Interview: Klaus P. Rausch und Kathrin Elfman

11. Oktober 2014

Synth-Score für ein Science Fiction Buch

Powerduo

Klaus-Peter Rausch ist vielen unserer Leser nicht nur durch seine Tätigkeit als AMAZONA.de-Autor ein Begriff, sondern vielmehr auch als professioneller Soundprogrammierer zahlreicher Klänge für Synthesizer seit den 90ern. Aber auch dies ist nur ein kleines Mosaik-Steinchen aus dem Repertoire eines äußerst vielseitigen Künstlers, der uns nun durch eine neue Facette seines Schaffensdrangs beeindruckt und begeistert hat.

Mit dem Soundtrack zum Sciencefiction Buch LEPLEJA, seiner nicht minder kreativen Lebensgefährtin Kathrin Elfman, kreierte er geradezu in Rekordzeit eine synthetische Klangmalerei mit nur einem Instrument, dem Korg KRONOS und veröffentlichte das gesamte Werk kurzerhand kostenlos auf YouTube.

Reizten uns alleine schon diese Tatsachen um Klaus-Peter Rausch zum Interview zu bitten, so waren wir doch genau so neugierig darauf, die Muse kennenzulernen, die mit ihrem Roman Lepleja den Auslöser für so viel Schaffensdrang erschuf.

Lernen Sie mit uns zwei faszinierende Menschen kennen, die seit 25 Jahren gemeinsam als Liebespaar Musik und Literatur ausloten und dabei immer wieder Neues entdecken.

Peter:
Hallo Ihr Beiden. Erst mal vielen Dank, dass Ihr Euch beide für dieses Interview Zeit genommen habt, ihr scheint ja viel beschäftigt zu sein. Was treibt Euch im Augenblick alles um?

Klaus:
Gerade habe ich eine umfangreiche Vintage Keys Sample Library fertiggestellt. Die enthält die Essenz der wichtigsten 28 Legenden von Memorymoog, PPG Wave 2.2, Polivoks bis Elka Synthex und Godwyn Symphony. Die gibt es in gleich drei Formaten und da waren jedesmal auch Presets zu machen. Eine ziemliche Wahnsinnstat, was den Arbeitsaufwand betrifft. Ansonsten probe ich gerade mit meiner Rockband „Tango“ ein Live-Programm ein. Uns gab es in den 80ern und nun kommt es zu „Tango Reloaded“. Macht sehr viel Spaß! Und ich erstelle derzeit Factory Content für Hammond, wodurch ein alter Traum von mir wahr geworden ist. Denn ich bin seit Teenager ein Hammond Fan, und jetzt arbeite ich für die am Sound, hurra!

Kathrin:
Ich bin gerade dabei, für verschiedene Auftraggeber Websites zu betexten. Außerdem arbeite ich an zwei neuen Buchprojekten. Das eine ist eine Sammlung surrealer Alltags-Geschichten unter dem Titel „Schatz, das sind keine Chemtrails, das sind Dehnungsstreifen!” Das andere ist eine Serie mit pornografischer Literatur. Dieses Genre bespiele ich ja schon länger erfolgreich unter Pseudonym mit Romanen, jetzt gehe ich mit einer Kurzgeschichten-Serie an den Start, darauf freue ich mich. Beides sind übrigens reine e-Book-Projekte.

Forum
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    vssmnn  

    Die Meinung zum Stil von Hans Zimmer & Co teile ich auch.
    Für mich das „Modern Talking“ der Filmmusik. Immer das gleiche „dramatische“ Ethno-Instant-Gerassel für die primitiven Gefühlsrezeptoren. Ich kann es nicht mehr erhören.

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      TobyB  RED

      Hallo Vssmnn,

      ich persönlich find Klaus Badelt wesentlich interessanter ;-) als Hans Zimmer, wobei die Dark Knight Scores hatten was. Aber ständig diese postwagnerianische Hollywoodbreitwandsoße, da ist mir die Korngold Schule schon wesentlich angenehmer. Klingt auch auch differenzierter. Man denke nur an Nino Rota(Pate), Max Steiner(King Kong 1933) et al.. Klaus und Kathrin sind näher am letzterer Schule also sehr progressiv, Klaus kann sehr gut mit den Versatzstücken spielen und fügt die manchmal um die Ecke gedachten Einwürfe von Kathrin zu einem überraschendem Ganzen zusammen.
      Tob

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    rw1957  

    Gut gemachtes Interview und interessante Leute, die beiden!

    Zitat: „Als ob man in Hollywood Angst vor Stille hat.“
    So geht’s mir mit den meisten / fast allen Hollywood-Filmen. Egal ob Gemetzel, Bombenangriff oder Liebesszene, alles muss mit Musik zubetoniert werden.
    Die subjektiv „besten“ Filme kommen aber mit gaaaanz wenig und dezenter musikalischer Untermalung aus.

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    Henrik Fisch

    Bei »*röchel*« bin ich vor Lachen fast zusammen gebrochen. Ja, die Verlagsbranche. Eine liebe Freundin von mir kann davon auch mehrstimmige Kanon-Chöre singen. Das Buch muss ich haben.

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    changeling  AHU

    Ich wusste gar nicht, dass Klaus mehrere Sampling CDs für Masterbits gemacht hat. Scheinen die hier gewesen zu sein (von der Back In Time Records Website):
    Masterbits Rapsody (1994), Masterbits Tekkno Trax (1994), Masterbits Dance Trax (1994), Masterbits DX-Classics (1994)

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      k.rausch  RED

      Ja, das waren genau die vier Titel. Eigentlich war ich angetreten mit meinem Konzept für akustische Instrument aus dem Balkan, der Türkei, Nordafrika, Südfrankreich, Italien, Griechenland. Das fand Eckart Kreft von Masterbits auch toll, glaubte nur nicht an großartige Verkäufe davon. Lustig, heute ist sowas ein eigenes Marktsegment. Stattdessen fragte er mich, ob ich nicht was für die Dance Abteilung machen könnte. Ich konnte natürlich, denn die Chance auf den Einstieg ins Sample Business wollte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Bernd Waldstädt, damals sehr erfolgreich mit Magic Affair und dem Titel Omen III, war dann mein Kooperationspartner für RAPsody. Bernd kannte ich schon aus meiner Zeit als Musikalienhändler und so kam eins zum anderen.

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        changeling  AHU

        Danke, ich liebe so kleine Anekdoten. Wahrscheinlich war die Zeit 1993/4 noch nicht reif für Mittelmeer-Akustik Libraries. Obwohl „Ethno/Weltmusik“ doch damals schon im Kommen war.

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        TobyB  RED

        Hallo Klaus,

        du bist deiner Zeit halt etwas voraus ;-) Man höre sich einfach mal Miss Platnum oder Materia an, da ist ganz viel Balkan drin, rhythmisch wie soundtechnisch. Magic Affair machen die überhaupt noch was? Sieht man mal vom Radio Edit von Omen III ab, war die DJ Mixe eigentlich okay. Ich müsste die noch irgendwo haben :-D Ist wie mit Scooter, wer sich mal Original Hamburger Hardfloor geben mag sucht nach Ratty und vergleicht das mit Aviici und was weiss ich, weit der Zeit voraus. ;-)

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