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Ratgeber: E-Gitarre EQ – Tipps & Tricks für Gitarrensound

8. August 2021

EQ-Tipps für deinen Gitarrensound

Ratgeber: E-Gitarre EQ - Tipps & Tricks für Gitarrensound

Die Qualität eurer Gitarrenaufnahmen steht und fällt nicht nur mit der Qualität eures Equipments, sondern vor allem mit der Art, wie ihr Frequenzen nutzt, platziert, beschneidet und hervorhebt. Ein Thema voller Missverständnisse, das schnell in die Fachsimpelei abdriften kann. Aber Tatsache ist: Speziell wer mehrere Instrumente miteinander mischt und Gitarre als eins von vielen Elementen nutzt, sollte wissen, wo die Gitarre hingehört – frequenztechnisch.

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Wir haben euch in dieser Übersicht ein paar großartige Plug-ins fürs Mixing an die Hand gegeben, die eine gewisse Bandbreite abdecken. Mit dabei waren auch Tools wie TDR Nova oder FabFilter EQ. Also – heute geht es um das Thema Equalizer. Möglichst unabhängig von den jeweiligen Genres wollen wir euch einfach ein paar grundsätzliche Faustregeln und Tipps und Tricks präsentieren, die euch helfen, euren Gitarrensound besser klingen zu lassen. Klar ist: Jedes Genre erfordert einen eigenen Ansatz. Jedes Genre erfordert andere Vorstellungen und Maßnahmen bei Frequenzen, Resonanz und Charakter – dies sind also bis zu einem gewissen Grad keine allgemeingültigen Regeln, sondern praxisorientierte Tipps und Tricks.

1. Gitarren-EQ – Flexibilität durch Reamping

Eingangs erwähnte ich, dass Equipment nicht die größte Rolle spielt. Natürlich ist aber klar, dass, wenn ihr auf Dinge wie einen Hi-Z-Anschluss eures Audiointerfaces, ggf. gute Preamps setzt, bessere Ergebnisse erzielt. Ob ihr vernünftige Mikrofone oder Cab-Simulationen und digitale Amps benutzt, ist erstmal egal – der Ansatz bleibt (fast) der Gleiche. Wer aufnimmt, sollte entweder eine sehr genaue Vorstellung von seinem Sound haben. Für alle anderen, die sich in der Praxis der eigenen Vorstellung annähern – und das ist meiner Erfahrung nach wie vor die Mehrzahl – gilt: Reamping macht den Unterschied.

Ratgeber: E-Gitarre EQ - Tipps & Tricks für Gitarrensound

Was ist Reamping? Nun, kurz und knackig gesagt: Ihr nehmt eure Gitarrenspur so trocken, clean und sauber gespielt auf wie nur möglich, jagt diese durch euren Amp – ob digital oder echt – und habt dadurch unbegrenzte Soundshaping-Optionen. Für Leute, die sowieso mit Plug-ins arbeiten, die gängige Praxis. Für alle anderen, die ihren Amp für unverzichtbar halten, brauchen für das Reamping eine DI-Box, eine DAW, ein Mikro und ein Audiointerface. Nicht nur lässt sich dann mit allen möglichen Amp-Kombinationen experimentieren. Fakt ist, dass cleane Gitarren um ein Vielfaches leichter zu editieren sind als bereits verzerrte Gitarren.

  • Kleiner Crash-Kurs für Reamping mit analogen Amps: Wer den aufgenommenen Gitarrensound immer wieder durch einen Amp jagen und am Sound rumprobieren will, muss die Impedanz anpassen bzw. aus einem symmetrischen ein unsymmetrisches Signal machen. Zwei Gerätearten, die das leisten, kommen hierfür in Frage: Eine Reamping-Box oder eine passive (!) DI-Box. Eine passive DI-Box wird zwischen eure DAW und dem Line-Out eures Audiointerfaces und den Amp gesteckt: Line-Out des Audiointerfaces an den XLR-Out der DI-Box, DI-Klinke in den Amp gespeist. Bei der passiven DI-Box sind Ein- und Ausgang ungerichtet, deshalb funktioniert das. Eine weitere, pegelkorrigierende Alternative sind Reamping-Boxen, die zum gleichen Ergebnis führen und zumeist noch zusätzlich die Möglichkeit bieten, den Eingangspegel noch vor dem Amp einzustellen.

2. Dynamischer Equalizer – brauche ich das?

Reamping ermöglicht eine große Flexibilität – so viel dazu. Wir haben euch in unserem Feature zu dem Thema auf ein paar Equalizer hingewiesen und Plug-ins, die das Anpassen von Frequenzen erlauben. Wir werden auf die einzelnen Frequenzbereiche in den nächsten Punkten eingehen, aber es kann hilfreich sein, das richtige Tool zur Hand zu nehmen.

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Ein klassischer Equalizer gibt das Frequenzspektrum wieder und lokalisiert eure Aufnahmespur in diesem. Je nach Arbeitsmaske könnt ihr entweder anhand Kurven oder Balken dann bestimmte Frequenzbereiche rausschneiden, absenken oder hervorheben. Ein dynamischer Equalizer arbeitet hingegen mit einem Threshold bzw. Grenzwert, der, sobald das Eingangssignal diesen überschreitet, das Signal nach euren Vorgaben absenkt oder hervorhebt. Das kann enorm arbeitssparend sein, erfordert aber einiges an Anwendungswissen. Wer nämlich mit dem Kamm drüber geht, wie es der dynamische EQ letzten Endes macht, kann hier und da ein paar Frequenzen rausfiltern, die anderseits auf unbestimmte oder unvorhergesehene Art und Weisen im Gesamtbild funktionieren. Für Arbeitstiere gut geeignet, und auch geeignet, um aufzuräumen lassen, wo man selbst vielleicht nicht gut genug hingesehen hat. Ein dynamischer Equalizer gewährleistet sehr sauberes Entzerren und Einstellen der Frequenzen, kann eurer Aufnahme aber auch das gewisse Etwas rauben.

3. Equalizer Tipps & Tricks bei E-Gitarre – die Bässe

Gehen wir ans Eingemachte – namentlich das große Thema der Bässe bei Gitarren. Wir haben vor Kurzem in einem Feature zum Thema Gitarrensound verbessern bereits Bezug darauf genommen: euer Gitarrensound im Bandkontext und eurer Gitarrensound für sich alleine stehend sind zwei unterschiedliche Bereiche. Vor allem, wer bei den Bassfrequenzen nicht vernünftig aufräumt, riskiert den Soundmatsch, denn: Gitarren sind ein mittenlastiges Instrument und müssen dort im Bandkontext auch ihren Frequenzschwerpunkt haben – das heißt konkret: zwischen 800 und 2kHz. Man sollte es tunlichst vermeiden, die Gitarre dem Bass und dem Schlagzeug in die Frequenzen reinzugrätschen zu lassen. Aber ist das eine Universalregel? Wie gesagt – die gibt es beim Thema Equalizing nicht.

Hier kommt euer Low-Cut-Filter ins Spiel – das darf bei allen mittenlastigen Instrumenten gut und gerne zum Einsatz kommen. Nicht nur bei Gitarren, sondern auch bei Synthesizern und bestimmten Schlagzeug-Frequenzen werden hiermit die tiefen Frequenzen rausgeschnitten, um untenrum genug Platz für den Bass und sonstige basslastigen Instrumente Platz zu lassen. Das entschlackt euren Mix, befreit ihn von Pegelspitzen und Verdichtung. Ob ihr analoge Low-Cuts (beispielsweise beim Preamp) oder digitale Plug-ins verwendet, ist hier auch erstmal egal. Tatsache ist: Nichts ist so spürbar wie tiefe Frequenzen, nichts verändert rein vom Gefühl her die Klangsumme so nachhaltig wie zu präsente Bässe. Daher gilt auch: den Frequenzbereich von unter 300 Hz wohlbedacht ausfüllen, nicht überstrapazieren und idealerweise fast komplett dem Bass überlassen. Wer kleine, aber störende Frequenzbereiche zwischen 200 und 400 Hz rausfiltern will, kann ein Notchfilter heranziehen, das die meisten EQ-Tools haben.

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Wie eingangs erwähnt: Die Besetzung eurer Band bzw. instrumentalen Passage ist entscheidend für die Art, wie ihr die Gitarre frequenztechnisch einbettet. Gelten die oben genannten Regeln auch für Djent-Metal? Mitnichten, hier bewegen sich fast alle Instrumente im unteren Hz-Bereich und erschaffen so ein druckvolles Klangbild (wobei das eine ungemein komplizierte Angelegenheit ist, bei so vielen basslastigen Instrumenten ein differenziertes, dynamisches Klangbild zu erzeugen). Ein Blues-Projekt erfordert jedoch eine andere Herangehensweise. Heavy Metal wiederum auch. Den Grenzwert eures Lowpass-Filters einstellen, damit herumzuexperimentieren und den Gesamtmix der Band immer wieder dazu zu holen – probieren geht über studieren, aber denkt daran, eure müden Ohren zu schonen, euch nicht vom Equalizer an der Nase herumführen zu lassen und immer wieder das unbearbeitete Signal heranzuziehen, um euch klarzumachen, wo ihr im Prozess steht.

4. Gitarre Equalizer – die Höhen & die Präsenz

Neben dem Soundmatsch, den Gitarren im Bandkontext anrichten könnten, gibt es das Problem der „Schrillheit“. Wenn zwischen 2 und 4,5 kHz zu viel passiert, klingt der Mix sehr unangenehm fürs Ohr. Ein Aspekt, mit dem viele Tontechniker in diesem Frequenzbereich kämpfen, ist das Verhältnis der Gitarrenpräsenz mit den Schlagzeugbecken. Auch mit Hammond Orgeln oder anderen Instrumenten, die sich gerne aus dem Mix hervorheben, muss hier ein angemessenes Verhältnis geschaffen werden. Nichtsdestotrotz ist dieser Frequenzbereich zuständig für die Präsenz eures Gitarrensounds und somit unverzichtbar. Je nachdem, was eure Problemlage ist – zu schrill oder zu leise – ist das der Frequenzbereich, in dem ihr aufräumen und mehr Fakten schaffen musst. Gute Audiointerfaces mit guten Wandlern können hier Abhilfe schaffen und schon dafür sorgen, dass das Gitarrensignal seine natürlichen Obertöne behält. Diese Obertöne verschaffen dem Gitarrensignal seine natürliche Präsenz im oberen Frequenzbereich.

Ratgeber: E-Gitarre EQ - Tipps & Tricks für Gitarrensound

Die Frequenzregion unmittelbar darunter – von 600 Hz bis 1,5 kHz – ist ebenfalls eine Problemregion für Gitarrensounds. Angenommen, ihr zupft eine Melodie im Crunch jenseits des siebten Bundes. Das klingt gut und gerne hölzern und irgendwie unnatürlich, speziell bei moderatem Gain. Da kann es helfen, hier mit einem Limiter oder einem Notchfilter auf Problemsuche zu gehen und diesen Frequenzbereich abzusenken.

5. Gitarrensound EQ – der sogenannte „Schmackes“

Gain ist ein kompliziertes Unterfangen. Ich selbst war anfangs der Annahme, dass Gain genug komprimiert und das Gitarrensignal nach vorne schiebt. Aber das ist nicht die ganze Story. Gain killt eure Spieldynamik – das ist kein Geheimnis. Wer seinem Gitarrensound jedoch Kontur geben möchte, um Stakkato-Betonungen und Anschläge hervorzuheben, muss die dafür wichtigen Frequenzen betonen.

Die Hörbarkeit des Zupfens und der Anschläge sorgt für ein sehr natürliches Klangbild bei der Gitarre. Kombiniert mit moderatem Gain und einem warmem, saturiertem Amp-Sound beispielsweise entsteht ein sehr angenehmer Grundsound. Hier kommen die obersten Frequenzgrenzen der Gitarre im Spiel – jenseits der Grundtöne und Harmoniefrequenzen. Dort, wo sich die Spielgeräusche tummeln – bei 6 bis 8 kHz. Wenn ihr an der richtigen Stelle anhebt – probieren und schauen, wo es sich nennenswert auf den Sound auswirkt – könnt ihr eurer Gitarre lebhafter und echter klingen lassen. Vorausgesetzt, ihr spart am Gain.

Für alle, die sich für das Thema Mixing & Produzieren von Gitarrensounds näher gehend interessieren, kann ich nur den YouTube Channel des Failure Gitarristen Ken Andrews empfehlen, der das Thema aus zahlreichen interessanten Blickwinkeln beleuchtet.

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