SPECIAL: Korg Kronos vs Yamaha Montage vs Kurzweil Forte 7

27. September 2017

Die beste Workstation 2017?

Keyboard Workstation – das All-in-One Arbeitspferd, beliebt seit Jahren und mittlerweile in der x-ten Generation zu haben. Was in der für viele Musiker erschwinglichen Preisklasse ab den späten 80ern mit dem Korg M1 begonnen hat, wurde im Laufe der Zeit stets weiterentwickelt. Mehr und bessere Sounds, Sample Import, eingebaute Festplatten, Touchscreen Display und andere fortschrittliche Features.

Wir haben uns auf dem aktuellen Markt umgesehen, welche Instrumente es gibt, was sie leisten, und wie viel man dafür bezahlen muss. Los geht’s bei unter 500,– Euro und dafür bekommt man zum Beispiel den Korg Kross. Zur Wahl stehen derzeit fast 50 Workstations in allen möglichen Ausführungen und Konfektionsgrößen, und es sind insbesondere die Hersteller Korg, Roland, Yamaha und Kurzweil, die diesen Markt bedienen. Platzhirsche der Premium Klasse sind eindeutig der Korg Kronos, den gibt es seit 2011, und sein Kollege Yamaha Montage, der im Frühjahr 2016 präsentiert wurde.

Die beiden wollen wir nun vergleichen und nehmen ein drittes Instrument mit in die Testrunde: Kurzweil Forte 7. Das firmiert zwar als Digital-Piano, kommt aber mit einem 16 GB Flash Play plus 3,3 GB Speicher für User Samples und klanglich schon ziemlich vielseitigem Soundpaket an Bord, und ist damit einer waschechten Workstation recht nah.

Kurzweil Forte 7

Die komplette Modellvielfalt dieser drei Instrumente ist am Ende des Artikels gelistet, für dieses Rennen habe ich jedoch hinsichtlich Tastenumfang und -typ jeweils ähnliche Varianten herausgepickt. Womit wir auf den Startplätzen folgende Instrumente vorfinden:

  • Korg Kronos 61
  • Yamaha Montage 6
  • Kurzweil Forte 7

Yamaha Montage

Falls Sie vor dem Vergleich noch die einzelnen Tests lesen möchten, die gehen nämlich jeweils ziemlich in die Tiefe, dann klicken Sie einfach hier rein :

Korg Kronos

Optik

Der Kronos Look mit seinen leichten Rundungen vorn und hinten, sowie seit der zweiten Generation ab 2015 mit Holzwangen aufgehübscht, bietet eine auf den ersten Blick angenehm übersichtliche leicht zum Spieler hin geneigte Bedienoberfläche mit klar geordneten Funktionsgruppen. Und in der Mitte ist das recht große Touchscreen Display platziert. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass für die reichhaltigen Performance-Funktionen manche Regler- und Tasterreihen mehrfach belegt sind und man die jeweils mittels Mode Tastern zu aktivieren hat.

Hier ist es also notwendig, immer den Überblick zu behalten, sonst wundert man sich im Eifer des Gefechts, dass nicht die gewünschte Funktion, sondern eine ganz andere ausgeführt wird. Auch sind die Drehregler nicht nur recht klein geraten, deren Beschriftung darüber wird zudem aus Spielerperspektive von denen selber halb verdeckt. Und es sind ihnen nicht nur jeweils zwei Funktionen zugeordnet, sondern die Drehregler 5 bis 8 sind lediglich universell als User 1 bis User 4 beschriftet. Zwar ist deren freie Belegungsmöglichkeit ein Segen für jeden Synthesizerfreund, nur muss man sich dann pro Sound merken, was genau jeder dieser Drehregler bewirkt. Da es sich nicht um Endlosregler handelt, müssen sie stets aktiviert werden, was für ungewollte Parametersprünge sorgen kann.

Auf der Habenseite ist festzustellen, dass die schiere Menge an Controller Knobs und Slidern, wenn man sie clever mit Parametern belegt, den Kronos fast zu einem klassischen Synthesizer mutieren lässt, wie man sie seit den 70ern kennt. Das wird noch getoppt mit einer extra Page im großen Display, das optische Ergebnis ähnelt einem Softwaresynthesizer für Tablets und iPad. Und mit den Slidern lassen sich Orgel Drawbars simulieren, allerdings in umgekehrtem Regelweg von vorn nach hinten. Die Controller Section wird abgerundet mit einem für Korg-typischen Joystick, der dank seiner vier Richtungen sowohl Pitch Bending als auch Modulationen erlaubt. Ergonomisch günstig darunter liegend finden wir einen kompakten Ribbon mit fühlbarer Mittelposition, darüber sind zwei SW Buttons untergebracht. All die Funktionen werden bei Aktivierung mit hell leuchtenden LEDs angezeigt. Ein weiterer Joystick dient z.B. Volume Kontrolle mehrerer Sounds/Parts.

Auf der rechten Seite sind die Wahltaster für Soundbänke, eine Zehnertastatur sowie ein großer Drehregler für die Dateneingabe, dazu Transporttaster für den Sequencer. Fürs Tempo gibt’s einen extra Drehregler, die BPM Anzeige ist im Display oben rechts, in recht kleiner Zifferngröße. Mit dem Drehregler auf die Schnelle exakte BPM eingeben zu wollen klappt nie, der ist eher fürs Grobe zuständig. Also tippt man die besser per Zehnertastatur ein und bestätigt mit Drücken der Enter Taste. Bei der Program und Combination Anwahl wird die Aktivierung einer solchen ebenfalls mit der Enter Taste erledigt.

Nun ein Blick auf den Montage.

Das Design ist kantiger als das des Kronos, die übrige Gestaltung des Bedienfeldes ähnelt ihm aber. Nun, das mag generell am Funktionskatalog einer Workstation liegen.

Auffallende Unterschiede jedoch sind die durchweg größeren Bedienelemente sowie eine konsequente Beleuchtung der Taster und Regler. Handelt es sich um Slider, dann sind daneben LED Ketten vorhanden, um die aktuellen Werte anzuzeigen. Die Drehregler sind Endlos-Encoder, von LED Kränzen umrandet. Funktionstaster und -schalter haben eine LED Innenbeleuchtung. Wie beim Kronos gibt es Parameterreihen, die per Mode Taster jeweils angewählt werden, und das Risiko, sich bei schnellen Bedienschritten mal zu vertun, ist dem Kronos nahezu gleich. Dennoch: Insgesamt ist der Zugriff zum Funktionsarsenal eine ordentliche Portion komfortabler und übersichtlicher geraten. Bühnenmusiker werden diese Vorteile definitiv zu schätzen wissen, im Studio fällt das vielleicht weniger ins Gewicht.

Die rechte Panel Seite ist zugepflastert mit innenbeleuchteten Tastern, die sind für die Anwahl der Parts, Arpeggien und Motion Sequenzen zuständig. Die Part Taster dienen in zweiter Funktion als Soundbänke, und da die Organisationsstruktur keinen Unterschied macht zwischen Einzelsounds und Combis, hier Performance, ist das Handling eine Idee schlanker als beim Kronos. Jedoch gibt’s keine Zehnertastatur, ein gezielter Soundaufruf ist dadurch etwas umständlicher. Man denkt hier größtenteils in Klangkategorien, wofür auch eine Suchfunktion bereitsteht. Gegenüber Kronos bietet der Montage mehr Platz für Sounds, umräumen oder neue Zusammenstellungen werden einem so weniger aufgezwungen.

Das nicht ganz mittig untergebrachte Touchscreen Display ist zwar etwas kleiner als das des Kronos, aber Yamaha hat sich ohnehin eine weitgehend andere Menügestaltung ausgedacht. Während bei Kronos oft buchstäblich Lesebrille angesagt ist, operiert der Montage mit großflächigen Anzeigen, sowohl bei Schrift als auch Parametern. Kassiert der Kronos an dieser Stelle also Minuspunkte, holt er die sich durch eine nahezu konsequent schlüssige Parameterstruktur zurück, die an Karteikarten mit Reitern erinnert. Selbst ein Neuling wird sich alsbald einigermaßen zurechtfinden, indem einfach mal alle Menüseiten durchforstet werden. Beim Montage ist das nicht ganz so ranschmeißerisch geraten, was auch an der Farbgestaltung der Menüs liegt. Während beim Kronos der Hintergrund häufig weiß mit dunkler Beschriftung ist, hat man es beim Montage mit einem invertierten Prinzip zu tun. Zum Glück ist die Displayoberfläche seidenmatt, was eine passable Lesbarkeit sichert. Das spiegelnde Touchscreen beim Kronos reagiert dagegen stark auf Lichteinfall, und im Falle praller Sonne sieht man am Ende schlicht gesagt gar nichts mehr. Klarer Punktsieg für den Montage.

Yamaha verwendet als Standard Controller zwei klassische Wheels, einmal Pitch Bend und einmal Modulation. Darunter ist ein Ribbon untergebracht. Ergonomisch einwandfrei, und ob man die Wheels lieber hat als den Korg Joystick, muss jeder selber wissen. Ich mag beide gleichermaßen, wobei der Joystick einen kleinen Vorteil hat: Es sind mit einer Rührbewegung schnell vier Parameterziele erreichbar.

Extrem auffällig ist der Montage Superknob. Nicht nur derart groß geraten, dass auch noch jeder Grobmotoriker selbst nach einer halben Flasche Bordeaux das Ding noch fest im Griff hat, es ist auch ein wahrer Wunderknopf, da sich elegant multiple Modulationen kontrollieren lassen – und obendrein der Motion Sequencer. Ein klarer Joker, den der Montage bietet.

Die Ansprache des Touchscreens? Da nehmen sich beide nichts gegeneinander, denn einerseits klappt das weitgehend ganz gut, andererseits reagieren die gelegentlich leider etwas zickig. Und man muss wirklich genau zielen, Typen mit schlanken Fingerchen haben es definitiv leichter als welche mit großflächigen Patschehändchen.

Kommen wir zum Forte 7.

Das Erscheinungsbild ist ein klein wenig klobiger, als das der beiden Kollegen. Das liegt in erster Linie an der gewichteten Tastatur, dazu mehr weiter unten. Dennoch haben es die Kurzweils geschafft, das Forte 7 kompakt zu halten, was ihn transportfreundlich macht. Der Trick heißt hier: Die Wheels müssen aufs Panel, und dadurch eine Spur weiter weg vom Spieler. Ergonomisch ein nicht allzu tragischer Nachteil, aber man muss sich drauf einstellen.

Was das übrige Leben auf dem Panel angeht, habe ich selten ein Instrument unter den Fingern, dass sich einem derart willfährig an den Hals wirft. Fast höre ich das Forte 7 unterwürfig flüstern: „Nimm mich, ich bin Dein!“. Abgesehen vom völligen Newbie wird jeder, der ganz allgemein schon mal mit Synthesizern und Workstations hantiert hat, mehr oder weniger unmittelbar zurechtkommen. Alles, was man erwartet liegt direkt griffbereit vor einem. Und was ist das? Von rechts nach links sind das die Soundbänke, schön sortiert nach Instrumentengruppen, ein Riesenrad für Dateneingabe plus ebensolche Taster, untergebracht mit viel „Weißfläche“ dazwischen. Ebenso großzügig dimensionierte Favoritentaster direkt vor der Musikernase platziert, und auf der linken Seite ein Set lange Slider mit LED Ketten, einigen Funktionstastern darüber, sowie ein EQ plus Compressor mit Drehreglern und links davon zwei klassische Wheels. In der Panelmitte noch ein Display, was verglichen mit den beiden anderen Kandidaten zwar deutlich kleiner und auch kein Touchscreen ist, jedoch insgesamt sehr aufgeräumt und dank guten Kontrasteigenschaften sowie einer cleveren Farbgestaltung prima ablesbare Angaben bereitstellt. Allerdings hat es das Forte 7 etwas einfacher, denn es sind weitaus weniger Parameter und Funktionen unterzubringen, als das bei Kronos und Montage der Fall ist.

Verarbeitung

Der Forte 7 kommt massiv wie ein Volvo rüber. Das muss er auch, denn die gewichtete Tastatur will in einem verwindungssteifen Gehäuse wohnen. Doch auch die Slider, Regler und Wheels sind aus griffigen und kräftigen Materialien, sitzen zudem jeweils fest im Sattel. In dieser Disziplin klarer Punktsieger und Leute mit häufigen Bühnenjobs wissen das ganz sicher zu schätzen. Ganz ähnlich ist der Montage verarbeitet, lediglich die Slider haben ein bisschen Spiel. Etwas fragiler ist die Sache beim Kronos, da sind die Bedienelemente nicht nur puppiger, sondern wackeln doch ein kleines bisschen hin und her, wenn man sie betätigt. Untenrum ist das Gehäuse aus etwas dünnem Blech, drückt man unterhalb der Tastatur drauf, merkt man das sofort. Insgesamt ist er also nicht gar so stramm verarbeitet, wie das bei den beiden anderen Instrumenten der Fall ist.

Sound und Datenorganisation

Eines ist sicher und Binsenweisheit zugleich: Sounds sind Geschmacksache. Dennoch, es gibt objektive Kriterien für die Beurteilung des Klangvorrates. Das ist bei einer Workstation zunächst die Vollständigkeit aller wesentlichen Kategorien von Klavier bis Drums. Außerdem die qualitative Konsistenz und zuletzt das Finish, womit die Aufbereitung gemeint ist. Sind etwa die Pianos der Weisheit letzter Schluss, die Orchesterabteilung aber etwas stiefkindlich behandelt? Können die Presets direkt ohne jegliches Handanlegen sofort für Produktionen und Gigs eingesetzt werden, und ist die angebotene Menge ausreichend? Wie sieht’s aus mit brandneuer Frischware? Unter diesen Gesichtspunkten habe ich die drei Kandidaten im Vergleich auf den Prüfstand gestellt. Ein Seitenblick auf zusätzliche 3rd Party Soundware soll dann auch noch drin sein.

Damit Sie sich ein eigenes Bild von den Klängen machen können, lege ich Ihnen zunächst die Playlists der Testberichte nahe. Ganze 39 Kronos Audio Tracks, im Falle Montage habe ich einen draufgesetzt und gleich 71 bereitgestellt. Und das Forte können Sie sich mit 6 Audio Tracks anhören. Klicken Sie dazu einfach die Links weiter vorne an.

Beim Kronos stehen wir knietief im Klangschlaraffenland. Gestützt von mehreren extra bereitgestellten Engines für Grand Piano SGX-2, Electric Piano EP-1, Organ CX-3 und den Synthesizern MS-20EX, PolysixEX, AL-1, MOD-7 und STR-1 sowie dem Sampleplayer HD-1 rückt er mit fast 2.000 Presets bereits ab Werk ausgerüstet an, einschalten und loslegen also. Jawohl, so soll eine Workstation ausschauen! Basis dafür sind über 1500 Multisamples, knapp 1.400 Drums, Percussions und Soundeffekte. Plus die Synthesizer-Engines. Für die wird, je nach Engine, eine maximale Polyphonie von bis zu 200 Stimmen und mehr bereitgestellt. Im Detail bedeutet das zum Beispiel 40 Stimmen beim MS-20EX, 140 für HD-1, 80 hat AL-1.

Der Content ist auch ordentlich sortiert, und zwar sowohl nach Klangkategorien, die dann Stück für Stück durchdekliniert werden, als auch nach Styles, was man vor allem in der Combi Section vorfindet. Obendrauf gibt es noch eine Set List. Hier hat erkennbar ein ambitioniertes Soundteam Hand angelegt, das komplette Angebot hat ein perfektes Polishing hinter sich. Zwar gibt es Abstriche bei der Controller Zuordnung, die ist nämlich nicht konsistent standardisiert, sondern pro Preset und Combi individuell, aber das verleidet einem die Sache nicht. Ist nur etwas mehr Arbeit, sich das Wie und Wo zu merken. Produktpflege wird auch betrieben, derzeit sind wir bei OS Version 3.1.2 und das wird wohl noch nicht der letzte Update gewesen sein.

Beim Speicherplatz für die Sounds wird’s ein wenig problematisch, es stehen einfach nicht allzu viele Bänke dafür zur Verfügung. Haben Sie die Kiste neu erworben, werden Sie bald merken, dass Umräumen und neu sortieren angesagt ist. Was kein leichtes Unterfangen ist, denn Combis verwalten mitunter zahlreiche einzelne Programs, und erwarten die an den gespeicherten Plätzen. Sobald ich also was lösche, umräume oder auslagere – es sind eventuelle Auswirkungen auf Combis zu berücksichtigen. Und das betrifft auch die Samples, denn neben der Streaming Option liegen die im, leider begrenzten, RAM Speicher. Zwar wurde eine Datenorganisation geschaffen, die all diese Hürden irgendwie in den Griff kriegen lässt, doch es wird von Ihnen verlangt, sich wirklich einigermaßen gründlich mit der gesamten Struktur zu befassen. Kleiner Punktabzug in Sachen Sound Handling.

Glücklicherweise gibt es Hilfestellung durch die kostenlose Computersoftware PCG Tools und verschiedenste Tutorials. Aber mit Arbeit ist der ganze Spaß trotzdem verbunden. Ein Trostpflaster ist das reichhaltige Zusatzangebot in Sachen Presets und Sample Librarys. Korg selber bedient mit Freeware und kommerziellen Produkten in erstaunlich großer Menge, zusätzlich gibt es noch viel mehr 3rd Party Soundware, das gesamte Angebot ist riesig und die Qualität hat eine Bandbreite von guter Durchschnitt bis Oberklasse. Aber Obacht, auch hier lauert ein Job für Sie, denn es wird nicht nur in den Sections EXi und HD-1 unterschieden, nein, auch werden die via Korg Online-Shop vertriebenen per Instrumentenlizenz weitergereicht. Haben Sie zwei Kronos, dann kaufen Sie auch zweimal die gleiche Library. Mit entsprechenden Folgen beim Wiederverkauf des Instrumentes. Für andere 3rd Party Angebote gilt diese Lizenzbeschränkung übrigens nicht.

Die gute Nachricht ist, dass man das auch alles knicken kann und sich selber drum kümmert. Der Kronos ist nämlich mit verschiedenen Sampleformaten kompatibel, was den Import bereits vorhandener Samples zum Kinderspiel macht. Sie können also munter Ihre NI Kontakt Samples mit einer Konvertiersoftware zum Beispiel in Soundfont Format bringen, der Kronos nimmt das. Zwar müssen dann immer noch Programs erstellt werden, aber das ist recht schnell erlernbar, zumindest für damit einigermaßen erfahrene Musiker. Insgesamt macht der Kronos in Sachen Sound eine ziemlich gute Figur. Na ja, er ist auch schon seit 6 Jahren im Produkt Portfolio und konnte sogar vom teils datenkompatiblen Vorgänger Oasys profitieren, das verschafft Feldvorteile gegenüber den Mitbewerbern – und vor allem den Musikern.

Schauen wir uns die Situation des Newcomers Montage an. Hier werden nur zwei Engines angeboten, und zwar AWM2 für die gesampelten Instrumente und FM-X für alles, was synthetisch erzeugt wird. Das mag verglichen mit dem Kronos knapp wirken, muss es aber im Endeffekt gar nicht. Denn die klangliche Bandbreite ist nahezu identisch, lediglich die Herangehensweise ist anders und vor allem überschaubarer. Während Sie beim Kronos das Vergnügen haben, sich in sage und schreibe neun verschieden aufgebaute Klangerzeuger einzuarbeiten, sind das beim Montage nur zwei, auch wenn die natürlich nicht so konsequent auf Einzelgebiete wie etwa Klavier und Orgel spezialisiert sind. Kleiner Vorteil dennoch für alle Musiker, die sich manchmal mit einem gewissen Überangebot konfrontiert sehen und dann eher vor den Untiefen der Edit Menüs zurückschrecken.

Das Yamaha Soundteam hat nicht ganz den gleichen Job gemacht, wie das offenbar bei Korg der Fall war. Es werden deutlich weniger Presets angeboten, der Sample Content ist mit 5,67 GB ebenfalls geringer ausgefallen, für User Samples stehen nur 1,75 GB zur Verfügung und das Presets Polishing inklusive Controller Assignment hat gelegentliche Lücken und dadurch weniger Highlights auf der Habenseite. Auch ist die FM Abteilung überdimensional mit importierten DX7 Sounds bestückt, die reine Anzahl wirklich neuer auf Basis der 8 OP FM Engine produzierten ist nicht wirklich opulent geraten. Dennoch, alle Klangkategorien sind berücksichtigt und zumindest ausreichend mit Varianten bestückt. Gerade jüngst aber hat Yamaha die OS Version 1.60 bereitgestellt, mit einigen Neuerungen u.a. eine extra Superknob Page. Das verdient in der Bewertung ein Fleißkärtchen. Zudem ist die FM-X Engine mit 88 Algorithmen das momentane Nonplusultra für Klangtüflter, deren Herz sich für Frequenzmodulation begeistert. Wer sich hier reinkniet, wird mit neuartigen Sounds belohnt, die garantiert kein anderer hat. Klares Alleinstellungsmerkmal für Montage und Musiker in Personalunion.

Polyphonie: Der Montage ist dem Kronos etwas unterlegen, jeweils maximal 128 Stimmen werden für AWM2 und FM-X angegeben.

Die Sache mit dem Superknob ist supergut gelungen, eigentlich eins der Top-Features des Montage überhaupt. Während beim Kronos so manche Combi vielleicht sogar überproduziert ist und man gelegentlich fast an Alleinunterhaltung denkt, kommen die Performances beim Montage meist recht bodenständig und schmalbandiger und damit passend für den Typ Band Keyboarder rüber, und lassen dadurch etwa Arrangements genügend Raum für andere Instrumente.

Yamaha bietet wie Korg auf eigener Website zusätzliche Sample Librarys und Presetbänke an, das Angebot ist allerdings noch in den Kinderschuhen, was angesichts der kurzen Zeit des Montage am Markt auch nachvollziehbar ist. Teils handelt es sich jedoch um konvertierte Motif Sample Librarys, denn dieses Format kann der Montage importieren, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Ansonsten sieht es mit unterstützten Sampleformaten relativ mau aus, noch nicht mal Soundfonts werden gelesen. Es wird seitens Yamaha Support eher empfohlen, lediglich Einzelsamples zu laden und im Montage selbst die Fertigstellung von Multisamples zu initiieren. Nicht besonders komfortabel, wie ich finde. Dennoch, da die beiden Engines sehr leistungsfähig sind, ist das sicherlich kein Hinderungsgrund für ambitionierte Soundleute und Musiker, dann halt etwas tiefer in die Materie einsteigen zu müssen. Und für DX7 Soundbänke stellt Yamaha einen Online-Converter bereit, nette Geste.

Forum
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      Obie69  

      Kurzweil ist auch mein Favorit. Ich sage sogar ketzerisch, dass mit tollen noch erhältlichen Samples der K2600 die Kronos und den Montage klanglich locker schlägt. Habe fantastische Fazioli, Bösendorfer und Steinway Klänge auf dem K26. Klingt nach meinen Geschmack besser als die neuen Korg und Yamaha Klaviere.
      Kurzweil haben nicht viel Brimborium und Effekthascherei. Wer keinen riesen Sequenzer und kein Karma braucht, sondern eine klasse Engine mit brauchbaren Sounds in Arrangement, liegt bei Kurzweil richtig.

  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Nichts gegen Kurzweil, aber war das nicht etwas außer der Reihe? Normalerweise treten hier doch die üblichen drei Verdächtigen Korg, Yamaha und Roland an, auch wenn die FA-Serie in einem anderen Preis-Segment liegt..? Wie auch immer, der Markt ist anscheinend nach wie vor vorhanden.

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    AMAZONA Archiv

    Gefallen täte mir der yamaha am besten aber meine alten Kisten sind mir deutlich lieber und so umständlich das sein mag so flexibel bin ich mit mehreren Kisten dass ich lieber meine Sounds selbst auf die altmodische Art und Weise zusammen mischen will. Bei dem Klopfer der alles kann müsste ich mich total umstellen und das kostet mich nur Lebenszeit, die ist mir heilig. Die Geräte werden immer verrückter und komplizierter. Da möchte ich nicht noch einmal von vorne anfangen. Für junge Menschen ist es eine gute Sache, aber ich bin da anders und mit meiner Ausrüstung zufrieden. Die neuen Geräte klingen auch für meinen Geschmack zu Aal glatt und perfekt steril und zu viel Plastik. Also ich mag es eher unperfekt. Trotzdem finde ich den yamaha klasse.

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    Tyrell  RED 1

    Ich hatte den KRONOS eine Zeit lang, aber durch diese unendliche Soundvielfallt ertappt man sich selbst sehr oft beim Presets durchzappen. Klingt jetzt merkwürdig, aber das Teil musste daher wieder weg. Für Bühne und Stage wahrscheinlich perfekt – aber für einen Maschinen-Keller-Nerd wie mich, daher eher kreativhemmend.

    • Profilbild
      Doc

      Hab vor Jahren auch ueberlegt n Kronos 88 anzuschaffen.

      Für die knapp 4000€ eines 88 Kronos gabs….

      Roland FA06, Kawai ES100, Karp Odyssey, Novation BSII, Rocket,
      Mixer, BeatStep Pro, sonstiges Midi…

      Fuer n kleines Lexicon MX400 reichts auch noch.

      Hab die klangliche Vielfalt und den Kabelsalat keinen Tag bereut.

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      0gravity  

      Geht mir genauso. Ich habe die Korg M3 und habe noch nie wirklich Sounddesign damit betrieben, sondern verwende die hauptsächlich als Einspielkeyboard und den Karma-Sequencer als Ideengeber. Aber ich könnte ja…..

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      8plateau

      In meinem Studio-Setup habe ich einen Kronos und einen Kurzweil. Grundsätzlich bevorzuge ich den Kurzweil auf Grund des irgendwie sehr „erwachsenen“ und seriösen Klangs sowie der für mich besser handhabbaren Hardware und der unendlichen Synthesemöglichkeiten. Der Kronos besitzt demgegenüber einige wirklich sehr brauchbare Klänge. Sein Charakter ist in meinen Augen sehr HiFi-mäßig. Schillernd, weit und edel. Insbesondere die Strings sind superedel und bringen schon bei geringem Lautstärkeanteil im Mix eine sehr schöne „Breite“. Den Luxus, beide zu besitzen, genieße ich sehr, da ich sie weniger als Alternative sondern als gegenseitige Ergänzung betrachte. Mit Yamaha-Workstations bin ich jedoch nie wirklich warm geworden.

  4. Profilbild
    Dorgul

    Tja… nun müsstet Ihr nochmal ran :-) Kurzweil hat dem Forte gerade ein komplett neues Betriebssystem spendiert. Der hat nun noch einen „Advanced Mode“ mit 16 Zonen, PC3 Kompatibilität, etc… Da fehlt zu den „richtigen“ Workstations von Kurzweil nur noch der QuickAccess Mode, den ich schmerzlich vermissen würde.

    http://kur.....isons/311/

  5. Profilbild
    Ted Raven  

    Das Hauptmerkmal einer Workstation ist der integrierte MIDI-Sequenzer. Na, welches der drei verglichenen Geräte hat diesen nicht und ist somit gar keine Workstation?

  6. Profilbild
    8plateau

    Ich habe einen Kronos und einen Kurzweil. Grundsätzlich bevorzuge ich den Kurzweil auf Grund des irgendwie „erwachsenen“ und seriödsen Klangs und der für mich besseren Hardware. Der Sequencer ist zwar rudimentär, aber brauchbar. Der Kronos besitzt einige wirklich sehr brauchbare Klänge. Der Charakter ist sehr HiFi-mäßig. Schillernd, breit, edel. Den Luxus, beide zu besitzen, genieße ich sehr, da ich sie weniger als Alternativen sondern als gegenseitige Ergänzung betrachte.

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