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Purple Box: Yamaha Electone E-75


Yamaha E-75

Heimorgel! Wer bei diesem Gedanken nicht schreiend aufgesprungen ist, sondern sogar den Link zum vorliegenden Bericht angeklickt hat, ahnt vielleicht die Intention dieses Artikels …

Richtig, Mambo-Kurt und Volksmusik lassen wir jetzt mal außer Acht. Wir tauchen ein in die Klangästhetik der goldenen Heimorgelzeit des letzten Jahrhunderts, als der Begriff Sampling noch ausschließlich der Betriebswirtschaft zugeordnet wurde. Mit einem zum Teil immensen Elektronikaufwand wurden natürliche Orchesterinstrumente nachgeahmt. Die Resultate provozieren zwar heute nur noch ein breites Grinsen, aber beim zweiten Hinhören entdeckt man doch eine ganz eigenständige Klangwelt. Setzt man diese In­strumente bewusst nicht als Nachahmer von Akkor­deon, Banjo & Co ein, so kann man sich von diesem Analog-Sound lange nicht mehr losreißen. Natürlich kommt noch der Reiz von zwei Keyboards in einer ergonomisch optimalen Anordnung hinzu, und unten bei den Füßen ist ja auch noch etwas, was mächtig brummt.

Die Konsole in ihrer vollen Pracht

Die Konsole in ihrer vollen Pracht

Zur Eröffnung der „Purple Box“ möchte ich zunächst die Yamaha E-75 vorstellen und das aus folgendem Grund: Die E-75 war Yamahas letztes großes Analogmodell, welches mit ihren verwandten Modellen in den  Jahren 1977 bis 1981 gebaut wurde. In dieses Modell wurde alles verbaut, was gut und teuer, oder besser gesagt, für über 50.000 DM gerade noch vermarktbar war. Danach brach bei Yamaha das digitale FM-Zeitalter mit den bekannten „Nebenwirkungen“ ein.

Aber noch ein Aspekt dürfte den Synthetisten in uns interessieren, ist es doch die famose CS-80 Technologie, die in diese Orgelmodellreihe verbaut wurde! Aber dazu später mehr.

Äußeres

Schweres, gediegenes Möbel! Die drei Herren, die sie mir reingetragen haben, meinten „gar nicht so schwer“ und humpelten davon. Der Grund: massi­ves, dickes Holz, 5 Lautsprecher, viel Metall. Sehr sauber und für die Ewigkeit gebaut. Das war zu den Zei­ten, als Total Quality Management schon längst Einzug bei Yamaha gehal­ten hat.

Der Spieltisch ...

Der Spieltisch …

Zwei große Keyboards mit je 5 Okta­ven und einem 25-tönigen Pedal ma­chen eine stattliche Vollorgel aus. Un­ten in der Konsole hört man  ein echtes Leslie schaufeln. Soweit ich weiß, ist das auch die letzte Yamaha-Modellreihe mit mechanischem Original(!)-Leslie.

Obwohl ich nicht gerade klein bin, scheint mir die Sitzbank derart tief gebaut, dass man so ehrfürchtig und begierig an der Orgel sitzt, wie ein Kleinkind an einem vollen Geburtstagstisch. Jeder Klangparameter hat einen eigenen Knopf, und von den Knöpfen gibt es reichlich.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    XCenter

    Lassen sich solche Monster eigentlich für den Transport in irgendeiner Weise zerlegen oder ist ein Möbelpacker Pflicht?

    • Avatar
      r.skerjanc

      Die Logistik ist bei dieser Geschichte oft eine Herausfoderung. Wenn es nicht gerade Bühnenorgeln sind, dann sind sie in der Regel nicht zerlegbar. Der Transport über eine Spedition ist dann meist teurer als die Orgel.
      Oder man besorgt sich einen Autoanhänger und macht sich selber auf den Weg…

  2. Profilbild
    Orgelhedi

    Meines Wissens ist nicht die E-75 die letzte“ Top of the Line“-Analogorgel von Yamaha, sondern die, ab 1980 gebaute Modelle D-85 und D-65. Das einzig digitale war bei diesen Modellen die Tempoanzeige.

  3. Profilbild
    antares

    Ich habe mir vor einiger Zeit mit einem Freund zusammen eine E-70 und eine EX-1 zugelegt. (Der Transport der EX-1 ins Dachgeschoss eines Altbaus ist schon eine Story für sich…) Die Diskussion über den Umbau einer E-70 zu einem „Vollsynth“ habe ich schon mit Interesse verfolgt, aber die Modifikation dieser E-75 ist meines Wissens die erste wirklich durchgeführte Aktion. Ich würde mich sehr für die Details der Modifikation interessieren, die Schaltpläne für die Orgeln, sowie ein Grundwissen über die Interna sind bereits vorhanden.

  4. Profilbild
    Tastentiger

    Fantastisch, wie dieses Instrument modifiziert wurde. Ich besitze selber eine E-75 und suche eine Möglichkeit, sie komplett mit Midi auszustatten, damit man auch andere Sondmodule (Hammond, Kirchenorgel) darüber abspielen kann. Ansonsten hat dieses Instrument einen wunderbaren Theaterorgelklang. Wer eine Orgel noch richtig konventionell -also ohne Automatikschnickschnack- spielen kann, ist mit diesem Instrument gut bedient. Schade ist es wegen des hohen Wertverlustes.

  5. Profilbild
    Pfau_thomas

    Die Orgeln haben damals schon sehr viel Geld gekostet.
    Ich durfte mir eine von 2 Orgeltypen wählen.
    Zwischen Yamaha Electone Serie oder Technics E serie.
    Unter 4000 DM ging zu dieser Zeit nichts.

  6. Profilbild
    Hausaltar

    Ich habe mir soeben eine D-85 gekauft. Transport ging über eine professionelle Klaviertransportfirma. Mit Suche über die entsprechenden Portale steht das gute Stück für um die 100€ im Wohnzimmer, das ist akzeptabel.
    Mich würde sehr interssieren, inwieweit die Architektur der D-85 mit der E-75 übereinstimmt Ich würde gerne die VCF und VCA Hüllkurven stufenlos regeln. Cutoff Frequency und Resonanz wären auch prima. Schaltplan ist vorhanden – ebenso wie solide Grundkenntnisse im Löten…

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