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Test: Aguilar Grape Phaser, Effektpedal für Bass

Make it funky funky!

18. Januar 2022

Die New Yorker Edelschmiede Aguilar ist gefühlt wie tatsächlich seit Jahrzehnten am Expandieren. Neben ihren Amps und Boxen, von denen viele bereits Kultstatus erreicht haben, sind seit jüngerer Zeit auch diverse Pickups, Eletroniken und Effekte im Programm. Der Grape Phaser, der nun seit ein paar Jahren auf dem Markt ist, kommt als komplett analoger Phaser im schicken Retro- Design daher und erfreut sich großer Beliebtheit. Ob dies gerechtfertigt ist, wollen wir uns hier mal genauer anschauen!

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Überall zu finden!

Generell sind Phaser und Effekte dieser Art aus der Rock-Pop-Musik nicht mehr wegzudenken. Technisch vereinfacht betrachtet funktionieren sie wie folgt: Das Signal wird gesplittet, durch einen oder mehrere Filter geschickt und zeitlich verzögert wieder zusammengeführt. Dabei löschen sich verschiedene Frequenzen gegenseitig aus, was dann zu einer Änderung der Klangfarbe führt. Der beschriebene Effekt ist durch viele Aufnahmen, nicht nur aus den 70er-Jahren, bekannt und besonders beliebt bei aktuellen DJs. Gerade E-Bassisten aus dem Gerne Funk lieben es, ihren Bass auf diese Art und Weise zu verfremden. Hierfür sei stellvertretend Flea von den Red Hot Chilli Peppers genannt!

Verschiedene Arten von Phasern und/oder Envelope-Filtern gibt es wie Sand am Meer. Die meisten arbeiten mit einer Vielzahl von Reglern, um die verschiedenen Parameter genau einstellen zu können. Beim Aguilar Grape Phaser wird alles lediglich über zwei Regler gesteuert. „Rate“ bestimmt die zeitliche Verschiebung von ganz schwach bis hin zu deutlich wahrnehmbar. Mit „Colour“ schickt man zusätzlich den bearbeiteten Teil des Signals wieder zurück durch das Filter und kann den Sound erneut modulieren.

Für die Bühne gemacht!

Das Gerät selber kommt robust und hochwertig daher. Das Format der Pedale von Aguilar ist etwas größer und länglicher als die der meisten Hersteller, was aber grundsätzlich kein Problem darstellt. Interessant ist die Positionierung der Anschlüsse auf der Oberseite, üblicherweise findet man diese ja an der Seite. Nutzt man lediglich Pedale aus dem gleichen Haus, kann mit dieser Art sein Board sehr aufgeräumt gestalten. Hier wurde also intern mitgedacht! Auch sonst gibt es an der Verarbeitung nichts zu beanstanden, dieses Pedal ist definitiv für die Bühne gemacht. Besonders hervorzuheben ist die coole Farbe! „Grape“ bedeutet im englischen „Traube“ und das Burgunderrot-Violett erinnert doch stark an einen Rebstock.

Zwei kleine Nachteile im Design sollen aber nicht unerwähnt bleiben: Einmal bestehen die Buchsen aus Plastik und nicht aus Metall, was zu dieser Preisklasse eigentlich nicht wirklich passt. Zweitens braucht es einen Schraubenzieher, um die Batterie zu lösen, da man dafür die komplette Unterseite entfernen muss. Beides ist kein wirklicher Nachteil, könnte aber etwas praktischer gelöst sein.

Phase me?!

Nun geht es natürlich an das Testen! Die Einfachheit der Bedienung lädt zum sofortigen Experimentieren ein und schnell lassen sich einige sehr praxisgerechte Sounds erzeugen. Um eine tighte Fingerfunk-Linie aufzupeppen, reicht es, den Grape Phaser einzuschalten, beide Regler aber völlig zugedreht zu lassen. Eine Veränderung im Klang ist zu hören, die sich in der Band angenehm mit den Drums mischt, ohne dominant im Vordergrund zu stehen. Ist etwas mehr funky Feeling gewünscht, kommen dann „Rate“ und je nach Geschmack eine gute Portion „Colour“ ins Spiel. Praxistauglich bei Grooves ist für mich eine Einstellung des „Rate“ bis 10/11 Uhr, danach wird der zeitliche Versatz der Phasenverschiebungen zu groß, um noch tight mit den Kollegen zu bleiben. Alternativ muss darauf geachtet werden, dass die rhythmische Verschiebung in time ist (höre Beispiel 2). Das ist natürlich theoretisch machbar, ob es in Praxis mit den Mitmusikern klappt, sollte jeder selbst ausprobieren.

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Beim Regler „Colour“ darf es wiederum beherzter zur Sache gehen, hier geht alles bis 14/15 Uhr, ohne dass es übertrieben wirkt und stört. Überhaupt hat Aguilar die Regelwege perfekt auf Bassisten abgestimmt. Das „Phasen“ durch die Frequenzen (fachlich nicht korrekt ausgerückt, aber es beschreibt es ganz gut) ist so gewählt, dass der Bassanteil nie komplett verlorengeht, hier wurde echt mitgedacht. Dies ist überhaupt die große Stärke des Graphe Phasers! Ob mit Fingern oder geslappt, das Pedal sorgt schnell und unkompliziert für einen ergänzend guten Sound.

Soll es mal richtig zur Sache gehen, um in solistischen Gefilden zu wildern, kann dann auch richtig reingedreht werden, um sich in sphärisch-psychedelische Klangwelten entführen zu lassen. Flageolette, Kantilenen auf dem Fretless (mit etwas Chorus kombiniert), Akkorde auf dem 6-Saiter – ganz nach dem Motto probieren und inspirieren verspricht der Grape Phaser viel Spaß und eröffnet einen neuen Kosmos!

Spacy and funky!

Einstellung: Rate 7, Colour 7
Zu Beginn mal die Einstellung mit beiden Reglern komplett zu, also quasi auf 7. Ein klassisches Jaco-Lick auf dem Fretless mit Deadnotes und Synkopierungen, welches durch den Grape Phaser einen psychedelischen Touch bekommt, ohne dass Drive und Time verlorengehen.

Einstellung: Rate 14, Colour 9
Für das nächste Beispiel habe ich eine schöne Melodie von Mark King genommen und sie für den Fretless adaptiert. Die Rate habe ich so eingestellt, dass die Verschiebung rhythmisch in time ist, was zu Beginn bei der langen Note zu hören ist. Der Colour ist nur minimal dabei, damit nicht zu viel passiert. Da der Grape Phaser das Obertonspektrum konstant ändert, wirkt es, als ob die Töne sich ständig in der Intonation verschieben – cooler Effekt!

Einstellung Rate 8, Colour 16
Nun ein wenig Spacerock auf dem E-Bass! Schnelle Galopping-Horse Achtel, welche durch einen weit offenen Colour-Regler sich im Sound ändern. Rate bleibt dabei nahezu geschlossen, um rhythmisch möglichst wenig zu verwischen. Das ist aber minimal passiert, bleibt bei dieser Art von Effekt aber (leider) nicht aus.

Einstellung: Rate 11, Colour 12
Zu guter Letzt eine Slapbass-Linie in einer mittleren Einstellung. Nicht zu busy gespielt, damit die Soundeffekte durchkommen, den Phaser so eingestellt, dass der Groove erhalten bleibt!

In der Kürze liegt die Würze

Ob der Grape Phaser für jedermann geeignet ist, kann man so natürlich nicht beantworten. Manche lieben es, alle Parameter unter ihrer Kontrolle zu haben, wollen jede Einstellung selbst tätigen und sich in den Möglichkeiten nicht einschränken. Andere wiederum mögen es etwas einfacher, sie vertrauen auf gute Voreinstellungen und suchen unkompliziert einen guten Sound. Der Grape Phaser von Aguilar sollte vor allem die zweite Gruppe ansprechen. Er ist in sich extrem gut abgestimmt ist, eröffnet mit den zwei Reglern einiges an Möglichkeiten, bleibt in seinen Variationen aber übersichtlich. Gerade für die Bühne finde ich das sehr angenehm und entsprechend kann man die lila Traube auf meinem privaten Board auch finden. Klare Kaufempfehlung!

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Fazit

Der Aguilar Grape Phaser ist ein toller analoger Phaser, welcher mit banddienlichen Sounds aufwarten kann. Einfache Bedienung, gut abstimmte Frequenzen und die gute Verarbeitung machen ihn zu einer Allzweckwaffe, die auf keinem Board fehlen sollte.

Plus

  • cooles Design
  • gute Verarbeitung
  • einfache Bedienung
  • praxistaugliche Sounds

Minus

  • Buchsen aus Plastik

Preis

  • 239,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd AHU

    Zu den Plastik Buchsen kann ich die Kritik nicht verstehen. Diese Buchsen werden seit Jahrzehnten in Verstärkern (Marshall) und Effektgeräten verbaut, ohne das jemand dies jemals bemängelt hat.
    Diese Art Buchsen hat den entscheidenden Vorteil, das sie in sich geschlossen sind. Offene Klinkenbuchsen haben den großen Nachteil, dass, wenn der Stecker mal abbrechen sollte, er munter in der Elektronik rumtollt und sein Unwesen treibet.

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