Workshop: Recording und Mixing 2 – Routing, Subgruppen, Inserts

3. Juli 2020

Subgruppen im Mix

Workshop Recording 2 - Routing, Subgruppen, Inserts

Workshop: Recording 2 – Routing, Subgruppen, Inserts

Nachdem wir im ersten Teil unseres Recording-Workshops einige grundlegende Überlegungen über die Frequenz- und Lautstärkeverhältnisse angestellt haben, wenden wir uns heute den (oft verschmähten) Subgruppen zu. Subgruppen sind am Mischpult diejenigen Faktoren, die dem Pult die Bezeichnung 4-Bus, 8-Bus etc. geben. Subgruppen waren in der ursprünglichen Funktion dafür gedacht, Instrumente wie Schlagzeug oder Instrumentensektionen wie zum Beispiel Bläsersätze zu Untergruppen zusammenzufassen (deswegen Subgruppen). Die Funktion rührte hauptsächlich daher, diese im Live-Mix einzusetzen

allen heath zed 428 subgruppe workshop recording

Subgruppen am Allen & Heath ZED 428

Routing in Mischpulten

Bevor wir uns der Anwendung der Subgruppen in praktischen Beispielen zuwenden, sind ein paar Worte zum Thema „Routing“ angebracht. Unter Routing versteht man den Fluss des Signalweges im Mischpult. Dieser geschieht nicht sichtbar und ist daher nur theoretisch nachzuvollziehen. Die erste Station in dieser Kette ist sicherlich der Klangerzeuger selbst. Dieser hat aber mit dem Routing noch nichts zu tun. Erst wenn dieser Klangerzeuger in irgendeiner Weise abgenommen und dem Line- oder Mic-Eingang des Mischpultes zugeführt wird, beginnt das Routing des Signals.

recording workshop subgruppen mix

 

Zur Vereinfachung werden hier die Routing-Wege der Aux-Wege sowie einige weiterer hier nicht relevanter Funktionen weggelassen. Da ist zunächst der Gain-Regler, der bestimmt, wie stark die Vorverstärkung des Signals sein soll. Danach wird das Signal bei eingeschaltetem Equalizer durch die EQ-Sektion geleitet. Hier findet die Veränderung der Frequenzanteile des Signals statt. Ist der EQ deaktiviert, geht das Signal ohne Veränderung an den Kanalzug. Hier wird dann die Lautstärke eingestellt, die zunächst an den Panoramaregler geht.

Durch das Betätigen der Schalter SUB1-2, SUB3-4, SUB5-6, SUB7-8 oder MAIN MIX wird das Signal schließlich den Subgruppen oder dem Main-Mix zugeführt. Im Falle der Weiterleitung an die Subgruppen kann das Signal über die Inserts der Subgruppen nochmals extern abgegriffen und wieder zugeführt werden. Die Monoschalter der Subgruppen entscheiden, ob das Signal nur auf einem Kanal (links oder rechts) wiedergegeben wird oder als Mono-Signal auf beiden.

Puh! Ganz schön kompliziert, aber mit einem Blick auf die Abbildung 1 ganz leicht nachzuvollziehen.

mackie 1604 subgruppen

Auch das Mackie 1604 verfügt über Subgruppen

Funktion und Anwendung von Subgruppen

Ist es nicht lästig, ein einmal gut eingepegeltes Schlagzeug, das z. B. aus vier verschiedenen Mikrofonquellen gemischt wird, im Nachhinein leiser oder lauter machen zu müssen? Ein Grund dafür kann ein zu leiser Gesang, eine hohe Rückkopplungsgefahr oder die Art des zu beschallenden Raumes sein. Dann kann man die ganze Arbeit von vorne beginnen.

An einem Mischpult mit Subgruppen befinden sich neben den Kanalzügen der einzelnen Kanäle Taster, mit denen sich der betreffende Kanal einer der Subgruppen zuordnen lässt. Bei einem 8-Bus Mischpult sind das fünf Taster: MAIN, SUB1-2, SUB3-4, SUB5-6, SUB7-8. Fünf? Wieso Fünf? Es sind doch 8 Subgruppen! Zunächst einmal dient der MAIN-Taster dazu, das Signal sofort auf den Main-Mix zu leiten. Dann hat man hier an der Elektronik gespart.

Betätigt man den Taster SUB1-2, leitet man das Signal auf die Fader (Kanalzüge) der Subgruppen 1 und 2. Am Kanal selber lässt sich jetzt die Zuweisung zu einer der beiden Subgruppen mit dem Panorama-Regler (der für die Platzierung im Stereopanorama verantwortlich ist) einstellen. Möchte man also z. B. Kanal 12 der Subgruppe 1 zuweisen, drückt man den Taster SUB1-2 und regelt den Panorama-Regler auf Anschlag links.

Heißt das etwa, man kann nur Signale mit Stereoverteilung ganz links oder ganz rechts auf die Subgruppen legen? Nein, denn über dem Kanalzug der Subgruppe, befindet sich ein Taster mit folgender Einstellmöglichkeit: Entweder ist die Subgruppe mit der ungeraden Zahl (hier SUB1) nur für den linken Kanal zuständig oder man kann die Subgruppe auf MONO schalten. So wird das nur auf links anliegende Signal in den Main-Mix auf links und rechts geroutet.

Nehmen wir als Beispiel noch einmal unser Schlagzeug, das mit vier Mics abgenommen wird. Zwei Mics sind als Overheads, also in gleichmäßigem Abstand über dem Schlagzeug, angebracht. Diese dienen in erster Linie zur Abnahme der Becken. In zweiter Linie geben sie einen starken räumlichen Eindruck des Dru- Sets wieder. Diese wird man mit der Verteilung des einen Mikrofons auf Kanal 1 ganz links und des anderen Mics auf Kanal 2 ganz rechts auf die Subgruppen SUB1-2 leiten. Um die Räumlichkeit zu erhalten, dürfen die Subgruppen SUB1-2 nicht auf MONO geschaltet sein.

Die Mikrofone 3 und 4 des Schlagzeugs nehmen direkt die Bass-Drum (BD) bzw. die Snare-Drum (SD) ab. Generell wird man auch diese auf die Subgruppe SUB1-2 routen. Dabei lässt man aber die Panorama-Regler der entsprechenden Mischpultkanäle 3 und 4 auf Mittelstellung (Center). So wird das Signal der BD und der SD gleichmäßig auf Subgruppe SUB1-2 verteilt, erscheint im Klangbild ebenfalls im Center.

behringer xenixy x2442 recording workshop mix

Auch das Behringer X2442 Mischpult bietet Subgruppen

Voraussetzung hierfür: Die Fader für SUB1 und SUB2 sind auf den gleichen Pegel eingestellt. Die Lautstärke, mit der BD und SD auf die Subgruppen geleitet werden, bestimmt die Lautstärke des jeweiligen Kanals (in unserem Beispiel also Kanal 3 und 4). Nicht zu verwechseln mit Subgruppen SUB3-4.

Ist das auf die Subgruppen-Routing erfolgt, kann man die Frequenz des Signals manipulieren (näheres dazu in Teil 1 dieser Serie). Da die EQs in den Kanalzügen und damit auch den Subgruppen im Routing übergeordnet sind (Eingang-> Preamp-> EQ-> Kanalzug-> Subgruppe-> Main), hat die EQ-Einstellung ebenfalls Auswirkung auf die Subgruppe.

Das Ergebnis: Man hat das komplette Drum-Set auf zwei Reglern: SUB1 und SUB2 und kann infolge dessen die Lautstärke des ganzen Drum-Sets mit nur eben diesen zwei Reglern bestimmen. Ist das Drum-Set im Vergleich zu anderen Signalen zu laut, muss nur Subgruppe SUB1 und SUB2 heruntergeregelt werden. Dabei bleiben die Lautstärkeverhältnisse der 4 Mics zueinander weitgehend unbeeinflusst. Man darf natürlich keine anderen Signale auf diese Subgruppen legen. Denkbar wäre allerdings, die Percussion-Sektion ebenfalls auf die Subgruppen SUB1 und SUB2 zu legen. Diese Subgruppen wären demnach für die rhythmischen Schlaginstrumente zuständig. Dasselbe Verfahren wendet man jetzt, wenn nötig, auf alle anderen Signale an, die sich zur Gruppierung eignen. In Recording-Situationen, in denen hauptsächlich MIDI-Klangerzeuger zum Einsatz kommen, sind die Drums vom Sampler häufig die einzig sinnvollen Signalquellen, die sich zum Zusammenfassen in Subgruppen eignen. Hier ist die Aufteilung in 4 Kanäle ebenfalls sinnvoll (1x Stereo für Becken, 2x Mono für BD und SD). Nicht jeder hat schließlich Sampler-Kanäle zuhauf.

„An sich ein nettes Feature“, wird man sagen, „aber ist das schon alles?“ Bei Weitem nicht. Eine weitere Eigenschaft, die Mischpulte mit Subgruppen aufweisen, ist die der Subgruppen-Inserts. Das ist am Mischpult eine Buchse pro Subgruppe, für deren Benutzung ein sogenanntes Y- oder Insert-Kabel benötigt wird. Dieses hat an einem Ende eine Stereoklinke, am anderen zwei Mono-Klinken.

soundcraft lx7 subgruppen workshop

Subgruppen-Inserts am Soundcraft LX7 II

Die Inserts werden dazu benutzt, die an der Subgruppe anliegenden Signale, bevor sie zum SubMix weitergeleitet werden, abzugreifen, einem Effektprozessor zuzuführen und dem SubMix wieder zuzuleiten. Angenommen der Effektprozessor ist ein Verzerrer. Nehmen wir weiter an, wir haben diesen über ein Insert-Kabel in die Subgruppe SUB3 eingeschleift (so der Fachausdruck). Jetzt wird man jedes Signal, das auf Subgruppe SUB3 geroutet wird (also Subgruppen-Schalter auf SUB3-4, Panorama auf Linksanschlag) zuerst durch den Verzerrer geleitet und dann erst auf den Subgruppen-Regler gegeben. Der Verzerrer ist im Signalweg also „post“ geschaltet. Das bedeutet, solange der Subgruppenregler nicht aufgemacht wird, solange ist auch keine Verzerrung zu hören.

Zum Einschleifen von Effektgeräten stehen ja bekanntermaßen eine unüberschaubare Auswahl von Geräten bereit. Als da wären: Multieffekte, Enhancer, Kompressoren … eigentlich alles, was einen Audioein- und einen Audioausgang besitzt.

Fazit

Durch Staffelung der einzelnen Instrumente in Subgruppen kann man einen Mix sehr übersichtlich gestalten. Man kann die Percussiven-Instrumente in zwei Subgruppen (Stereo) mixen, die Bassinstrumente in andere, (mono) Flächensounds in zwei weitere (Stereo) usw. So hat man beim Entwicklungsprozess schnellen Zugriff auf die Instrumentgruppen und kann sich ganz der Arbeit im Sequencer widmen. Auch für den Einsatz im Live-Mix ist diese Methode sehr nützlich.

Im dritten Teil unseres Recording-Workshops widmen wir uns dem Thema AUX-Wege und Effekt-Routing.

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