Test: Arturia Moog Modular V Software-Synthesizer

2. Juli 2003

Moog Modular als Software-Klon

Ein Moog ist ein Moog ist ein Moog..

Diese ungeheure Weisheit ist nur deshalb eine, da sich bisher kaum einer ernsthaft per Software an einen Moog herangewagt hat. Genau dies ist aber seit Creamwares Noah / Minimax ein Thema geworden. In diesem Test geht es allerdings nicht um den Minimoog, der aus einer „Rippe von Adam“ gebaut wurde, sondern um eine Software Emulation von Adam selber, in diesem Falle um das große Modularsystem von Moog.

Moogologie

Es gibt zwei Wege an diese Software heranzugehen. Den historischen Weg, und den Weg derer, die Moogs vielleicht nur noch vom „Hörensagen“ kennen. Vor allem aber ist dessen Klang von essenzieller Bedeutung.
In der Zeit, wo es viele optisch nett gemachte „Weichwaren“ gibt, finden sich des Öfteren Kopien alter analoger Klassiker, welche dann vor allem das Konzept und die Optik gemeinsam haben, sonst aber klanglich nicht näher verwand sind. Da beim Arturia Moog Modular V aber eindeutig Moog draufsteht und man sich von Herrn Moog „himself“ den Segen geben lies, muss hier also auch auf authentischen Klang hin untersucht werden.
Moog Modular V steht sicherlich für Moog Modular Virtuell, kann aber auch als ein Spiel mit der Systemdiktion von Moog verstanden werden. Hier gab es römische Zahlen bis zu den Spitzenmodellen IIIc, 3p und 55. Deutet diese Bezeichnung der Software vielleicht ein noch zu bauendes Nachfolgermodell des Moog-Originals an?

Das Hier und Jetzt

Um es nicht allzu sehr auszudehnen, nun zu dem Gebotenen. Diese Software läuft als PlugIn unter Windows, Mac OS 9 und Mac OSX und als Standalone Version unter Mac OS X oder Windows XP/98/95/2k/Me.
Die Installation gestaltet sich super einfach auf allen Plattformen. Einfach den Installer starten und die Seriennummer eintippen, fertig. Installiert wird immer die Standalone Version und die gewünschten PlugIn Formate. Hier ist wirklich jeder Standard integriert. Vom exklusiven MAS/RTAS und HTDM (Digidesign) über DXi (für Sonar!) bis zu den Standards VSTi und AU.

Seit der Version 1.1 ist der Moog Modular V ein echtes Audio Unit – kompatibles Programm. Da noch nicht jeder weis, was eine AU ist, hier ein kleiner Hinweis:
Nutzung in Logic oder Cubase (etc.), im Folgenden nur noch Host(-programm) oder Horst genannt, weil’s doch so ein wundervoll schauriger Name ist. Hier gibt es im Ordner Library/Audio/PlugIns/Components dann endlich mal einen Eintrag.
Also: nicht mehr im beliebten PlugIns Ordner beim Horst (sic!), sondern im Systemordner an genannter Stelle. Nach einmaliger zentraler Installation steht es dann für den Anwender überall erreichbar zur Verfügung.

Dummerweise muss man leider auch immer mal die CD zum Kopierschutz-Check rausbuddeln. Das ist immer extrem nervenaufreibend und war schon bei Sounddiver wirklich absolutes „Hassthema“. Kopierschutz-Mechanismen mögen sinnvoll sein, dies ist aber nicht wirklich mein Favorit. Es verhält sich wie Spam zu Email oder Kopierschutz und „CD DJing“ zu Software-Spass. Ich weite das deshalb so aus, da die CD hier mindestens alle 2 Tage vorgezeigt werden muss und offenbar hat die superlange .DAT Datei auf der CD damit zu tun.

Vom Modulatorium zum Moogulatorium…ly: Times; font-size: 16px“ class=“Apple-style-span“>
Moogfans werden nun die Modulzusammenstellungen interessieren. Es handelt sich um ein fest konfiguriertes System. Daher stehen diese Module fest. Ich liste diese mit den Moog Modulnummern, Anzahl und Abweichungen zum Original auf:

  • 921A VCO Driver – 3 Stück
  • 921B VCO – 9 Stück

Bei Moog treibt der Driver je 3 VCO 921B an! Diese folgen dessen Frequenz als „Slaves“ und auch dessen Pulsbreiteneinstellung für die Rechteckwellenform.
Daher folgen die 921B allen Modulationen auf den Driver. Dennoch kann der B auch einzeln in der Tonhöhe moduliert werden. Diese Form hat ihre Vor- und Nachteile. Dennoch hat kaum ein anderer Hersteller diese Technik verwendet.

911 EG Hüllkurvengenerator 6 Stück mit der Moog-üblichen Anordnung ADRS.
Das ist eine normale ADSR Kurve, jedoch befindet sich der Sustainpegel am Schluss, NACH den 3 Zeiten.

  • 904 VCF – 3 Stück / umschaltbar!

Das Moog VCF hat in der Software mehr zu bieten. Die Moog Module 904A (LPF), B (HPF) und C (Coupler) sind hier komplett umgesetzt und als 24dB/Okt LPF, BPF, BRF oder ein resonanzfähiger HPF zu finden. Wie bei Moog üblich hat das Hochpassfilter keine Resonanz. Um dem entgegenzuwirken, hat Arturia ein weiteres Modul mit 12dB/Okt Filtern eingebaut, welches alternativ genutzt werden kann. Zu den Genannten gesellen sich hier auch ein Bell und ein Shelving Filter.

Gedacht ist das Ganze für subtilere Eingriffe und für Strings und Pads sind 12dB/Okt manchmal auch angenehmer einzusetzen, denn der Arturia Moog ist ja polyphon.
Dazu mehr weiter unten.

  • 911A Trigger Delay 1 Stück (2 Delays)

Zum Verzögern von Hüllkurven.

  • 923 Filter und Noise 1 Stück

Enthält white/pink-Noise Quellen sowie statische Filter (LPF und HPF, beide 6dB/Okt. Flankensteilheit zum Vormischen der Rauschklangfarbe).

  • 914 Fixed Filter Modul 1 Stück

Hart verdrahtet auf den Ausgang der VCAs. Im Original-Moog ist dieses Modul frei patchbar. Dafür kann man hier allerdings pro Band Q und Gain einstellen. Damit sind die Breite des Bandes und deren Verstärkung gemeint. Man bedenke z.B. dass Sequenzieren mittels einzelner Rauschpartikel aus den einzelnen Bandpassfiltern damit leider nicht möglich ist, was mir als Nutzer einer 914 mit Einzelausgängen doch sehr fehlt.

  • 960 Sequencer 1 Stück (modifiziert)

Die Wunder der heutigen Software haben dem 960 einige kleine Besonderheiten dazugegeben.

Nicht-Moog-Module 2 LFOs mit Fadehüllkurve und Midisync.
Bei Moog werden normalerweise VCOs als LFOs verwendet, was natürlich auch hier möglich ist.

  • Kombination VCA-Envelope (902 / 911).

mit assoziiertem Ausgang auf Stereo L,R. Auch der Slope ist einstellbar, daher kann man sehr schnelle VCA „Zapps“ und „Blips“ machen. Ultrakurz bis weich. Beim Original ist nur ein Schalter exponentiell/linear für die VCA Kennlinie vorhanden.

Mischsektion

Bei Moog sind diese mit dem Matrixmixer (994) oder den CP Modulen ausgeführt. Diese wurden in der Software sinnvoll durch eine Art Mischverteilerschiene ersetzt, die jede Klangquelle schaltbar macht und pro Eingangsquelle regelbar ist. Um jeden dieser Ausgänge zu modulieren, benötigt man normalerweise einen weiteren VCA. Durch das Nichtvorhandensein von freien VCA Modulen (902), ist allerdings diese Leiste ein Ersatz dafür. So sind also auch FM Stärken modulierbar und die 902er sinnvoll ersetzt. Leider kann immer nur eine Modulationsquelle eingesetzt werden.

Damit hat man natürlich maximal 16 VCAs zur Verfügung, so viele hat der normale Mooguser sonst nicht.

Dazu kommen die Arturia Module Chrous und Delay mit Crossdelaymöglichkeiten und Feedback.
Die Festfilterbank (914) ist lediglich als Master FX nutzbar und per Definition ein Nachbearbeitungseffekt. Das bedeutet: es ist nicht möglich, viel mehr damit zu tun als abschliessendes Master-EQing nach den Haupt VCAs! Das Färben von Noise oder VCOs mit dem dazugehörigen teuren Klangoutput ist damit leider nicht direkt machbar. Gerade die Original Filterbank kann einiges, wenn man die einzelnen BPFs als Einzelausgänge „customized“ hat. (siehe wieder Moogulatorium, wie so was in „Echt“ aussieht). Als Gegenleistung hat man die Festfilterbank nun zu einer Art Luxus EQ umfunktioniert und kann im Gegensatz zum Originalmodul das Gain und die Bandbreite der einzelnen Bänder einstellen.

Keyboard

Mit dem „Keyboardmodul“ werden alle tastaturrelevanten Bereiche gesteuert, was hier etwas einfacher funktioniert, als das in der Praxis mit der Hardware sonst gemacht würde. Neben der Verwaltung des vierfachen Keyboardtrackings und der Pitch/Filter-Bendrange gibt es hier einen Pitchbender, Modwheel und zwei freibelegbare Joysticks für Realtimespielereien, selbst den 440Hz Testton kann man aktivieren. Die VCA Envelopes und die drei Filtercutoffs finden sich hier zusätzlich nochmals wieder und entsprechen den Reglern in den jeweiligen Modulen.

Nebenbei: Hier kann man zwischen Mono, Poly und „Soft Dist“ (leichtes Anzerren im VCA) entscheiden, was allerdings etwas mehr Prozessorkraft benötigt, wenn man den „Soft Dist“ nutzen möchte (ist allerdings nur ein paar Prozentpunkte, da dies nur im Monomode geht, nicht sonderlich problematisch). Im Übrigen können alle Regler (Drehregler und Fader) per MIDI-Contoller gesteuert werden.

Die Patchausgänge für Anschlagdynamik, Aftertouch, dem besagten Keyboardtracking (Keyfollow), der Joysticks und natürlich dem Sequenzer (4 Reihen Ausgänge, 1 Takt-LFO Eingang) stehen auf der Seite mit der Modulansicht zur Verfügung.

Ein Moog! Auf den Schirm!

Hier hat man sogar das Holzgehäuse „emuliert“, aber rein funktionell gibt es gibt 3 Screensets: Die Module mitsamt der Patchmöglichkeiten für Velocity und Sequenzereingängen, etc. (siehe oben) in einem Screen. Dort findet man alle Module bis auf den Sequenzer und die „Master Effekte“. Damit passen auf einen 1024×768 Schirm alle Filter, Noisegeneratoren, Oszillatoren und Envelopes, VCAs und der Mixer nebst Trigger Delay und LFOs (ein Moog kennt ja bekanntlich normalerweise keine LFOs) -der Autor grinst-.

Der FX Knopf zeigt den Sequenzer, die FX und das Keyboard mit den niedlichen Tasten, die man im Alltag wohl nur braucht, um schnell mal zu sehen, ob der Moog Modular V funktioniert. Ich hätte mir da schon KB-lose Varianten und andere Darstellungsalternativen gewünscht. Großbildschirmbesitzer werden aber mit dem gebotenen aber gut klarkommen. Man hat sich Mühe gegeben, nah am Original zu sein. Mit allen Vor- und Nachteilen, dies innerhalb einer Software zu tun.

Moogulationen

Die Nagelprobe ist nun: Wie modular ist der Moog Modular in Software? Und wie klingt das Ganze dabei?

Durch die feste Anzahl der Module hat man es sogar beim Emulieren sehr genau genommen, da man ja in der Realität auch nur eine bestimmte Anzahl an Modulen hat. Allerdings sind die verwendeten Module weitgehend mit denen identisch, die auch in den meisten Systemen auf der Welt verwendet werden. Nennen wir das mal eine „konservative, aber bewährte“ Modulsammlung. Schade ist dennoch, dass man z.B. keinen Ringmodulator eingesetzt hat. Es gab sogar einst ein Dual Ringmodulator Modul (6402) von Moog, wenn auch nicht als Standard. Dies hätte man z.B. auch anstatt des Trigger Delays, welches sicher seltener zum Einsatz kommt einsetzen können. Interessant wäre sicher auch das Einleiten externer Signale in die Module und einen Envelope Follower (912). Auch ein Sample and Hold Modul hat man leider nicht mit eingebaut (928). Einen „non-Moog“ Verzerrer zum Vorzerren eines Filters wäre vielleicht etwas für ein Update? Interessant wären aber auch neue Techniken wie Granularsampleschredder und mehrere Stepsequencer gewesen, aber das ist auch nicht der Gedanke der Software,

Vorteile gegenüber dem Original: Man braucht keine Verstärker oder Abschwächer, da man einfach sehr schön animierte Kabel in das Zielmodul steckt und dann die Modulationsstärke mittels Drehen der Eingangbuchse (das bitte nicht beim Original machen!) erreichen kann. Die Kabelanimation sieht wirklich klasse aus, bei Mausnäherung flüchten sie und verdecken daher keine Schriftzüge oder Bedienelemente. Dann es gibt da noch etwas, was die Software schnell attraktiv macht: Sie passt auf ein kleines Powerbook, sie kostet nicht so viel wie ein Moogoriginalmonster und ist polyphon!

Zu den Stärken!

Die Oszillatoren sind gut getroffen, auch die Filter. Die 4 Filtermodi (LPF mit Resonanz, HPF ohne Resonanz, BPF oder BRF mit Resonanz oder Multimodefilter (LPF, HPF, Bell, Hi/Lo-Shelving, BPF, BRF) sind einfach und schnell ausgewählt und sind somit die Entsprechungen der Filtermodelle 914 von Moog (914A,B,C). Der Klang ist warm und füllig. Dreht man an der Resonanz, bekommt man den typischen Moogsound um die Ohren. In Zusammenarbeit mit dem Sequenzer sind hier schnell spannende Filterverläufe zu machen.

Frequenzmodulation

Wenn man nun mit der FM spielt (VCO moduliert einen anderen VCO) und den Gegentest mit einem Driver und mit einem anderen VCO eines anderen Drivers, gibt es schon mal einen anderen Klang, als im Original, dennoch ist es „mooglike“.

Die Oszillatoren packen schon gut zu und haben nicht das Problem vieler Softwaresynthesizer. Nimmt man hier 5 VCOs, so klingt das auch nach 5 VCOs!
In vielerlei Software bekommt man hier immer noch den dünnen Klang, den man auch mit 2 VCOs bekommt. Die Durchsetzungsfähigkeit der Oszillatoren ist also sehr gut.

Nur das direkte Modulieren innerhalb einer „Drivergruppe“ führte zu einer Form von „Selbstmodulation“, die am Original anders klingt. Aufgrund der Konstruktion der Software vermute ich aber, man zielte vor Allem auf die „Klassiker“ der Moog Modular Klänge und nicht so auf FM mehrerer VCOs.

Ohren auf im Moogverkehr

Moogkenner werden den Unterschied bei stark beweglichen und Festfilterklängen ausmachen. Dieser Satz sei mir gestattet. Wenn man keinen Moog Modular hat, ist das Wurst, dann klingt die Software einfach gut! Grade das warme Filterklangwerk und der Klang mehrer Oszillatoren klingt sehr sehr fett! Das will ich nicht verschweigen, denn SO habe ich das aus Software in der FÜLLE auch noch nicht oft gehört. Da röchelt es sonst immer ein wenig „exitermässig“ oder schnuffelt so vor sich hin. Das kann man hier beim besten Willen nicht behaupten. Bei statischen Klängen kann man fast keinen Unterschied mehr zum Original hören, bei Filterbank (Routing) und viel Modulation und Bewegung wird aber klar: Ein Plastikschimmer ist aber eben immer da, wenn man Vergleiche anstellt.

Aber was kümmert mich das, wenn die Klänge oftmals brauchbar sind und sich das einfach dennoch verdammt gut anhört? Daher kann ich Arturia nur beglückwünschen. Ich habe als Mooguser einfach viel Spaß beim Testen gehabt und die Klänge sind gut in der Musik einsetzbar.

Fazit

Nun, bei den momentanen sozialen Schwierigkeiten ist zu erwarten: Die Finanzierung und das Finden eines echten Moogs ist nicht mehr so einfach.
Da kommt der Soft-Moog grade richtig, so doch alles nur noch ans Sparen denkt.
Die Software ist eine tolle Ergänzung, aber identisch klingt es nicht ganz, dafür hat man aber auch viel Geld gespart und auch ein Soft-Moog setzt sich sehr gut durch. Damit ist gelungen, was wichtig ist: Man will und wird dieses Teil EINSETZEN in der Musik. Und spart sich den „Zweit-Moog“ für die Sequenzen.

Wer also bisher nur Minimoogs emuliert bekommen hat, bekommt mehr Variabilität und dennoch Moog-Klang mit Arturias Moog Modular V.
Mir ist schon beim Test eine starke Nutzbarkeit aufgefallen, hier ist alles sehr angenehm und man kommt sehr schnell zum Ziel. Arturias Moog Modular V ist Viagra für die Kreativität. Die Software klingt erstaunlich gut und es klingt immer schnell „moogisch“. Das ist für mich DAS Argument für dieses virtuelle Holzinstrument.

Plus

  • guter breiter Klang bei dem 6 oder 8 VCOs auch hörbar sind!
  • gelungene Patchkabel-Umsetzung, Mischsektion und VCA-Umgang
  • Filtervarianten und Klang
  • setzt sich gut durch

Minus

  • Festfilterbank nur als „Master Effekt“.
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo…
    Obwohl mir der Sound des MMV gut gefällt, traue ich mich trotzdem nicht so recht das VSTi zu kaufen…
    …denn sowohl die nachvollziebaren Bugs als auch der (nicht vorhandene?) Arturia Support sind "berühmt" berüchtigt.
    …oder bin ich einfachmal wieder zu skeptisch?…

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