Test: AVID Sibelius Ultimate 2018, Notationssoftware

14. September 2018

In kleinen Schritten an der Spitze bleiben?

avid sibelius ultimate

Seitdem wir hier das letzte Mal einen genaueren Blick auf Sibelius geworfen haben, ist einiges passiert. So hört das Notensatzprogramm nun auf den Namen Avid Sibelius Ultimate, die Versionsnummern sind verschwunden, dafür gibt es jetzt ein Subscription-Modell. Während die zuletzt getestete Version noch mit der „alten Sibelius Mannschaft“ programmiert wurde, zeichnen einige dieser Entwickler nun für Steinberg Dorico verantwortlich. Es gab in der Fachpresse durchaus Wirbel um diesen Personalwechsel bis hin zu Petitionen. Umso interessanter ist es, wie es mit Sibelius und genauer Avid Sibelius Ultimate weitergeht.

avid sibelius ultimate

Alles neu macht AVID?

Wer heute Avid Sibelius sagt, meint Avid Sibelius Ultimate. Klingt komisch, ist aber so. Die kostenlose Version Sibelius First heißt nun Sibelius und hierbei handelt es sich um die günstige Einsteigerversion. Was jetzt Sibelius First heißt, gab es vorher nicht. Wahrscheinlich wurden die Versionen so umbenannt, um an die andere Software aus dem Hause begrifflich anzuschließen. Daraus ergibt sich etwas Verwirrung bei den Sibelius Nutzern.

Die Aktivierung wollte nicht gleich klappen und musste nach einer Woche auch nochmal vorgenommen werden, nicht gut.

Die Aktivierung wollte nicht gleich klappen und musste nach einer Woche auch noch mal vorgenommen werden, nicht gut.

Sibelius im Abo

Software-as-a-Service (SaaS) und Subscription/Abo-Angebote sind derzeit überall im Kommen. Hier soll es laut Software-Anbieter hingehen und zumindest in großen Teilen wird hier wohl auch die Reise hingehen. AVID gehört hier noch zu den Subscription Anbietern mit dem kundenfreundlichsten Portfolio: Wer Sibelius nur für ein Projekt braucht, kann die Software für nur einen Monat lizensieren. Wer mehr braucht, kann jahresweise lizensieren.

avid sibelius ultimate

Praktisch: Wer Sibelius kauft, hat für ein Jahr alles Updates inkludiert. Wie bereits angedeutet, hat man sich bei AVID dazu entschlossen, keine Major-Releases im klassischen Sinne zu fahren, sondern monatlich ein (kleines) Update anzubieten.

Zur Cloud gehts nur mit AGB-Zustimmung.

Zur Cloud geht’s nur mit AGB-Zustimmung – logisch

Das klingt nett und freundlich, aber mir behagt das dennoch nicht. Ich befürchte, dass größere Änderungen auf der Strecke bleiben könnten, weil man ja monatlich ein Update braucht, um die Kunden freundlich zu stimmen. Ich hoffe, ich irre mich auf lange Sicht.

Auf den ersten Blick nichts Neues...

Auf den ersten Blick nichts Neues

Aus dem Abo-System ergibt sich, dass eine Lieferung auf DVD noch weniger zeitgemäß ist als sonst schon, daher legt man bei AVID den Fokus auf Download. Ein Schmankerl ist, dass die letzte 8.x-Version ebenso als Download zur Verfügung steht. Die Sounds scheinen noch immer auf Sibelius 7.5-Niveau zu sein – schade.

Was gibt’s Neues bei Avid Sibelius Ultimate?

Seitdem wir das letzte Mal einen Blick auf diese Notationssoftware geworfen haben, hat das neue Sibelius-Team einiges an Änderungen in das Programm einfließen lassen. Der große Durchbruch ist dabei allerdings nicht zu finden. Oft sind es aber die (anscheinend) kleinen Dinge, die es ausmachen, so auch hier. Einige Änderungen sind so subtil, dass es schwer ist, diese zu beschreiben. So wurde beispielsweise das Zwischenraumverhalten im Notenbild verändert. Auch die Menübandsuche ist etwas augenfälliger geworden. Ein paar dieser kleinen Verbesserungen schauen wir uns aber etwas genauer an.

Das Verschieben von Noten war bis dato nicht ganz einfach möglich. Ich habe schon ganze Studentenklassen vor Sibelius 7 sitzend enttäuschen müssen. Mit [STRG] + [ALT] und dem Richtungspfeil nach links oder rechts lassen sich die selektierten Noten nun aber bequem verschieben. Das verkürzt die Arbeit so mancher Nutzer erheblich, da sich Noten somit wirklich sehr schnell verschieben lassen und Fehler keine Löschorgie mehr nach sich ziehen und den begeisterten Notensetzer aus dem Flow reißen.

Einfach verschieben...ENDLICH

Einfach verschieben … endlich!

Ob es nun einen objektiven Bedarf gab, dass Akkordnoten auch unterschiedliche Farben haben können, sei dahingestellt, aber das geht nun auch. Hier sind vermutlich Pädagogen die Nutzergruppe, die evtl. feuchte Hände bekommen.

Schön bunt das.

Schön bunt das

Auch hat sich das automatische Setzen von Pausen verbessert. Oft hatte ich in Sibelius den Effekt, dass eine Viertelpause oder eine halbe Pause in Achtel zerlegt wurde, weil die nächste Note eine Achtel war. Das passiert nun nicht mehr ganz so schnell.

Rastral nach belieben? Fast!

Rastral nach Belieben? Fast!

Auch neu ist, dass man nun für jedes System eine individuelle Rastral-Größe nutzen kann. Na ja fast, es gibt nun vier Größen und nicht nur noch zwei wie vorher (Normal und „kleine Notenzeile“):

  • normal (7 mm)
  • mittel (6 mm)
  • klein(5,3 mm)
  • sehr klein (4,5 mm)

Selbstverständlich konnte und kann man die Rastral-Größe individuell verändern, aber bisher war es nicht möglich, gemischte Größen in einer Partitur zu nutzen. Komisch, dass das jetzt erst geht. Mein erstes Notensatzprogramm, das ich mir im Alter von 16 Jahren für teure 100,- DM kaufte, konnte das schon immer. Über den Inspektor lassen sich bei Systemumbrüchen auch für die neue(n) Zeile(n) die Rastral-Größen ändern. Damit lassen sich neue Layouts erstellen, die sicherlich nur was für die Nerd-Liga sind, jedoch – wenn diese durchdacht angegangen werden – etwas an der Übersichtlichkeit des Notenwerkes verbessern können.

Verschiedene Größen können munter gemischt werden.

Verschiedene Größen können munter gemischt werden

Der Inspektor lässt sich nun andocken, ähnlich wie man das von Logic, Cubase & Co kennt. Das dürfte vor allem die Sibelius-Nerds begeistern, da hierdurch die Arbeit mit den Möglichkeiten des Inspektors deutlich übersichtlicher wird. Immerhin kann man mit dem Inspektor (nahezu) alle Belange des gewählten Objektes einstellen und kontrollieren. Wer professionelles Layout will, braucht den Inspektor und wird mit dieser Lösung nun komfortabler und schneller arbeiten können.

So dockt der Inspektor an der Seite an.

So dockt der Inspektor an der Seite an

Das Verhalten im „Magnetic Layout“ von Glissando-Linien (und Artverwandtes) wurde überarbeitet. Außerdem gibt es endlich multiple Glissandi. Das ist keine neue Modekrankheit, sondern eine stark vereinfachte Variante, mehrere Glissandi (und grafisch Artverwandtes) gleichzeitig zu erstellen. Auch das war überfällig und ist ein echter Time-Saver. Die Glissando-Linien können nun auch individualisiert werden, bis hin zum Text:

So sehen Glissandi aus ;)

So sehen Glissandi aus ;)

Wer oft Binde- und Haltebögen setzt und das oft auf ähnliche Notengruppen (immer 4 Achtel oder 8 Achtel usw.) anwendet, ist bestimmt schon darüber gestolpert, dass es keine Option gibt, diese Bögen in der Gruppe zu setzen. Ich habe mir immer mit [STRG]+[C] und [STRG]+[V] beholfen.

Jetzt gibt es aber die Möglichkeit, Bögen gleich auf mehrere Noten parallel zu setzen. Dazu markiert man einfach die Noten, an der der Bogen beginnen soll und geht dann weiter vor wie beim Setzen eines Einzelbogens ([S] + [Leertaste]). Das geht noch schneller als die Copy/Paste-Variante von mir – sehr schön. Besonders im Zusammenhang mit den Multi-Edit-Workflow-Verbesserungen ist dies sinnvoll:

Die Verbesserung des Noten-Editings bei Notenwertänderungen ist mein persönliches Highlight. Mich hat es immer gestört, dass, wenn der Notenwert einer Note geändert wurde, die nachfolgende Note verschwunden war. Damit ist jetzt Schluss. Sibelius holt sich nur den rhythmischen Anteil der nachfolgenden Note, um den gewünschten Notenwert bei der vorausgehenden Note zu realisieren.

Wurde auch Zeit...

Wurde auch Zeit

Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    Ich meine, es wäre ja eigentlich ganz einfach. Ein Großteil der User wechselt einfach zu einem Nicht Abo Modell. Bevor ich Piep sage, hätten die das begriffen. Leider wird daraus nix und die wissen, dass wir das nicht hinbekommen. Schade

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