6. Mai 2019

Presonus R65 Studiomonitor im User-Test

Im Schatten der Etablierten

Der Monitormarkt ist heiß umkämpft. Besonders in der unteren Preisklasse ist jede Menge Bewegung. Als Beispiel ist die Kampfansage von Adam Audio mit ihrer T-Serie zu nennen. Meistens handelt sich dabei um Einsteigermodelle. Die Preise variieren je nach Hersteller. Schaut man bei Neumman ist man für die KH120 aber auch schon bei ca. 650,- Euro/Stück. 

Ich war lange Zeit sehr unentschlossen, für welche Monitore ich mich entscheiden soll. Schließlich muss es ins Budget passen und bei all dem anderen Kram, den man sich noch so kauft, vernachlässigt man das Sparen auf eine Monitorbox schnell. Letztendlich gewöhnt man sich selbst an die schlechteste Abhöre. Ich war es gewohnt auf Mackie MR5 MK I abzuhören. Damit war ich nicht mehr ganz zufrieden, weil ich doch sehr oft im Auto feststellte, wie unausgewogen meine Mixe wurden. Auch wenn die Mackies kein schlechtes Preis-Leistungs-Gefüge bildeten, jetzt musste mal was neues her. Da kam mir das Gewinnspiel von amazona.de. gerade recht. Selbst liebäugelte ich zwar mit den ADAM A7X, aber die Presonus sind mir auch schon aufgefallen. Zum einen wegen der AMTs und natürlich der blauen Farbe. 

Und tatsächlich gewann ich das Paket. Das Unboxing war schnell gemacht und da standen sie nun, doch etwas schwerer und größer als meine alten Monitore. Recht schick finde ich sie, dafür gibt es schon mal einen Pluspunkt. Die blaue Farbe muss man mögen. Aber: Presonus hat mitgedacht und Faceplates mitgeliefert, die leicht mit einem Imbus ausgetauscht werden können. Nochmal Daumen hoch! 

Die Verarbeitung finde ich sehr gut. Alles wirkt wertig bezogen auf den Preisrahmen, den man immer im Auge haben muss. Die Kanten sind abgeschrägt, was helfen soll, Vibrationen zu vermeiden. Die AMTs sind nicht identisch mit denen von Adam A7X (X-ART), das sieht man mit bloßem Auge. Ansonsten gibt es einige Parallelen wie der Leistungsbereich. Der Tieftöner wird bei beiden mit 100W, der Hochtöner mit 50W bespielt (Class D). Der Amerikaner ist deutlich leichter als der Berliner (6,4 vs. 9,3 kg). Die R65 sind ähnlich breit, aber deutlich tiefer, dafür nicht so hoch. Optisch gibt’s daher keine Gemeinsamkeiten zu vermelden. 

Der Blaue ist hinten gut ausgestattet. Für den Betrieb mit einem Subwoofer ist ein Hochpassfilter integriert (60/80/100 Hz), was sehr gut funktioniert. Höhen und Bässe können dreistufig erhöht beziehungsweise abgesenkt werden. Alles wirkt aufgeräumt, gut erreichbar und gut durchdacht. Die Lautstärkeanpassung hat zumindest eine Mittenrasterung, was die Kalibrierung per Hand durchaus erleichtert. Das erweist sich bei anderen Herstellern als echtes Manko. Integriert sein soll auch eine Schutzschaltung vor Überlastung, was ich so nicht beurteilen kann. Sehr schön finde ich die Abschaltautomatik, die man aktivieren kann. Für mich ist das nicht so erheblich, aber andere mag es stören: startet man nach einer Weile die Musikwiedergabe, gibt es eine merkliche Verzögerung und einmal schaltete sich bei mir die rechte früher ein als die linke. Dramatisch finde ich das aber nicht. Gut ist, dass die Bassauslässe sich vorne befinden. Bei wandnaher Aufstellung sicherlich vorteilhaft. Bei mir ist das nicht der Fall, soll trotzdem lobend erwähnt sein. Eine etwaige Fönsituation vor dem Monitor habe ich nicht erlebt, das (wenige) Haar sitzt. 

Einstreuungen durch Smartphone & Co. habe ich nicht feststellen können. Laut technischer Angabe des Herstellers wird 45 Hz unten und 22 kHz oben ans Ohr geliefert. Getrennt wird bei 2,7 kHz, was ein gängiger Bereich ist. Mitunter wird davon berichtet, AMTs seien zu harsch, die Ohren ermüden recht schnell und der Sound wird teilweise sogar als schrill beschrieben. Bei den R65 habe ich nichts dergleichen festgestellt. Ich empfinde die Höhen als sehr angenehm und ich kann sie lange hören, ohne Einbruch der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Geradezu hochgradig erfreut war ich darüber, dass ich die einzelnen Instrumente plötzlich sehr genau im Raum orten kann. Die Stimme sitzt jetzt auch mittig und bleibt dort fixiert. Bei meinen alten Monitoren war ich da häufig irritiert und die Instrumente verschwammen derbe im Soundgewirr. Jetzt ist das alles ganz anders. Die oberen Mitten sitzen für mich noch recht gut, bei den unteren Höhen (ca. 2000 bis 3500 Hz) sind leichte Unterrepräsentationen festzustellen. Der (männliche) Gesang verliert etwas an Präsenz, also ggf. sind auch die mittleren Höhen betroffen. Genau orten kann ich das nicht. Dies hatte ich gerüchteweise schon gelesen, aber ich hatte auch das Gefühl. Im Vergleich mit meinen HiFi-Boxen, die da überbetont sind, fällt das natürlich erst recht auf. 

Bei den tiefen Frequenzen empfinde ich besonders elektronische Musik als definiert, nicht überbetont und ausgewogen. Es fehlt etwas das tiefe Fundament, was bei der Größe der Box nicht anders zu erwarten war. Pop-Musik kommt aber gut rüber, es fehlt an nichts. Im Rockbereich klingen Gitarren bei breiten Spektren gut definiert und druckvoll. Elektronische Musik profitiert von der Klarheit, aber weniger vom Tiefgang. Ein Subwoofer löst das Problem ohne Weiteres. Leider ist mein Raum nicht optimal, aber besser als herkömmliche Räume mit graden gegenüberliegenden Wänden. Er hat eigene Probleme, die aber gut kalkulierbar sind. Daher erlaube ich mir auch, die Presonus R65 zu beurteilen. 

Fazit
Das Gesamtbild ist sehr, sehr gut. Es fehlt mir natürlich an weiteren Vergleichsmöglichkeiten und das Hörbild ist streng subjektiv. Sie sind nicht hochgradig analytisch, aber meines Erachtens ausreichend. Bis auf den Gesang wird die gesamte Bühne gut abgedeckt und nichts wirkt überzeichnet. Für mich taugen sie auch als Allrounder, denn nicht nur die Mischung gelingt, sondern auch der Hörgenuss. Eine echte Kaufempfehlung, denn viel Geld kosten die nicht. Daher auch als Zweitabhöre denkbar. Endlich mal ein Amerikaner, der zurecht auftrump(f)t…. :-)

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • AMT klingt sehr angenehm
  • Stereo-Panorama, Tiefenstaffelung und Ortung der virtuellen Bühne
  • geringes Gewicht trotz wertiger Bauweise
  • Ausstattung (wechselbare Front, Mittenrasterung bei Lautstärkeanpassung)

Minus

  • (Männer-)Gesang etwas unterrepräsentiert
  • Bass-Fundament könnte etwas mehr sein
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