Techno gilt nun laut Gerichtsurteil als Musik

16. November 2020

Gerichtsurteil: Techno darf sich ab sofort offiziell als Musik bezeichnen

Techno gilt nun laut Gerichtsurteil als Musik

Techno gilt nun laut Gerichtsurteil als Musik

Schluss mit den ewigen Vorurteilen: Techno darf sich ab sofort offiziell als Musik bezeichnen

Jeder Musiker, Produzent oder Anhänger elektronischer Musik kennt es, ganz besonders beim Genre Techno: „Was du da machst, ist doch keine Musik, man drückt ein paar Knöpfe und fertig ist die Laube!“ Doch weit gefehlt, seit dem BFH-Urteil vom 23. Juli 2020, V R 17/17 ist es nun amtlich und alle Diskussionen können jetzt schon im Keim erstickt werden.

Der Ausgangspunkt hierzu war eine Klage einer Berliner-Clubbetreiberin aus dem Jahr 2009. Streitig war, ob die Eintrittsgelder aus den von der Klägerin und Revisionsbeklagten im Streitjahr  veranstalteten „Clubnächten“ dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Die Klägerin ging davon aus, dass es sich bei der Veranstaltung von Klubnächten um Konzerte i. S. des §12 Abs.2 Nr.7 Buchst. a des Umsatzsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung handele und erklärte die Erlöse aus den Eintrittsgeldern für die Clubnächte daher zum ermäßigten Steuersatz.

Die dagegen erhobene Klage führte tatsächlich zum Erfolg. Nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte veröffentlichten Urteil des Finanzgerichts unterlägen die Eintrittsgelder für die Clubnächte dem ermäßigten Umsatzsteuersatz. Die besagten Clubnächte erfüllten den Konzertbegriff und die musikalischen Darbietungen der DJs gäben der gesamten Veranstaltung ihr individuelles Gesicht. Die DJs würden schließlich im Rahmen der Clubnächte eigenständige Musikstücke von künstlerischem Charakter aufführen, die sie in einem kreativen Prozess schaffen. Außerdem widerspräche entgegen der Ansicht des FA die Gewährung des ermäßigten Steuersatzes für die streitgegenständliche Veranstaltung von Clubnächten auch nicht dem Sinn und Zweck der Steuerbegünstigung.

Tja, so sieht es nun aus, jeder selbsternannte Musikkenner lässt sich also jetzt problemlos in die Schranken verweisen, wenn er Techno-Musiker als unmusikalische Knöpfchendrücker degradieren will.

Wen dieses Urteil in Gänze interessiert, kann HIER einsteigen,

Und hier noch ein Lesetipp zum SOUND OF FRANKFURT von Leser Tom Petz, HIER AUF AMAZONA.de

Techno gilt nun laut Gerichtsurteil als Musik

Forum
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    Boris

    Entschuldigung, aber in dem Urteil ging es doch überhaupt nicht darum, ob Techno nun Musik sei.

    Hier wurde geklärt, dass das „Plattenauflegen“ durch einen DJ den Charakter einer eigenständigen Musikdarbietung eines Konzerts sei und somit den Hauptzweck einer Veranstaltung darstellt – in Abgrenzung zu einem „Partybetrieb“, bei dem Musik im Hintergrund läuft.

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      Tyrell  RED 11

      Hi Boris, das ist nur die halbe Wahrheit. Der folgende Auszug aus dem Urteil ist wichtig:
      „Die Darbietung von Techno- und House-Musik durch verschiedene DJs kann einer Veranstaltung auch dann das Gepräge eines Konzerts oder einer konzertähnlichen Veranstaltung geben, wenn die Musikaufführungen regelmäßig (wöchentlich) stattfinden“
      Soweit ich das verstanden habe, galt dies zuvor bereits für alle anderen Musikrichtungen – nur nicht für Techno, House etc. Es ging deshalb in diesem Urteil explizit um die Art der Musik.

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      Jens Vetter  RED

      Das ist doch auch mit einem Augenzwinkern zu sehen. Natürlich ging es in erster Linie um das Urteil bzgl. der Kriterien eines Konzerts, mit etwas Phantasie kommt man dann darauf, dass Live-DJing bzw. Techno im übertragenen Sinn somit Konzerte darstellen und als Musik anzusehen ist. Denn wer sonst außer Musikern spielt sonst noch Konzerte?

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        Boris

        Dann hätte die Überschrift lauten müssen:

        Gerichtsurteil: DJs sind Musiker.

        Denn hier ging es nie darum, ob das, was er spielt, Musik sei. Es ging darum, ob ER als Musiker angesehen werden kann, der hier eine Art Konzert gibt, und eben nicht nur als „Dienstleister“, der lediglich Schallplatten für eine Tanzveranstaltung abspielt.

        Und das halte ich in der Tat für eine sehr wichtige Aussage, die dieses Urteil transportiert. Deine Interpretation — Augenzwinkern hin oder her — ist ein wenig an den Haaren herbei gezogen und lenkt von dem eigentlichen Signal, das von diesem Urteil nun ausgehen kann, leider ein wenig ab.

        Übrigens: Dieselbe Fragestellung gibt es ja auch bei Tanzveranstaltungen mit Live-Band. Auch wenn das zweifelsfrei Musiker sind und das, was sie da ihren Instrumenten abverlangen, auch irgendwie als Musik gelten kann, wird es steuerrechtlich nicht als Konzert oder konzertähnliche Veranstaltung betrachtet, da die musikalische Aufführung nicht der Zweck dieser Veranstaltung ist.

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    SynergyMan  

    Im deutschen Steuerrecht gibt es so viele Ausnahmetatbestände, dass hier der Rückschluss Techno sei Musik zu verallgemeinern unangebracht ist. Bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bleibt es Krach und DJing Pipifax (duck und weg).

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    WOK  

    „Die DJs würden im Rahmen der Klubnächte eigenständige Musikstücke von künstlerischem Charakter aufführen, die sie in einem kreativen Prozess schaffen. “
    Was so ein Richter halt unter Kunst versteht.

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    Hein Bloed  

    Techno ist ALTE Musik. Das heute als aktuelle und innovative Musikform zu werten, ist als ob man in den frühen 90ern Janis Joplin für den heissesten Scheiß gehalten hätte.

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        roskiewicz

        Es ist sogar sehr alte Musik. Siehe afrikanische Stammesrituale mit percussiven Holzinstrumenten. Selbst die Art des „Tanzes“ und der Laute kommt dem Techno sehr nah. Genau genommen ist es eine phsychosomatische Manipulation des Geistes.

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          Ted Raven  AHU

          Wenn man unbedingt will, kann man offensichtlich wirklich alles als Techno definieren. Als nächstes bezeichnet jemand Orff als Techno, weil in seiner Musik Schlagwerke vorkommen. Langsam fängt es an, weh zu tun.

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            roskiewicz

            Ja klar tut das langsam weh, deshalb hab ich die Sache auf den Punkt gebracht. Einfach mal aufhören. Hab ein besseres Thema: Audio Software und deren Stillstand seit 15 Jahren. Und der Verkaufs-Irrsinn. Der Sampleplayer ist gratis und dann gibts 5 GB gratis Sounds und die PRO Libary mit 2048 Terrabyte HiEnd Sample gibt es jetzt für 1999 EUR statt 4999 EUR. 3 Jahre Freizeit investiert um alle Samples zu hören. Und egal zu welchem Thema man die Software Firmen kontaktiert, die antworten NIE.

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        Holden  

        Das dachte ich auch immer wenn ich DJ Winnie Trenkler und sein Gezimbel bei „Schwingungen“ hören mußte. ;)

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          iggy_pop  AHU

          Das erfüllt über weite Strecken den Tatbestand der Körperverletzung.

          Sollte FSK drauf sein, zum Schutze des seelischen und körperlichen Wohls, nicht nur von Kindern.

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    AMOS omb

    Wo fängt Musik denn an? Oder hört sie auf? Festgelegte Klassik Fans halten Rock und Pop nicht für Musik, der festgelegte Rocker hält Punk nicht für Musik, der Punker halt Techno nicht für Musik. Dann wäre da noch der Schlager usw. Wenn ein Zuhörer der Meinung ist das ist Musik dann ist das in dessen Ohren halt Musik und basta. Ich versuche immer jede Art Musik irgendwie zu akzeptieren. Aber letztendlich gelingt mir das auch des Öfteren nicht.

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