Jedoch spricht natürlich auch nichts dagegen, wilde Effektfahrten mit PCM-Speed zu erzeugen. Effekte können, wie alles andere auch, passend oder unpassend eingesetzt werden. Die Absicht des fertigen Musikstück ist dabei das einzige relevante Maß der Dinge.

Ist eine Motion-Sequenz aktiv, werden auch weiterhin Reglerbewegungen bei Stutter und PCM-Speed für das aktuelle Instrument live wiedergegeben. Hören die Reglerbewegungen auf, folgen die Effekte sofort wieder der Motion-Sequenz, sehr praktisch. Mit FUNC+11 bzw. 12 lassen sich die Motion-Sequenzen an- und abschalten. Leider nur für alle Instrumente gleichzeitig.

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Eine Funktion, auf die wir bisher nicht eingegangen sind, ist der Step Jump, erreichbar über Func+Step Mode (beide Tasten blinken). Damit kann nach Belieben in der Abspielposition des Patterns herumgesprungen werden. Hält man einen der Schritttasten 1-16, wird dieser Schritt wiederholt, bis die Taste losgelassen wird. Diese Funktion lässt sich gut für Intros, Fills, Breaks oder Riser-Phasen einsetzen. Doch Vorsicht, das Pattern wird direkt ab der zuletzt gehaltenen Schritttaste fortgesetzt. Damit unterscheidet sich der Effekt z.B. von der neuen Touch FX-Funktion der Volca Kick. Dort wird nach Loslassen der Schritttasten die Wiedergabe an der zeitlich korrekten Position fortgesetzt, so als wäre nie etwas geschehen. Wenn man bei der Volca Beats zu früh oder zu spät loslässt, kann es einem leicht den Anschluss an den Rest des Tracks versauen.

Eine Kleinigkeit sollte man auch immer im Hinterkopf behalten: Wenn man ein Pattern mit Memory+ 1-8 abspeichert, werden die Reglereinstellungen der analogen Instrumente nicht abgespeichert (PCM-Speed, Part-Level und Volume aber schon). d.h. ein aufgerufenes Pattern übernimmt immer die gerade aktuellen Reglereinstellungen.

Ein letzter wichtiger Teil der Volca Beats, der auch oftmals unterschätzt wird, ist der Part-Level-Regler, der die Lautstärke eines jedes Instruments bestimmt. Auch der Lautstärkeabgleich der Instrumente zueinander kann manchmal den Unterschied zwischen „Make“ oder „Break‟ bedeuten.

Der ultimative Groove

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Volca Beats – Step by Step – Vorlage

Ganz klar, den ultimativen Groove muss jeder für sich selbst finden. Um die Suche aber etwas zu erleichtern, veröffentlichten Sonic Sirius im Sommer 2016 ihr kostenloses herunterladbares Kompendium „Beats – Pattern – Rhythm – Music Styles. A Guide for Drumcomputer & Sequencer‟. Dieses Lexikon der manuellen 16-Step-Beat-Programierung ist so gut gemacht und umfangreich, dass es de facto das Ultimum zu diesem Thema darstellt. Die Tabellen wurden dabei für alle erdenklichen Musikstile auf 16-Steps quantisiert. 1 Gigabyte geballte Info an Rhythmusvorlagen inklusive Audiobeispielen und MIDI-Daten. Das ist wirklich nicht mehr zu toppen!

Dem kann ich nur noch hinzufügen, dass dieser Workshop eine gute Vorbereitung ist, um mit den Anleitungen von Sonic Sirius das Maximum aus der Volca Beats herauszuholen.

In diesem Sinne: Happy Drumming und nicht vergessen, immer ein Stereoklinkenkabel zum Anschluss der Volca Beats zu verwenden.

Forum
  1. Profilbild
    Einfach Lucas

    Zwar benutze ich die Volca Beats und Bass schon ca. zwei Jahre sehr intensiv und teilweise intuitiv, doch habe ich hier tatsächlich noch was dazu gelernt. Bezüglich des Snare-Mod bin ich nicht wirklich überzeugt. Natürlich ist der Werksound recht eigen, doch meines Erachtens keineswegs schlecht.

  2. Profilbild
    BJack   2

    Danke für den sehr ausführlichen Beitrag, ich konnte noch ein paar Tricks lernen.
    Bitte mehr Volca!

    Ach ja: Heißt es eigentlich ‚die‘ oder ‚der‘ Volca? Im Bericht ist es ja ein Mädchen.
    Ich sag ‚der‘ ( von der Drumcomputer, Synthesizer, Sampler …), kann natürlich auch von ‚die‘ Groovebox kommen ;)

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Es ist ja inzwischen seit einiger Zeit raus, dass Tatsuya Takahashi „Volca“ von „Volkswagen“ abgeleitet, das war lange vor den Skandalen. Damit ist nun tatsächlich „der“ quasi offiziell geworden.

  3. Profilbild
    Emmbot  

    Ja das die Motion Seqeunz für den Stutter pro Instrument gibt könnte im Manual deutlicher erwähnt werden.

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