Test: Alesis Recital Pro, Stagepiano

29. April 2020

88 Tasten Piano zum "recitalieren" ;)

alesis recital pro test

Alesis Recital Pro, Stagepiano

Die Firma Alesis gehört zu den Herstellern unserer Branche, mit deren Produkte man sich fast das komplette Studio einrichten kann. Studiomonitore, Audiointerfaces, Controllerkeyboards und vieles mehr bekommt man beim US-amerikanischen Konzern, auch Stagepianos gehören dazu. Mit dem Recital Pro hat Alesis ein 88-tastiges Piano in seinem Repertoire, das wir uns für euch einmal genauer angeschaut haben.

Recital Pro Paket

Beim Alesis Recital Pro handelt es sich um ein klassisches mobiles E-Piano, das sowohl im heimischen Wohnzimmer als auch bei der Probe oder gelegentlichen Auftritten eine gute Figur machen kann. Mit den Maßen 130,5 x 35,0 x 14,5 cm gehört es zwar nicht zu den kompaktesten 88-Tasten-Pianos, die es derzeit zu kaufen gibt, dafür liegt das Gewicht mit 11,8 kg im unteren Bereich. Das Gewicht kommt nicht von ungefähr, Kunststoff ist sowohl bei der Tastatur als auch beim Gehäuse das Material der Wahl.

Im klassischen Schwarz kommt das Alesis Recital Pro daher. Die Optik wirkt nicht so frisch wie die der aktuellen Mitbewerber, hier dürfte sich Alesis ruhig etwas mehr trauen. Links und rechts an den Außenseiten verstecken sich die insgesamt vier Lautsprecher des internen Verstärkungssystems. Weiter nach innen wandernd befinden sich auf der rechten Hälfte der Bedienoberfläche die sechs Buttons zur Auswahl der Sounds. Diese sind jeweils zweifach belegt. Insgesamt bietet das Recital Pro entsprechend 12 Preset-Klänge.

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Direkt darunter befinden sich sechs weitere Buttons. Drei davon sind für die Effekte zuständig, die restlichen drei für Layer-, Split- und Lesson-Funktion.

Links des mittig angebrachten Displays, das äußerst scharf die wichtigsten Informationen wie Soundname, Tempo etc. anzeigt, bietet das Recital Pro Bedienelemente für die globalen Funktionen wie Transponierung, Metronom, den internen Recorder und mehr.

Die Bedienung des Pianos ist auch ohne die beiliegende mehrsprachige Bedienungsanleitung einfach gehalten. Die meisten Funktionen erschließen sich von alleine. Die wenigen Parameter, die per Function- und einer weiteren Taste aufgerufen werden, braucht man in der Regel nur selten.

Neben dem Handbuch liegen dem Alesis Piano das zum Betrieb notwendige externe Netzteil und ein Notenständer bei.

Tastatur und Anschlüsse

Wie viele andere große Hersteller auch, setzt Alesis bei der Tastatur auf Eigenentwicklung bzw. Zulieferung von nicht näher benannten Drittherstellern. Die 88 Tasten des Recital Pro sind, wie bereits erwähnt, aus Kunststoff gefertigt und sorgen u. a. dafür, dass das Piano leicht zu transportieren ist. Wobei „leicht“ bei einer Länge von über 130 cm natürlich relativ ist. Aber, es sollen ja 88 Tasten sein, da darf man sich nicht über die Länge beschweren.

Die Verarbeitung der Tastatur ist gut. Die einzelnen Tasten sind sauber gefertigt und sitzen gut in ihrer Verankerung. Leider sind sie aber etwas behäbig und federn daher relativ langsam zurück. Für schnelle Passagen zumindest nicht förderlich. Auch der Druckpunkt ist nur schwer auszumachen und das Spielverhalten hinterlässt einen „schwammigen“ Eindruck.

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Schade, denn von den Controllerkeyboards aus dem Hause Alesis oder auch von M-Audio,  sozusagen ein Bruder-Unternehmen unter derselben Holding InMusic, hat man durchaus schon gute bis sehr gute Tastaturen gesehen. Die des Recital Pro ist da leider nur befriedigend, da hilft auch die in drei Stufen einstellbare Anschlagsdynamik nicht.

Die Anschlüsse befinden sich allesamt auf der Rückseite des Pianos. Neben der Buchse für den Anschluss des externen Netzteils bietet das Recital Pro ein Stereo-Pärchen Klinkenbuchsen und einen Kopfhörerausgang (alle als 6,3 mm Klinke). Darüber hinaus sind ein Pedalanschluss (Sustain) und ein USB-Port für die Verbindung zu Computern vorhanden. Alternativ zum Netzteilbetrieb lässt sich das Recital Pro auch mit Batterien betreiben.

Grundsätzlich ist also alles da, was man für den Einsatz zu Hause und bei der Probe braucht. Ob ein solches E-Piano zwingend fünfpolige MIDI-DIN-Anschlüsse benötigt, überlasse ich jedem selbst. Obwohl ist selbst nie darauf verzichten könnte, geht es in diesem Fall meiner Meinung nach auch ohne, denn die anvisierte Zielgruppe des Recital Pro sehe ich beim Gelegenheits-Pianisten, Kindern, Kirchen oder Chören. Da ist der Drang zur MIDI-Konnektivität doch eher klein. Möchte man das Piano mit dem Computer verbinden, reicht hierfür der vorhandene USB-Anschluss.

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Praxis

Mit einer maximalen Polyphonie von 120 Stimmen ist das Recital Pro gut aufgestellt. Die 12 internen Sounds verteilen sich auf zwei A- und ein E-Piano, zwei Orgeln, Harpsichord, Vibraphone, Clavinet, Streicher, zwei Bässe und ein Synthesizer-Pad. Die sechs Sound-Tasten sind jeweils doppelt belegt, d. h. durch erneutes Drücken der Taste schaltet das Piano auf den zweiten Sound um. Zur Verdeutlichung ändert sich dazu die Hintergrundbeleuchtung der Taste von blau zu rot.

Im Hinblick auf den Einsatz des Pianos hätte ich schön gefunden, wenn sich Alesis mehr auf die Tastenfraktion fokussiert hätte, d. h. ein paar mehr Pianos hätten es schon sein dürfen. Zwei A- und ein E-Piano ist da recht mager. Bässe und Vibraphone hätten dafür auch ruhig wegbleiben dürfen.

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Die beiden akustischen Piano-Sounds sind durchaus brauchbar. Während Piano 1 eher den klassischen Vertreter repräsentiert, kommt die zweite Variante deutlich knackiger und höhenreicher daher. Piano 2 eignet sich somit eher für aktuellere Songs, wohlmöglich auch im Band-Kontext, da es sich hier deutlich besser durchsetzen kann.

Das „Electric Piano“ ist eine Rhodes-Nachbildung mit relativ zurückhaltenden klanglichen Einstellungen. Vermutlich liegen hier nur zwei Velocity-Stufen zugrunde, was den Sound recht statisch wirken lässt. Für ruhigere Rhodes-Begleitungen ok, richtig Feeling kommt hier aber nicht auf.

Die beiden Orgeln teilen sich auf Jazz- und Kirchenorgel auf. Auch hier klingt das alles recht einfach gehalten und statisch. Ein ähnliches Bild ergeben auch die restlichen Sounds. Schade, hier lässt Alesis ganz klar Punkte liegen. Ein paar mehr Euro hätten die meisten User wohl gerne für bessere Sounds ausgegeben.

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Effekte und Lautsprecher

Mit drei separaten Effekt-Blöcken ist das E-Piano aus dem Hause Alesis überdurchschnittlich gut ausgestattet in diesem Preissegment. Reverb, Chorus plus ein instrumentenspezifischer Modulationseffekt lassen sich separat aktivieren und in der Intensität regeln. Die vorgefertigten Presets lassen sich allerdings nicht bearbeiten. Dennoch hat man mit acht Hall-Variationen (Hall 1-2, Room 1-3, Stage 1-2, Plate) genug Auswahlmöglichkeiten. Auch beim Chorus stehen acht verschiedene Presets zur Auswahl.

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Der zusätzliche Modulationseffekt hängt vom gewählten Sound ab. Hier die Auflistung dazu aus dem Handbuch des E-Pianos:

  • Piano: Tremolo
  • Electric Piano: Vibrato
  • Organ: Rotary (Fast/Slow, über das Sustain-Pedal gesteuert)
  • Harpsichord: Vibrato
  • Synth: Tremolo
  • Acoustic Bass: Vibrato
  • Piano (Bright): Tremolo
  • Vibraphone: Rotary (Fast/Slow, über das Sustain-Pedal gesteuert)
  • Church Organ: Rotary (Fast/Slow, über das Sustain-Pedal gesteuert)
  • Clavi: Vibrato
  • Strings: Tremolo
  • Fingered Bass: Vibrato

Die Qualität der Effekte ist gut und reicht für die o. g. Einsatzgebiete vollkommen aus.

Das Recital Pro verfügt über vier Lautsprecher. Zwei davon sind für die tiefen und mittleren Frequenzbereiche zuständig, die anderen beiden für die Höhen. Für die Tief-/Mitteltöner stehen 2x 20 Watt Leistung zur Verfügung, die Hochtöner erhalten jeweils weitere 10 Watt. Hinsichtlich der Lautstärke reicht das für den Einsatz zu Hause und die (Chor-) Probe aus.

Das Klangbild des Recital Pro erscheint leider sehr mittenlastig. Sowohl Bässe als auch Höhen vermisse ich hierbei, was den Klangeindruck insgesamt trübt.

Zu guter Letzt sei noch der interne Recorder erwähnt. Hiermit lässt sich das eigene Spiel intern aufzeichnen. Gut geeignet, um sich selbst zu kontrollieren.

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Fazit

Das Recital Pro von Alesis ist ein befriedigendes E-Piano mit 88 Tasten. Es eignet sich für den Einsatz zu Hause bzw. die Probe, auch den einen oder anderen Auftritt kann man hiermit gut bewältigen.

Mit 12 Sounds ist das Piano eigentlich gut ausgestattet, aber bis auf die beiden Pianos muss man hier doch mit deutlichen klanglichen Abstrichen leben. Viele Sounds klingen recht statisch und sind im Vergleich zur Konkurrenz einfach gehalten. Da hilft leider auch nicht die relativ große Effekt-Anzahl drüber hinweg.

Auch hinsichtlich der Tastatur muss das Recital Pro Kritik einstecken. Diese reagiert etwas behäbig und kann leider nicht mit den Klaviaturen der größeren Platzhirsche mithalten.

Plus

  • einfache Bedienung
  • gute Effektauswahl

Minus

  • mittiger Sound
  • behäbige Tastatur

Preis

  • 355,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Hein Bloed  

    Wenn ich mich recht entsinne, standen hier gestern noch zahlreiche Kommentare, die meisten ziemlich kritisch. Wo sind die hin?

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Hallo. Nein, Du bist der erste :-) Evtl. meinst Du den Kurzweil PC4 Test? Da gab es viele Kommentare dazu.

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