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Preview: Radikal Technologies Accelerator

25. November 2010

Synthesizer Made In Germany

 

Radikal Accelerator und Spectralis II

Vorwort der Redaktion

Manche Synthesizer sind bereits Tagesgespräch, längst bevor sie auf den Markt kommen. Der Accelerator von Radikal Technologies ist ein solcher. Bereits auf der Musikmesse im Frühjahr 2010 konnte ich mich persönlich davon überzeugen, dass Jörg Schaaf, dem Kopf und Musiker hinter Radikal Technologie, mit dem Accelerator ein ganz großer Wurf gelungen zu sein scheint.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das erste Testgerät. Nur leider, – es kam nicht. Das Jahr neigt sich dem Ende, und nach wie vor ist mit einem Testgerät nicht zu rechnen. Grund dafür ist ein weltweiter Engpass bei einem Halbleiter, der für die Serienfertigung benötigt wird. Tatsächlich sind Radikal Technologies die Hände gebunden. Und statt nur tatenlos zuzusehen, wie sich der Release-Termin weiter und weiter verschiebt, baten wir Jörg Schaaf doch einmal selbst, eine kleine Preview zu seinem „Baby“ zu verfassen.

Das ist zwar unüblich, aber die nun „Schiebung“ witternden Leser sollten sich zurückhalten, denn diese Preview ist nichts weiter als eine spannende Faktensammlung. Ein kritischer Test – selbstverständlich dann von einem unabhängigen AMAZONA.de-Autoren – wird folgen, versprochen.

Ihre AMAZONA.de-Redaktion 

Radikal Technologies Accelerator

Der Accelerator von Radikal Technologies ist ein polyphones Performance Instrument mit einer Tonerzeugung auf der Basis sehr leistungsfähiger Fliesskomma DSPs. Diese erlauben einen stark erweiterten Dynamikumfang im Vergleich zu Festkomma DSP basierten Musiksynthesizern. Das auf dieser Grundlage realisierte Klangspektrum wird Sie sicherlich sofort begeistern. Während die beiden Multimode-Filter mit bis zu 24dB Filtersteilheit ein großes Spektrum klassischer Analogsynthesizer-Klänge hervorbringen, ist die umfangreich ausgestattete Oszillatorsektion aufgrund der Phasen- und Wellenformmodulation auch für viele Spielarten digitaler Synthesizerklänge bestens gewappnet. 

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Die Synthese Engine des Accelerators

In der Basisversion verfügt der Accelerator über eine achtstimmige Polyphonie, die sich in zwei Erweiterungsstufen auf bis zu 32 Stimmen erweitern lässt. Jede Stimme enthält die folgenden Klangformungsmöglichkeiten:

Oszillatoren

Jede Stimme besitzt drei Oszillatoren sowie eine Rauschquelle. Die Wellenformen der Oszillatoren wurden weitgehend vom Spectralis übernommen. Die sweepbaren Wellenformen sind nur das Grundmaterial. Mit Hilfe der Time-Linearity Modulation, dynamischer Phasenmodulation, Oszillator-Synchronisation und Ringmodulation lassen sich bereits ohne den Einsatz der Filter sehr  unterschiedliche Klänge einstellen.

Das lineare Detuning der Oszillatoren sorgt für Schwebungen, die unabhängig vom gespielten Tastaturbereich  immer einen identisch langen Schwebungsverlauf haben.

Filter

Der Accelerator besitzt jeweils zwei Multimode-Filter pro Stimme und ein weiteres Filter für die Rauschquelle. Die Filter lassen sich nicht nur zwischen HP, LP, Notch und Bandpass Betrieb umschalten. Auch die Steilheit kann zwischen 12 und 24db eingestellt werden. Für jeden der Oszillatoren kann für beide Filter individuell ein Pegel eingestellt werden. Da auch die Filterausgänge in das jeweils andere Filter gerouted werden können, ist sowohl ein serieller als auch paralleler Betrieb der Filter möglich.

Full Parametric EQ

Hat man mit den bereits vorgestellten Parametern den Wunschklang noch nicht erreicht, kommen die vollparametrischen EQs zum Zuge. Mit Hilfe der drei vollparametrischen Bänder mit Frequenz, Güte und Anhebung/Absenkung kann sehr stark in das Klanggeschehen eingegriffen werden. Diese EQs arbeiten ebenfalls pro Stimme

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Modulationen

Als Modulationsquellen stehen 4 LFOs, 6 Hüllkurven und der Stepsequenzer zur Verfügung. Auf welche Parameter diese Modulationsquellen wirken, lässt sich in der Modulationsmatrix festlegen. Wie auch schon beim Spectralis, wurden extreme Modulationstiefen realisiert. Die Hüllkurven sind noch flotter als die des Spectralis – von transientenreichen perkussiven Phasenmodulationsklangfarben bis zu butterweichen Flächen gibt es viele Klangmöglichkeiten zu entdecken.

Zugriff auf Klangfarben und Performances

Viele aktuelle Synthesizer bieten im Vergleich zu Workstations zwar oft umfangreichere Synthesemöglichkeiten – der Zugriff auf die verschiedenen Klangfarben ist aber häufig nicht wirklich livetauglich. Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum typische Workstations den Livemarkt dominieren. Bei der Entwicklung wurden gerade die Wünsche der  Live-Keyboarder berücksichtigt – von daher besitzt der Accelerator einen eigenen Bedienbereich zum schnellen und sicheren Aufruf der Klangfarben per Tastendruck. Neben dem schnellen Aufruf von Klangfarben lassen sich in dieser Sektion auch sehr flott Split- und Dualsounds erstellen und zur späteren Verwendung als Performance ablegen. Externe Instrumente lassen sich mit Hilfe der Masterkeyboard-Funktion ebenfalls umschalten.

Für den vollautomatisierten Livebetrieb bieten sich die „Chains“ an. Sie können Ihren nächsten Livebetrieb optimal vorbereiten, in dem Sie Abfolgen von Programmen und Performances erstellen, die Sie anschließend zum Beispiel mit einem Fußtaster weiterschalten können.

Spielhilfen

Die leichtgewichtete Tastatur des Accelerators umfasst 5 Oktaven und besitzt natürlich Aftertouch und Anschlagdynamik. Das Dynamikverhalten lässt sich umfangreich an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Zur Linken findet man zwei Wheels sowie zwei Taster, über die Trigger ausgelöst werden können oder voreingestellte Parameteränderungen.
Als erster Synthesizer besitzt der Accelerator darüber hinaus einen Neigungssensor. Beliebige Klangparameter können mit Hilfe des Neigungssensors gesteuert werden. Anwender, die nun befürchten, dieser Effekt könnte zu viel Kraft erfordern, können sich beruhigen. Genau aus diesem Grund besitzt der Accelerator einen Boden aus Aluminium. Außerdem wird der Accelerator in der Regel nur an einer Seite angehoben. Die andere Seite ruht auf dem Spieltisch. Zusammen mit den extremen Modulationstiefen lassen sich im Livebetrieb extreme Effekte realisieren, die nicht nur etwas für die Ohren sondern eben auch fürs Auge bieten. Natürlich lässt sich dieser Effekt sowohl pro Patch als auch global für alle Patches ausschalten, wenn man mal auf wackeligen Bühnen unterwegs ist.

Stepsequenzer und Arpeggiatoren

Radikal liebt Musikmaschinen! Für mich gehören diese Performance-Werkzeuge zu einem Synthesizer einfach dazu.

Der Stepsequenzer besitzt für jeden Part eine polyphone Notenlinie und drei Parameterlinien. Die Linien können bis zu 32 Steps besitzen. Dabei ist natürlich die Länge und Richtung jeder Linie unabhängig einstellbar, und selbstverständlich stehen alle Parameter bei laufenden Sequenzer zur Verfügung. Skip, Mutes und Steps lassen sich jederzeit aktivieren bzw. ausschalten.

Die Arpeggiatoren lassen sich per Part zu- und abschalten. Benutzt man im Dualmodus mehrere Klangfarben zur gleichen Zeit, können diese auch unterschiedliche Arpeggiomuster gleichzeitig abfeuern.

FXs

Neben den zwei Multi-Effektprozessoren mit Delay, Chorus und Flanger-Effekten besitzt der Accelerator Sättigungsstufen für mehr Schmutz im Sound. Unser Algorithmus orientiert sich dabei an der weichen Röhrensättigung und Verzerrung und hilft gerade Orgelsounds enorm auf die Sprünge.

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Benutzer-Interface

Der Accelerator besitzt ein grafikfähiges Display. Dieses Display zeigt zum Beispiel Oszillatormodulationen grafisch als resultierende Wellenform dar. Wollten Sie schon immer mal sehen, wie sich eine Phasenmodulation auf eine Wellenform auswirkt – der Accelerator stellt dies in seinem Display dar. Aber auch Hüllkurven und LFOs werden visualisiert.

Für die Editierung der Parameter werden die bereits vom Spectralis bekannten Encoder eingesetzt. Diese besitzen eine Schaltfunktion und erlauben von daher neben der Parameteränderung auch eine Navigationsfunktion. Die Parameter sind in logische Gruppen unterteilt, und zusammen mit den drei Display-Encodern können immer bis zu 11 Parameter gleichzeitig editiert werden.

Für Ihre Live-Performances können Sie die 8 Regler des Matrix-Editors auch mit eigenen Parameterzuordnungen belegen. So haben Sie beim Spielen immer die wichtigsten Parameter im Direktzugriff. Die Zuordnung wird automatisch beim Klangwechseln umgeschaltet.

Anschlussmöglichkeiten

Neben den vier analogen Ausgängen besitzt der Accelerator einen S-PDIF Digitalausgang, zwei symmetrische Eingänge und natürlich das übliche MIDI-Trio. Alternativ zu den MIDI Ports bietet der Accelerator auch einen USB-Anschluss. Im Rechner erscheint er als MIDI-Device. Von daher können Sie auf ein MIDI-Interface verzichten. Gerade Musiker, die mit einem Laptop auf der Bühne arbeiten oder schon mal durch USB verursachte Groundloops erfahren mussten, werden sich über die vollständige galvanische Trennung des USB-Anschlusses freuen. Zwei Schweller oder Fußtaster können ebenfalls angeschlossen werden.

Erweiterungsmöglichkeiten

Wie auch schon beim Spectralis wurde die Tonerzeugung auf Klangqualität und nicht auf hohe Polyphonie optimiert. Mit Hilfe von bis zu zwei DSP-Expansions können Sie den Accelerator auf bis zu 32 Stimmen ausbauen. Mit Hilfe eines Erweiterungsmoduls ändern sich aber auch die übrigen Eigenschaften des Accelerators. Anstatt des zweifachen Multimodes in der Grundversion besitzt die erweiterte Version einen 8-stimmigen Multimode.
Eine ideale Erweiterung ist natürlich auch der Spectralis, da sich einige Funktionen vom Accelerator aus fernsteuern lassen. Einer perfekten Live-Darbietung steht damit nichts mehr im Wege.

Nachtrag Redaktion:

Wer an dieser Stelle Fragen an Jörg Schaaf hat, kann diese nun gerne über die Kommentarfunktion stellen. Ich bin mir sicher, dass Jörg kurz darauf antworten wird.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dRead

    Also der Accelerator klingt auf jeden Fall sehr interessant mit seinen vielen Möglichkeiten der Klangsynthese, und vor allem durch seine, wie beim Spectralis, wunderbare Livetauglichkeit! Freue mich schon wenn endlich mal ein spielbares Modell in der Nähe ausgestellt wird!! Wann könnte UNGEFÄHR mit einer Auslieferung gerechnet werden? Und, nebenbei, kann man, als Spectralis-User, dann auch wieder mit einem neuen Update mit den heiß erwarteten Funktionen für den genialen Spectralis rechnen?

    • Profilbild
      Lurch

      Die erste Auslieferung wird Mitte bis Ende Januar erfolgen. Aufgrund der Lage auf dem Halbleitermarkt ist die Erstauflage recht begrenzt.

      Wie auch schon im Forum angedeutet, werden wir in jedem Falle nach Erscheinen des Accelerators auch den Spectralis I und II mit neuen Features erweitern. Wenn die Produktion erstmal läuft, haben wir endlich wieder Ressourcen dafür frei.

  2. Profilbild
    Alex_KIDD

    Hallo an die Gemeinde,

    schöner „Aufriss“ von einem Gerät, was schon
    mal eine schöne Optik hat.
    Da ich mit Radikal Technologies überhaupt noch nicht in kontakt getreten bin, lasse
    ich mich gern vom Testbericht und Anspielen
    überraschen.

    Weiss man schon, ob auch eine 7er oder 8er Tastatur im gedankengang liegt?

    Mir wären eine zweite Reihe Regler zur Echtzeitbearbeitung lieb gewesen aber der
    Klang ist jedenfalls nicht unbedingt neu, dafür
    sehr charakterstark

    man wird sehen/hören…

    mfG

    • Profilbild
      Lurch

      Im Performance-Mode können die Regler mit einer eigenen Belegung versehen werden. So hat man im Livebetrieb immer die passenden Parameter zum angewählten Programm im Direktzugriff.
      Eine Version mit 76 oder 88 Tasten ist bisher nicht geplant.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich fände es nicht schlecht noch weitere Spectren zu Verfügung zu haben oder vielleicht sogar die Möglichkeit des Sampleimports. Sowas findet man in Hardwareklagerzeuger leider viel zu wenig. Ansonsten ein sehr interesanntes Instrument.

    • Profilbild
      Zierenberg  

      Hallo FischerZ,

      Sampleimportfragen bei den Reinoszillatorinstrumenten empfinde ich immer als absolut überflüssig ;-), aber dennoch: Schon mal den Clavia Wave angeschaut? Da ist das im Prinzip „Hausaufgabe“ oder der noch nicht erschienende, leider sehr teure John Bowen Solaris, dessen Architektur soetwas erlaubt.

      Ansonsten evtl. bei Roland´s V-Synth (jetzt mal
      auf gut Glück geschätzt) oder direkt Synthesizer wählen, welche durch Samplingtechnologie funktionieren (Motif XF mit Flash). Ein günstiger Vertreter wäre der Venom von Maudio, allerdings weiß ich net ob man da nun einen eigenen Ram zur Verfügung hat.

      Eine, leicht (:-)) angestaubte, aber dennoch aktuelle Lösung, wäre ein neuester Kurzweil mit Samplefunktion. Die alte Architektur der V.a.s.t.synthese mit Va1 und so weiter hat es immernoch in sich (ist irgendwie nicht totzukriegen, das Teil)!

      Grüße

  4. Profilbild
    Tischhupe

    Und wie sieht nun eigentlich die Preisgestaltung aus? Grundmodell, 16-stimmig usw.
    P.S.: Soweit man das über MP3 beurteilen kann, klingt das Teil sehr gut.

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