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Equipment-Empfehlung: Keyboard Setups für Cover-Musiker

Von der Keyboard-Burg zur Workstation

24. August 2022

Keyboard Setups von Cover-Musikern haben sich über die Jahre deutlich verändert. Schuld daran war nicht nur die sich beständig verändernde Technologie, sondern auch eine sich fortwährend ändernde Musik. Wie oft musste es ein bestimmtes Keyboard sein, um diesen einen Sound zu erzeugen? Waren früher mehrere Keyboards notwendig, um die notwendigen Sounds der großen Hits zu erzeugen, reicht heute ein Masterkeyboard mit Computer oder eine leistungsfähige Keyboard-Workstation. In diesem Teil der Reihe für Keyboarder in Cover-/Tribute-Bands schauen wir uns genauer an, wie sich Keyboard-Setups über die Jahre verändert haben, indem Hersteller auf die Erfordernisse der Keyboarder reagiert haben. Außerdem zeige ich einige Ideen, wie sich eine Keyboard-Workstation gewinnbringend auf der Bühne einsetzen lässt.

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Equipment früher: Materialschlachten auf der Bühne

Lange Zeit mussten Keyboarder eine große Zahl Keyboards und Geräte bedienen. Jedes davon stand für einen bestimmten Sound oder besaß eine bestimmte Funktion. Mit der Erfindung von MIDI wurde das in den 1980er-Jahren auf die Spitze getrieben. Zu Beginn meiner Keyboarder-Karriere in einer semi-professionellen Cover-Band war in meiner Keyboard-Ecke auf der Bühne zahlreiches Equipment zu finden:

  • zwei Synthesizer (verschiedene Synths der 80er und frühen 90er, wie Casio CZ1, Kawai K1)
  • ein Kawai Q80 Sequencer
  • ein Roland D-110 Expander
  • ein Yamaha TG100 Expander
  • ein Korg P3 Piano Sound Module
  • zwei Effektgeräte (Alesis Microverb und Alesis Midiverb III)
  • ein Rack-Mischpult
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Mein Cover-Band Equipment in den 80er/90er-Jahren

Es folgte dann als Zwischenstation ein Ensoniq EPS 16+ Samper anstelle des Casio CZ1 und schließlich eine Workstation von Ensoniq: die Ensoniq TS-10. Diese stellte schon eine große Erleichterung gegenüber dem vorherigen großen Rack dar: Sie besaß einen Sequencer, gute Sounds (insbesondere für das Piano) und konnte die Samples vom EPS-16+ lesen und später von meinem Ensoniq ASR-10, den ich aber nie mit auf der Bühne hatte (aus Gründen des hohen Gewichts). So ließen sich viele Aufgaben mit nur einem einzigen Gerät erledigen. Außerdem gab es endlich hochwertige Effekte, sodass auf den Einsatz externer Effektgeräte verzichtet werden konnte. Der Einsatz von Samples ermöglichte es schließlich, mit weniger spezialisiertem Equipment nur für bestimmte Sounds auszukommen. So war für einige der berühmten FM-Sounds kein DX7 mehr erforderlich und auch andere Signature-Sounds haben einfach ihren Weg als Sample auf die Bühne gefunden.

Die Musik diktiert das Equipment

Doch die Entwicklung meines Equipments ging wieder in eine andere Richtung, die eigentlich bereits deutlich aufzeigt, wohin die Reise bis heute ging:

  • Miditemp MP88W MIDI/WAV Player
  • EMU ESI-2000 Sampler
  • Yamaha MU80 Expander
  • Technics SX-P50 Stage Piano, später Kurzweil PC1X, dann Yamaha MOX88
  • Yamaha AN1X Analogue Modelling Synth

Schuld daran waren Dancefloor, Techno und Eurodance, die plötzlich die Charts fluteten und vom Publikum verlangt wurden. Außerdem mussten weiterhin ältere Hits gespielt werden, teilweise als Remixe und Medleys (Stichwort: „Hitmixes“: Pur, Erste Allgemeine Verunsicherung, Neufassungen diverser NDW-Hits von Nena und vieles mehr). Die extrem kurze Halbwertszeit mancher Hits hat schließlich dazu geführt, dass ich MIDI-Files nicht mehr selbst programmiert habe wie zuvor, sondern diese gekauft wurden. Firmen wie Hitbit und die berühmten MIDI Hits Collection Disketten hatten Hochkonjunktur.

MIDI-Files haben Hochkonjunktur

Die Ensoniq TS-10 hatte nämlich einen gewaltigen Nachteil: Sie war nicht kompatibel zu GM MIDI-Files und das Diskettenlaufwerk konnte keine Disketten im MS-DOS Format lesen. Außerdem reichte die Polyphonie für manche Arrangements nicht aus, um zum Sequencer noch live zu spielen. Auch Samples in anderen Formaten auf das Ensoniq-Format zu konvertieren, war nicht ganz so einfach und setzte einen Computer mit MS-DOS voraus oder einen alten Mac, bei denen noch die Firmware des Diskettenlaufwerks oder dessen Controllers manipuliert werden konnte. Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an das legendäre MS-DOS Tool Convert 1.4 von Jesus Villena und den Ensoniq Disk Extractor EDE109.exe von Gary Giebler. Als Workstation war die Ensoniq TS-10 einfach nicht mehr leistungsfähig genug.

Mit dem Miditemp MP88W war es nun möglich, MIDI-Files ohne große Formatkonvertierung direkt abzuspielen. Später habe ich den Yamaha MU80 durch eine Soundkarte für den MP88W ersetzt. Der Sampler von EMU war mit vielen eigenen Samples bestückt.

Virtuell-analoge Synthesizer auf dem Vormarsch

Der Yamaha AN1X musste als VA-Synth für alles herhalten, was damals an Lead-Sounds für die Hits um den Jahrtausendwechsel benötigt wurde. Dazu zählte auch der Arpeggiator. Zwar ließen sich auch mit digitalen Synthesizern der Zeit viele aktuelle Sounds der 90er und frühen 2000er erzeugen, doch einen großen Schwachpunkt hatten die meisten Synthesizer: die Filterschaltungen und der fehlende Direktzugriff auf Syntheseparameter über die Bedienoberfläche. Der Yamaha AN1X steht hier deshalb stellvertretend für eine ganze Generation an Keyboards, die ab Mitte der 90er-Jahre das Licht der Welt erblickten und die Musik im Studio und auf der Bühne bestimmt haben: Access Virus, Clavia Nord Lead, Novation BassStation, Novation Supernova und andere.

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Gospel Cover-Songs erfordern Piano, Synthesizer und vor allem Hammond B3 Orgel. Aus diesem Grund habe ich lange Zeit drei Instrumente genutzt, die jeweils einen dieser Bereiche abgedeckt haben.

So hat sich mein Setup über die Jahre immer wieder verändert, meistens aufgrund einer musikalischen Neuorientierung. Lange Zeit habe ich nur Gospel und christliche Popularmusik (Worship) gespielt. Dort standen Piano, Hammond B3 Orgel und einige typische Synthesizer-Sounds auf dem Programm. Da es lange Zeit kein Equipment gab, das all das in gleich guter Qualität unter einem Dach geboten hat, kamen bis zu drei Keyboards zum Einsatz, die jeweils Spezialisten auf einem Gebiet waren.

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Andere Musik, anderes Equipment

Die moderne Workstation

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Alles unter einer Haube und sehr gut transportabel: Die Keyboard Workstation Roland Fantom mit VA-Synthese alter Roland Klassiker, ZenCore, V-Piano, B3 Emulation, Sampling, Sequencer, Arpeggiator und vielem mehr.

Heute hat sich das glücklicherweise geändert, nur der Anforderungskatalog an Keyboarder in Cover- oder Tribute-Bands ist gleich geblieben: Es muss ein großes Sound-Arsenal verfügbar sein, Sequencer, Backing-Tracks und Arpeggiator werden immer mal wieder für Songs benötigt und auch eine Sampling-Funktion ist sinnvoll. All das finden wir in den aktuellen Workstations von Yamaha, Roland oder Korg vor.

Alles unter einem Dach

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Auferstehung von Legenden: VA-Synthese mit Emulation eines Roland Jupiter-8 innerhalb der Roland Fantom Workstation

Wer wie ich mit der ersten Generation digitaler Synthesizer aufgewachsen ist, wird sich beim Studium der Spezifikation heutiger digitaler Keyboard-Workstations immer noch verwundert die Augen reiben: eine Polyphonie von 256 Stimmen, 16-fach multitimbral, verschiedene Syntheseformen von virtuell-analog über B3 Emulation bis hin zu riesigen Sample-Librarys in einer Größe, die man früher als Besitzer typischer AKAI oder EMU Sampler niemals für möglich gehalten hätte.

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Yamaha hat mit der Yamaha Montage Workstation die FM-Synthese wiederbelebt

Dazu Effekte in Studioqualität, Sampling, Sequencer, Arpeggiator, Drum-Computer und vieles mehr. Nicht zu vergessen das integrierte USB-Audiointerface mit DAW Remote-Funktion und Anzeige von Plug-in-Parametern auf dem Touch-Display des Keyboards. Ein junger Musiker der heutigen Generation muss sich doch fragen, wie mit unbezahlbarem Highend-Equipment wie einem Fairlight CMI überhaupt Musik gemacht werden konnte, wirkt dieses doch heutzutage wie ein Spielzeug. Ursprünglich gedacht für die Musikproduktion, lassen sich Keyboard-Workstations aufgrund ihrer hohen Leistungsfähigkeit doch auch auf der Bühne einsetzen.

Roland-Fantom-Regler

Wie ein analoger Synthesizer: Direkten Zugriff auf wichtige Synthese-Parameter gibt es heutzutage auch bei Workstations wie hier der Roland Fantom

Sequencer

Der Einsatz von Sequencern ist immer wieder ein Thema, das Keyboarder beschäftigt. Viele denken dabei unweigerlich an komplette Tracks. Doch oftmals sind es keine komplexen Arrangements, die mit dem Sequencer abgespielt werden, sondern einzelne kurze Passagen oder ein Percussion-Pattern, zu dem dann live gespielt wird.

Als Beispiel sei die kurze Sequenz am Ende der Bridge von Michael Jackson’s Song Black or White genannt. Man könnte diese als Sequenz anlegen und per Pad abfeuern. Ein anderes beliebtes Stück bei Cover-Bands ist Totos Hit Africa. Hier wäre das Percussion-Pattern unter den Drums ein typischer Kandidat für den Sequencer. Über die Einzelausgänge der Keyboard-Workstation erhält der Drummer ein Click-Signal. So bleibt (hoffentlich) alles schön synchron.

Natürlich könnte man auch so manchen Synth-Bass vom Sequencer spielen lassen. Doch in diesem Fall gibt es eine bessere Lösung, den Arpeggiator.

Roland_Fantom

Der Sequencer der Keyboard-Workstation kann auch für das Abspielen kurzer Phrasen verwendet werden, die von Hand nur schwer spielbar wären

Arpeggiator

Viele denken beim Wort Arpeggiator an die typischen schnellen Synthesizer-Akkordbrechungen der Pop-Songs der 70er- und 80er-Jahre. Heutige Arpeggiatoren sind sehr viel leistungsfähiger und ermöglichen es, beliebige Patterns zu generieren und diese aus MIDI-Files zu importieren. Der Arpeggiator eignet sich deshalb sehr gut für sequenzierte Synth-Bass-Linien. Statt diese nun in den Sequencer zu spielen, nutzt man stattdessen den Arpeggiator. Mit diesem lassen sich die Bass-Linien nämlich transponieren, sodass der Keyboarder live mehr Kontrolle hat und die Band nicht an eine feste Song-Abfolge gebunden ist. Ein nettes Beispiel wäre der Synth-Bass in dem gerade wieder durch Stranger Things aus der Versenkung geholten Kate Bush-Hit Running Up That Hill. Auch den pulsierenden Off-Beat-Bass aus „Move like Jagger“ könnte man dem Arpeggiator überlassen. Nutzt man die Hold-Funktion, steht die linke Hand sogar für die umfangreichen Filter-Aktionen im Verlauf des Songs zur Verfügung.

Ebenso machen viele Party-Schlager regen Gebrauch von sequenzierten Synthi-Bässen oder anderen perkussiven Sounds, die im Hintergrund laufen. Erneut ein Job für den Arpeggiator. Besitzer eines Entertainer-Keyboards wie des neuen Korg PA5X können für diesen Zweck auch den Arranger „missbrauchen“.

Sampling

Sampling lässt sich für viele Aufgaben im Leben eines Cover-/Tribute-Band-Keyboarders gewinnbringend einsetzen.

Einerseits gibt es manchmal abgedrehte Sounds, für die sich unter den vielen Patches der Workstation einfach kein passendes Preset findet. Andererseits fällt vielen Keyboardern das Selbstprogrammieren schwer oder sie haben einfach nicht die Zeit dazu. Ein typisches Beispiel dafür ist der Song Scream von Michael Jackson. Die stark verzerrten Keyboard-Sounds, die irgendwie entfernt an eine Orgel erinnern, sind nur sehr schwer zu programmieren. Zwar war ich nach etlichen Stunden schon nah am Original, doch am Ende war es mir für einen Tribute-Act immer noch zu weit weg. Die Lösung lautete: Sampling.

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Tracks lassen sich am Computer leicht zerschneiden und die einzelnen Schnippsel als Sample exportieren

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Die fertig zerschnittenen Samples, die dann in die Keyboard-Workstation importiert und dort auf Tasten gemappt werden können

Mit geeigneter Software wie RipX Deep Audio lässt sich der Keyboard Track sehr gut extrahieren. Alternativ fördert eine schnelle Suche im Internet (z. B. bei YouTube) isolierte Tracks der meisten bekannten Songs zutage. Der isolierte Keyboard-Part wird dann in seine Einzelteile (einzelne Töne) zerschnitten und die daraus resultierenden Audio-Parts als Sample auf der Tastatur verteilt. Entweder orientiert man sich dabei an den Originaltonhöhen oder aber legt die Samples einfach auf aufeinander folgende Tasten und spielt diese dann der Reihenfolge nach. Für diesen Weg habe ich mich entschieden. Zusätzlich wurde die Tastatur gesplittet und eine verzerrte Orgel für einen weiteren Part des Songs  angelegt. So lässt sich nun der Song sehr originalgetreu performen.

Ein weiteres typisches Anwendungsgebiet für Samples sind spezielle Sounds oder Effekte. So habe ich den von Mcaulay Culkin gesprochenen Beginn des Songs Black or White („Eat this!“) als Sample auf einem der Pads des Fantom liegen. Ebenso liegen die gruseligen Geräusche für das Intro von Thriller als Sample auf.

Roland-Fantom-Sample Pads

Viele moderne Workstations besitzen Pads, die sich frei belegen lassen. Sie eignen sich zum Beispiel prima, um Samples live abzufeuern oder Sequenzen zu triggern.

Manchmal kann es sinnvoll sein, einen Loop zu samplen, statt diesen mit dem Sequencer zu realisieren. Insbesondere dann, wenn man aufgrund vieler weiterer Sounds mit der Polyphonie haushalten muss, ist das eine gute Möglichkeit. So nutze ich zum Beispiel für manche Beat-Box-Loops ein Sample.

Samples lassen sich außerdem prima einsetzen, wenn man den Sound bestimmter Plug-ins mit auf die Bühne nehmen möchte. Zum Beispiel das berühmte „Phased Gong“ Preset aus Arturias Synclavier V Plug-in für Beat it. Für Smooth Criminal kommt ein Mix verschiedener Sounds aus Arturias Instrumentensammlung zum Einsatz, die ich am Computer gestackt und dann gesampelt habe. Sehr gut eignet sich dafür auch Logics Autosampler, mit dem das Samplen von Instrumenten mitsamt dem Erstellen von Loops automatisiert werden kann.

Bei Workstations, die Resampling beherrschen, ist es zudem möglich, komplexere Layer-Sounds der Workstation einfach zu samplen und somit Stimmen einzusparen. Gerade bei sehr komplexen Performances kommen selbst Instrumente mit 128 oder 256 Stimmen schnell an ihre Grenzen. Mithilfe von Samples lässt sich dieses Problem leicht umgehen.

Effekte für Vocals nutzen

Viele Workstations wie die Roland Fantom besitzen einen Mikrofoneingang, der mit den internen Effekten der Workstation bearbeitet werden kann. So lassen sich nicht nur typische Effekte wie Kompressor, EQ, Hall und Delay nutzen, sondern es stehen meistens auch weitere Effekte wie Pitch-Shifting oder Vocoder zur Verfügung. So kann man nun entweder als Keyboarder selbst typische Vocoder-Passagen singen („In the air tonight“, „Radio Gaga“) oder nutzt das Signal des Sängers/der Sängerin und führt es dem Mikrofoneingang der Workstation zu. Ein einfacher passiver Splitter für das Mikrofon reicht, um das Signal für PA und Workstation aufzuteilen.

Nutzt man statt einer Workstation ein Entertainer-Keyboard, ist häufig eine Harmony-Funktion integriert, mit der sich mehrstimmige Vocal-Parts anhand der gespielten Akkorde erzeugen lassen. So steht auch dem ein oder anderen Queen-Klassiker nichts mehr im Wege.

Roland-Fantom-Bus

Wo früher mehrere Multieffektgeräte benötigt wurden, um Keyboard-Sounds mit Effekten zu versehen, reicht heute die Effektsektion der Workstation. Sogar externe Audiosignale lassen sich bearbeiten, wie hier am Beispiel der Roland Fantom Workstation gezeigt wird.

Computer einbinden

Die aktuellen Workstation gestatten die direkte Einbindung eines Computers in die Hardware. Dazu wird nicht nur der Ton aus dem Computer über ein in die Workstation integriertes Interface wiedergegeben, sondern oft auch die Software ferngesteuert oder sogar der Bildschirminhalt auf das Display der Workstation übertragen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die aktuelle Roland Fantom Workstation, die Apples Logic Pro X und Mainstage einbinden kann und direkten Zugriff über das Touch-Display und die Bedienelemente des Keyboards erlaubt. Bequemer geht es kaum. Und auch bei Yamaha setzt man auf die Einbindung von Computern. Dieses gelingt besonders gut mit der hauseigenen DAW Cubase.

Für das Einbinden von Sounds aus Plug-ins stehen darüber hinaus an allen Workstations vielfältige Masterkeyboard-Funktionen zur Verfügung. Plug-ins lassen sich in die Performance-Patches einbinden und gemeinsam mit der integrierten Klangerzeugung spielen. Die Sounds aus Computer und Workstation verschmelzen somit immer mehr miteinander.

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Fazit

Heutige Workstations sind sehr mächtig und vereinen viele Funktionen unter einem Dach, für die man früher spezielles Equipment benötigt hätte wie Sequencer, Arpeggiator, Sampler, Looper, Trigger-Pads und vieles mehr. Eine Vielzahl an Effekten in heutigen Workstations lässt sich auch für externe Klangerzeuger oder Mikrofone nutzen. Ob nun ein Vocoder-Effekt oder Chorus, Hall, Delay für einen Vintage-Synth ohne eigene Effekte, die Workstation bietet in der Regel eine vollwertige Effektsektion in Studioqualität. Braucht man unbedingt eine zweite Tastatur, lässt sich diese zum Beispiel beim Fantom ohne Probleme per USB anschließen und somit ein leichtes und günstiges USB-Master-Keyboard als Tastenerweiterung nutzen.

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Forum
  1. Profilbild
    Operation Mastermind

    Super Artikel! Ich habe eine ähnliche Erfahrung in den letzten 20 Jahren gemacht und glaube nicht, dass es noch die Notwendigkeit für eine Keyboardburg gibt. Und mal Hand aufs Herz… wer hört bei einer Live Session raus ob da ein real Juno / Jupiter … am Start ist oder der aus ner Roland Zen Engine kommt? Ich nicht und ich habe / hatte alle diese Schätzchen.

    • Profilbild
      amyristom AHU

      Eine Keyboardburg braucht heute niemand mehr – sofern man keine Roadies hat und es sich aufgrund Zeitnot beim Aufbau nicht leisten kann, dann zum Glück!
      Aber Hand aufs Herz: So eine richtige fette Keyboardburg ist optisch schon deutlich mehr „sexy as fuck“ und macht auch von optischen Showaspekt deutlich mehr her. :-D

  2. Profilbild
    SynthNerd AHU

    Da hab ich dann noch eine vielleicht dumme, trotzdem ernst gemeinte Frage:
    Könnte man nicht letztlich das alles auch auf einem PC oder Mac mit zwei angeschlossenen Midi Tastaturen erschlagen und ganz auf Hardware Workstations verzichten?

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Die Antwort ist ja: Das könnte man. Unterm Strich wird es (aktuell) allerdings noch teurer und der Aufwand ist recht hoch. Man braucht in jedem Fall ein Redundanzsystem, also einen zweiten, identisch aufgebauten Rechner, der im Havariefall einspringt. Ich habe diesen leider auf der Bühne schon erlebt. Natürlich kann auch ein Hardware-Synth kaputt gehen. Aber unterm Strich sind diese immer noch etwas weniger anfällig als die PC/Mac/Software-Geschichte. Ich habe beides schon ausprobiert und bin wieder zur Hardware zurück. Was mich am meisten gestört hat, war der extrem viel höhere Aufwand für die Software-Lösung und die über Zeit höheren Kosten. Und mir haben schon diverse Bugs in einzelnen Plugins ganz schön den Spaß am Gig verdorben. Plötzlich läuft ein einzelnes Plugin nicht mehr stabil, lädt seine Sounds nicht usw. Da fällt dann plötzlich eine ganze Reihe an Performance-Patches auseinander. Aber es geht und solange es stabil läuft, ist es eine feine Sache. Viele bekannte Keyboarder machen das so. Aber: Die haben Redundanzrechner und Redundanz-Hardware, zum Beispiel David Rosenthal oder Roy Bittan. Die nutzen ihre Workstations als MIDI-Controller und im Havariefall beider Rechner haben sie ihre Performance Patches auch da noch einmal drauf programmiert. Das war übrigens auch meine Rettung: Ich hatte meinen Jupiter 80 mit allen Patches als Controller.

      • Profilbild
        calvato

        Das kann ich leider zu 100% bestätigen.
        Die Laptop-Lösung hat natürlich einen riesigen Vorteil: alles klingt NOCH geiler!
        Die Pianos sind genau ausgewählt Rhodes, B3 und auch die Synths sind in der Regel NOCH mehr auf den Punkt. Man hat quasi unbegrenzte Möglichkeiten. ABER…. irgendwas ist immer! Wie schon erwähnt, ein Plug-In wird nicht sauber geladen, irgendwas geht schief, der Rechner zickt, fällt vielleicht runter (ist alles schon passiert)…. du brauchst immer zwei Rechner, die auch gleichzeitig laufen und innerhalb einer halben Sekunde umgeschaltet werden können.

        Was ich halt mache ist, mein Surface (den ich sowieso für meine Aufzeichnungen immer dabei habe) für extra-special-Sounds zu benutzen, die in der Billigversion auch von der Workstation kommen können. Das geht echt gut.

    • Profilbild
      sEIGu

      @synthnerd: genau das habe ich für einen Auftritt in den USA so gemacht.

      Da ich sowieso MainStage als Schaltzentrale mit vielen AU-Generatoren für mein Setup nutze, brauchte ich nur die Hardwaresounds vom Nord Wave durch irgendwelche Presets zu ersetzen. Klar, Nord Wave klingt hier und da besser, aber der Konsument bekommt den Unterschied eh nicht mit.

      So brauchte ich als Instrument nur mein MacBook und MIDI-Interface, die Leihliste in Chicago beschränkte sich auf „zwei mal irgendwie 61 Tasten mit MIDI“.

      Ob das für die Zukunft meine Wunschvorstellung ist, bin ich mir nicht sicher. Es macht schon Spaß mit echtem Material.

      Jetzt aber wird auch schon das iPad mit Camelot Pro interessant. Die Liste meiner Synth-Apps ist mittlerweile groß, die Software ist mächtig. Mal sehen.

  3. Profilbild
    ukm

    Eine Mini-Keyboardburg (< 8 Stück) habe ich auch noch hier stehen, nutze aber fast nur die verschiedenen Tastaturen zum Einspielen, die internen Sound eher weniger. Workstations waren nie so recht mein Fall - zu viele Kompromisse. Ich habe sie trotzdem gekauft und versucht, durch lange und intensive Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten das Beste (aus meiner Sicht) herauszuholen. Mit jedem Neukauf ging dann die Programmier-Orgie wieder von vorne los, weil es meist mit der Rückwärtskompatibilität nicht so gut bestellt war. Zudem war man beim Speicher begrenzt oder auf Erweiterungen angewiesen, und sinnvolle Bearbeitungsmöglichkeiten fehlten zum Teil. Was nutzen 2^n Presets, wenn 90% davon keinen "Aha-Effekt" hervorrufen und man sich die restlichen bis auf Ausnahmen schönreden muss, weil das Teil so teuer war. Nun ja, der letzte Workstation-Kauf war 2010, vielleicht ist es ja jetzt besser. Eine rechnerbasierte Lösung birgt auch Probleme und Kompromisse, aber man kann flexibler darauf reagieren.

  4. Profilbild
    astral_body

    Ein phantastischer Artikel. Vielen Dank.

    Wieder viel Interessantes gelernt, da ich sowohl mit Coverbands als auch mit Workstations keine praktische Erfahrung habe. Ich schätze so einen Bericht aus der Praxis mit viel persönlichen Erfahrungen sehr.

    Man lernt auch die Arbeit von einer Cover Band mehr zu schätzen, wenn man sich den ganzen Aufwand hinter den Kulissen bewusst macht. Es ist sicher ein riesiger Aufwand an die Sounds von Profi-Künstlern aus den Charts auch nur ansatzweise ranzukommen. An den Charts sind ja ganze Teams von Künstlern und professionellen Toningenieuren beteiligt bis alles perfekt klingt.

    Einziges Problem: Jetzt will ich auch eine Workstation haben. Naja, vielleicht bei der nächsten Generation von Workstations ;-)

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Wie nah man ans Original ran muss, hängt natürlich auch vom eigenen Anspruch ab und auch davon, ob es eine Tribute Band ist. Tribute Bands sind ja noch einmal eine spezielle Angelegenheit, weil diese versuchen, den Originalkünstler so gut es geht nachzustellen. Hier gibt man sich schon etwas mehr Mühe. Manchmal ist es aber auch schlicht nicht möglich, den Original-Sound zu erreichen. Dann macht man halt das, was geht. In meinem Fall mit der Michael Jackson Tribute Show ist es auch so, dass ich versuche nah ran zu kommen. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Aber selbst bei den Michael Jackson Shows, die tatsächlich live performt wurden (das war nicht bei allen so), hat seine Band nicht immer den Studio-Sound originalgetreu getroffen. Mir macht es aber auch Spaß, zu tüfteln und auszuprobieren. Ich schraube ständig an den Sounds rum oder probiere es mit Samples der Originale aus. Für die „This is it“ Tour wurden von den Sound Designern angeblich auch Passagen der Studio-Aufnahmen als Samples in die Keys geladen, um diese authentischer klingen zu lassen. Deshalb habe ich für „Scream“ auch nicht davor zurückgeschreckt, hier gnadenlos die Original-Keys zu zerschneiden und zu samplen.

      • Profilbild
        vimigek

        Wie läuft das denn dann mit den Rechten? Kann man einfach so das Original samplen und verwursten? Schöner Bericht wieder :-)

      • Profilbild
        ukm

        Es kann schon recht aufwändig sein, seine Soundvorstellung umzusetzen, und nicht immer gelingt es gleich beim ersten Ansatz. Am besten nimmt man alles im Bandkontext auf, um zu schauen, was vor der nächsten Probe geändert werden muss.
        Mitunter hört man Bands, bei denen zwar ein Keyboarder auf der Bühne zu sehen ist, man von dem aber wenig hört. Wenn man davon ausgeht, dass der Tonmann immer versucht, das Beste aus der Vorstellung herauszuholen (Ausnahmen möglich), kann das auch daran liegen, dass die Soundumsetzung nicht so gut geklappt hat.

        Auch bei bekannten Bands ist mir schon aufgefallen, dass bei der Ablösung von z. B. Hammond, Rhodes, Moog durch „moderne“ Instrumente das Klangbild nicht mehr der vorher gewohnten Qualität entsprach.

        • Profilbild
          Markus Galla RED

          Es ist leider sehr oft so, dass Keyboards im Mix untergehen. Das hat m. E. aber weniger mit den Sounds zu tun als mit der Tatsache, dass Tontechniker immer noch anders mischen als es heute sinnvoll wäre. In heutiger Musik ist das Keyboard in der Regel das wichtigste Instrument. Die meisten Parts sind synthetischer Natur. Dann erst kommen Bass (sofern es nicht auch ein Synthie ist) und Drums und dann die Gitarren (wenn es nicht reine Rockmusik ist). Wie läuft der Soundcheck ab? Die meiste Zeit investiert der Techniker für das Schlagzeug, dann kommt der Bass hinzu, dann die Gitarren, dann die Keyboards. Der Keyboard-Soundcheck ist oft nach wenigen Sekunden vorbei. Zum Schluss dann der Gesang. Und genau so wird gemischt: Drums, Bass und Gitarren werden zueinander abgestimmt und stellen den Hauptteil der Mischung dar, dann fügt man die Keyboards irgendwie ein. Eigentlich müsste es für die meisten Titel mittlerweile anders herum sein: Die Keyboards stellen den Hauptteil und Drums, Bass und Gitarre werden diesen angepasst. Früher gab es „einfache“ Signale: die Hammond, das Piano, vielleicht einen Mono-Synth. Heute kommen von den Keyboards komplexe Sounds und Arrangements wie bei den Studioaufnahmen. Viele Techniker können damit nicht umgehen. Studiotechniker schaffen das viel eher, weil es zu deren Alltag gehört. So hört man selbst bei bekannten Bands live kaum die Keyboards.

  5. Profilbild
    Tastenheinrich

    Klasse Artikel.
    Wobei ich da auch nicht objektiv urteilen kann.
    Setup: Fantom 8+ Logic& MainStage.
    Nur die Orgel habe ich vor einigen Jahren mit einer Nord C2 aufgewertet. Waterfall und Halfmoon sind dann, für mein Empfinden, doch zu geil.

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