Test: Allen & Heath ZED-12 FX, ZED-22 FX Mischpult

29. Dezember 2019

Zwei analoge Klassiker für Stage und Studio

Allen & Heath ZED-22 FX

Die 22-Kanal Version Allen & Heath ZED-22 FX

Zur ZED-FX Mischpult-Serie des traditionellen Herstellers Allen & Heath gehören neben einem Kleinmischpult auch zwei Konsolen, die getrost bereits als Klassiker bezeichnet werden dürfen. Die Rede ist vom Allen & Heath ZED-22 FX (mit 22 Kanälen) sowie dem kleinen Bruder Allen & Heath ZED-12 FX (mit 12 Kanälen). Beide sind mit einem Effektprozessor ausgestattet, der für das Kürzel FX im Namenszug steht. Die beiden die Analogmixer eignen sich für Projektstudios wie für Live-Auftritte gleichermaßen. Bis auf die Menge der Kanalzüge und die Proportionen der beiden Mischpulte sind die sonstigen Faden identisch, weswegen dieser Test gleichermaßen für beide ZED FX Modelle gilt, obwohl sich im Test bei uns nur die 12-kanalige Version befand.

Für Live-Mitschnitte oder Musikproduktionen per Computer ist eine USB-Schnittstelle eingebaut. Damit ist der schnelle Kontakt zur digitalen Welt von Mac oder PC ein Kinderspiel. Windows-Nutzer können mit der beiliegenden Recording- und Editing-Software Cakewalk Sonar LE direkt loslegen. Der neue Effektprozessor der ZED FX Mixer arbeitet mit Algorithmen, die exklusiv vom Allen & Heath DSP-Team für die ZED-FX Mischpult-Serie entwickelt wurden und sonst in keinem anderen Mischpult Verwendung finden.

Der kleine Bruder mit 12 Kanälen: Allen & Heath ZED-12 FX

Erster Eindruck der Allen & Heath ZED FX Mixer

Zum Thema Verarbeitung gibt es beim renommierten englischen Hersteller Allen & Heath nichts zu meckern. So auch nicht bei diesen bewährten kompakten Konsolen. Die Drehregler sind griffig, sie haben einen angenehmen Drehwiderstand. Zwölf leichtgängige 100 mm ALPS-Fader ermöglichen mit langem Regelweg feine Justierungen. Die Ein- und Ausgangsbuchsen sitzen bombenfest im Gehäuse aus grauem Stahlblech. All das vermittelt einen äußerst soliden Eindruck. Obendrein sehen die schmucken Mischpulte mit ihren weinroten Seitenteilen auch richtig elegant aus. Dank farbiger Gliederung von Potiknöpfen und Fadern ist die Struktur der Pulte übersichtlich. Die Bedienung wird sofort verständlich. Sofort? Nicht ganz. Einige Details verlangen besondere Aufmerksamkeit. Dazu später mehr.

Die Maße unseres 12-kanalogen Test-Probanden: 385 mm Breite, 465 mm Tiefe und 98 mm Höhe (im hinteren Teil). Das Gewicht beträgt 6,5 kg. Sämtliche Bedienelemente, Ein- und Ausgänge befinden sich auf der Geräteoberseite. Ein Vorteil, der nicht nur bei Festinstallation relevant ist. Auch bei Live-Auftritten kann es nicht schaden, die Steckverbindungen jederzeit im Blick zu haben.

Leichtgängige 100 mm Fader

Mono-Kanalzüge der ZED FX Mixer

Zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen des ZED-12 FX gehören die DuoPre Mic/Line Preamps. Sie klingen nicht nur ausgesprochen gut, sondern ermöglichen einen weiten Regelweg. Von -6 dB bis +63 dB sind an der XLR-Buchse möglich. Am Line-Eingang beträgt der Regelweg -10 dB bis +26 dB.

Weiter Regelbereich der Eingangsverstärker

Die Klangregelung ist dreibandig ausgelegt, jeweils mit Absenkungen oder Anhebungen bis zu 15 dB. Der Höhenregler greift bei 12 kHz, sein Kollege im Bassbereich bei 80 Hz. Die Mitten sind von 120 Hz bis 4 kHz stufenlos wählbar. Dieses Netzwerk gestattet zwar keine radikalen Eingriffe ins Klanggeschehen, reicht aber für die Verarbeitung von Vocals, Gitarren oder Bass vollkommen aus.

3-Band Klangregelung in den Mono-, 2-Band in den Stereo-Kanälen

Drei Aux-Wege stehen zur Wahl. Aux 1 und 2 liegen pre, Aux 3 post Fader. Der vierte Aux-Weg (post Fader) bedient den internen Effektprozessor. Außerdem gibt es in jedem Mono-Kanalzug Panregler, Mute-Taster, Peak-LED, PFL-Taster, 100 Hz Hipass-Filter und natürlich eine Insert-Buchse.

Multifunktionale Stereo-Kanalzüge

Die drei Stereo-Kanäle ST1 bis ST3 sind etwas anders konzipiert. Wie es sich gehört, hat jeder zwei Klinkeneingänge dazu passendem Gain-Regler. Aber damit nicht genug, die Stereo-Kanalzüge können auch mit anderen Eingangssignalen beschickt werden. Ein kleiner, versenkt angebrachter Schalter routet Cinch-Buchsen ST RTN und 2TRK RTN entweder direkt auf die Stereosumme oder alternativ über die Kanäle 7-8 und 9-10 zur Stereosumme. In diesem Fall kann die Zweibandklangregelung (12 kHz/80 Hz), sämtliche Aux-Wege sowie alle übrigen Funktionen des Kanalzugs benutzt werden. Aux1 und Aux2 lassen sich wahlweise jeweils als einzelne Mono-Sends (Summensignal) oder gemeinsam als Stereo-Paar zu nutzen. Der dritte Stereo-Kanalzug mit der Fader-Bezeichnung 11-12 nimmt bei Bedarf das USB-Return-Signal auf. Erwähnenswert ist, dass die Eingangssignale von Cinch oder USB kommend mit eigenem Poti angepasst werden – egal, ob sie direkt auf die Summe oder erst über den Kanalzug zur Summe gehen. Bei Nichtbedarf ist es möglich, die Eingänge zur Rauschunterdrückung per Taster stummzuschalten.

Versenkte Schalter zum Routing und eigene Potis für die extra Eingänge

Jetzt wissen wir, wie das Signal via USB vom Rechner in die Konsole kommt. Aber es geht natürlich auch in die andere Richtung.

USB inklusive

Eingebaute USB-Schnittstelle

Das ZED-12 FX kommuniziert über die USB-Schnittstelle (Kabel mitgeliefert) problemlos mit einem Rechner. So kann die Konsole mit ihren Wandlern wie eine externe Soundkarte genutzt werden. Als Ausgangssignal sind zwei alternative Signalquellen möglich: Aux1-2- oder Aux3-FX, jeweils pre oder post Fader schaltbar.

Eigens für die ZED Konsolen entwickeltes FX Chipset

Effektsektion des Mischpults

Allen & Heath hat die ZED FX-Serie mit einem neuentwickelten Chipset für Effekte ausgestattet, das sonst nirgendwo anders zum Einsatz kommt. 16 unterschiedliche Presets sind schnell abzurufen und können mit leichter Bedienung einfach dem persönlichem Geschmack angepasst werden. Darunter Delay, Chorus, Flanger sowie eine Vielzahl von Reverb-Effekten (Plate, Hall, Arena). LEDs markieren den eingestellten Effekt und helfen per LED-Kette auch beim Editieren. Die TAP-Funktion ermöglicht individuelle Tempoeinstellung mancher Effekte. Das Effektsignal kann über die beiden Aux-Wege 1 und 2 an das Monitorsystem geschickt werden. PFL und Panorama-Regelung sind ebenso möglich. Durch Druck auf die MUTE-Taste wird der eingestellte Effekt blitzschnell für Durchsagen deaktiviert. Das geht übrigens auch per Fußschalter, der allerdings nicht zum Lieferumfang gehört. Die Gesamtstärke des Effektsignals wird mit dem gelben Masterfader geregelt. In den einzelnen Kanalzügen dient der gelbe FX-Regler (Aux 4) zur individuellen Anpassung. Für den Live-Betrieb sowie die einfache Studioarbeit ist die Qualität der Effekte völlig ausreichend.

Vielseitige Master- und Monitorsektion

Im Master-Bereich befinden sich die Ausgänge der Aux-Wege 1 bis 3, die Insert-Buchsen und die beiden XLR-Ausgangsbuchsen. Weiterhin der bereits erwähnte Anschluss zum Ein- oder Ausschalten des Effekts sowie der Mono-Out für einen aktiven Subwoofer. Zum Anschluss des Kopfhörers stehen eine kleine oder große Klinkenbuchse zur Wahl. Die für Kondensatormikrofone benötigte 48 Volt Phantom-Speisung an allen XLR-Buchsen ist natürlich auch vorhanden.

Sieht schick aus und klingt gut, die Allen & Heath ZED FX Mixer

Zwei 12-stufige LED-Ketten zeigen die Signalstärke an. Das kann die der Stereosumme sein, aber auch USB Return, 2-Track-Return und die Aux-Wege 1 und 2 lassen sich auf das Anzeigeinstrument legen. Die gewählte Verbindung wird gleichzeitig zum Kopfhörer geschickt, der selbstverständlich in der Lautstärke regelbar ist.

Neben den üblichen Cinch-Stereo-REC-OUT-Buchsen zur Aufnahme gibt es zwei weitere Cinch-Buchsen mit der Bezeichnung ALT OUT. Sie werden über den dazugehörigen Drehregler mit identischer Bezeichnung im Masterbereich versorgt. Als Signalquelle kann das linke und rechte Summensignal (pre oder post Fader) oder das Monitor-Signal zu den alternativen Ausgangsbuchsen geschickt werden. Zwei Master-Regler der Aux-Wege 1 und 2 sowie die beiden weinroten Summen-Fader komplettieren den Master-Bereich.

ST4 IN heißt ein Klinkenpaar oberhalb der USB-Buchse, das nicht auf Anhieb zuzuordnen ist. Ein Blick in die Bedienungsanleitung gibt Aufschluss. Über ST4 IN kann das Signal eines externen Effektprozessors auf die Summe geleitet werden. Das Signal addiert sich in diesem Fall zu dem des eingebauten Effektprozessors. Die Stärke ist am Pult nur über den Summen-Fader des Effektbereichs oder am Ausgang des angeschlossenen Gerätes regelbar, nicht aber an den Eingangsbuchsen ST4 IN. Für mich ist diese Einschleifmöglichkeit ohne Regler etwas kurios. Bei wirklichem Bedarf nach einem zusätzlichen externen Effekt als Ergänzung zum eingebauten Prozessor würde ich lieber einen kompletten Kanalzug opfern. Die Bedienung ist in diesem Fall wesentlich komfortabler und auch logischer.

Fazit

Klang und Verarbeitung sind bei den analogen ZED FX Mischpulten hervorragend. Die Mixer sind für den rauen Bühnenalltag ebenso gemacht wie für die feine Studioarbeit. Die eingebauten Effekte klingen gut, sie lassen sich praxisgerecht editieren. Gewöhnungsbedürftig ist die Vielzahl der Routing-Möglichkeiten sowie die Konstellation der drei Stereo-Kanäle mit den, ich nenne es mal, erweiterten Eingangsbereichen (Cinch und USB). Hat man sich allerdings an das ZED FX mit seinem kompakten Gehäusen und den kleinen Schaltern gewöhnt, sind vielseitige Optionen gegeben. Das eingebaute USB-Interface erweitert den Einsatzbereich der Konsole beachtlich. Gut auch, dass die Software zum Aufnehmen auf Harddisc direkt mitgeliefert wird. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist optimal. Immerhin bekommt man fürs Geld ein Mischpult mit dem neuesten Effektprozessor der namhaften Marke Allen & Heath. Mein abschließendes Urteil: Kaufempfehlung. Wegen der nicht ganz zeitgemäßen Auflösung der USB-Schnittstelle gibt’s aber eine Rüge.

Plus

  • Effektprozessor
  • Klang
  • Verarbeitung
  • Gesamtausstattung
  • USB-Interface
  • Preis-Leitungs-Verhältnis

Minus

  • Auflösung der USB-Schnittstelle

Preis

  • Allen & Heath ZED-12 FX: 444,- Euro
  • Allen & Heath ZED-22 FX: 633,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    SynergyMan  

    Ich kann mich der Euphorie dieses Testberichts nicht ganz anschließen, zumal der Author dieses Pult auch für den Studiobetrieb preist. Die Gründe liegen zum einem daran, dass die 48V nur für alle Mikrofoneingänge geschaltet werden können. Für den Lifebetrieb vielleicht irrelevant, aber für den Studiobetrieb doch befremdlich, will ich vor der Aufnahme von Gesang oder Gitarre mit Kondensatormic nicht alle Schlagzeugmikros oder analoge Synths ausstöpseln usw. Die Konkurrenz wie Zoom oder Yamaha kann das zumindest in Gruppen. Dann die angesprochene, aber nicht exakt ausgeführte schlechte Auflösung des USB Interfaces mit 16 Bit ! Life mag das egal sein, aber im Studiobetrieb geht das gar nicht (mehr). Kein schlechtes Pult bestimmt, aber eine absolute Kaufempfehlung mit diesen zwei schwerwiegenden Defiziten sieht für mich anders aus.

    • Profilbild
      Robocob11  

      Ich finde, Peter Ludl hat sehr wohl und deutlich auf das Manko der 16Bit-Auflösung hingewiesen. Auf der anderen Seite nutzt nicht jeder im Studio die USB-Schnittstelle des Mixers, sondern ergänzt einen Analogmischer mit einem weit besseren Audiointerface. Ich sehe das USB-INterface nur als nette Dreingabe – schätze aber viel mehr die analogen Komponenten der beiden Pulte, die heute eher selten zu finden sind – und schon gar nicht in dieser Preisklasse.

    • Profilbild
      gaffer  AHU

      @SynergyMan. Die Phantomspeisung ist doch den Synths und Drummikes völlig wurscht, sind es nicht gerade spezielle Bändchen, (die darüberhinaus eher wenig eingesetzt werden) oder habe ich da was falsch verstanden?

  2. Profilbild
    Fredi

    Hallo SynergyMan,
    Du kritisierst sicher valide Punkte aus Sicht des Studioeinsatzes, aber ich selbst habe das A&H 12FX für eine Mini-Band im Liveeinsatz und schätze es in diesem Kontext sehr.
    Es ist ein qualitativ gutes Analogpult – soweit ich das beurteilen kann -, die von Dir kritisierte kollektive Phantomspeisung ist für mich unproblematisch und die Abtastung für den USB-Anschluss hat mit 44,1k/16Bit CD-Qualität. Für eine Nachbearbeitung einzelner Spuren mag das vielleicht – trotz 96dB Dynamikumfang – zuwenig sein, aber hier geht es in der Regel um Live-Mitschnitte, die bestenfalls noch etwas gemastert werden.
    Für die Wartung sehr hilfreich ist, dass das Pult modular aufgebaut ist, d.h. man kann die einzelnen Kanalzüge separat ausbauen (und testen). Ich kenne die Konkurrenzprodukte hier nicht, würde aber erwarten, dass viele nur eine Hauptplatine haben.
    Etwas überrascht war ich, dass ich jetzt Ende 2019 einen Test für dieses Gerät bei Amazona finde: das Pult gibt es doch schon einige Jahre oder habe ich irgendetwas übersehen?
    Gruß Fredi

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Hallo und vielen Dank für die regen Diskussionen. Ja, das Pult ist bereits länger auf dem Markt. Und tatsächlich, für meine Betrachtungsweise sind die von SynergyMan kritisierten Punkte keine schwerwiegenden Defizite. Das haben Robocob11 und Fredi ja ebenfalls so gesehen. Danke dafür. Insgesamt betrachtet ist das ein klasse Pult, was durch seine hervorragende Verarbeitung und gute Soundqualität besticht. Schon die auf der Oberfläche mit Muttern befestigten Potis sind heutzutage nicht überall anzutreffen. Dann die gut gewählten Bauteile und die gesamte Haptik bei der Bedienung. Mich hat das Pult echt überzeugt. Am Ende des Fazits bin ich neben dem Lob ja schließlich auch auf die USB-Schnittstelle eingegangen. Doch unterm Strich ändert für micht diese Rüge das Gesamtergebnis nicht.
      VG, Peter

      • Profilbild
        SynergyMan  

        Weder wollte ich das Pult noch den Tester schlecht reden. Aber das Gerät wurde als absolute Kaufempfehlung für Live UND Studio genannt, was durchaus eine Ansage ist. Ich habe meine Gründe genannt, warum ich dieser Argumentation des Testers für den Studiobereich nicht folgen will – obwohl ich eines der beiden Pulte besitze und schätze, aber daher auch seine Defizite kenne. Die 16bit sind so ein Punkt, klar kann man ein externes Interface nehmen, aber bewerten muss man schon den Lieferumfang des Gerätes, um fair zu bleiben. Und was die 48V betrifft, es gibt diverse Klangerzeuger, die symmetrische Ausgänge haben und damit nicht klar kommen (Operationsverstärker durchgebrannt) – klar das hätten diese Hersteller auch richtig machen können, tun aber einige nicht. 2 Mikrofone verstarben ebenfalls durch 48V, passiert selten aber aus meiner subjektiven Erfahrung passiert so etwas. Ich hoffe, ich konnte meine Ausführungen nun etwas klarer darstellen. Ein gutes neues Jahr 2020.

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