Marktübersicht Audiointerfaces für Gitarre

17. Juli 2018

Audiointerfaces für Gitarristen - ein Marktüberblick

Ob großräumiges Studio oder private Musikantenhöhle: Um ein vernünftiges Interface kommt kein professioneller Musiker heutzutage mehr herum. Das Einspeisen von Sound in einen Rechner, sei es über das Tätigen von Keyboardtasten oder das Anschlagen von Gitarrensaiten und die Verarbeitung des Sounds per Software benötigen Audiointerfaces. Weshalb? Dafür gibt es einige Gründe, aber das wichtigste Stichwort lautet hierbei wahrscheinlich: Latenz. Wer möchte, dass sein Sound ohne Verzögerung eingespeist und wieder herausgegeben wird, benötigt die richtige Hardware. Andernfalls liegt man neben dem Tempo, verliert den Groove aus den Augen oder verfehlt den Einsatz. Besonders für Gitarristen und Bassisten sind die Vorteile solcher Interfaces also nicht von der Hand zu weisen – Homerecording auf professioneller oder semi-professioneller Ebene ohne Audiointerfaces ist also schlichtweg nicht denkbar.

Grundsätzlich sollte man sich entscheiden, ob man auf interne oder externe Interfaces zurückgreifen möchte. Interne Interfaces werden innerhalb der Rechner verbaut – Stichwort PCI- oder PCI-X-Bus, eine Variante, die vor allem in großen Studios mit leistungsstarken Rechnern Verwendung findet. Für den gewöhnlichen Gitarristen sind also externe Interfaces naheliegend. Grundsätzlich gilt, dass das Interface folgende Merkmale aufweisen sollte:

  • eine 6,3-mm-Klinkenbuchse
  • einen USB-, FireWire- oder Thunderbolt-Anschluss, den auch der Rechner teilt
  • einen ASIO-Treiber für den Fall, dass auf DAW-Software (z.B. Ableton, Cubase) zurückgegriffen wird
  • einen Treiber, der vom Betriebssystem unterstützt wird.

Die häufigsten Anschlüsse dürften wohl FireWire, USB und Thunderbolt sein, wobei Letzteres die höchste Übertragungsrate mit bis zu 2500 MB/s aufweist. Auch in Sachen Treiber hat sich mit ASIO ein Standard etabliert, da dieser besonders robust und effizient ist. Die meisten Interfaces unterstützen ASIO-Treiber, trotzdem sollte man beim Kauf da ein Auge drauf haben. Des Weiteren steht aus praktischen Gründen immer die Frage im Raum, ob die Gitarre über ein Mikrofon aufgenommen wird, das den Sound über das Interface in den Rechner speist oder ob die Gitarre direkt ins Interface eingeklinkt wird. Auch hier ergeben sich je spezifische Vor- und Nachteile. Die meisten Interfaces besitzen die Möglichkeit, über Vorverstärkerfunktionen das eingehende Signal zu regulieren und sind je nachdem, was die Preisklasse hergibt, neben Homerecording auch für die Situation innerhalb des Proberaums geeignet.

In Sachen Ausführung, Umfang und Funktionen hat sich im Laufe der letzten Jahre auch in niedrigen und mittleren Preisklassen eine ordentliche Auswahl angesammelt. Hier erfahrt ihr, welche Modelle ihr als Gitarristen für welche Preisklasse auf dem Schirm haben solltet.

1. Focusrite Scarlett 18i8 2nd Gen

 

Audio-Interfaces

Die Scarlett-Reihe von Focusrite hat sich aufgrund ihrer Simplizität und hoher Flexibilität rasch etabliert und kann in den meisten Homerecordingstudios angetroffen werden. Es existieren mehrere Ausführungen des Scarlett-Modells, von der 2i2 2nd Gen mit nur zwei Mikrofoneingängen, USB-Anschluss und Mikrofon-Preamps bis hin zur 18i20 2nd Gen mit 8 Mikrofonein- und -ausgängen, MIDI In und Out und 10 Line-Ausgängen – sowie alles dazwischen. Während Ersteres sich vor allem für die heimischen Sessions eignet, ist die 18i20 2nd Gen beispielsweise wie gemacht für die Situation im Proberaum. Die hohe intuitive Handhabe, die qualitativ hochwertigen Preamps sowie die makellose Soundqualität haben die Focusrite-Reihe im Laufe der letzten Jahre zu einer festen Adresse für Audiointerfaces werden lassen. Das hiesige Beispielmodell Scarlett 18i8 2nd Gen liegt mit seinen vier Mikrofoneingängen, Preamps, acht Line-Eingängen sowie MIDI-Ein- und Ausgang quasi im Mittelfeld der Focusrites.

Anzahl Mikrofoneingänge: 4

Anzahl Line-Eingänge: 8

Anschluss: USB, ADAT, S/PDIF

Netzteil: vorhanden

MIDI-Schnittstelle: ja

Recording-Software: vorhanden

Preis: 285,- Euro

2. Universal Audio Apollo Twin MKII Duo

Audio-Interfaces

Der Edle unter den Interfaces – die Universal Audio Apollo Reihe macht seit jeher durch die phänomenale Soundqualität von sich reden sowie aufgrund der Gegebenheiten für einen optimalen Workflow. Durch seinen Thunderbolt-Anschluss ist die Rate der Datenübertragung besonders hoch und die Verarbeitungsqualität des Signals entsprechend hochwertig. Der Nachteil, der sich dadurch ergibt, ist der, dass die wenigstens Notebooks oder Laptops mit einem Thunderbolt-Anschluss versehen sind und hier entsprechend auf einen leistungsstarken Rechner zurückgegriffen werden muss. Bei wem das der Fall ist, darf sich über eine tadellose UAD-Software (mit den vielleicht besten Amp-Emulationen, die man in der Preisklasse kriegen kann), integriertem Talkback-Mikrofon, übersichtliche und ungemein geschmackvolle Monitoring-Optionen, hohe Funktionalität der Konsole und Echtzeit-Tracking für Preamp und Kompressoren freuen. Die hochwertige Verarbeitung kommt als Bonbon oben drauf. Einziger Wermutstropfen: Zumindest beim Beispielmodell sucht man eine MIDI-Schnittstelle vergeblich. Für Gitarristen, die jedoch ein hochwertiges und absolut authentisches Einfangen ihres Amp-Sounds suchen, dürften die Audio Apollos wie gemacht sein!

Anzahl Mikrofoneingänge: 2

Anzahl Line-Eingänge: 2

Anschluss: Thunderbolt, ADAT, S/PDIF

Netzteil: vorhanden

MIDI-Schnittstelle: nein

Recording-Software: vorhanden

Preis: 859,- Euro

3. Line 6 POD Studio UX1 / UX2

Audio-Interfaces

In der unteren Preisklasse halten sich seit Jahren die POD Studio UX Modelle wacker und erfreuen sich vor allem unter Gitarristen nach wie vor großer Beliebtheit. Die Gründe sind einleuchtend: Unkompliziert, preisgünstig und mit vergleichsweise flexibler Emulationssoftware ausgestattet, ermöglicht das POD Studio Gitarristen und Musikern ein schnelles und unkompliziertes Festhalten von Ideen. Zehn Jahre haben die Modelle UX1 und UX2 bereits auf dem Buckel, doch die Treiber werden nach wie vor regelmäßig aktualisiert und die Line6 Software POD Farm immer wieder durch neue Sound-Updates ergänzt. Mit einem bzw. zwei Mikrofoneingängen, tadellosen Preamps und Phantomspeisung bringen die UX2 Modelle auch alles mit, was ein Gitarrist oder Bassist für ein unkompliziertes Aufnahmen benötigt. Die Software selbst weist ganze 18 emulierte Verstärkermodelle für Gitarre auf, 64 Effekte sowie 24 Boxen-Emulationen. Wer für diese Soundvielfalt bereit ist, Abstriche bei der Verarbeitung zu machen, ist hier mehr als gut beraten – für den vergleichsweise niedrigen Ladenpreis bekommt man hier eine Menge geboten.

Anzahl Mikrofoneingänge: 2

Anzahl Line-Eingänge: 2

Anschluss: USB (powered)

Netzteil: nein

MIDI-Schnittstelle: nein

Recording-Software: vorhanden

Preis: 145,- Euro

4. Steinberg UR242

Audio-Interfaces

Steinberg ist vor allem für Cubase-Nutzer das am meisten genutzte Audiointerface. Immer wieder werden Bundle Packages für eine Vollversion von Cubase angeboten und der Grund dafür liegt auf der Hand: Software und Hardware harmonieren prima miteinander. Doch auch ohne Cubase erfreuen sich die Steinberg Interfaces immer größerer Beliebtheit bei Gitarristen. Das Beispielmodell UR242 ist da auch ein echter Allrounder, der unzählige Features in sich vereint, die bei der einen oder anderen Konkurrenzmarke in der Preisklasse fehlen dürften. MIDI I/O, USB-Anschluss, 48 Volt Phantomspeisung, 2 Preamps für die Mikrofoneingänge, ein PAD-Schalter für beide Eingänge, 2 Line-Eingänge sowie -Ausgänge und sehr niedrige Anforderungen für den Rechner. Hinzu kommt die fantastische hochwertige Verarbeitung und die mitgelieferte Steinberg Cubase-Version zum Download. Für diese Preisklasse ein absoluter Favorit!

Anzahl Mikrofoneingänge: 2

Anzahl Line-Eingänge: 2

Anschluss: USB

Netzteil: ja

MIDI-Schnittstelle: ja

Recording-Software: vorhanden

Preis: 157,- Euro

Forum
  1. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Bisschen komische Marktübersicht. Also das Apollo versteh ich ja noch wegen der integrierten Unison-Technologie, mit der man (ich habs nie probiert) lt. Berichten quasi in Echtzeit gute Amp-Simulationen spielen kann.
    Und von mir aus auch Line6. Das hatte ich aber schon vor ca. 10 Jahren bei mir und habe es wieder zurückgeschickt, weil der Sound ziemlich schlecht war.

    Aber die anderen Interfaces hier? Gute Geräte, aber praktisch jeder andere Interface-Hersteller (z.B. Zoom, Tascam oder Presonus) stellt Geräte her, die genauso hier stehen könnten.

    Was wirklich ne Erwähnung wert wäre, wären die Antelope Audio-Interfaces, die z.T. sogar Reamping-Ausgänge haben, sowie integrierte Gitarren-Amp-Simulationen, die wie beim UAD quasi in Echtzeit zu nutzen sind.

    • Profilbild
      Kutscher  

      Mir kam der Artikel auch ein wenig holprig vor. Da gerade der selbstgewählte Fokus auf Gitarristen irgendwie nicht durchscheint. Keines der Geräte wird auf Hi-Z ins begutachtet. Obwohl das doch für Seitenschwinger recht wichtig ist.

      Und im Band Fokus würde mir die Anzahl der DSP Monitoring Wege (Latenzfrei) auch ein Wichtiges Kriterium sein wie auch die App Bedienbarkeit. Bei Presonus sparrt man sich da fast das Mischpult für den Probenraum.

      Und Sind Antelope echt die einzigen mit Reamp out? Mit denen hatte ich auch echt gerechnet.

      So ist es halt nur eine Marktübersicht mit Aufzählungscharakter

      Schade Gruß Kutscher

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