Zeitmaschine: Dynacord DRP 5, Effektprozessor

29. Juli 2018

Aus der 16 Bit Ära

So lasset uns mit dem Dynacord DRP 5 eine kleine Zeitreise machen in die späten 80er, frühen 90er Jahre. Eine Zeit, in der viele Tonschaffende ihre „Kronjuwelen“ in zentnerschweren Sideracks umherrollten. Flankiert von mehreren Quadratmeter großen analogen, latenzfreien Konsolen. Verbunden mit meterweise „Insert“-Kabel-Peitschen oder speziellen Multicores. Ja, das waren noch Zeiten oder ist heute doch alles smarter? Das muss natürlich jeder für sich selber entscheiden.

Tatsache ist, dass es in der besagten Jahrzehntwende sehr viel 19 Zoll Equipment gab. Insbesondere Effektgeräte auf digitaler Basis wurden immer populärer und vor allem erschwinglicher. Aufgrund dieser Tatsache ein Anstoß, mal ein altes „Schätzchen“ auszugraben und zu testen. Wem dieses Review gefällt, der möge es kundtun, um eventuell noch tiefer im Keller zu stöbern.

Unser heutiger Proband ist das Dynacord DRP 5, ein digitaler Multi-Effektprozessor aus dem Jahre 1989/90. Ich muss gleich vorweg schicken, dass die Recherche extrem schwierig war, da im Netz so gut wie keine verbindlichen Informationen zu finden waren. Optisch zumindest wirkt das DRP 5 wie der kleine Bruder des viel bekannteren DRP15, das ich seinerzeit mal im Gitarren-Rack hatte (anderes Thema ;-)). Um so interessanter, hier mal die Lupe anzusetzen.

Hardfacts zum Dynacord DRP 5

Das Dynacord DRP 5 macht äußerlich einen grundsoliden Eindruck und wirkt mit einem zeitlosen dunklen Grauton erstmal ein wenig unscheinbar. Bedient wird das Gerät mit drei Potis, sechs Tastern sowie einem Endlos-Encoder-Rad mit „Enter“-Funktion. Ein zweistelliges Sieben-Segment-Display sowie beleuchtete Taster plus zwei Effektindikatoren und eine dreistellige Input-Anzeige, sind unsere optischen Anzeigen. Die verbauten Wandler sind 16 Bit Typen, intern wird jedoch mit 24 Bit gerechnet. Am Rande sei noch erwähnt, dass es neben dem internen Netzteil noch einen „Ground-lift“-Schalter gibt, was bei Geräte-Kaskaden ein echter Vorteil war und ist.

Frequenzgang: 20 Hz bis 20.000 Hz
Presets: 20 programmierbare Nutzer-Speicherplätze, 80 Werkspresets
Effekte: Reverb (Gate, Reverse), Delay, Chorus, Flanger, Pitch Shift, Organ Rotor, MixFx
Anschlüsse: Inputs L/R, Outputs L/R, MIDI-In / Out / Thru, Remote (Program Up/Down)
Eingangspegel: 0 / -20 dBm (umschaltbar)
Ausgangspegel: +12 dBm
Abmessungen: 483 mm x 227 mm x 43,5 mm
Gewicht: 3,6 kg

Das DRP 5 und seine Anschlüsse

Gebrauchstauglichkeit des Dynacord DRP 5

Für was braucht man so einen „Dinosaurier“ der digitalen Effekte, wo man heutzutage nur ein „Plug-in“ oder eine Mixer-Software bemühen muss? Wenn man sich Angebote bekannter Plug-in/Software-Hersteller ansieht, hört man häufig Begriffe wie „dirt“, „grit“ oder „warmth“.
Will sagen, Nichtlinearitäten sind durchaus gewollt und verleihen Charakter. Auch in digitalen Konsolen ist dieser Trend feststellbar. Je mehr ein Gerät vermeintlich begrenzt ist, um so größer der Ansporn, alles aus ihm herauszuholen. Natürlich hat das Dynacord DRP 5 nicht die Qualitäten eines aktuellen Hi-End Reverbs, aber das genau macht es ja spannend.

Spielwiese

Allein schon die Tatsache, keine „Millisekunden“ angezeigt zu bekommen, bringt schon Schwung in den „quantisierten“ Alltag. Bei der Einstellung eines Delays ist nun das Ohr gefordert und nicht der „Sync-Taster“. Die Reverb-Parameter erlauben einem auch nicht immer sofortigen Durchblick, da uns hier nur zwei Buchstaben-Kürzel angezeigt werden. Also, schrauben und probieren und hinhören, kann durchaus zu ungeahnten, kreativen Ergebnissen führen.

Die Pegel-Sektion des DRP 5

Audiobeispiele

Für die Soundfiles habe ich das Dynacord DRP 5 als AUX-Device wie ein externes FX-Gerät am Mischpult angeschlossen. Das Effektsignal konnte ich so exklusiv aufzeichnen und danach als hochauflösende MP3-Datei rendern. Dabei wurden im Master-Bus bis auf 16 Bit-Dithering keine Effekte oder EQs genutzt. Die ersten Sekunden der Soundfiles sind trocken und wurden danach per Automation mit dem reinen „Wet“-Signal gemischt. Viel Spaß beim Hören.

Schlussgedanken

Nachdem das Gerät bestimmt fünf Jahre nicht eingeschaltet wurde, fiel auf, dass nichts kratzt, flackert oder keinen Kontakt hat. Man muss an dieser Stelle vor einem über 25 Jahre alten Gerät den Erbauern und Ingenieuren sehr gute Arbeit attestieren. Falls es unter der Leserschaft noch DRP 5 Besitzer gibt, würde ich mich über persönliche Erfahrungen im Anhang freuen. Leider konnte ich keine genauen Informationen über den Herstellungszeitraum und Auflagenmenge in Erfahrung bringen. Auch hier wäre ich für weiterführende Informationen dankbar, da sich die Dynacord Homepage darüber leider ausschweigt. Schlussendlich kann ich nur jedem dazu raten, seine alten „Schätzchen“ mal wieder hervorzukramen und die „16 Bit Ära“ noch mal aufleben zu lassen.

Klangbeispiele
Forum
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    iggy_pop  AHU

    Ob ein DRP-5 eine sinnstiftende Investition ist, wenn das große DRP-15 schon für Preise ab 150 Euro aufwärts zu finden ist, sei einmal dahingestellt. Das 15 kann durchaus ein DRP-20 ersetzen und ist nicht ganz so aufwendig zu editieren wie das 20.
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    Achillesfersen der Dynacord-Geräte dieser Zeit sind korrodierte Taster, die entweder gerne prellen oder gar nichts mehr auslösen, leere Speicherbatterien und Encoder, die ein unerwünschtes Eigenleben entwickeln können.
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    Klanglich einen Versuch wert, wenn man das Risiko PCM-70 nicht eingehen will.
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      t.walter  AHU

      Bzgl. PCM70 –> rechtzeitig recappen und immer nur mit 1HE Abstand ins Rack damit es nicht zu heiß wird. Die meisten Rackgeräte gehen durch zu hohe Temperaturen schneller kaputt – achtet kaum einer drauf weil jeder denkt, dass die Ingenieure schon an alles gedacht haben …. hatten sie auch, aber nicht dass ein paar Verrückte die Teile auch nach 30 Jahren noch einsetzen.
      Hinten mechanisch abfangen, damit es nicht die Rackohren verbiegt. Ich habe zwei Stück, mittlerweile alle Elkos getauscht – funktionieren noch wie am ersten Tag. :-)
      Klanglich vom Hall her ist das PCM70 übrigens erste Vintage-Sahne und braucht sich nicht mal hinter einem 224 nicht zu verstecken.

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    AMAZONA Archiv

    Ich habe mal ein Alesis quadraverb besessen. Natürlich ist es nach ca. 10 Jahren eines natürlichen Todes gestorben was mich nicht wundert, denn es steht Alesis drauf. Aber ich muss attestieren, dass es toll klingt und ich hätte mir gerne nochmal das gleiche besorgt. Aber damals gab es noch von der Kongurrenz Korg das drv 1000, und das steht nun bei mir zuhause und klingt herrlich altmodisch, und ja es lebt noch! Es gibt keine presets dafür Drehregler mit denen man flux seinen Sound zurecht Schrauben kann. Und das ist mir als Gitarrist am liebsten. Wenn ich presets brauche habe ich noch moderne Sachen. Aber der 16 bit Sound hat was. Denn nicht umsonst heißt es Effekt Gerät und nicht naturidentischer Hallsimulator

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      Son of MooG  AHU

      Bei Alesis hatte ich unterschiedliche Erfahrungen: mein Microverb (1) funktioniert nach über 25 Jahren immer noch einwandfrei, während mein Microverb 3 schon nach ca. 10 Jahren anfing, merkwürdige Störgeräusche von sich zu geben.

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    Marcus_Kiel  

    Hey Ho,

    Ein DRP-5 hab ich auch noch, die Bedienung finde ich blöd, gerade im Vergleich zum DRP-15, das ich auch habe. Ich hatte anfangs keine Bedienungsanleitung für das DRP-5 und ohne diese checkt man nicht, das es auch einen Expertmodus gibt, der ein tieferes Programmieren erlaubt.

    Iggy Pop hat recht, lieber das DRP-15 nehmen, denn das klingt amtlich, ist extrem gut zu bedienen, hat ein gutes Display und ist vor allem rauscharm und robust.

    Vielleicht kommt irgendwann wieder eine Zeit, in der junge Musiker bock auf volle Racks und analoge Mischer haben werden. Dann sind alle DRPs eine gute Wahl.

    Danke für den Bericht!

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    Michael Baum  RED

    Hallo in die Runde, Danke für die Kommentare. Wenn demnächst mal ein DRP15 oder DRP20 reinflattert, mache ich gerne noch ein zweites Review. LG Michael

  5. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Als unser Gitarrist zu unserem Studio-Termin noch ein Dynacord Reverb mitbrachte, kannte ich die Marke eher für Beschallung von Tanzmusik. Wir haben zuerst die Drums damit veredelt, dann die Vocals, und waren vom Ergebnis voll begeistert. Ich durfte es mir auch ab und zu mal ausleihen und konnte so mit den Gated Reverbs meinem Korg DDM-110 auf die Sprünge helfen. Dabei hat es auch einen akuten Fall von GAS verursacht, den ich erst mit einem Alesis Microverb besänftigen konnte…

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    t.walter  AHU

    Hi Michael, sehr schöner Bericht !! Das erinnert mich sofort an mein DRP-15. Klanglich dürfte das ja fast das gleiche sein. Das DRP-20 klingt dagegen aus der Erinnerung anders (kann aber auch täuschen) – müsste ich mal mit den Impulsen vergleichen die ich damals gemacht habe.
    Bzgl. der Klangbeispiele fände ich es besser keinen vollen Drumloop zu nehmen, sondern einzelne Instrumente. So kann man den Hall-Charakter besser beurteilen.
    Mein DRP-15 habe ich im Super-Zustand (Quasi wie neu) für 180 Euro bekommen. Die Dynacord Geräte aus der Zeit sind super verarbeitet. Wenn kein Kondensator hochgeht hält das sicher noch ne Ewigkeit.

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