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Der perfekte Soundcheck: 7 wichtige Punkte

15. August 2019

Wie der Soundcheck optimal umgesetzt wird

Der perfekte Soundcheck

Bevor der Gig beginnt, ist der perfekte Soundcheck angesagt

Man hat’s nicht leicht, aber leicht hat’s einen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber im Laufe der Jahrzehnte hat sich bei mir der Soundcheck von einem anspornenden und aufregenden Erlebnis zu einem der nervigsten, aber leider auch unumgänglichsten Punkte entwickelt, die es für eine möglichst perfekte Show zu absolvieren gilt. Alle noch so ausgeklügelten Versuche, diesen Bereich mit technischen Hilfsmitteln abzukürzen oder gar abzuschaffen, entpuppten sich letztendlich als nicht umsetzbar. Nun denn, wenn auch ihr euch lieber auf die Show konzentrieren wollt und den Soundcheck und sein Umfeld so knackig und effektiv wie möglich absolvieren wollt, hier ein paar Tipps für die Praxis.

1. Der perfekte Soundcheck: Vorbereitungen

Wer sich in der glücklichen Lage wähnt, einen festen FOH (Anm. Red.: Tontechniker für die Beschallung des Publikums – es gibt auch Tontechniker, die speziell für das Monitoring zuständig sind) zu beschäftigen, der eventuell auch noch Tourleiter-Funktionen übernimmt und den Transporter fährt, hat schon mal einen großen Vorteil gegenüber den Bands, die mit einem örtlichen FOH arbeiten. Nicht dass der Örtliche in irgendeiner Art weniger Klasse besitzen würde, aber mit dem festen FOH entfällt eine Menge Kommunikation, die im Vorfeld unbedingt geführt werden muss und bei der ebenso viel falsch gemacht werden kann. Ebenso macht es einen Riesenunterschied, ob man als einzige Kapelle des Abends auftritt, einen Support hat oder ob es sich um ein Festival handelt.

Eines der wichtigsten Punkte innerhalb einer Band, die noch nicht für jede Handlung einen Externen wie Management, Booker, Tourleiter, Backliner o. ä. beschäftigt, ist die Zuweisung des Ansprechpartners bzw. der Person, die die Band nach außen hin vertritt. Sowohl der örtliche Veranstalter, der FOH, der Lichtmischer, der Clubbesitzer und weitere Personen brauchen in der Band jeweils einen Ansprechpartner für alles, was die Show hergibt und man sollte tunlichst dafür sorgen, dass nicht alles an einer Person hängen bleibt, die nachher noch auf der Bühne stehen muss. Da die wenigsten Bands im Hobbybereich mit eigenem Tourleiter reisen, ist es hilfreich, die verschiedenen Aufgaben aufzuteilen.

Zum Beispiel ist es sinnvoll, dass ein Vertreter der Band, der auch das Booking übernimmt, sich ebenfalls um den Kontakt zum Clubbesitzer und die anschließende Abrechnung kümmert. Ein anderer in der Band übernimmt die technische Kommunikation, wieder ein anderer kümmert sich um die Logistik wie Parkbereich, Laderaum, Garderoben, Platz für den Merche-Verkauf, Einweisung der Stagehands usw.

Der perfekte Soundcheck

Damit die Show ein Erfolg wird

2. Der perfekte Soundcheck: Tech Rider

Nach außen hin wird immer sehr gerne über den Catering-Rider diskutiert, in der Realität hat aber der Tech-Rider eine vielfach wichtigere Funktion. Dieser sollte unbedingt ein Vertragsbestandteil des Gastspielvertrages sein und ebenso unterschrieben werden. Wer schon einmal in einem Club aufgelaufen ist und keine PA oder vielleicht eine 2x 100 Watt Gesangsanlage vorgefunden hat, weiß wovon ich rede.

Um den örtlichen FOH vorzubereiten, was an dem Abend auf ihn zukommt, empfiehlt es sich, Namen und Kontaktdaten zu erfragen und den FOH entsprechend zu kontaktieren. Neben der Nachfrage, ob er den Rider erhalten hat, lassen sich so auch schnell die Punkte genügend Mikrofone, Kabel, Stative, Monitoranlage etc. erfragen, wo es bis zu heutigen immer noch Missverständnisse im Sinne von „ich dachte, das bringt alles ihr mit“ gibt.

Zudem empfiehlt es sich bei eigenen Songs, dem FOH einen Link zur Website bzw. einer Seite zu schicken, auf dem er sich ein Bild von euren Songs, eurem Sound und eurer Performance machen kann. Aber nicht sauer sein, wenn der FOH sich nicht im Vorfeld schlau gemacht hat, einige Mischer interessieren sich halt für den Künstler, andere hingegen weniger.

3. Der perfekte Soundcheck: Backline

Zunächst einmal gilt es, seinen Kram zusammenzupacken und für den Transport vorzubereiten und glaubt mir, es gibt kaum einen Punkt während einer Show, wo so viele Fehler gemacht werden. Zeig mir eine Backline und ich sage dir, wer du bist. Du kannst geübt haben, bis der Arzt kommt, wenn du deine Kabel in einer Plastiktüte und deine Pedale lose in einem Jutesack transportierst, ist deine Außenwirkung nicht nur gleich null, nein, dein Handwerkzeug wird garantiert in dem Augenblick versagen, wo du es am nötigsten brauchst.

Ich kann es nicht oft genug sagen, transportiert eure Sachen zumindest in einem festen Koffer, Oma hat bestimmt auf dem Dachboden noch den einen oder anderen Samsonite Haltschalenwämmser, der hierfür geradezu prädestiniert ist. Mittlerweile gibt es auch im Budget-Bereich jede Menge einfach gehaltene Cases, die zumindest moderate Schläge und Stöße abfedern.

Ein weiterer Punkt, der sich immer wieder empfiehlt, sind Ladelisten. Einmal eine ordentliche Liste erstellen, was alles mit muss, auf die Innenseite der Proberaumtür kleben und sukzessive abarbeiten. Eine zweite Kopie auf die Ladetür des Transporters kleben und das Ganze nach der Show wieder zurück. Was ist nicht schon alles auf dem Weg hin oder zurück zur Show liegengeblieben, ganze Musikgeschäfte könnte man damit ausrüsten.

Der perfekte Soundcheck

Der Herr der Knöpfe – der FOH

4. Der perfekte Soundcheck: Backline Sharing

Bei kleinen Festivals faktisch ein fester Bestandteil des Bühnenaufbaus, das Backline-Sharing. Ja, ich verstehe absolut, dass jede Band am liebsten über ihren eigenen Kram spielen möchte, aber nichts ist nerviger, als einen kompletten Changeover inklusive Boxen, Drumsets etc. auf einer Minibühne zu absolvieren und dabei das Publikum 30 Minuten lang warten zu lassen. Handelt es sich nicht um eine klassische Headliner/Support-Konstellation, sondern um eine Anzahl annähernd gleichwertiger Bands, sollte man sich im Vorfeld auf möglichst viel gemeinsam genutztes Equipment konzentrieren.

Für Gitarristen und Bassisten sollte es ein Einfaches sein, nur die Topteile zu tauschen. Eine 4×12“ für Gitarre und eine 4×10“ für Bass sollte immer irgendwo gemeinsam nutzbar vorhanden sein, wobei es sich natürlich anbietet, dass die Band, die als letztes spielt, ihren Kram aufbaut und die anderen Bands einfach ihre Topteile auf die Cabinets setzt. Hier ist die Gefahr von verschobenen Mikrofonen und falsch gesteckten oder vergessenen Kabeln sehr gering.

Bzgl. Drums gibt es natürlich deutlich größere Probleme, aber auch hier kann man mit den Standards eigene Becken, eigene Fußmaschine und eigene Snare schon vergleichsweise viel erreichen.

Es erklärt sich natürlich von selbst, dass die Drummer, die das Set der letzten Band mitbenutzen, nach der Show zusammenlegen und dem Drumset-Steller einen neuen Satz Felle bezahlen!

5. Der perfekte Soundcheck: Ankunft und Aufbau

Während man in einem Club normalerweise gegen Nachmittag ankommt und in Ruhe seinen Soundcheck erledigen kann, regiert auf Festivals immer ein immenser Zeitdruck. Für den Künstler nicht immer nachzuvollziehen, für den Promoter hingegen eines der wichtigsten Punkte überhaupt. Für jede Minute, die ein Act überzieht, bekommt ein anderer Spielzeit entzogen, denn eins ist sicher, den Headliner interessiert es nicht, wenn die Support-Bands überziehen und wer nicht rechtzeitig von der Bühne ist, dem wird der Strom abgestellt. Selbst auf Mega-Festivals wie dem Wacken Open Air befindet sich auf jeder Bühne eine große Digitaluhr und wer mehr als 1 Minute überzieht, bekommt den Strom abgestellt, egal wie groß die Namen auf der Bühne sind.

Von daher, zunächst einen Parkplatz suchen, dann den Stagemanager kontaktieren, dann ausladen und seinen Kram an dem euch zugewiesen Ort lagern, dann den Transporter wieder wegfahren und das persönliche Equipment so weit wie möglich vorbereiten. Wahrscheinlich gibt es nur einen Line-Check, bei dem der FOH prüft, ob überhaupt ein Signal durch den Kanal kommt, den eigentlichen Sound macht er erst in den ersten 2-3 Songs. Ja, es ist stressig, ja, alle sind angespannt und nein, es geht leider nicht anders.

6. Der perfekte Soundcheck

Eins vorneweg, der FOH ist euer Freund! Ja, man hat manchmal den Eindruck, die Kollegen wären etwas abwesend bei der Sache, aber der Eindruck täuscht. Im Regelfall ist es auch im Interesse des FOH, dass euer Sound so perfekt wie möglich ist, da er bei einer entsprechenden Leistung auch entsprechende Folgeaufträge erhält. Wie ein FOH seinen Job macht, ist durchaus unterschiedlich, aber nur in sehr, sehr seltenen Fällen bekommt der FOH eine Ansage vom Management des Headliners, den Sound nicht ganz so gut wie möglich zu gestalten. Von daher, konzentriert euch auf eure Performance und gebt den Technikern einen ordentlichen Vertrauensvorschuss, denn eins ist sicher, wer den FOH wegen jedem Pups anpflaumt oder seine persönliche Anspannung über ihn kompensiert, hat verloren!

7. Der perfekte Soundcheck: technische Probleme

Ich weiß, auch der folgende Rat ist ein alter Hut, aber er wird immer noch von vielen Bands nicht ernst genommen. Man sollte jeden, wirklich jeden Artikel doppelt dabei haben, seien es Instrumente, alle! Kabel, Batterien, Saiten, Verstärker, Cabinets, In-Ear-Systeme usw. oder aber Vorrichtungen, mit denen man zur Not eine Show zu Ende bringen kann. Einen Bass kann man zur Not über eine D.I. Box fahren, aber eine Gitarrist ohne Amp? Und schon ist die komplette Show vorbei!

Zur Not einen Lieblingsverzerrer mit einpacken und im Notfall freundlich bei dem Gitarristen einer anderen Band anfragen, ob man kurzfristig seinen Head nutzen darf. Je autarker ihr mit eurem Equipment seid, umso besser für euch. Des Weiteren eine Kopie aller Verträge dabei oder zumindest ein PDF dergleichen auf Dropbox oder sonst wo gespeichert immer zugänglich haben.

Der perfekte Soundcheck

Die Ruhe vor dem Soundcheck

Fazit

Je ruhiger und realistischer ihr an einen Soundcheck herangeht, umso besser für alle Anwesenden und Involvierten. Der Soundcheck ist keine Probe, keine Diskussionsplattform und kein Schauplatz für Ego-Affentheater, sondern ein notwendiges Übel, was im Normalfall jeder möglichst knackig und routiniert hinter sich bringen möchte. Einzig die finale Show zählt, daher lohnt es sich, vor, während und nach dem Soundcheck möglichst wenig falsch zu machen.

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