Workshop Yamaha Montage: Sound und Motion

1. November 2017

Yamaha Montage, Soundprogrammierung für Eilige

Willkommen zum ersten Yamaha Montage Workshop (den zweiten findet Ihr HIER), den wir in 3 Kapitel aufgeteilt haben.

  • Kapitel 1 ist für schnelle Änderungen gedacht und richtet sich an alle Keyboarder, die sich am liebsten den Songs und wie man sie spielt widmen, aber mit großartigen Exkursionen in weitverzweigten Displaymenüs weniger am Hut haben.
  • Kapitel 2 handelt von Controllern, Motion Sequence, Arpeggio beim Live-Set und wie man damit gekonnt eine Performance gestalten kann.
  • Kapitel 3 dürfte vor allem Klangtüftler interessieren, wir werfen nämlich einen ersten detaillierten Blick auf die Sound Engine FM-X.

 

Kapitel 1: Schnelle Klangänderungen

Obwohl das Instrument werkseitig bereits sofort spielbar ist, schließlich kommt es mit vielen Presets direkt aus dem Karton, passt nicht alles für jeden. Also ist erste Ambition: Möglichst sofort alle möglichen Korrekturen an den Presets vornehmen.

Nachdem der komplette Factory Content also gesichtet und durchgespielt ist, findet man sich fürs Erste zumindest in der Organisationsstruktur schon mal ganz gut zurecht. Wie und wo sind die Bedienelemente angeordnet, was muss man tun, um Sounds zu speichern, grundsätzliches Handling also. Was auch notwendig ist, denn nichts ist nerviger als zielloses Rumsuchen, wenn sowieso gerade keine Zeit für irgendwelchen Technikzinnober übrig ist und man bei einem Preset lediglich mehr Hall haben will oder die Tonansprache einfach nicht genügend unmittelbar ist.

Doch bevor Sie nun, wie im Folgenden beschrieben, konkret Hand anlegen, ist erst ein weiterer schneller Blick auf die Montage Struktur notwendig. Die Sounds werden nämlich in mehreren Ebenen verwaltet. Neben den Live Sets kennt der Montage Performance. Die besteht aus einem bis mehreren Parts und jene wiederum aus bis zu acht einzelnen Elementen. Diese werden mit den Engines AWM2 und FM-X erzeugt und können um Arpeggios und Drums ergänzt werden. Ganz schön komplex, nicht wahr? Und so geht das beim Montage munter weiter, je tiefer man in die Menü-Katakomben eindringt. Was einerseits eine schöne Sache ist, denn mit dieser Unmenge an Möglichkeiten lassen sich vor allem langfristig wahnsinnig viele Sounds, Grooves und Klanglandschaften basteln. Kurz gesagt: Jeder Montage Besitzer wird jahrelang Spaß an seinem Instrument haben. Und immer wieder Neues entdecken können. Die Kehrseite der Medaille ist der weitverzweigte Zugang zu all diesen Heilsbringern. Das ganze Montage Innenleben ist nämlich derart umfangreich geraten, dass man gut daran tut, sich stets nur einer bestimmten Sache zu widmen. Step-by-Step heißt also die Devise, und wir fangen an mit solch schnellen Änderungen.

Auf der linken Panelseite sehen Sie in der obersten Reihe LED-umkranzte Drehregler, unten drunter einen Schwung Slider. Dieses Set ist auf der Stelle Ihres! Nahezu alle wesentlich für den Sound verantwortlichen Einstellmöglichkeiten finden Sie hier und jeder Dreh daran wirkt sich unmittelbar aus. Die Werteschritte sind zwar meistens etwas grob, das soll aber fürs Erste nicht stören. Und Sie müssen auch nichts erst erlernen, um hier zum schnell erreichbaren Ziel zu gelangen. Es ist lediglich notwendig zu wissen, für was die jeweils gut sind. Übersetzen wir mal einige englische Begriffe und was man damit macht, in etwas simplifizierte deutsche Musikersprache:

In der obersten Reihe, die links mit TONE bezeichnet ist, gibt es folgende Regelmöglichkeiten, die in erster Linie Klangfarbe und -verhalten betreffen:

  • Cutoff: Klangfarbe von dumpf bis brillant
  • Resonance: Klangschärfe von blass bis brizzel und wow
  • Depth: Intensität eines individuellen Parameters
  • Portamento: Stufenloses Gleiten von Ton zu Ton schnell bis langsam
  • Attack: Tonansprache von direkt bis dauert länger
  • Decay: Abklingzeit von schnell bis langsam
  • Sustain: Lautstärke gehaltener Töne von leise bis maximal
  • Release: Taste loslassen, dann ist Sound weg bis klingt eine Weile aus

Die darunter liegende EQ/FX Reihe, gedacht für die Feinabstimmung, ist eher selbsterklärend.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    „Cutoff: Klangfarbe von dumpf bis brillant
    Resonance: Klangschärfe von blass bis brizzel und wow
    Depth: Intensität eines individuellen Parameters
    Portamento: Stufenloses Gleiten von Ton zu Ton schnell bis langsam
    Attack: Tonansprache von direkt bis dauert länger
    Decay: Abklingzeit von schnell bis langsam
    Sustain: Lautstärke gehaltener Töne von leise bis maximal
    Release: Taste loslassen, dann ist Sound weg bis klingt eine Weile aus“

    hahaha, das nenne ich wirklich mal kurz und knackig. Aber mehr braucht es eigentlich ehrlich nicht.

  2. Profilbild
    Xenox.AFL  

    Danke für den Beitrag weil ich ein absoluter FM Fan bin und den Synth jetzt schon länger auf meiner Liste habe…

    Nur 2 Worte zu den Soundbeispielen, die ersten 3 Beispiele klingen für mich wie in mono aufgenommen… Man hört zwar einen Delay aber auch der ist mono… DIe Breite hört man dann erst bei den nächsten Beispielen… Ansonsten alles gut…

    • Profilbild
      k.rausch  RED

      Sind Stereo Files, beide Kanäle sind für den Zweck der Demo auf Dual Mono getrimmt.

      • Profilbild
        Xenox.AFL  

        Danke für die Info, klingt erstmal… Komisch! ;) Ist man gar nicht mehr gewöhnt… :) Freue mich auf die nächsten Artikel…

  3. Profilbild
    Trooper  

    Schöner Artikel, der Montage ist m.M. nach wirklich der beste zur Zeit erhältliche Synth, vor allem FM hat es mir angetan, man kann unglaubliche Klänge damit fabrizieren, das im Zusammenspiel mit Arp und Motionsequenzer….wow.
    Ich hab allerdings ein halbes Jahr gebraucht, um da einigermassen durch zu steigen, aber dann :-)

    • Profilbild
      k.rausch  RED

      Ein halbes Jahr ist sehr schnell. Selbst langjährige DX7 Besitzer stehen heute noch vor Rätseln. Bei der FM-X Abteilung hat Yamaha einen guten Job gemacht, alles neu organisiert und damit den Zugang erheblich vereinfacht. Lediglich das Envelope Programming ist umständlich wie eh und je.

  4. Profilbild
    Flyer

    Ich hätte mir gewünscht, alle meine bisherigen Synthie so ausführlich beschrieben und erprobt zu bekommen wie es der Autor macht.
    Trotz einiger ähnlicher Artikel von Yamaha Mitarbeiten habe ich wieder etwas dazu gelernt.

    Was mir allerdings bisher beim MONTAGE gefehlt hat, war ein Master EQ. So mussten viele Performances der Raumakustik oder dem persönlichen Eindruck einzeln angepasst werden, bis ich mir einen kleinen und preiswerten EQ kaufte und diesen vor die Aktivboxen schaltete.

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