Blue Box: Yamaha CS-80 analoge Synthesizer-Legende

4. Oktober 2008

King of Sound

Wenige Synthesizer-Serien haben in Musikerkreisen einen so hervorragenden Ruf wie Yamahas CS-50/60/80. Wohlgemerkt sind es alle drei Modelle, welche geniale musikalische Möglichkeiten bieten und bis heute punkto Klangkontrolle und eigenständigem Sound kaum übertroffen wurden.

Gleich zu Beginn zwei Alternativen zum Yamaha CS-80

Da der Yamaha CS-80 für die allermeisten Leser ein Traum bleiben wird, möchten wir gleich zu Anfang auf zwei Klone hinweisen, die durchaus das Zeug dazu haben, der Synthesizer-Legende klanglich Paroli zu bieten. Zum einen wäre das der analoge Hardware-Rack-Expander Deckards Dream der Black Corporation, sowie das wirklich faszinierende PlugIn Memorymoon ME80.

Wer dennoch auf die Suche nach einem Yamaha CS-80 gehen möchte, dem empfehlen wir als Abrundung den Report „Yamaha CS-80, die Geschichte einer Odyssey“. Lesevergnügen pur – versprochen. Nun aber zurück zum BLUE BOX-Report von Theo Bloderer:

Yamaha CS-80 (Photo by RLmusic)

Synthesizer Legende Yamaha CS-80

Legendären Ruhm erlangten die CS-Instrumente in erster Linie durch einen Künstler, dessen Soundtracks zu den besten der Musikgeschichte zählen: Vangelis. Der bekannte Musiker griechischen Ursprungs setzt seit den späten 70er Jahren konsequent den CS-80 in fast allen seinen Werken ein. Dieser markante Vangelis-CS-Sound hat sich mittlerweilen so stark etabliert, dass es als CS-Besitzer eine tatsächlich schwierige Herausforderung ist, NICHT nach Vangelis zu klingen…

Ein Irrtum, dem viele Elektroniker leicht unterliegen, ist die Meinung dass sich der CS-Klangcharakter durch die bloße Klangstruktur zusammensetzt. So gesehen könnte man mit einer guten „Best-of-CS“ Sample-CD auch zumindest ganz gute CS-Musik machen. Irrtum. Der Großteil des starken Klangcharakters schöpft aus den musikalischen Performance-Features der CS: Aftertouch, Velocity, Ribbon, Portamento… und diese gibt es nur am Instrument selbst!

Seiner Zeit weit voraus: Über Tastendruck lassen sich wichtige Klangparameter steuern

Yamaha CS-80 Analog-Synthesizer & Legende

Wer Ende der 70er Jahre richtig viel Geld hatte, ein großes Studio besaß und auch die Roadies für diverse Transport-Odyseen bezahlen konnte, der kaufte ihn bestimmt, den „king of polyphonics“. Stevie Wonder hatte vier Stück davon, in Vangelis Studios zählen die CS-80 auch zum festen Mobiliar, und sogar der in seiner Entwicklung etwas undefinierbar gewordene Jean-Michel Jarre hatte den großen CS des Öfteren in Verwendung, so etwa bei seiner Europa-Tournee (Oxygene 2008) im Frühjahr… (wo der CS-80 jedoch meist mit ganzen Handflächen oder Fäusten gespielt wurde und nur einen lapidaren Noise-Effekt-Sound von sich geben durfte).

Drei Dinge zeichneten und zeichnen dieses wunderbare Instrument aus: Preis, Gewicht und edle musikalische Features. Heute hat sich die Preisfrage natürlich etwas relativiert, aber das Gewicht ist geblieben: Satte 100 kg. Genau genommen sind es aber dennoch weniger: Yamaha rechnet laut Manual in dieser Angabe die Füße des Instruments mit ein. Der bloße Synthesizer selbst wiegt nicht ganz so viel (etwas über 90 kg). Dennoch ist es genug, um einen kleinen Standortwechsel des CS-80 im Studio zum großen Problem werden zu lassen: Für eine Person allein ist so ein Vorhaben nicht ratsam und wohl auch gesundheitsschädlich…

Schon der Trafo des CS80 dürfte mehr wiegen als so mancher Synthesizer als Ganzes.

Musikalische Features:

die Stärken des CS-80

Velocity und Aftertouch

Zu den wichtigsten Merkmalen zählt die Klangkontrolle via Keyboard. Genialerweise kann der Musiker am CS-80 für jede der beiden Synthesizer-Hälften (für jeden der zwei Klänge) getrennt einstellen, wie stark sich Velocity (Initial) und Aftertouch (After) auswirken sollen.

Die Velocity- bzw. Aftertouch-Einstellungen erfolgen für jede der beiden Synthesizer-Hälften separat…

Dabei kann man sicher wiederum unabhängig festlegen, wie stark die jeweilige Tastaturkontrolle auf das Filter (Brilliance) bzw. auf die Lautstärke (Level) Einfluss hat. Solche umfassenden musikalischen Möglichkeiten sind bis heute einzigartig. Nebenbei ist der Aftertouch noch polyphon, d.h. jede der gedrückten Tasten hat ihre eigene, ganz spezifische „Druckstärke“… In der Tat ist es gar nicht so leicht, die Finger/Tasten gänzlich unterschiedlich stark zu drücken, aber mit etwas Übung wird die musikalische Kontrolle machbar. Pianisten sind hier sicher im Vorteil.

Des Weiteren kann das Keyboard den LFO (beim CS-80 Sub Osc genannt) steuern! Neben der – für heutige digitale Maßstäbe – „normalen“ Kontrolle von LFO auf VCO (Vibrato) bzw. LFO auf VCF (WahWah), ist hier auch der Speed (!) nuanciert per Fingerdruck steuerbar. Dieses Feature existiert bei den kleineren Kollegen CS-50/60 nicht. Somit erhält der LFO nämlich zusätzlich eine ganz neue Funktion: mittels der Geschwindigkeits-Steigerung via Tastendruck kann seine Frequenz in den Audio-Bereich gebracht werden. Klangliche Ergebnisse sind – wie bei den Korg PS-Instrumenten – ringmodulator-ähnliche Klänge. Dies ist natürlich gänzlich unabhängig vom tatsächlichen Ringmodulator des CS-80…

Der Initial-Lever schließlich sorgt – je nach Einstellung seines Wirkungsgrades – für ein Anschleifen der Töne abhängig von der Anschlagstärke… eine Art „Mini-Portamento“, das man über Velocity steuern kann. Die klanglichen Einsatzgebiete sind hier das Imitieren guter Bläser-Sounds, wo „in natura“ das Anschleifen eines Tones mittels Ansatz ja relativ problemlos möglich ist…

Keyboard Control

Eines der vielen wunderbaren Details des CS-80: Lautstärke (Level) und Filter (Brilliance) können in einem bestimmten Verhältnis zur Tastatur gesetzt werden… und zwar für die untere und obere Keyboard-Hälfte separat!!! Hier fällt wieder einmal eine Parallele zur Korg PS-Serie auf, wie dieses Feature exakt gleich (wenn auch mit getrennter Platzierung am Bedienfeld) vorzufinden ist.

Hier werden die Einstellungen zwischen Tasten-Spannung und Lautstärke bzw. Filterfrequenz vorgenommen.

So können Solo-Sounds in tiefer Lage mit geschlossenem Filter, dafür aber laut beginnen – in hoher Lage dann bei geöffnetem Filter leiser enden… wieder ein kleines aber feines Feature mit vielen Variationsmöglichkeiten.

Der geniale Ringmodulator des Yamaha CS-80

Keine Frage, er ist das typische CS-Modul schlechthin: Yamahas genialer Ringmodulator… Die Modulation kann stufenlos zum Originalklang eingeblendet werden, wobei das entweder rein statisch über den Fader erfolgt, oder in der Zeit via einer kleinen Hüllkurve gesteuert wird. Klangliche Ergebnisse sind hinlänglich bekannt und z.B. auf unzähligen Vangelis-Tracks immer wieder zu hören (ganz besonders bei Blade Runner).

Das sehr nuancierte Einblenden des Ringmodulator-Signals bei CS-50/60/80 stellt eine der bemerkenswertesten musikalischen Quellen dar, die auf einem analogen Synthesizer zu finden ist. Mühelos kann damit der Klang von leicht-verzerrt/schimmernd bis wild-aggressiv ganz kurzzeitig verändert werden.

Eines der schönsten Module der gesamten Synthesizer-Geschichte: Der (stufenlose) Yamaha Ringmodulator.

Leider wurde bei späteren CS-Instrumenten wie dem CS30 oder 40M das schöne Konzept des Ringmodulators nicht in dieser Form übernommen, wenngleich der CS-40M (bzw. CS-20M) hier klanglich noch am nächsten kommen dürfte…

Portamento und Sustain

Auch diese Sektion ist sehr wichtig! Vor allem Portamento erlaubt wunderbar fließende Übergänge von einem Ton zum nächsten. Viele denken sich jetzt „ja klar, dazu ist Portamento eben da“… nur: So einfach und doch zugleich musikalisch passend wie bei Yamahas CS-50/60/80 ist dieses Feature selten zu finden…

Die Controller-Abteilung zur linken Seite ist übersichtlich und bietet viel Platz.

Die Fußlagen

Was den CS-80 gegenüber CS-50/60 auszeichnet, sind seine zwei gleichzeitigen Klänge. Später werde ich darauf zurückkommen, dass das nicht immer ein Vorteil ist, aber die Steigerung der musikalischen Möglichkeiten ist natürlich gegeben. Yamaha hat auch gleich einen Schritt weitergedacht und die Fußlagen der beiden Klänge separat editierbar gemacht. Bemerkenswert ist hier dir Tatsache, dass nicht nur die „üblichen“ Oktav-Lagen wie 16’’ und 8’’ etc vorzufinden sind, sondern auch eher exotische Intervalle wie 5 1/3’’ und 2 2/3’’, was soviel bedeutet wie Quart und Quint… Für Orgel-ähnliche Sounds oder auch etwas „unübliche“ Leadklänge sind diese Intervalle durchaus interessant…

Presets-Combination mit dem Yamaha CS-80. So manche berühmten Vangelis-Sounds sind so entstanden

Das Mischen der Sounds und globales Filtertuning

Sehr praktisch, dass beide Klänge in ihrer Lautstärke zueinander variiert werden können. So ist es leicht, einen Klang einfach wegzublenden und damit – quasi – einen CS-60 zu erhalten. Dies ist vor allem aus einem CS-80 spezifischen Grund besonders wichtig: Die 16 Voicecards des CS-80 haben nicht selten Tuning-Probleme. Konkret könnte dies so aussehen: Ein gewöhnlicher Leadsound (bestehend aus den zwei parallelen CS-80-Klängen) stimmt bei 7 angeschlagenen Noten wunderbar, und beim 8. Ton passt die Stimmung einer Voicecard nicht. Dazu muss nur eine einzige der 16 Voicecards „out of tune“ sein (was, sehr realistisch, häufig der Fall ist!), und schon hat man eventuell ein kleines musikalisches Desaster.

Da jedoch selbst der Grundsound von „nur“ einem Klang (einer CS-80-Hälfte) beeindruckend kräftig klingt, kommt hier der MIX-Regler ins Spiel. Man blendet also die Synth-Hälfte mit der verstimmten Voicecard aus und hat die Sache quasi „aufs Erste“ gelöst. Das ist manchmal musikalisch deutlich praktischer als langwierige Tuning-Prozesse, und mitunter kein Verlust: Single- Lead-Sounds können brillianter und – da frei von Schwebungen – reiner klingen…

Der CS-80 ist sehr flexibel: Man kann einen der beiden Synth-Sounds ausblenden, oder aber zwecks gesteigerter Klangfülle beide Sounds gegeneinander verstimmen.

Auch das globale Steuern beider LowPass-Filter via einem Brilliance-Fader gestaltet sich als hilfreiches Performance-Tool, da somit beide Klänge gemeinsam verändert werden können… Allerdings ist hier eine architektonische Eigenheit festzustellen: Wo beim CS-60 diese wichtigen Fader für Filter und Resonanz links neben den Presets angelegt sind, wurden besagte Elemente beim CS-80 rechts neben die Programm-Tasten verschoben. Diesen Platz finde ich ergonomisch etwas ungünstig, da man ja nicht selten ein schönes Solo spielt (für gewöhnlich mit der rechten Hand), und die Linke dann – um an das Filter/Resonanz-Poti zu kommen – die Rechte überkreuzen muss… keine ganz ideale Lösung also…

Pitch-Ribbon… das sensitive Vergnügen

Tja, dieser Ribbon ist schon eine Legende… Sein Wirkungsgrad geht in linker Richtung bis in den Sub-Audio-Bereich, rechts hingegen exakt eine Oktave hinauf… (genauer gesagt: mehr oder weniger exakt, denn je nach individuellem CS-Modell stimmt das manchmal nicht so ganz). Jedenfalls handelt es sich wieder einmal um ein musikalisch gut durchdachtes Feature, und der samtene Überzug macht den Ribbon zu einem wirklich „spürbaren“ Erlebnis…

Die (zwei) Oszillatoren der beiden Synth-Hälften…

Sound und Zielgruppe des CS-80

Es gäbe noch unzählige Details zu jeder Komponente des CS-80 zu sagen, doch wesentlich entscheidender ist immer der Klang. Ein kurzes Resumée: Für natürliche und „musikalisch“ klingende Sounds ist der CS-80 bestens geeignet. Extrem experimentelle Sequenzer/Arpeggio-Klänge sind besser einem Pro-One oder anderen vielseitigen Monophonen überlassen. Weitere These: Wer sich auf einer Tastatur richtig wohl fühlt, und seine Ideen am liebsten direkt am Instrument kreiert, ist beim CS-80 in guten Händen. Wer dagegen die totale Kontrolle benötigt und auf das Zusammenspiel mit anderem Equipment angewiesen ist, sollte die Finger davon lassen. Dritter Versuch: Wer analoge Synthesizer besonders dann mag, wenn sie zuverlässig und ohne Probleme funktionieren, darf nicht einmal mit dem Gedanken spielen, sich einen CS-80 ins Studio zu stellen…

Die (vier) Filter der beiden Synth-Hälften…

 

Yamaha CS-60 und CS-50 versus Yamaha CS-80

Vor allem in Sachen Zuverlässigkeit, schlagen die kleinen Geschwister den Yamaha CS-80 deutlich. Auch sind CS-50 und CS-60 deutlich handlicher.  Außerdem bietet der kleinere Yamaha CS-60 (damit schließe ich auch den Yamaha CS-50 ein, obwohl ich ihn nie hatte) einige Vorzüge, die – aus praktisch-technischer wie aus musikalischer Sicht – die „Legende“ CS-80 nicht unbedingt zum „Besten der Besten“ machen…

Yamaha CS-80 (Photo by RLmusic)

Vorteile Yamaha CS-60

  • Die günstigere Platzierung der globalen Filter/Resonanz-Fader im linken Bereich der Keyboards (wurde bereits genannt).
  • Dadurch, dass nur ein Klang vorhanden ist, spielen Verstimmungen der Oszillator-Sektionen keine so dramatische Rolle wie beim CS-80, wo plötzliche Schwebungen einer bestimmten Stimme (zb jedes siebten Tones) klarer wahrzunehmen sind…

Meine interessanteste Erfahrung mit dem CS-80

Das „typisch“ ungewichtete Plastik-Keyboard des CS-60 erlaubt einfachere und schnellere musikalische Ideen-Umsetzungen als das (etwas undefinierbar) gewichtete Keyboard des CS-80. Die Erklärung könnte wir folgt lauten: Obwohl das Keyboard des CS-80 wie eine Klaviertastatur aussieht, verhält sie sich ganz anders (!). Nicht nur ein wenig anders, wirklich deutlich anders. So repitieren die Tasten des CS-80 – ungeachtet ihres voluminösen und soliden Aussehens – extrem leicht. Dennoch: Dieses Keyboard ist gewichtet, weshalb man klarerweise mit mehr Kraft spielt… und dann passiert das Unvermeidliche: Die Tasten federn unerwartet (und beinahe unpassend) leicht zurück, wie es in keinem Verhältnis zur soliden Gewichtung der Tastatur steht… Ergebnis: Doppeltrigger-Effekte sind beim CS-80 so lange Realität, bis man wirklich „gelernt“ hat, diese eigenartig-wabbelige Tastatur zu spielen…

Die Optik der Yamaha CS-80 Tastatur trügt etwas…

Beim CS-60 herrschen hingegen andere Bedingungen: Es gibt eine „gewöhnliche“ Keyboardtastatur, an die man – wie bei jedem anderen Synthesizer – ohne besondere Erwartungen und ohne große Ansprüche herangeht. Tatsächlich ist sie aber sehr, sehr gut justiert, und lässt sich genau so spielen bzw. steuern, wie man die musikalische Empfindung für die Veränderung und Umsetzung der Klänge im Kopf hat. Da ist es in Kauf zu nehmen, dass der CS-60 „nur“ Aftertouch (und kein Velocity) bietet – die kreativen Ideen lassen sich auf der angenehmen Tastatur mitunter schneller und intuitiver umsetzen als beim großen Bruder.

  • Ein ganz banaler Vorteil: Der CS-60 besitzt zwar immer noch viel, aber doch deutlich weniger Elektronik als der große CS-80. Punkto Zuverlässigkeit ist dem CS-60 in jedem Fall der Vorzug zu geben.

Ein kleiner (!) Teil der Yamaha CS-80 Elektronik-Spaghetti…

  • Ein weiterer, noch banalerer Vorteil: Man kann den CS-60 alleine bewegen und transportieren…
  • Und schließlich: Der CS-60 ist deutlich günstiger…

Natürlich hat der CS-80 ebenso seine unbestrittenen Vorteile und (klarerweise) weitreichendere musikalische Möglichkeiten als die kleineren Brüder. Es gibt einige bemerkenswerte Extras, die diesen Synthesizer bis heute einzigartig erscheinen lassen.

Vorteile Yamaha CS-80

  • Aftertouch UND Velocity erlauben subtilste Klangkontrolle, wie sie allenfalls noch beim Sequential Prophet T-8 zu finden ist…
  • Zwei Klänge in variabler Fußlage und stufenlos mischbarer Lautstärke ermöglichen ein Vielfaches an musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten.

Die beleuchteten Preset-Taster sind auch heute – 21 Jahre nach Erscheinen des CS-80 – Luxus pur…

  • Regulierung der LFO-Geschwindigkeit via Aftertouch – und das bis in den Audiobereich (was eine neue, zusätzliche Klangquelle mit sich bringt).
  • Der Grundklang des CS-80 ist deutlich kräftiger – auch bei nur einem Klang, was (theoretisch) einem CS-60 entsprechen würde. Der CS-80 ist einfach druckvoller und „stärker“…
  • Polyphoner Aftertouch ist punkto musikalischem Ausdruck und sensibler Klangsteuerung einmalig !!!

Daten-Sicherung im Jahre 1977: Vier ANALOGE Speicherplätze…

Der Yamaha CS-80 mit geöffnetem, manuellem Speicherfeld.

Der Yamaha CS-80 on YouTube

 

Fazit

Ohne Frage ist der CS-80 ein wirklich beeindruckendes „Musik“-Instrument. Edler und zu kreativen Ideen animierender Klang ist hier mit allerbester Hardware gepaart (die bunten Fader mögen lächerlich aussehen, lassen sich aber bestens bedienen). Wer auf der Suche nach dem legendären CS-Sound ist, findet im CS-80 sicher alles, was das Herz begehrt. Aus praktischem – teils sogar musikalischem – Gesichtspunkt würde ich allerdings sehr stark zu einem Yamaha CS-60 raten (bzw. auch zum CS-50). Diese Instrumente sind erstens am Gebrauchtmarkt leichter zu bekommen, bieten weiters den ebenso charakteristischen Klang, sind im Allgemeinen mit großer Wahrscheinlichkeit zuverlässiger… und deutlich preiswerter – sie werden für angemessene 900-2000 Euro angeboten (je nach Zustand / Modell bzw. ob Kenton-Midi eingebaut wurde oder nicht…).

Der Wert eines CS-80 lässt sich hingegen schwer einschätzen. Wenngleich in diesem Jahr schon einige Yamaha CS-80 auf dem europäischen Gebrauchtmarkt gesichtet wurden (geforderte Preise um 7000 Euro sind keine Seltenheit), dürften hier in den meisten Fällen nur Sammler – und keine Musiker! – angesprochen werden. Aus musikalischer Sicht würde ich einen CS-80 nicht höher als 3000 Euro einstufen. Mit eingebautem Kenton MIDI, generalüberholter Elektronik und neuem Tolex kann unter Umständen auch ein Preis von bis zu 4500 Euro gerechtfertigt sein.

Doch alles darüber ist reine Spekulation uns steht nicht im Verhältnis zu den Risiken, die der (zugegeben genial schöne) CS-Sound des monströsen CS-80 mit sich bringt. Zuviel Elektronik, zu anfällig, eine wabbelige (und mitunter ebenso anfällige) Tastatur, regelmäßige Verstimmungen der Voicecards, etc. Als Studio-Instrument ist der CS-80 – zu einem fairen Preis – sicher schön. Wer jedoch mit etwas Realitätssinn (und offenen Ohren) das Leben plant, der wird mit einem Yamaha CS-50 oder CS-60 ebenso musikalische Zufriedenheit finden. Radikale Querdenker gehen sogar noch einen Schritt weiter und nehmen die (monophonen) Yamaha Synthesizer SY-1 und SY-2 unter die Lupe. Es ist erstaunlich, wie wunderbar „CS-like“ diese unscheinbaren ersten Yamaha Synthesizer klingen…

Preis

  • Am freien Markt nicht mehr gesichtet. Schätzungsweise mindestens 15.000,-€
Klangbeispiele
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      AMAZONA Archiv

      Ein toller Synth mit genialem Sound . Schade nur das nichts mehr neues kommt von Evangelos Odysseus Papathanassiou.

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          AMAZONA Archiv

          Jup, grad auf dem Soundtrack zur Meuterei hat er ja den CS so richtig krachen lassen.Ich habe den CS 80 V von Arturia aber erfolgreich diesen genialen Sound nicht hingebracht obwohl meine Tatatur über Aftertouch verfügt. Auf Youtube gibts ja einige Videos von Vangelis wo er u.a. auch mit dem CS spielt. Also vor diesem Mann kann ich nur den Hut ziehen.

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    AMAZONA Archiv

    hallo theo, ein toller bericht über dieses wunderbare instrument. und danke für die zur schaustellung der cs80 bei deinem bluesynths treffen in kufstein. es war ein tolles gefühl mal einen realen cs80 erleben zu dürfen. hab mir vor jahren einen andromeda als ersatz zugelegt, aber beim bluesythstreffen wurde mir wieder klar das es für einen richtigen cs keinen ersatz gibt.
    ps: hast du auch mal einen cs70m mit diesen boliden verglichen?

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      Bloderer  AHU

      … das Spannende beim Synth Treffen Kufstein war, die beiden CS-80 in den zweiten Stock zu bringen. Übrigens gab es zum CS-80 nochmals originale (zusätzliche) Cases (+ Rollen) von Yamaha dazu. Ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie Musiker/Bands der 70er/80er Jahre diese Instrumente mit auf Tournee nehmen konnten… Und stimmt, für einen CS-50/60/80 gibt es keinen Ersatz. Wie gesagt, SY-1/2 sind quasi die monophonen Varianten davon. Der Vorteil wäre, dass man hier sicher CV/Gate nachrüsten kann, was bestimmt sehr schön ist. Den CS-70M hatte ich leider bisher noch nicht, obwohl man hört, dass er sehr viel Klanggewalt haben soll. Wäre sehr spannend, hier einen Vergleich zu haben…

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        AMAZONA Archiv

        ähnliche CS 80 Sounds sind meiner Meinung nach noch besser als mit den SY1 bzw.2 durchaus auch mit dem Roland SH 2000 möglich.Der geniale Aftertouch ist da natürlich ganz im Vordergrund.Wenn man dann noch die auf Bluesynth beschriebene Modifikation vornimmt,so dass die Presets auch noch mischbar werden,dann sollte schon Freude aufkommen.Ich will auch versuchen diese interessante Erweiterung bei meinem SH2000 vornehmen zu lassen.

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    Und wer auch die Kohle für die kleinen CS nicht ausgeben kann oder will, der kann sich ja die VSTi Emulation von Arturia anschauen. Wobei mich persönlich mal interessieren würde, wie ein Fachmann, der die echten CS kennt, den Klang der Emulation beurteilen würde.

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      Bloderer  AHU

      … gerade bei CS-50/60/80 scheint mir die Überlegung punkto Software (leider) nicht wirklich existent zu sein. Kaum eine Synthesizerfamilie ist in ihrem musikalischen Ausdruck so sehr mit der eigenen Hardware verbunden wie Yamahas frühe polyphone CS-Serie. Dennoch wäre ein Klangvergleich zur Software sehr, sehr interessant. Vielleicht kann jemand ein gutes Arturia-Soundfile beisteuern? Würde die Klangecke abrunden, die Info vervollständigen und vor allem einen Vergleich des Klangcharakters ermöglichen…

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      AMAZONA Archiv

      Das wird es wohl nicht geben den der Geschmack ist so individuell wie der Mensch der ihn hat.Ob eine Emulation so klingtwie das Original muß der Hörer für sich entscheiden.

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    Sicherlich ist jeder echter CS aufgrund der vielen Analogelektronik ein klangliches Unikat und als solches kaum zu emulieren. Aber ich vermute, den Character wird das Plugin von Arturia schon treffen. Jedenfalls habe ich mir mal ein paar Demos auf deren Website angehört und konnte durchaus einen CS erkennen.

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      Bloderer  AHU

      … die Analogelektronik ist weniger das Thema als die zugehörige Tastatur, der Ribbon, der „greifbare“ Ringmodulator, das Drumherum eben. Habe mir gerade die Arturia Demos angehört – teils sehr gute Sounds (durchaus CS, das stimmt). Wäre spannend zu wissen, wie gut die Software auf Tastendruck etc reagiert, wie sich eben die oben beschriebene „Performance“ umsetzen lässt. Dadurch erhält der CS-Sound eben seine Seele. FischerZ hat in Einem natürlich recht: Wie’s klingt, das ist subjektiv. Dann kommt aber hier die Kernfrage ins Spiel: Wie sich’s verhält, wie die „Umsetzung“, die Performance ist, das wird über Erfolg und Charakter der Software entscheiden…

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    AMAZONA Archiv

    Also wenn man beim Arturia den Ringmodulator anfasst, dann klingt das einfach sch….. mit dem Sound aus meinem CS50 hat das gar nichts gemein. Auch ist es eine Strafe, mit der Maus diese winzigen Regler über den Bildschirm zu schubsen, dafür halt preisgünstig, unkaputbar, polyphoner als das Original, speicherbar, total recall und so weiter.

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    AMAZONA Archiv

    Das die Haptik eines Plugins nicht mit dem Original vergleichbar ist, braucht man eigentlich nicht zu erwähnen.

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      @ Andreas: Man sollte aber wenigstens ein User-Interface so gestalten, dass ein Bedienung unter Standardbedingungen ohne Lupe möglich ist. Und insbesondere User-Interfaces von Analog-Emulationen von Arturia und auch die P5-Emulation von NI leiden unter diesen eigentlich unzumutbaren Bedingungen. Ein Grund dafür, warum ich diese PlugIns nicht kaufe.

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        AMAZONA Archiv

        Ja, das ist ein Problem, wenn man ein komplexes Bedienfeld so implementieren will, dass nicht die komplette, dahinter liegende DAW verdeckt wird. Allerdings ist das auf Monitoren ab 21″ auch kein so großes Ding mehr.

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    AMAZONA Archiv

    den Theo würde ich gerne einladen,so er denn in berlin weilt, einencs 70m zu testen. momentan wartetder cs allerdings auf die reperatur der netzteilplatine. es ist auch ein traumhafter synth, der als einziger der meinen wirklich nach durch stom erzeugten, -modulierten sound klingt. für mich undenkbar denklang zu emulieren: zu reich, zu lebhaft. wenn er wieder funktioniert stelle ich gerne ein paar klänge ein.

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      Bloderer  AHU

      Das klingt ausgezeichnet. Über den CS70M liest (und hört) man ganz allgemein viel zu wenig. Berlin liegt bei mir zwar nicht gerade um die Ecke, aber ich habe da eine andere Idee, wie wir dem 70M eventuell zu mehr Präsenz verhelfen können. Vielleicht kontaktierst du mich: theo.bloderer@bluesynths.com

      Viele Grüße

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    AMAZONA Archiv

    so, nu will ich auch mal was dazusenfen (Theo kennt das ja schon, lang ists her *g*).

    Es ist ja nicht so daß alle die einen CS-80 einsetzten auch automatisch nach Vangelis klangen – das fänden sowohl Saga als auch ELO nicht so toll glaub ich. ELOs „Confusion“, also der Bombastakkord am Anfang, stammt vom CS-80, obwohl Richard Tandy sonst nur Moogs einsetzte (vor allem Poyl und Mini).
    Bei Saga war es Jim Gilmour der das Ding häufig einsetzte (was man auch deutlich hören kann, zB bei „Slow motion“ zu Anfang (Images at twilight). Die ganzen alten Livemitschnitte sind ja in youtube zu sehen, eine wahre Fundgrube. Auch auf Worlds apart liefert der CS-80 neben dem erstmals vorhandenen PPG Wave ein paar schön schräge Sounds zu den charakteristischen Polymoog-Teppichen dazu. Es macht immer wieder Spaß das zu hören und auch anzusehen.

    Nicht vergessen sollte man Loverboy mit „Turn me loose“ und „Working for the weekend“ sowie den ganzen Rest des Albums (iirc Get Lucky), bei denen deren Tastateur Doug Johnson reichlich Gebrauch des Mostrums machte.

    Der berühmteste CS-80 Song ist und bleibt aber „1980-F“ von After the Fire – der Song den eigentlich jeder kennt nur nicht den Namen der Band:)

    Da sieht man auf dem LP-Cover Keyboarder Memory Banks neben dem CS-80 auch einen Multimoog bedienen. Deren Drummer Pete King spielte übrigens später bei BAP (bis zu seinem Tod) und klang dort genauso trocken und pappig wie bei „1980-F“.

    Gruß Dietmar

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      moogist  

      Erinnern möchte ich noch an Tommy Mars, der in 80er Jahren bei Zappa spielte und alle Bläsersätze mit EML Electrocomp 101 (die „Lead“-Trompete) und CS80 (das polyphone Blasensemble) einspielte. Das hört sich gar nicht nach Vangelis an.

      Ein weiteres Beispiel: Reinhold Heil spielte als Keyboarder der Nina Hagen Band ebenfalls einen CS80 (auch live). Auf der Spliff-Platte „Schwarz Auf Weiss“ ist er noch einmal auf der Nummer „Sirius“ zu hören (die mächtigen Bläser).

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        AMAZONA Archiv

        Das war ein CS80 den R.Heil da spielt? Den Sound hätte ich eher in Richtung Oberheim oder Sequential Circuits geschätzt.

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            microbug  

            Stimmt, den hatte ich ja ganz vergessen. Wer sich zB Spliffs „Jive“ (Radio Show) mal reintut der hört einen CS-80 mit einem Sound, der entweder identisch oder sehr ähnlich dem aus „1980-F“ ist. Bei den Livekonzerten der 85555-Tour hatte er das Monster auch dabei, Hauptinstrument war damals aber schon sein Roland Jupiter-8, danach kam dann die komplette Yamaha-Phase mit DX-1 und DX-5.

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      moogist  

      Als alter Saga-Fan muss ich hier nachfragen: Wo genau bei „Slow Motion“ (Studio-Fassung) ist der CS-80 zu hören? Und: Jim Gilmour war bei „Slow Motion“ bzw. „Images At Twilight“ noch gar nicht bei Saga.

      Ich meine, es stimmt: Jim Gilmour brachte den CS-80 mit – aber erst ab der nächsten Scheibe „Silent Knight“.

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        microbug  

        öhm, ich dachte da an das gephaste Staccato im Intro – stimmt, das war noch Gregg Chadd, also doch Polymoog? Es gibt aber einen Song, wo man ihn deutlich hört (und live auch zu sehen ist von welchem Synth der Sound kommt), das ist bei Wind him Up, und wenn ich mich nicht verguckt habe spielt Gilmour auch die monophone Linie unter Sadlers Gesang auf dem CS-80.

        Zu sehen in diesem Video hier: http://www.....tS9MgTGwfs

        bei 3:10 hört man btw recht deutlich einen PPG Wave (diesen Metallsound, sehr typisch), das Staccato danach ist der CS-80 (was Sadler an der leisen Stelle begleitet)

        Auch das orgelähnliche Pad bei „Time’s up“ ist der CS-80.

        Auf diesen 1981er Videos kann man schön sehen was Gilmour auf welchem Synth spielt, die U-Förmige Burg bestand ja aus Plymoog mit Minimoog (Richtiung Drummer), hinter sich steht der CS-80 und rechts von sich hatte er ein Wurli und einen PPG stehen.

        Gruß, Dietmar

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    pianist

    Gibts denn überhaupt noch (bezahlbare) Keyboards mit polyphonem Aftertouch??? Hat jemand einen Tipp?

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    balpirol  

    Das ist das Schöne an den Sauriern. Man hört sie bis heute aus den Tracks heraus. Neue Synths, egal ob Vst,Vsti, pseudoanalog, virtuell usw. haben einfach keinen eigenen Klangcharakter.
    Ich hatte das Glück, für wenig Geld einen „berühmten“ CS-80 zu erhalten „dirty dancing“, der extra dafür modifiziert wurde.
    Man kann ihn nicht mit dem CS-70M vergleichen (inkl. Magnetstreifen), den ich kurz vorher in der Nähe Bonn’s erworben hatte.
    Momentan strebe ich beim CS-70M ein Upgrade an vergl. mit LAMM

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      el-folie  

      „Dirty Dancing“ – CS-80? Was ist die Geschichte dahinter? Und wo residiert denn der ehrenwerte CS-80, nicht vielleicht nördlich von Hamburg?

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        balpirol  

        aus einem frisch augelösten Tonstudio in Bad Tölz abgeholt aus Berlin. Nach einem kurzen Abstecher nach Garmisch Patenkirchen, um dort frühmorgens um 9 Uhr ein Stück Agnes-Bernauer-Torte zu essen (Kindsheitserinnerung meines inzwischen verstorbenen besten Freundes), holten wir den CS-80 ab. Welch eine Plackerei…..
        Dort wurde mir gesagt. daß dieser CS nach einem kleinen Upgrade (Fotos reiche ich nach) für den Soundtrack von Dirty Dancing eingesetzt wurde.
        Per Zufall wurde mir dort noch ein Pro-5 und eine Linn 9000 angeboten, was ich dankend annahm. Die Linn hat nun eine Reise nach Cal hinter sich , wo sie bei Forat ein Upgrade auf Linn Forat erhielt.
        Inzwischen befinden sich beide in meinem neuen Studio in der Mitte zwischen Berlin und Hamburg und werden alsbald Europa verlassen Richtung Namibia oder Ägypten….

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    el-folie  

    Herrliche Geschichte! Ich hätte Anfang 2001 die Möglichkeit gehabt, einen CS günstig zu erstehen. Der hatte allerdings einen Defekt einer Stimme und damals traute ich mir komplexe Reparaturen noch nicht zu. Diesen CS damals nicht gekauft zu haben, wird mich wohl ewig verfolgen.

    Falls hier jemand jemanden kennt, der nördlich von Hamburg einen CS80 sein eigen nennt, wäre ich über einen Tipp sehr froh. Ich würde dann so einen schwarzen Klotz mit 3 Zahlen drauf mitbringen, falls (noch) nicht vorhanden ;-)

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