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Guitar Vintage: Ibanez PUE5, Gitarren-Multieffekt

7. Juli 2011

Vintage Sound zum absoluten Budget-Preis

In unserer Reihe „Vintage-Zeitmaschine“ präsentieren wir dem interessierten Leser heute ein rares Multieffekt-Gerät von Ibanez, das PUE5. Eigentlich stammt dieses Gerät gar nicht aus dem Hause Ibanez, sondern wurde von der Ibanez-Company, bei dem ebenfalls japanischen Hersteller Maxon, in Auftrag gegeben. Heraus kam ein Multieffekt für Gitarre, welches die beliebtesten und meist genutzten Effekte Compressor, Distortion, Digital Delay und Chorus unter einen Hut zauberte. Die älteren Leser werden sich sicher noch erinnern, wie teuer der Einzelkauf dieser Geräte in „Tretminenform“ damals in den 80ern gekommen wäre, dagegen war diese kompakte Multieffekt in seiner soliden Bauweise mit Metallgehäuse geradezu ein Schnäppchen. Und ganz zu schweigen von dem Aufwand, den ein Effektboard mit seinen einzelnen Effektkästchen durch die Verkabelung damals erforderte, denn irgendwie gab es ja immer etwas zu basteln: Brummen hier, Sound weg da, wer erinnert sich nicht!

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Aufbau und Features des Ibanez PUE5

Ein robustes und schwarz lackiertes Stahlblechgehäuse verleiht dem PUE5 zusammen mit den vier Gummifüßen auf der Unterseite einen massiven Stand, auf der Bühne oder im Proberaum. In dieser frühen Zeit gab es eben noch nicht diesen Preisdruck auf dem hart umkämpften Markt der Multieffekte, und so zeigt sich auch unser Testgerät nach gut einem viertel Jahrhundert der Nutzung optisch noch in ansprechender Form. Und das trifft auch auf die sechs Schalter zu, die aus einem harten Kunststoff gefertigt wurden und dem Zahn der Zeit ebenso zu trotzen scheinen. Mit ihnen kann man entweder die vier Effekte Compressor, Distortion, Chorus und Delay schalten oder mit Pedal Nummer drei sogar den externen Einschleifweg aktivieren, für dessen Signal an der Stirnseite eine Send- und eine Return-Buchse integriert wurden. Weiterhin lassen sich mit diesen Pedalen aber auch selbst erstellte Effekt-Konfigurationen anwählen, die mit Hilfe des MODE-Schalters programmiert werden. Ganz rechts außen befindet sich dann noch das Pedal mit der Bezeichnung PASS, bei dessen Betätigung die komplette Effektsektion umgangen wird und das Signal trocken an den Output-Buchsen anliegt. Ja, die Betonung liegt auf Buchsen, denn das PUE5 liefert tatsächlich ein Stereo-Signal ab, bei dem ja bekanntermaßen erst dann die Stereo-Effekte wie der Chorus und das Delay so richtig zur Geltung kommen.

Und wo wir gerade bei den Anschlüssen sind: Neben besagten Output-Buchsen besitzt das PUE5 sogar schon einen frequenzkorrigierten Line Out-Anschluss, welcher allerdings nur ein Mono-Signal ausgibt. Weiterhin finden sich an der Stirnseite neben dem Anschluss für das Netzteil noch ein Tuner Out, an dessen Buchse ein Stimmgerät dauerhaft angeschlossen bleiben kann, sowie ein Kopfhöreranschluss, wenn mal kein Amp zur Verfügung steht oder man das Gerät auch nachts mal in einer hellhörigen Mietwohnung betreiben möchte. Und sogar dem leidigen Thema Nebengeräusche hat man sich damals schon gewidmet, nämlich in Form eines Noise Gates, welches über ein kleines Poti mit der Bezeichnung THRESHOLD, das ebenfalls an der Stirnseite des PUE5 angebracht ist, geregelt wird.

Richtig peppig wirken die Regler der Effekte, deren schwarze Kappen mit einem Pfeil in 80s Neon-Farbe ausgeschmückt wurden. Allzu hart sollte man hier allerdings nicht zufassen, denn diese kleinen Potis wackeln schon ganz deftigst auf ihrem Sitz. Ob das im Neuzustand auch so war, lässt sich leider nicht genau sagen, sie laufen aber auch heute noch nach mehr als 25 Jahren sauber und gleichmäßig über ihren gesamten Regelweg. Der Compressor ganz links außen besitzt drei dieser Regler, welche mit ATTACK TIME, SUSTAIN und LEVEL bezeichnet sind. Das Distortion-Modul rechts daneben besitzt ebenfalls drei Regler, DRIVE, TONE und LEVEL, ebenso wie das Digital Delay mit den Potis für DELAY TIME, REPEAT und DELAY LEVEL. Zusätzlich besitzt der Echo-Effekt noch einen Schalter für die Vorauswahl der Delayzeit, welche in drei Stufen von 16 bis maximal 1024 msec justiert werden kann, was damals eine kleine Sensation bezüglich der maximalen Verzögerungszeit darstellte! Lediglich der Chorus kommt mit zwei dieser niedlichen „Neon-Potis“ aus, nämlich mit den klassischen und vollkommen ausreichenden Parametern für SPEED und WIDTH.

Eine Beeinflussung des Sounds in Echtzeit, d.h. mit einem Expression-Pedal oder ähnlichem, war beim PUE5 nicht vorgesehen. Es gibt also weder ein Pedal auf der Oberfläche, noch kann man eines anschließen. Etwas, was bei der heutigen Generation von Multi-Bodentretern eigentlich schon zum Standard geworden ist und auch Sinn macht, denn allein das schnelle Regeln der Lautstärke mit einem Pedal kann die Performance um einiges erleichtern.

Sound/Praxis

Wenn man sich den Sound des Gerätes zum ersten Mal ganz nüchtern betrachtet zu Gemüte führt, kommt man zu dem Schluss, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten gar nicht mal so viel in Punkto Gitarren-Sound geändert hat. Na ja, bis auf ein paar kleine Ausnahmen vielleicht, und bei dem Ibanez PUE5 bezieht sich dies einzig und allein auf die eingeschränkte Verzögerungszeit des Delays. Auch heute noch zeigen der Chorus und der Distortion noch eine durchaus ernstzunehmende und kostengünstige Alternative zu den auf dem Markt befindlichen aktuellen Effektprozessoren von beispielsweise BOSS, Digitech oder Line6. Der Distortion kommt dem Charakter des Tubescreamers aus dem gleichen Hause sehr nahe und sorgt für einen sehr schönen, runden und „cremigen“ Verzerrer-Effekt. Der Stereo-Chorus entfaltet seine Tiefe und Wärme natürlich am besten über eine Stereo-Abnahme an zwei Amps, und auch der Kompressor arbeitet mit seinen voreingestellten Hüllkurven sehr gut.

Ein Grundrauschen ist allerdings schon deutlich wahrzunehmen und steigert sich natürlich speziell beim Erhöhen des Verzerrungsgrades des Distortion-Moduls. Aber dafür steht ja auch das Noise Gate bereit, welches zwar auch nicht unbedingt tiefere Manipulationen erlaubt, aber dennoch gut voreingestellt wurde und sich mit dem kleinen Poti an der Stirnseite schnell und unkompliziert regeln lässt. Und wer trotz der gebotenen internen Effekte nicht genug bekommt, kann ja immer noch einen weiteren Effekt an die „External Loop“-Buchsen anschließen und das Ganze dann mit einem Tritt auf Schalter drei zuschalten.

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Trotz des beachtlichen Alters zeigen die Potis und Schalter keinerlei Ermüdungserscheinungen und arbeiten auch nach all den Jahren noch kratzfrei bzw. zuverlässig. Ob dies mit den unter Kostendruck hergestellten chinesischen Produkten, die man heute so bekommt, in 25 Jahren auch so sein wird?

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Fazit

Auch nach 25 Jahren im Dienst zeigt das Ibanez PUE5 nur wenig Ausfallerscheinungen. Sieht man mal von der spärlichen Delayzeit ab, kann man dem Gerät auch heutzutage noch jede Menge interessanter Sounds entlocken. Die Konstruktion mit dem Stahlblechgehäuse und den robusten Schaltern scheint für die Ewigkeit konstruiert zu sein, und die einfache Bedienung mit praktisch keinem wirklichen Menü und somit einem Direktzugriff auf alle relevanten Parameter gefällt uns Gitarristen natürlich ganz besonders.

Bei einem Gebrauchtmarktpreis von ca. 50,- Euro sollte man also mal genauer hinhören. Falls man so ein Teil überhaupt noch ergattern kann, denn mittlerweile sind diese Geräte doch eher rar gesät. Tipp: Vom PUE5 gab es auch eine Version mit eingebauter Vorstufenröhre, die mit einer noch satteren Verzerrung glänzt. Also Augen und vor allem Ohren offen halten!

Plus

  • Robust für die Ewigkeit
  • Chorus-Sound
  • Distortion-Sound

Minus

  • Grundrauschen
  • einige Parameter nur rudimentär editierbar

Preis

  • Gebrauchtpreis ca. 50,- bis 100,- Euro
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